Stromberg - Der Film

Am 10. September 2014 unter film

Stromberg, das ist Comedy auf dem schmalen Grat zwischen Fremdscham und angeschwärztem Macho-Humor. Das ist schwierig und funktioniert überhaupt nur, weil Christoph Maria Herbst das so souverän spielt, dass es weh tut. Noch ein bisschen mehr weh, wenn man das Original “The Office” kennt, wo sich “Stromberg, die Serie” viele, wenn nicht sogar die meisten Elemente abgeguckt hatte und dies auch erst beim Anblick der geballten Fäuste der Serien-Erfinder zugab.

Das kleine Wunder, welches Stromberg - der Film vollbringt, ist, dass er mir, trotz anfänglicher Skepsis (die auch noch in den ersten zehn Minuten anhielt) sehr gut gefallen hat. Das Phänomen Stromberg ist immer gewesen und bleibt eine Handvoll sehr guter Schauspieler, die den Rest eben mittragen, auch wenn der noch auf dem Niveau eines Rosamunde Pilcher Fernsehfilms spielt.

Nur noch vier Tote!

Ralf Husmann schrieb eine Geschichte, die auch in der Post(?)-“Tatortreiniger”-Ära noch mithalten kann, obwohl Mizzi Meyer die Latte hier mittlerweile um einiges höher gehängt hat, als es zu Zeiten der Stromberg-Serie der Fall war.

Der Film ist ein gelungener Abschluss und vor allem einer, bei dem doch so vieles hätte schief gehen können. Also ab und an Augen (und Ohren!) zukneifen und durch, Kinners. Sofern ihr überhaupt etwas mit Stromberg anfangen könnt.


Resogun

Am 7. September 2014 unter spiel

Liebe auf den zweiten Blick: Bei mir ist das in Sachen Videospiel keine Seltenheit. Kengo 2 und Hotline Miami fallen mir spontan ein. Beides Fälle, mit denen ich erst gar nichts anfangen und von denen ich später nicht die Finger lassen konnte. Auch das jüngste Beispiel, das Shoot’em-up Resogun, verdrehte mir in den letzten Tagen ordentlich die Sinne. Ab und an sogar mal die Finger.

Resogun war das erste PS Plus Spiel auf der Playstation 4. Sozusagen die Ur-App auf Sonys aktueller Hardware. Ich bin kein Freund von Arena-Kämpfen und auch nicht von Effekt-überladenen Feuerwerken. Und außerdem schmückt Grün und Blau die Sau. Das trifft bei Resogun alles zu. Aber, und da hat es mich letztendlich erwischt: Resogun portiert Jeff Minters Klassiker “Defender” mit Hilfe von Voxeln (dreidimensionalen Pixeln) wunderbar in die dritte Dimension, mixt es mit Elementen neuerer Ballerspiel-Klassiker und legt damit den für mich rundum gelungensten Neustart des Genres hin, seit Psyvaria oder Twinkle Star Sprites.

Klar, es ist immer noch grün und blau, es ist immer noch so unübersichtlich, dass ich oftmals gar nicht weiß, warum ich gerade sterbe und ja, es hält sich, was die Geheimnisse seiner Spiel-Elemente angeht, eher bedeckt. Letzteres ist aber eh Tradition in diesem Genre und auch meine anderen Kritikpunkte sind plötzlich nur noch Details, denn alles, was für mich jetzt zählt, ist die Höchstpunktzahl, die über meiner thront, und die die des nächstbesseren Freundes aus meiner Freundesliste ist.

Und dann wäre da noch der Raumschiff-Editor, ein Kubus, in dem ich mit beliebig farbigen Voxeln eigene Raumer modellieren kann. Da geht einiges und ich hatte in den letzten Tagen auf der Playstation mit diesem Editor alleine mehr Spaß als mit so manchem PS Plus Titel.

An dieser Stelle noch einen großen Dank an Konstantinos, dessen Beiträge zum Spiel auf Twitter überhaupt erst mein Interesse geweckt haben, Resogun eine zweite Chance zu geben, und dessen Höchstpunktzahl ich in diesem Moment diabolisch lachend und in einem Feuerwerk an Voxeln zerschmettert habe. Ich erwarte Gegenwehr!

P.S.:

Mit Resogun, Rogue Legacy und jetzt OlliOlli wäre es doch mal Zeit für Fighting-Sticks/Pads auf PS4. Ja? Danke!


The Zero Theorem

Am 2. September 2014 unter

Ich habe mir The Zero Theorem angeschaut und ich glaube, ich mag ihn. So richtig kann ich das aber gar nicht sagen. Der Film ist so ein Auf und Ab, ein Hin und Her zwischen großartig und ganz schlimm, und ab und an ist er schlimmer als die Rotzbremse, die Remus Lupin hier zur Schau stellt.

Ich hätte so gerne so viel mehr von dieser tollen Welt mit ihrem allgegenwärtigen Infotainment gesehen, die Terry Gilliam geschaffen hat und die viel zu wenig gezeigt wird. Weil Christoph Waltz, alias Qohen Leth, Angst vor allem hat. Und er wartet auf einen Anruf, den er für ganz besonders wichtig hält. Der kommt aber nicht. Also geht er nur in seiner Arbeit auf. Die sieht aus wie eine Alpha von Minecraft, nur ohne Texturen.

Schade, dass Christoph Waltz offensichtlich noch nie ein Videospiel gespielt hat und sein großartiges Talent ausgerechnet da aufhört, wo das Halten eines Controllers anfängt. Und den hält er oft in The Zero Theorem. Hätte er da doch bloß mal bei (http://cl.ly/XKeJ/KevinDaddelt.png) Kevin Spacey) abgeguckt!

