Hissatsu Ura-Kagyou

Am 19. September 2014 unter spiel chambara

Nach drei Kengo-Teilen und dem eher durchschnittlichen Crouching Tiger Hidden Dragon beschert uns Light Weight mit Hissatsu! einen sehr netten Mix aus Drama und Stealth. Herausgekommen ist ein Titel, der dem Chambara Genre alle Ehre macht.

In der Rolle des Arztes Tatewaki Kyoujirou erlebt ihr in Hissatsu! Ura-Kagyou das tägliche Leben auf den Straßen Edos. Tagsüber geht ihr der Rolle des Doktors nach, kümmert euch um euer und das Wohlbefinden der Bewohner Edos, nachts zieht ihr allerdings mit dem Schwert im Obi los um Gerechtigkeit walten zu lassen.

Der smarte Kyoujirou und vier weitere mysteriöse Gestalten agieren nämlich im Geheimen als Meuchelmörder, die gegen Geld Auftragsmorde für die gute Sache begehen. So findet ihr euch des Nächtens auf den Spuren korrupter Beamter, geldgieriger Kaufleute und skrupelloser Mädchenhändler wieder. All das in wunderbarer Schleichmanier. Der offene Angriff ist bei Hissatsu! nicht gefragt. Ihr erledigt eure Widersacher hinterrücks und heimlich. Ehre und Fairness haben eure potentiellen Opfer aufgrund ihrer vorangegangenen Gräueltaten bereits verspielt und somit nicht mehr verdient.

Ein sauber ausgeführter Meuchelmord will gut vorbereitet sein und deshalb gibt es im Spiel drei unterschiedliche Spielphasen. Zum einen wandert ihr tagsüber im Stile eines Way of the Samurai durch die einzelnen Bezirke Edos, um eurem Tagesgeschäft als Arzt nachzukommen. Hier habt ihr die Möglichkeit einzukaufen, essen zu euch zu nehmen oder Kranke zu heilen. Sprecht ihr Leute an, können euch diese wichtige Informationen zu eurem aktuellen Auftragsmord zukommen lassen. Ist dies der Fall, wird eine Leiste mit den aktuellen Prozentwert euerer Untersuchung eingeblendet. Mit jedem Prozent verdichten sich die Beweise und spätestens ab der 70% Marke ist eurem Helden klar, wer der Übeltäter ist und wo dieser sich aufhält.

Manchmal ist Kyoujirou auch gezwungen seine Überredungskünste mit körperlicher Gewalt zu unterstützen. Da er tagsüber aber nicht mit einem Schwert durch Edo wandert, müsst ihr diese Konflikte mit bloßen Händen bestreiten. Auch wenn eure Gegner dabei mit Schwertern bewaffnet sind. Ihr wollt ja schließlich nicht den guten Ruf verspielen.

Damit euch tagsüber nicht zu sehr die Füße schmerzen, öffnen sich im weiteren Verlauf des Spiels anhand von sogenannten Tegata nicht nur neue Pforten zu neuen Bezirken, sondern bekommt ihr auch die Möglichkeit größere Distanzen mit dem Boot zu bewältigen. Leider ohne eine entsprechend schöne Animation.

Kommt die Nacht, tritt Phase Zwei in Aktion und ihr findet euch im dunklen Keller unter der Tatewaki Arztpraxis zur Planung des Überfalls wieder. Je nachdem, wie gut ihr informiert seid, bzw. welche Materialien ihr auf der Straße organisiert habt, könnt ihr hier das Levellayout der kommenden Mission studieren, euch Gegnerbewegungen anschauen und bestimmten Mitgliedern eurer Gruppe entsprechende Einsatzgebiete zuordnen. Die einzelnen Mitglieder euerer Verbindung verfügen nämlich alle über verschiedenen Fähigkeiten, die in bestimmten Situation beim Feldeinsatz Vor- aber auch Nachteile haben können.

Neben eurem Allrounder Kyoujirou gibt es den Mönch Genji, dessen Spezialität seine grobe Kraft ist. Im Falle eines offenen Kampfes geht hier nichts über seine Muskeln und seinen gefürchteten Griff, der einen aufgeschreckten Widersacher schnell und wirkungsvoll ausschaltet. Tatsu, der wendige der Gruppe hat die Möglichkeit über Fässer auf Dächer zu klettern um so seine Gegner aus sicherer Entfernung zu besiegen. Jôta kann seine Distanzwaffe auch vom Boden aus einsetzen, hat aber ebenso wie die Geisha Otoki im offenen Nahkampf das Nachsehen. Natürlich haben auch eure Freunde ihren Preis und je nach Schwierigkeit der aktuellen Mission müsst ihr unterschiedlichen Sold für deren Dienste bezahlen.

