American Hustle

Am 2. April 2014 in film

Wer ist diese Jennifer Lawrence und warum gibt sie sich für sowas wie das Battle Royal Look-alike hin, wenn sie es schafft eine Kostümparty wie „American Hustle” als Bühne für ihr Talent zu nutzen? Das ist keine Schauspielerin, das ist eine mächtige Waffe. Eine, die hier sogar Christian „Out of the fucking Furnace” Bale blass aussehen lässt. Vielleicht hätte ich anderes bei American Hustle erwartet, hätten die Medien mir hier nicht alle möglichen Genres für den Film vorgegaukelt. Comedy? Niemals, auch wenn die Verkleidungen darauf schließen lassen. Con Movie? Wird angerissen. Drama? Ein bisschen. Letztendlich ist es aber vor allem eine ganz dicke Romanze. Das ist jetzt nicht zwingend etwas Schlechtes, aber leider auch nichts, was für mich besonders gut in American Hustle funktioniert. Louis C.K. fand ich übrigens toll. Auch auf die Gefahr hin, dass ich hier als Oppositionist dastehe, der Gegenteil-Tag spielt: Es fällt schon auf, dass ich mit den gefeierten Filmen der letzten Monate nichts mehr anfangen kann, ich mich im Gegenzug bei aktuellen Werken mit mieser Metakritik aber bestens unterhalten fühle. Auweia.

Luftrausers

Am 28. März 2014 in spiel

Vlambeers Ridiculous Fishing hat mir auf dem iPhone sehr gut gefallen. Weil Vlambeer intelligente Menschen sind, die wissen, was sie wo machen können. Ihr Angel-Titel hat die hohe Hürde der Spielbarkeit eines mobilen Titels locker bewältigt. Auch bei Luftrausers beweisen sie Feingefühl und haben es erst gar nicht für mobile Plattformen herausgebracht und stattdessen Playstation 3, Vita und PCs bedient. Gut so.

Luftrausers, das sind blasse, an Propaganda-Filme des Zweiten Weltkriegs erinnernde Farben, eine Handvoll gepanzerte Kriegsmaschinerie und ein dynamischer, sich an meinen Spielstil anpassender Soundtrack. Eine gute Mischung, die dank freizuspielender Extras, mit denen ich meinen Flieger aufpeppe, immer wieder dazu anspornt einen weiteren Versuch zu starten, um die eigene Highscore zu knacken. Ein ähnliches Belohnungssystem wie bei Ridiculous Fishing also.

Die Spiele könnten aber unterschiedlicher kaum sein: Bei Luftrausers schieße ich per Quickstart mein Fluggerät aus dem Startbildschirm direkt in die Luft oder in die Werkstatt. Letztere lässt mich aus meinen freigeschalteten Elementen für Bewaffnung, Hülle und Antrieb einen individuellen Flugzeugtyp erstellen. In der Luft schickt man mich direkt an die Front. Dort empfängt mich erfreulicherweise kein Dualstick-Shooter sondern klassische Baller-Action. Mit dem Stick nach links oder rechts lenke ich den Flieger, durch Druck nach vorne gebe ich Gas. Per Knopfdruck gibt es Dauerfeuer. So haben wir damals gespielt und so ist es mit der Zeit aus der Mode gekommen.

Der Ausflug an die Front kann bei Luftrausers sehr schnell wieder vorbei sein. Er kann aber auch, sofern ich einen guten Tag habe, in tollen Ausweichmanövern und gut getimten Gegenschlägen gipfeln. Zufällig generierte Angriffswellen feindlicher Flugzeuge, Raketen, Schiffe und Zeppeline wollen stilecht und für den Multiplaktor möglichst in Reihe vom Himmel in den unendlichen Ozean geholt werden.

Luftrausers sieht richtig gut aus und das, obwohl ich glaube, ein Luftkampf vor schönem blauen Himmel wäre auch nicht zu verachten gewesen. Das liegt aber wohl daran, dass ich bei Flugzeug-Spielen eher der Top Gun und Ace Combat Typ bin. Also eher Goose als Immelmann. Die Details, wie Motoren-Rauch, Splitter und die visuell toll umgesetzte Schadensanzeige machen Lauftrausers aber zu einem optischen Augenschmaus. Der Anspruch, den die Steuerung an das artistische Feingefühl des Spielers stellt, besorgt den Rest.

Ich habe mich für die Vita-Fassung entschieden, denn deren “Pick up and Play” Aspekt steht Luftrausers eigentlich am besten. Morgens zwei, drei Runden vor dem Frühstück, unterwegs in der Bahn oder beim Warten auf den Bus. Inklusive skeptischer Blicke von Passanten beim Beobachten meiner wechselhaften Spieler-Mimik (diese verdammten Zerstörer!). Und genau dafür ist dieses Spiel gemacht. Feuer frei!

