Godzilla

Am 15. Mai 2014 in film godzilla

Der Mythos Godzilla hat bei vielen von uns seinen Ursprung im Vormittagsprogramm unserer Kindheit. Die ist lange vorbei, aber die Liebe zur japanischen Echse hält oft bis heute an. Diese Liebe wurde allerdings in der Vergangenheit oft einer Zerreissprobe unterzogen. Zuletzt von Roland Emmerich und dem französischen Godzilla. Das haben sich die Japaner natürlich nicht bieten lassen und Ryūhei Kitamura geschickt, um mit dem unechten Godzilla im überdrehten “Final Wars” abzurechnen. Was noch fehlte, war eine echte Liebeserklärung an die Filme, die unsere Fantasie damals so beflügelte.

Eine Aufgabe, die ich bis gestern für schwer umsetzbar gehalten habe. Aber ich habe an Gareth Edwards geglaubt, denn sein Low Budget Debütfilm “Monsters” ist seit 2010 für mich einer der besten Monsterfilme, die ich bisher sehen durfte. Sein Godzilla ist diesem Film, ohne zuviel zu verraten, nicht gänzlich unähnlich. Zum Beispiel, weil er sich erst einmal viel Zeit für seine Figuren nimmt, bevor irgendein Monster überhaupt zum Zug kommt.

Das wird in der zweiten Hälfte mit einem Fest der Zerstörung kompensiert, die zu meiner großen Überraschung gar nicht generisch auf mich wirkte und zu meiner noch größeren Überraschung sogar einen kleinen Gänsehaut-Moment beim ersten Auftritt des Godzillas parat hielt. Und ich bin da wirklich empfindlich und habe nicht einmal “Pacific Rim” länger als zehn Minuten ausgehalten. An dieser Stelle möchte ich die Herren Borenstein und Callaham ganz doll loben, denn sie schrieben das Skript eben nicht bloß zu einem weiteren Kapitel der Cloverfields und Rims. Auch wenn das Monsterdesign sich hier scheinbar festgefahren hat.

Die Standpauke zum Thema Nuklearwaffen, die im Finale des Original-Godzillas aus dem Jahre 1954 mit erhobenem Zeigefinger gehalten wird, schwingt 2014 nur noch unterschwellig mit, obwohl auch hier Nuklearenergie und deren Missbrauch natürlich eine große Rolle spielen. Dafür machen zahlreiche Verbindungen und Querverweise zum Original und den Nachfolgern Godzilla aber zu einer feinfühligen und respektvollen Neuauflage, die obendrein, wenn oft auch nur ganz knapp, an größeren Hollywood-Schema-F Katastrophen vorbei steuert (Das haben die Drehbuchautoren doch absichtlich gemacht, damit ich mich die ganze Zeit vor dem Auftritt der Damsel in Distress fürchte! Er bleibt aber aus!).

Godzilla ist eine tolle Hommage und eine Entschuldigung für den peinlichen Emmerich-Schrott von vor ein paar Jahren.

Bleibt die Frage, warum ich mir sowas in Pseudo-3D anschauen muss? Es ist schon bezeichnend, wenn der einzige 3D-Effekt, an den ich mich bewusst erinnere, die Typografie in der Eingangsszene des Films war. Immerhin und hier muss ich mal etwas gutes über 3D sagen, hat sich jemand bei den neuen Brillen Gedanken gemacht und hat an uns Brillenträger gedacht. Die kann ich jetzt nämlich auf meine Brille auflegen, sodass diese nicht wie vorher andauernd verrutscht. Immerhin. Ich werde mir den Film trotzdem noch (mehrmals) in 2D anschauen. Also richtig.

Am Ende trällert Alexandre Desplats Interpretation des alten Filmthemas aus den Lautsprechern des Kinos und ich war wieder zehn Jahre alt. Als ich in den Achtzigern meinen ersten Godzilla im Kino und nicht im Fernsehen sah, war ich ob der Größe und Epik durch das Kinoformat überwältigt. Jetzt würde ich gerne in der Zeit zurück reisen, meinem Achtziger-Ich eine Reihe vor mir im Kino auf die Schulter tippen und sagen: “You know nothing, Jon Snow!”

Child of Light

Am 11. Mai 2014 in spiel

Wann genau habe ich eigentlich aufgehört Rollenspiele zu zocken? Das müsste nach Final Fantasy VIII gewesen sein, als ich dank Sehnenscheidenentzündung vom Anfeuern der Guardian Forces erst einmal eine Woche gar nicht mehr spielen konnte. Danach war bei mir irgendwie die Luft raus. Rundenbasierte Kämpfe waren für mich gestorben.