Zu Beginn wandert ihr allerdings erst einmal solo auf den Pfaden des Todes. Im weiteren Verlauf der zehn Kapitel kommen aber immer mehr Mitglieder zu eurer Gruppe hinzu, die ihr tagsüber in ihren Unterkünften besuchen und nachts bei euren Aufträgen einplanen dürft.

Sind alle Vorbereitungen getroffen und die Rollen verteilt, geht es an Phase Drei. Jetzt findet ihr euch in der aktuellen Schleichmission wieder und es liegt an euch diese möglichst perfekt umzusetzen, um entsprechend wenig Aufruhr heraufzubeschwören und um letztendlich eine große Belohnung zu ergattern.

Das größte Hindernis stellt in diesem Teil des Spiels wie so oft die Kamera dar. Ihr habt hier nur die Wahl zwischen einer Kamera direkt hinter euch, die immer starr dem aktuellen Gang folgt, in dem ihr euch befindet, egal in welche Richtung ihr schaut oder einer ebenfalls gefixten cineastischen Kameraposition irgendwo im Raum. Lediglich beim Anlehnen an eine Wand und dem gleichzeitigen Spähen um eine Ecke bekommt ihr eine weitere, weit effizientere Kameraeinstellung, die euch und den nahenden Gegner auffängt.

Ihr habt die Möglichkeit schnell und laut bzw. langsam und geräuschlos durch die Level zu wandern. Natürlich empfiehlt sich nur letzteres, da unnötiger Tumult schnell im Chaos endet und ihr wie so oft bei Spielen dieser Art auf eine eher unausgegorene Kampfengine angewiesen seid. Hier bildet auch Hissatsu! keine Ausnahme. Dank der Kamera habt ihr Glück, wenn ihr eure herannahenden Gegner überhaupt zu Gesicht bekommt, bevor sie euch ihr Schwert in den Körper rammen. Wer jetzt glaubt, Light Weight hätte sich bei der Technik an ihrer Kengoserie orientiert, der hat sich mit dem Katana geschnitten. Lediglich die Quadrattaste steht euch für Attacken zur Verfügung und lässt euch eine vier Hit-Combo ausführen. Je nachdem, wo ihr eure Gegner trefft, kann die aber immerhin nach zwei Schlägen tödlich enden. Mit der R2-Taste und einer entsprechenden Richtung könnt ihr auch mehr schlecht als recht ausweichen und in Verbindung mit der Quadrattaste zu einem sofort tödlichen Schlag ausholen oder euren Gegner in den Schwitzkasten nehmen, um weitere Feinde abzuschrecken oder eure eigenen Position zu verbessern.

Ist das Chaos erst einmal ausgebrochen, habt ihr trotzdem noch die Möglichkeit, die Lage wieder in Ordnung zu bringen. Sind z.B. Lampen oder Laternen in der Nähe, solltet ihr diese schnellstens umrennen und euren Gegnern so das nötige Licht rauben um dessen Aktionsspielraum einzuschränken. Wer sich dann schnell versteckt hat immer noch die Chance auf einen Überraschungsmoment.

Nichtsdestotrotz solltet ihr lieber von Anfang an aus dem Dunkeln heraus operieren, nicht zuletzt weil das Spiel so auch viel besser aussieht. Am linken unteren Bildschirmrand werden euch Sonderaktionen angezeigt, die ihr in der aktuellen Situation anwenden könnt. Befindet ihr euch z.B. an einer Wand, habt ihr die Möglichkeit euch an diese zu pressen, vor einer Papiertür bietet euch das Spiel unter anderem an diese zu öffnen. Sehr schön ist hier auch die Möglichkeit, euch mit gezücktem Schwert in der Hocke vor der geschlossenen Tür zu positionieren. Dann könnt ihr eine dahinter befindliche Wache mit einem leisen Ruf heranlocken um diese beim Auftauchen ihres Schattens mit einem korrekt getimten Tastendruck durch die Papiertür zu erstechen. All diese Stealthkills werden mit einem Kinofilter versehen, der an alte Genrevertreter erinnert.