Den Rest spielt er wie erwartet sehr gut und sogar Mimimimatt Damon ist hier mal wieder eine Wonne. Unerhörterweise gibt es deutlich zu wenig von Ben Whishaw zu sehen. Dafür gibt es eine extra Portion Lucas Hedges und dessen Rolle als Teenie-Hacker-Genie muss auf dem Papier ja eigentlich mehr als abschreckend gewirkt haben. Hat es auf ihn aber glücklicherweise nicht und so spielt sich Hedges damit überraschenderweise direkt in mein Herz.

Ja, The Zero Theorem hat seine Schwächen, aber die sind es wert mitzunehmen, denn unter’m Strich bliebt noch genug Kram im Kopf, über den ihr noch Tage später nachdenken könnt. Und das ist immer gut. Und würde jetzt bitte sofort jemand den Pizzakarton erfinden, der beim Öffnen den Jingle des Lieferanten spielt? Danke. Wir brauchen solche Dinge. Dringend.

Im Herbst kommt der Film in Österreich, in der Schweiz und in Deutschland ins Kino. Solltet ihr wie ich zu den Vollidioten gehören, die für Filme Geld bezahlen, könnt ihr ihn jetzt schon für 13 US-Dollar im US iTunes Store kaufen.


Pako

Am 25. August 2014 unter spiel

Kurz und knapp, denn es handelt sich bei Pako schließlich nur um einen kurzen Zeitvertreib auf dem Tablet oder dem Smartphone. Damit könnt ihr mich eigentlich jagen, denn ich habe längst aufgegeben, auf meinem Telefon zu spielen. Am iPad schaue ich mir ab und an noch mal ein Spiel an. Meistens, um es dann kurze Zeit später wieder zu deinstallieren.

Nicht so bei Pako, denn dessen simpler Art-Stil ist mit seinen dominanten Flächen und wenigen Details echtes Design-Gold. Obendrein ist hier auch noch das größte Manko von Spielen auf Telefonen und Tablets, die Bedienung, optimal gelöst. Ich kann mein kleines Auto nämlich entweder nach links oder nach rechts lenken. Vollgas gibt es von alleine. Das reicht, denn es gilt auf fünf Parkplätzen eine Verfolgungsjagd mit der Polizei möglichst lange zu überstehen, bevor ich irgendwo anecke und das Spiel daraufhin sofort vorbei ist. Bestzeiten sind alles.

Es gibt nichts freizuspielen, ich kann alle fünf Strecken sofort anwählen und ähnlich dem mir völlig zweifelhaften (http://donswelt.itch.io/hit-space-to-flap) Flappy Bird Phänomen) ergibt sich auch bei Pako der Schwierigkeitsgrad aus dem Handling, denn alle Autos driften wie die Dorfjugend auf dem McDonalds Parkplatz. Spaß macht es irgendwie trotzdem, auch wenn Pick-up and play so gar nicht meine Art zu spielen ist. Aber es ist soooo schön!

Anbei noch ein völlig Affiliate-freier Link zum Spiel im iTunes Store. Versionen für Android und Windows Phone gibt’s wohl auch. Irgendwo.


Nicht mein Tag

Am 24. August 2014 unter film

Acht Jahre ist es her, dass Peter Thorwarth, damals mit Goldene Zeiten, im Regiestuhl saß. Damit schloss die Unna-Trilogie und war für mich deren Höhepunkt. Bissig und tiefschwarz. Ganz so schwarz ist „Nicht mein Tag” nicht. Das liegt aber am Buch von Ralf Husmann, das vor Jahren mal auf meinem Nachtschrank lag und mich leider nie über seine Hälfte hinaus fesseln konnte.

Trotzdem freute ich mich auf diese Verfilmung, obwohl ich von Anfang an ein gewisses Problem mit dem Cast hatte. Ich meine: Axel Stein als Hauptrolle? Da musste ich erst einmal schlucken. Muss ich im Nachhinein immer noch, obwohl er seine Sache eigentlich gut gemacht hat. Es schwingen aber so viele Altlasten bei Klang seines Namens mit, dass ich die erstmal alle wieder vergessen muss.

Der Motor dieses Films ist er trotzdem genau so wenig, wie etwa der V8 des 67er Mustangs. Nein, das ist Moritz Bleibtreu. Den müsst ihr natürlich mögen und ich gebe zu, ich liebe seine Art, diese leicht angeasselten Typen zu spielen. Was oberflächlich immer ein wenig gleich wirkt hat im Inneren ganz feine Nuancen, die dann zwischen Nappo (Nicht mein Tag) und Illias in Soul Kitchen oder Kai in Lammbock variieren.

“Nicht mein Tag” hätte auch vor zehn Jahren noch vor Goldene Zeiten im Kino laufen können, er wäre seiner Zeit trotzdem nicht voraus gewesen. Heute fühlt sich dieser Film dafür an, als gäbe es ihn schon zehn Jahre. Auf VHS. Macht aber nichts, denn auch die alte Unna-Trilogie funktioniert auf ihre Weise noch ganz gut. Mit Ausnahme von „Was nicht passt, wird passend gemacht”, was bei mir vor allem an Thorwarth selbst als Hauptrolle liegt. Bei „Nicht mein Tag” ist sein Auftritt zum Glück nur ein paar Sekunden lang.

Zum Schluss würde ich gerne noch einen Preis extra für diesen Film ins Leben rufen. Dotiert mit eintausend Wertmarken eines Amsterdam Coffeeshops. Und zwar für den am schönsten visualisierten Drogen-Trip seit The Prodigys Smack my Bitch up. Mit einer Gasmaske. Hui. Herzlichen Glückwunsch, Herr Thorwarth und Team.