Jetzt kommt Child of Light. Eine gefühlt kleine Entwicklung, die Industriegigant Ubisoft direkt zum Launch auch gleich erstmal mit taktlosen, kostenpflichtigen Zusatzinhalten befleckt. Ungeschickt, was die öffentliche Darstellung des Unternehmens angeht, sind sie eben alle. Heißen sie nun Ubisoft, Electronic Arts oder Activision.

Schwamm drüber, denn Child of Light hat etwas ganz großartiges geleistet. Es hat mich zurück zum Rollenspiel geführt. Da schreit die Hardcore-Front jetzt erbost im Einklang auf, ich weiß. „Zu einfach!” rufen die einen, „Casual!” und „Kein richtiges JRPG!” die anderen. Eigentlich hat das Rollenspiel in Child of Light aber bloß eine tolle Optimierung erfahren und wurde rundum stromlinienförmiger gemacht. Das gilt leider nicht für den unsäglichen Sidekick, der ähnlich verkorkst wie bei Dragon’s Crown mit dem rechten Analog Stick gespielt werden muss. Das braucht doch wirklich niemand. Bitte hört auf damit.

Mein Highlight sind die auf Runden basierenden Kämpfe, deren taktischer Kniff aus einer Aktions-Zeitleiste für alle Parteien und der Möglichkeit, initiierte Aktionen der Gegner auf dieser zu unterbrechen, besteht. Einige Charaktere können die Eigenschaften, wie sich Beteiligte auf dieser Zeitleiste bewegen, mit Magie beeinflussen. So bietet Child of Light, basierend auf der eigenen Kämpfer-Kombination (es dürfen immer zwei Kämpfer in der eigenen Party aktiv sein) verschiedene taktische Herangehensweisen, um Gegner zu besiegen.

Und ja, es mag Casual sein, dass ich gefallene Gegner im laufenden Kampf einfach so mit anderen Party-Mitgliedern ersetzen kann. Mag ich trotzdem. Obendrein belohnt mich das Spiel in wunderbarer Regelmäßigkeit mit Level-Aufstiegen und weiß mich auf diese Weise optimal zu motivieren.

Überall lassen sich in den großzügig angelegten versteckten Arealen im Spiel außerdem versteckte Edelsteine und -metalle finden, die ich in einem Extramenü kombinieren und raffinieren kann. Deren Ergebnisse können dann die Eigenschaften meiner Garde verbessern.

Ich denke, ich muss hier nicht mehr erwähnen, wie unglaublich hübsch Child of Light geworden ist. Wunderhübsch! Und das gilt nicht nur für die in Wasserfarben gehaltene Umgebung sondern auch für sämtliche Animationen und das Charakterdesign.

Textbrocken, die zum Fortfahren weggeklickt werden müssen, aus denen die Konversation in Child of Light zu 95 Prozent besteht, lese ich schon lange nicht mehr. Das ist schade, bedenke ich die anderen fünf Prozent, in denen die Geschichte von einer tollen Stimme (genau wie beim Text in Reimen) erzählt wird.

Die fantastische Welt und ihre schrägen Figuren haben mich trotzdem bis zum Schluss gefesselt und machen dieses Spiel für mich zu einem besonderen Erlebnis. Klar ist es einfacher als andere Spiele dieser Gattung, aber gegen ein zugänglicheres Rollenspiel, das trotzdem noch taktische Finessen aufweist, habe ich absolut nichts einzuwenden. Ich wünsche mir das gleich noch für ein Prügelspiel. Auch so ein Genre, das ich damals irgendwann aufgehört habe.

The LEGO Movie

Am 10. Mai 2014 in film lego

Die ersten dreißig Minuten waren für die Aufmerksamkeitsspanne der MTV-Fruchtfliegen (MTV. Kennt ihr nicht mehr) und ungefähr so hektisch wie das Auskippen einer riesigen Kiste Lego laut ist.

Die letzten 30 Minuten waren aber etwas wirklich besonderes und haben den Film für mich dann doch noch gerettet. Schöne Idee.

I only work in black. And sometimes, very, very dark gray – Batman

Meine Tochter glaubt übrigens fest daran, dass ich sie nur wegen dem Star Wars Part mitgeschleppt habe. Star Wars mag sie nicht. Da bin ich jetzt der Doofe und dabei wusste ich nicht einmal, dass es überhaupt mit drin ist.

Egal. Ich mag nach wie vor keine Animationsfilme. Ich mag aber den Batman-Song im Abspann (Spoiler).