Netterweise überlässt euch Hissatsu! die Wahl, ob ihr die Handlanger und Wachen eures Opfers ebenfalls tötet oder sie sanft in den Schlaf befördert. Durch geschickt platzierte Schläge mit der bloßen Hand in die Magenkuhle oder den Nacken des Gegners schickt ihr diesen ohne Blutvergießen ins Land der Träume.

Eine Leiste am oberen rechten Bildschirmrand zeigt in drei Phasen an, wie euere Mission verläuft. In der grünen Phase schöpft keiner im Haus verdacht, befindet ihr euch bereits in der hellroten Phase sind alle Bewohner des Hauses wach und auf der Hut, der Schwierigkeitsgrad steigt also an. In der roten Phase weiß schließlich jeder über euch Bescheid und ihr verspielt die Möglichkeit auf einen sauberen Bosskill.

Apropos Bosskills. Nervige Bosskämpfe wie in allen anderen Genrevertretern findet ihr in Hissatsu! glücklicherweise nicht. Jeder der Oberfieslinge kann gemächlich und hinterrücks in Jenseits befördert werden. Viele haben sogar einen eigene Todesanimation, wenn ihr sie aus dem Dunkeln oder aus einer Ecke heraus direkt von vorne angreift. Sehr lobenswert. Lediglich einmal während der finalen Mission seid ihr im Spiel gezwungen drei Wachen im offenen Kampf zu erledigen. Alle anderen Wachen und Bosse dürfen mit Schleichattacken bewältigt werden.

Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Meuchelmord bekommt ihr einen der zahlreichen Echtzeit-Einspieler als Epilog für das Kapitel spendiert um danach einen cineastisch anmutenden Abspann bewundern zu können, in dem noch mal alle Charaktere der Episode und deren Synchronsprecher aufgelistet werden. Ein sehr schöne Feature, das zur gelungenen Atmosphäre des Titels beträgt.

Auch sonst zeigt sich die Atmosphäre des Spiels von ihrer besten Seite. Dynamische Zwischensequenzen, stilistisch toll in Szene gesetzte Stealthkills und ein wirklich bahnbrechender Soundtrack, der traditionell japanische Musik mit mexikanischen Klängen vereint, tragen zu einem besonderen und irgendwo auch recht einmaligem Spielerlebnis bei.

Euer Erfolg als Killer und Arzt wird in zwei Werten bis maximal 100 getrennt voneinander bewertet. Während sich der Wert des Killers nur Nachts und nach Beendigen eines Auftragsmords erhöht, erntet ihr bei der Hilfe Kranker und Bedürftiger die überall in Edo verstreut auf der Straße liegen, Pluspunkte als Arzt. Letzteres erlangt ihr durch eine Diagnose und einer entsprechenden Behandlung, die ihr aus drei verschiedenen Optionen auswählen könnt und die den Leiden des Patienten entsprechend ausfallen sollten. Konntet ihr dem Kranken helfen oder auch nicht, liegt es an euch ob ihr die Behandlung in Rechnung stellt. Wer schnell in der Gunst der Bevölkerung steigen will, verdient sein Geld natürlich lieber Nachts und erspart dem Volk die Kosten. Und diese Gunst ist nicht unwichtig, denn je höher euer Ansehen als Arzt ist, desto freundlicher werdet ihr in den verschiedenen Ladenlokalen der Stadt aufgenommen. Einem eher geldgeilen und erfolglosen Doktor wird dagegen schon mal das Einkaufen in bestimmten Etablissements untersagt.

Grafisch reicht das Spiel nicht ganz an die hohe Meßlatte eines Kengo 3 heran, letztendlich sieht das Spiel aber immer noch gut aus. Schön sind vor allem die kleinen verstreuten Details. Die gewohnt toll modellierten Light Weight Gesichter stehen nicht wie bei der Kengo Serie vor animationskargen Stilleben, sondern sitzen in Mitten ihres Tagesgeschäfts. Im Hintergrund laufen Bedienstete umher, Glücksspieler frönen dem Cho-Han und ab und an sieht man die Stadtwache auch mal bei der Verfolgung eines potentiellen Verbrechers. Die Straßen sind voll von Menschen, alte und junge, Männer und Frauen die Edo ihr virtuelles Leben einhauchen.