Rambo - The Video Game

Am 26. März 2014 in spiel

Es ist mal wieder mitten in der Nacht und ich bin natürlich hundemüde. Aber ich habe Micha von Insert Moin versprochen, bei einem Podcast über Rambo mitzumachen. Ich hatte damals bereits Rambo auf der Gamescom angespielt und hätte beinahe nicht die dort zum Spiel verteilte Anti-Stress-Granate bekommen, weil ich vom Spiel sichtlich enttäuscht war. Meinen Überredungskünsten sei dank, konnte ich den Entwickler vor Ort überzeugen, mir so eine Gummi-Granate zu schenken, weil ich im Gegenzug dazu auch über das Spiel in einem Video-Podcast berichten würde. Quid pro Quo. Ich hielt mein Versprechen und habe bei Micha in der Kollisions-Abfrage Sondersendung zur damaligen Gamescom nicht ein einziges gutes Haar an Rambo, dem Videospiel, gelassen. Nein, ich werde nicht in den Himmel kommen.

All das ist Jahre her und Entwickler nutzen diese Messen, um zu analysieren, was den Spielern gefallen hat und was nicht. Und dann kann es eben auch vorkommen, dass ein Spiel, welches ich so richtig mies gemacht habe, plötzlich ein glatt geschliffener Diamant mit tollen Features und einfach guter Spielmechanik ist. Dann muss ich erkennen, dass das Spiel zwar eigentlich ganz großer Unfug ist, es aber dennoch so richtig viel Spaß macht. Dann muss ich mich entschuldigen. Nun, Glück gehabt, denn Rambo ist leider immer noch scheiße und nichts von den eben genannten Hypothesen trifft auf Rambo zu.

Wo war ich? Ach ja. Mitten in der Nacht. Gerade bin ich positiv überrascht, dass ich den völlig leergesogenen Move-Controller meiner Playstation 3 per USB laden kann und er trotzdem noch in den Move Pistolen Aufsatz passt! Das sollte ja das optimale Equipment für Rambo sein. Denkste. Move ist per se nicht so mein Ding. Sonys auch nicht und im Gegensatz zu Microsoft gestehen sie es sich auch ein. Move steht derzeit auf dem Abstellgleis und wartet auf seine Renaissance mit Sonys Virtual Reality Set.

Es ist mitten in der Nacht und Charlie haut mir in die Fresse. Ich bin John Rambo und deshalb haue ich zurück.

Dann gibt es die ersten Toten. Ich lege die Pistole an und merke bereits nach einer Minute: Das hier ist nichts für mich und den Move Controller. Zielen geht eh nicht. Für aus der Hüfte schießen bewegt sich aber das Fadenkreuz viel zu schnell und wenn ich mich ducken will, muss ich mit dem Daumen der anderen Hand, oben auf der Pistole herum klicken. Um nachzuladen ebenfalls. Und zu allem Überfluss leuchtet der Controller nicht einmal blau, damit Rambo darüber einen Witz hätte machen können. Chance vertan. Der Move-Pistolen Aufsatz wandert daraufhin in die Tonne.

Mit dem puren Move-Controller geht es etwas besser, das Rambo-Gefühl ist allerdings mit dem Rest der Qualität das Spiels längst über alle Berge. Ich will mit dem Pad weiterspielen aber es ist mitten in der Nacht und entweder bin ich zu müde oder der Move-Controller zu doof, um sich selber abzumelden. Vielleicht auch andersrum. Es gelingt mir jedenfalls nicht, das Spiel mit dem Pad zu zocken. Ein Neustart der Konsole schaltet den Move Controller endlich ab.

Sony sagt, Move war toll. Dann schaust du auf Rambo the Videogame und wischt dir die Tränen aus den Augen. Vor Lachen.

Ich starte Rambo, das Videospiel erneut … und penne dabei ein. Vielleicht ist es besser so, John Rambo.

Den Rest erfahrt ihr im Podcast, drüben bei Insert Moin. Michas um Welten bessere Rezension zum Spiel könnt ihr bei Kollisionsabfrage nachlesen.

Brothers - A Tale of Two Sons

Am 25. März 2014 in spiel

Der Vollständigkeit halber möchte ich an dieser Stelle eine Ode an das wunderbare Brothers niederschreiben, für das ich dummerweise nie Zeit fand und welches mir in diesen Tagen aufgrund meines Playstation Plus Abonnement quasi hinterher geworfen wurde.

Zum Glück. Denn seit Wochen schlummert die Demo des Spiels auf der Festplatte meiner Playstation 3 und dann wurde sie auch noch unter zahlreichen Neuerscheinungen und anderen Plus-Titeln in der Spieleliste begraben. Und begraben ist ein gutes Stichwort, um hier mal perfekt überzuleiten.