Octodad: Dadliest Catch

Am 1. Mai 2014 in spiel

Octodad ist Familienvater zweier Menschenkinder. Octodad ist Ehemann einer Menschenfrau. Octodad ist ein Krake. Im Anzug. Das allein reicht mir schon, denn ich verstehe diese Art Humor und liebe ihn. Octodad ist aber vor allem ein Spiel, das so richtig (und nur teilweise gewollte) miese Steuerung zum Programm macht. Octodad ist also ein bisschen wie der Gegenteiltag im Videospiel-Land.

Klingt bescheuert, ist es auch.

Octodads Arm-Tentakel lenke ich mit den beiden Analog-Sticks. Irgendwie und mehr schlecht als recht. Zwei seiner Beine kontrolliere ich separat und ebenfalls mit einem Analog-Stick, indem ich mit einer der unteren Schultertasten angebe, welches davon gesteuert werde soll. Klingt bescheuert, ist es auch. Vor allem sieht es total bescheuert aus, was Segen für die Zuschauer und Fluch für mich als Spieler bringt. Während ersteren nämlich das Bier oder der Softdrink vor Lachen aus der Nase spritzt, bin ich der Doofe, der versucht, auf diese Weise Aufgaben des Alltags zu bewältigen: Kaffee kochen (und trinken), grillen, Rasen mähen.

Die automatische Kamera […] gab mir des öfteren das Gefühl, ein Krake würde mich mit acht Armen würgen.

Das tolle daran: das macht trotzdem Spaß. Zumindest anfangs. Da ist das Spiel herrlich stressfrei und Supermarkt, Eigenheim oder der eigene Garten erzeugen mit ihren lustigen Aufgaben eine herrlich seltsame Spielerfahrung, ähnlich der Formel eines Katamari Damashii: Alltägliche Dinge werden Teil eines skurrilen Spielerlebnisses. Toll. Irgendwann wird es dann zuviel. Die automatische Kamera (es ist ja kein Analog-Stick mehr über) erinnert an die Anfänge des dreidimensionalen Spiels und gab mir des öfteren das Gefühl, ein Krake würde mich mit seinen acht Armen würgen.

Ist es im ersten Teil noch komplett egal, wie blöd ich mich aufgrund der Steuerung anstelle (und was ja den Spaß des Spiels ausmacht), werde ich am Ende mit Geschicklichkeitsproben genervt, deren Grundvoraussetzungen eine ganz andere Kontrolle erfordert hätten und obendrein ärgerte mich Octodad auch noch mit doofen Rücksetzpunkten. Wenn Papa Kraken dann auch noch irgendwo hilflos hängenbleibt, hätte ich das in der ersten Hälfte des Spiel wirklich sogar noch lustig gefunden. Am Ende war diese Erfahrung der letzte Tropfen. Im Fass und in der Hose.

Blub, blub, blub murmelt was von trotzdem gut. Blub.

Trotzdem behalte ich Octodad in guter Erinnerung und trotzdem werde ich nach einer kurzen Pause bestimmt noch einmal zurückkehren und die überall versteckten Krawatten suchen, um im virtuellen Trophäen-Schrank der Playstation 4 wenigstens halbwegs gut dazustehen. Oder ich versuche mich irgendwann am Couch-Coop, wo mehrere Spieler die Extremitäten des Kraken individuell steuern können. Chaos Galore. Und danach wird aufgewischt.

In Your Eyes

Am 27. April 2014 in film

Joss Whedon und das Team um „In Your Eyes” leisten Pionierarbeit: Die Indie-Produktion umgeht den klassischen Vertrieb komplett und debütiert (nach einem kurzen Auftritt auf dem Tribeca Film Festival) auf Vimeos On-Demand Service. Für fünf Dollar kann sich jeder, egal, wo er sich auf der Welt befindet, den Film für 72 Stunden „ausleihen”. Geschaut werden kann er in Browsern oder über die Vimeo Apps. Also auch über Konsolen oder Apple TVs. Das ist das Film-Utopia, welches ich schon lange ersehne. Deswegen ist der Film für mich auch nur zweitrangig und mit folgendem Satz eigentlich schon ausreichend rezensiert:

In Your Eyes ist eine romantische Komödie. Das sollte reichen, um zu wissen, ob man ihn sehen will oder nicht.

Die durchaus interessante Interpretation von Schizophrenie kann man sich bedenkenlos anschauen und ich wünsche mir, dass das auch viele tun, damit demnächst mehr Filme diesen noch ungewöhnlichen Weg der Distribution gehen. Einzig einen Schwung Untertitel könnte diese ansonsten vorbildliche Aktion noch vertragen, um global noch einmal besser dazustehen. Also los, gebt Joss Whedon und Vimeo die 5 Dollar und seid Teil dieser längst überfälligen Revolution. Dort.