Hissatsu! Ura-Kagyou ist kein fehlerfreier aber dafür ein recht einmaliger Mix aus Way of the Samurai und einem Quäntchen Tenchu und genau das macht das Spiel so beindruckend. Leider habt ihr neben dem Storymodus keine Möglichkeit die tollen Elemente des Spiels zusätzlich zu genießen. Nach Beenden des letzten Kapitels gibt es keine Möglichkeit des Speicherns und dem zufolge auch leider nichts frei zuspielen. Einen Zusatzmodus, bei dem man eine zufällig generierte Mission oder auch bereits beendete Missionen erneut spielen kann, hätte dem Titel nicht geschadet. Aufgrund der recht zeitraubenden Untersuchungen zwischen den Actionphasen des Spiels bleibt euch nur die Möglichkeit, vor jedem nächtlichen Einsatz das Spiel separat abzuspeichern um später noch mal in den Genuss der einzelnen Mission zu kommen.

Trotz allem ein Titel, den sich Fans des Chambara-Genres, die der japanischen Sprache mächtig sind eigentlich nicht entgehen lassen dürfen. Man darf gespannt sein, was Light Weight in dieser Richtung noch entwickelt.


Fu'un Shinsengumi

Am 19. September 2014 unter spiel chambara

Genkis Historien-Spin-Off der Kengou Reihe befasst sich mit der Elitetruppe Shinsengumi und ihrem Kampf gegen die politische Veränderung in Japan. Die Story beruht auf wahren Vorkommnissen und ihr dürft japanische Geschichte nachspielen. Im Spin-Off der Kengou Serie widmen sich die Entwickler den Shinsengumi, den Wölfen von Mibu, einer Eliteeinheit zur Bekämpfung der Shogunatsgegner nach der Öffnung Japans, deren tragischer Höhepunkt der Zusammenstoss der zwei Fronten nach dem Überfall auf das Ikedaya Restaurant im Jahre 1864 mit zahllosen Toten und Verwundeten war. In Fu’un Shinsengumi könnt ihr nun die Geschichte bis zu deren Ende, in der Schlacht bei Toba Fushimi in der Rolle der Wölfe mit all ihren wichtigen Geschehnissen nachspielen.

Dabei bedient sich Genki der bewerten Technik der Kengou Serie und vereint sie mit einem missionsbasiertem Gameplay. Ihr schlüpft in die Rolle eines Shinsengumianhängers, den ihr von Beginn des Spiels an, Tag für Tag bei seinen Pflichten begleitet. Sei es das Trainieren im Dojo, das Stöbern in den Archiven nach Informationen über Gegner und Verbündete, oder dem eigentlichen Kern des Spiels, dem Ausführen von Missionen.

Letztere finden in wunderschön gestalteten Leveln statt, die an grafischer Pracht nicht geizen und deren Straßen mit allerlei Menschen gestreut sind. Von routinierten Nachtwächtern, über sich unterhaltende Dorfbewohner bis hin zu hinter Bambusgittern wartende Prostituierte gibt es einiges, was den digitalen Karten ein sehr interessantes Leben einhaucht. Ihr schlendert durch Gassen, überquert mächtige Holzbrücken und inspiziert Teehäuser, immer auf der Suche nach potentiellen Gegnern des Shogunats.

Dabei seit ihr oftmals nicht allein unterwegs, sondern stellt an Hand der euch zur Verfügung stehenden Punkte ein Team von maximal drei Assistenten zusammen, die euch bei den gestellten Aufgaben unterstützen. Und da wird es interessant. Als Anführer des Einsatzkommandos habt ihr im Spiel nämlich die Möglichkeit das Verhalten eures Teams mitzubestimmen.

Mit den Schultertasten könnt ihr zwischen vier Aufstellungen wechseln, die jeweils die Position des Teams relativ zu eurer eigenen bestimmt. Seid ihr z.B. umzingelt, ist es ratsam die Mitglieder um sich herum mit der Waffe nach Außen zu positionieren. Ein Angriff auf eine einzelne Person ist taktisch klüger, wenn man diese umkreist usw.

Das ist aber noch nicht alles. Wer für eine Teamattacke mit einem oder mehreren Kollegen im richtigen Abstand zum Gegner steht, bekommt dies durch ein hektisches Blinken über der Lebensanzeige des jeweiligen Mitstreiters angezeigt. Drückt ihr nun schnell die Kommandotaste, führen alle Involvierten eine spezielle Attacke aus, die den Gegner mit meist eben soviel Einfallsreichtum wie Blut ins Jenseits befördert.