Denn auch die titelgebenden Brüder des Spiels haben etwas zu Grabe getragen: ihre Mutter, die ertrunken ist. Deswegen hat der kleinere Bruder jetzt Angst vor Wasser. Blöd, denn Wasser kommt im Spiel recht häufig vor. Gut, dass der große Bruder immer an seiner Seite weilt und ihn im Falle einer Wasserüberquerung sicher auf dem Rücken trägt. Und nicht nur in diesem Fall sind die Brüder aufeinander angewiesen. Nur mit vereinten Kräften können die Rätsel gelöst und somit das Weiterkommen in Brothers vorangetrieben werden.

Der Clou: Ich steuere beide Brüder mit einem Pad. Der linke Analogstick dirigiert den großen Bruder, der rechte den kleinen. Mit der linken, beziehungsweise der rechten Schultertaste agieren die Brüder mit ihrer Umgebung: klettern, ziehen, drücken, tragen. Oder auch mal ganz andere Handlungen, die überall in der Spielwelt versteckte, kleine Details preisgeben. Diese Steuerung klingt schwierig, geht aber nach einer gewissen Eingewöhnungsphase überraschend gut von der Hand und “Brothers” verlangt fairerweise nie mehr von mir, als ich auf diese Weise gehandicapt erbringen kann.

Aber das macht Brothers gar nicht zu dem Epos, das dieses Spiel ist. Es ist die Geschichte um den frisch erkrankten Vater, der das Wasser des Lebensbaums benötigt, zu dem sich die beiden Söhne daraufhin aufmachen. Es ist das Abenteuer, das mich von einem friedlichen Dorf, in dem der kleinere der Brüder noch zu Späßen aufgelegt ist, hinaus in eine feindselige, von Traurigkeit bestimmte Welt führt. Und spätestens im Land der Riesen wird es episch. In der wahrscheinlich großartigsten Kletterpartie der Videospiel-geschichte komme ich aus dem Staunen ob der Aussicht kaum noch heraus. Dann ist Brothers ein neues, vielleicht sogar besseres Ico.

Aber das Spiel kann auch anders. Mir emotional in die Fresse schlagen, zum Beispiel. So stark, dass ich mir über den Ausgang des Spiels noch eine ganze Weile Gedanken machte. Es gibt eine Szene, sehr früh im Spiel, in der ich als einer der Brüder ein Kind auf eine sehr unfaire Weise zum Weinen bringen kann. Das steht im Kontrast zu der allgemein vorherrschenden Auenland-Atmosphäre der ersten Kapitel des Spiels. Wie es sich dann herausstellt, ist diese Szene allerdings nur ein Vorgeschmack auf das, was Brothers fähig ist zu tun. Das ist mutig. So mutig dürfen Videospiele gerne öfter einmal sein.

Ich für meinen Teil bin jedenfalls gespannt, was Entwickler Starbreeze nach “Brothers” nun als nächstes anstellen wird. Hohe Erwartungen sind das, liebe Entwickler.

Out Of The Furnace

Am 17. März 2014 in film

Ich bin, was objektive Beurteilung von Filmen angeht, sehr unsicher. Meine Frau versicherte mir aber, dass ein Film wie Out of the Furnace bei der breiten Masse nur durchfallen kann. Das erklärt zumindest im Ansatz, warum er bei der Meta Kritik von Rotten Tomato mit knapp über 50 Prozent durchgefallen ist. Wie meiner Frau ist das glücklicherweise auch mir ziemlich egal. Denn Out of the Furnace ist ein gewaltiger Film. Er nimmt sich Zeit. Er formt seine Figuren, stellt sie mir vor. Lässt sie oft nachvollziehbar und vor allem überraschend real agieren.

Out of the Furnace ist auch wunderschön, weil seine Musik die Bilder so perfekt trägt. Er ist aber auch unangenehm, weil er in die Abgründe der Seelen seiner Figuren blicken lässt. Und Out of the Furnace ist ein halbes Dutzend kaputter und/oder hässlicher Menschen in einer richtig kaputten und hässlichen Welt. Woody Harrelson spielt das, was er am besten kann: Eine Figur, der ich am liebsten durch die vierte Wand in die Fresse hauen möchte. Einziger Unterschied: Er spielt diese Figur mitunter wirklich Angst einflößend, sodass ich lieber ruhig bleibe.

Und Bale? Bale haut sie alle weg. Allerdings nicht mit der Faust, sondern mit seiner gewaltigen Art zu spielen. Klingt abgedroschen, aber hier stellt er einige seiner hochgelobten Rollen nochmal deutlich in den Schatten, wie ich finde. Ich kann es nicht oft genug sagen und ich zitiere hier noch einmal meine Meinung zu Meta Kritik:

Scheißt auf Meta-Kritik. Out of the Furnace ist ein starker Film!

Falls euch „Out of the Furnace” so gar nichts sagt: Der Film trägt im Deutschen den tollen Titel „Auge um Auge”. Macht Sinn. Nicht.