Sehr schön ist auch die Idee, seine Soldaten zu Hilfe rufen zu können, wenn man gerade von einem Gegner in die Enge getrieben wird. Dieser wird dann von freiem Personal in die Mangel genommen und ihr habt ein wenig Zeit euch zu sammeln. Klingt nicht nach Bushido, folgt aber den Regeln der Shinsengumi, in deren Reihen das Leben des Anführers einer Gruppe über das der Gefolgsleute gestellt wurde und so tun diese alles, euch mit heiler Haut aus den Missionen zu bringen, um nicht mit dem rituellen Selbstmord bestraft zu werden.

Der eigentliche Schwertkampf ist weitgehend von Kengou 2 übernommen, bietet aber bereits das vereinfachte Formensystem vom dritten Teil, allerdings mit der Möglichkeit diese von Anfang an zu editieren. Im Kampf habt ihr dieses Mal lediglich zwei offene Formen und eine Iai-Form für Techniken des Schwertziehens zur Verfügung. Mit den ersten beiden Formen könnt ihr also gewohnt Schlag-, Hieb- und Stichkombinationen auf eure Gegner loslassen, deren Attacken durch optimal gesetzte Konter umkehren oder die defensive Stellung des Widersachers aufbrechen. All das in gewohnt guter Kengouqualität mit einem Schuss mehr Härte, die den Wölfen von Mibu ja nachgesagt wird.

So ergeben sich dramatische Szenen im Spiel, bei denen nicht Stil und Grazie sondern pure Gewalt das Geschehen bestimmen. Klingen werden in Rücken geschlagen, richten unvorbereitete Kontrahenten oder werden in zu Boden gestoßene Gegner gerammt. Manchmal auch von vier Leuten gleichzeitig. Und wenn es um das Wohl der alten Werte geht, greift man eben auch mal zu verpönten Methoden, wie einer Handfeuerwaffe. Genki macht keinen Hehl daraus, dass man bei den Shinsengumi nicht zimperlich mit den Waffen umging.

Beim Patrouillieren der Straßen ist aber trotz allem Vorsicht geboten. Wer mit gezogenem Schwert wie ein wilder Stier durch die Gassen fegt, riskiert eine Hysterie und schreckt evtl. gesuchte Gegner auf, die daraufhin die Flucht ergreifen. Wer gar Unschuldige mit dem Schwert richtet und dieses drei mal in einer Mission tut, der wird mit Seppuku, sprich dem Game Over bestraft.

Zwischen den Missionen dürft ihr der Storyentwicklung, die euch anhand von Zwischensequenzen präsentiert wird, beiwohnen. Ihr lernt wichtige Mitglieder des Shogunats oder der Shinsengumi kennen, erfahrt Verschwörungen oder seht nachgestellten historischen Ereignissen zu, wie etwa dem Mord an Kamo Serizawa. All das natürlich nur, wenn ihr der japanischen Sprache mächtig seid.

Fu’un Shinsengumi fesselt ungemein, kein Frage. Zwar kennt man einige Karten im Verlauf der acht Kapitel schon in- und auswendig, das ändert aber nichts daran, dass es immer wieder einen Heiden Spaß macht, mit der Gruppe in den Kampf zu ziehen um wieder mal Gerechtigkeit im Sinne des Shoguns walten zu lassen. Ob das nun richtig oder falsch ist, sei hier mal dahingestellt.


Fu'un Bakumatsu Den

Am 19. September 2014 unter spiel chambara

Genkis zweiter Kengô Spin-Off erlaubt es euch, beide Seiten des Bakumatsu Konflikts nachzuspielen und mitzuerleben. Nach dem überraschenden Erfolg des Kengou Spin-Offs Shinsengumi, ließ Genki die treuen Fans nicht lange auf einen Nachfolger warten. Konntet ihr im ersten Teil lediglich in den Reihen der Wölfe von Mibu gegen die Shogunatsgegner kämpfen, bleibt es euch beim Nachfolger überlassen, welcher Seite ihr euch anschließt und sprichwörtlich unter den Schwertarm greift.

Habt ihr euch zu Beginn des Spiels für oder gegen die Shinsengumi entschieden und eurem Helden einen passenden Namen gegeben, geht alles erst mal seinen vom Vorgänger her gewohnten Gang. Wer den ersten Teil gespielt hat, findet sich im nahezu identischen Aufbau schnell zurecht und kann gleich mit dem ersten Auftrag loslegen. Neueinsteiger sollten zu aller erst einmal das Turtorial im Hauptmenü auswählen um sich so an die Spielmechanik zu gewöhnen.

Natürlich gibt es auch während des Spiels wieder die Möglichkeit, das eigene Dojo aufzusuchen um so gegebenenfalls eine Trainingseinlage zu absolvieren, allerdings belegt diese Option im zweiten Teil keinen eigenen Menüpunkt mehr, sondern muss als offizielle Mission ausgewählt werden. Angeboten werden diese Trainingeinheiten regelmäßig und zwar immer mit, je nach Episode unterschiedlichen Supportcharakteren, deren Manöver und Techniken ihr euch so recht einfach zu Eigen machen könnt.

Wie auch beim Vorgänger werden alle Aktionen außerhalb des Kampfes durch Menüs gesteuert. Per Druck auf einen der Punkte, könnt ihr zu den aktuellen Missionen ausrücken, euch erholsamen Schlaf gönnen oder euch euren Schwerttechniken widmen, die wie bei Teil Eins aus maximal zwei Haltungen und einer Ziehtechnik bestehen. Jede dieser Stellungen hat verschiede Möglichkeiten zum Blocken einer gegnerischen Attacke aus verschiedenen Richtung oder dem Aufbrechen einer gegnerischen Schwertstellung. Optional gibt es noch Verteidigungsmanöver speziell für Speere. Benutzt ihr eine Haltung im Kampf sammelt ihr Erfahrungspunkte und könnt sie mit erlernten Techniken aufrüsten. Neue Techniken eignet ihr euch automatisch an, wenn ihr sie ein paar mal bei euren Gegnern gesehen habt.

Das seit Kengou 2 stark vereinfachte Formensystem wurde ein weiteres Mal durch ein neues Feature simplifiziert und so können Menümuffel ihre Haltungen alternativ automatisch nach unterschiedlichen Kriterien vom Spiel generieren lassen. Das ist zwar gegen die Ideologie der Kengou Reihe, spart aber das mühselige Durchforsten neu gelernter Techniken.

Der eigentliche Missionsablauf blieb weitgehend unverändert und so entscheidet ihr euch zuerst für einen Einsatzort, stellt dann eure aus maximal vier Leuten inklusive eurem eigenen Charakter bestehende Einsatztruppe zusammen und zieht danach mehr oder weniger entschlossen in den Kampf. Ihr liefert euch Massenkämpfe in Wirtshäusern, zieht durch dunkle Gassen auf der Suche nach Anführern der Gegenseite, verteidigt Straßensperren, bietet Begleitschutz oder inspiziert verdächtige Personen.

All das wieder mit der Möglichkeit eure Truppe mit der Dreiecktaste in verschiedene Aufstellungen relativ zum anvisierten Gegner zu kommandieren um so vielleicht eine der recht effektiven und vor allem sehr blutigen Teamattacken zu erhaschen. Oder einfach nur, um selbst aus einer heiklen Situation zu entkommen. Eure Kontrahenten haben von Ehrenkodex und Fairness nämlich noch nicht viel gehört und so findet ihr euch schnell in einem Pulk wütender Angreifer wieder. Da heißt es frühzeitig die Situation erkennen und sich möglichst schnell in eine taktische Position zu bringen. Das macht Bakumatsuden aus, genau wie seinen Vorgänger.

Ab und an sind aber auch gewaltlose Schleicheinsätze gefragt. Wie schon bei Teil Eins entpuppen sich diese allerdings wieder als recht unbeholfen, denn ihr habt immer noch kein entsprechendes Gameplayelement wie etwa Ducken, oder die Möglichkeit um eine Wand zu spähen, spendiert bekommen. Und so kommt man sich wieder einmal recht blöd vor, wenn es auf offener Straße mit lockerem Gang heißt, den Widersachern aus dem Weg zu gehen. Jeder normale Gesuchte würde sich natürlich einfach in die Büsche und Innenhöfe schlagen, aber das klappt wie schon bei Shinsengumi leider immer noch nicht und so bleiben euch eben nur die einladenden breiten Straßen der Bakumatsuzeit.

Glücklicherweise sind die Missionen bei denen es vor allem auf eure Kunst mit dem Schwert ankommt nach wie vor solide umgesetzt. Kengou 3 ist zwar mittlerweile ein ganz anderes Kaliber, aber für ein Action Spin-Off ist die Technik immer noch ausreichend. Lediglich das plumpe Zusammenstoßen bei einem misslungenem Versuch die Haltung des Gegners aufzubrechen hinterlässt mittlerweile einen recht faden Eindruck und hätte im zweiten Teil eigentlich mal durch eine ansprechendere Animation ersetzt werden können.

Zwischen den Missionen gibt es wieder etliche in der Spielgrafik und Echtzeit gerenderte Storyeinspieler, die zumindest ihren Zweck erfüllen, zu sehen und die euren Fortschritt in der geschichtlich belegten Zeitleiste ankündigen. Parallel dazu könnt ihr die Ereignisse auch in einem Zeitleistenmenü nachlesen. In japanischer Sprache natürlich.

Für Abwechslung im Spiel sorgen zusätzlich zu den bekannten Orten aus dem ersten Teil einige neue Level, die sehr schön gestaltet sind. Nichts desto trotz kennt ihr auch diese Maps schnell wieder in und auswendig. Das war im Vorgänger so, dass ist bei allen Kengou Teilen so und auch Bakumatsuden ist trotzdem kein Spiel das schnell langweilig wird. Zu stark ist der Wille, den geschichtlichen Lauf voran zu treiben und die eigenen Techniken zu verfeinern. Sammler bekommen dieses mal auch ein eigenes Menü spendiert in dem nicht nur erlernte Schwertmanöver und freigespielte Filme, sondern auch gemeisterte Teamattacken bewundert werden können. Da ertappt man sich schon mal dabei, dass man versucht seine Mitstreiter und sich selbst in eine bestimmte Position zum Gegner zu bringen, um endlich die ein oder anderen fehlende Teamattacke sein eigen nennen zu können. Glücklicherweise kann man sich auch für noch nicht ausgeführte Teamangriffe die benötigte Aufstellung der Truppe bereits in der Statistik anschauen und so sehr gut auf das Komplettieren der Liste hinarbeiten.

Neu sind auch Gegenstände, die euer Charakter sammeln kann, zerstört ihr z.B. am Straßenrand herumstehende Kisten, Eimer oder ähnliches. Diese Items können in einem Extramenü an- bzw. abgelegt werden und haben unterschiedliche Auswirkungen auf euer Verhalten oder eure Charakterwerte wie etwa Lebensenergie, Angriff und Verteidigung. Einige dunkle Items verlangen im Gegenzug zu einem enorm hohen Werteschub sogar einen Tribut in Form von langsam abfallender Energie. Tragen könnt ihr immer nur ein Item und visuell könnt ihr die Gegenstände an eurem Kämpfermodell leider nicht bewundern.

Außerhalb des Storymodus dürft ihr diese mal auch mit Charakteren, denen ihr im Hauptspiel begegnet seid, kleine Sidequests erledigen. In diesen Miniszenarios schlüpft ihr dann in die Rollen von Schlüsselfiguren beider Seiten und lernt so weitere Details über die Hintergründe des Konflikts kennen. Um für diesen Modus alle Figuren zu den zusätzlich zu Beginn anwählbaren frei zuspielen, müssen beide Seiten des Storymodus erfolgreich beendet werden.

Wer dann immer noch nicht zufrieden ist, der zieht mit einer Gruppe aus allen im Spiel freigeschalteten Kriegern in den Timeattack-Modus, wo man allein oder mit einem menschlichen Mitspieler versucht, Bestzeiten für eine Reihe ausgewählter Missionen zu setzen. Wie auch bei Shinsengumi gibt es außerdem noch die Möglichkeit, im Dojo zu einem waschechten Versusmatch, vier gegen vier anzutreten. Auch hier habt ihr die Wahl zwischen einem computergesteuertem Team oder einen menschlichen Gegner.

Alles in allem wirkt Bakumatsuden vom Umfang her runder und voller als sein Vorgänger, spielerisch und technisch präsentiert es sich aber im identisch soliden Gewand. Ob man beide Titel haben muss ist schwer zu sagen. Wem es in erster Linie auf Wiederspielwert ankommt, der ist sicher mit dem zweiten Teil besser bedient. Dafür bleibt die Erzähldramatik beim direkten Vergleich mit Shinsengumi einen Tick auf der Strecke. Der Zielgruppe hat eh eine zu geringe Spielauswahl, von daher erübrigt sich hier wahrscheinlich eine Entscheidung, da beide Titel sehr günstig zu bekommen sind.


High Strung

Am 14. September 2014 unter film

High Strung hat ein Problem. Ghost Rider 2 nicht. High Strung ist ein großartiger Film aus dem Jahr 1991. Ghost Rider 2 ist einer der wohl schlechtesten Filme aller Zeiten aus dem Jahr 2012. Ghost Rider 2 kam im Kino, dann als DVD, dann als digitaler Download, ebenfalls noch als Blu-ray und irgendein schlechter Mensch wollte noch einen drauf setzen und hat diesen Haufen gequirlten Hundekot auch noch als 3D-Blu-ray auf den Markt gebracht. High Strung hingegen gab es mal auf VHS. Und als Laser Disc. Falls ihr es immer noch nicht wisst: Es gibt keinen Gott.

In Deutschland ist High Strung damals, Mitte der Neunziger, kurz nach dem Krieg und unter dem Namen “Eine Nervensäge” überhaupt nur noch auf Video erschienen, weil Jim Carrey plötzlich eine große Nummer in Hollywood war. 1991, beim Dreh von High Strung, war er das noch nicht. Er wird im Film nicht einmal namentlich erwähnt, krönt aber dennoch dessen Cover. Als Zugpferd vor dem knarzenden Marketing-Karren mit drei platten Reifen von vieren. Unfair, denn Carreys alberne zehn Slapstick-Minuten in diesem Film sind nichts gegen das Feuerwerk schier endloser Dialoge voll leidenschaftlicher Meckerei, das Steve Oedekerk hier, meist im Alleingang und durch die vierte Wand, direkt zum Zuschauer gewandt, eine Stunde und dreißig Minuten abbrennt. Meisterhaft.

Ich. Hasse. Happy. Die. Muschel!

Und das funktioniert auch heute noch. Obwohl oder gerade weil Oedekerks Figur des Thane Furrows dabei die Klamotten zu tragen scheint, in denen Steve Jobs später einmal technische Revolutionen, wie etwa den iPod präsentieren wird. Und weil Thane Furrows so wunderbar explodieren kann. Beinahe im Minuten-Takt, wenn er mit Vertretern von Versicherungen oder seiner Verlegerin spricht. Wenn er über Werbung in der Post sinniert oder wenn das Gleichgewicht der Macht zwischen Milch und Cerealie droht aus den Fugen zu geraten. Dinge, über die wir auch meckern würden, es aber nicht wie so ein echter Furrow könnten.

Es ist eine Schande, wenn man sich anschaut, welcher Unfug jeden Monat auf’s neue einen Blu-ray-Release erfährt, während High Strung sein Dasein auf schimmelnden Magnetbändern fristet. Ich möchte das nicht. Aber ich kann auch nichts dagegen tun. Außer euch ans Herz zulegen, dass ihr irgendwie versuchen müsst, diesen Film zu sehen, wenn ihr es damals nicht getan habt. Weil ihr beim Anblick des Covers in der Videothek in den Neunzigern einmal Geschmack bewiesen habt, was in diesem Fall dummerweise ein Fehler war.


Stromberg - Der Film

Am 10. September 2014 unter film

Stromberg, das ist Comedy auf dem schmalen Grat zwischen Fremdscham und angeschwärztem Macho-Humor. Das ist schwierig und funktioniert überhaupt nur, weil Christoph Maria Herbst das so souverän spielt, dass es weh tut. Noch ein bisschen mehr weh, wenn man das Original “The Office” kennt, wo sich “Stromberg, die Serie” viele, wenn nicht sogar die meisten Elemente abgeguckt hatte und dies auch erst beim Anblick der geballten Fäuste der Serien-Erfinder zugab.

Das kleine Wunder, welches Stromberg - der Film vollbringt, ist, dass er mir, trotz anfänglicher Skepsis (die auch noch in den ersten zehn Minuten anhielt) sehr gut gefallen hat. Das Phänomen Stromberg ist immer gewesen und bleibt eine Handvoll sehr guter Schauspieler, die den Rest eben mittragen, auch wenn der noch auf dem Niveau eines Rosamunde Pilcher Fernsehfilms spielt.

Nur noch vier Tote!

Ralf Husmann schrieb eine Geschichte, die auch in der Post(?)-“Tatortreiniger”-Ära noch mithalten kann, obwohl Mizzi Meyer die Latte hier mittlerweile um einiges höher gehängt hat, als es zu Zeiten der Stromberg-Serie der Fall war.

Der Film ist ein gelungener Abschluss und vor allem einer, bei dem doch so vieles hätte schief gehen können. Also ab und an Augen (und Ohren!) zukneifen und durch, Kinners. Sofern ihr überhaupt etwas mit Stromberg anfangen könnt.