Warum Kino für mich bald keine Option mehr ist

Am 15. Juni 2014 in ansage film

Gestern wollten meine Frau und ich zusammen ins Kino. Die Möglichkeit, dies auch zu tun, ergibt sich mit Kind nicht allzu oft. Normalerweise sind wir Freunde des Programmkinos. In diesem Fall, Godzilla, fand ich es aber wichtig, dass meine Frau ihn, aufgrund des astreinen Sound-Designs, im Kino sieht, weshalb wir also das Foyer des Cinemaxx betraten. Was folgte, war ein beeindruckendes Exempel, warum Kino für uns bald keine Option mehr ist. Im Folgenden nun eine Abschrift der Ereignisse.

Der Film lief im kleinsten Saal. In 3D, was unterm Strich für zwei Personen immer noch satte 28 Euro kostete. Um 14:30 Uhr, nicht etwa zur Prime Time. Hallo?! Ich bin mir sicher, dass die Verleih-Preise der Filme exorbitant hoch sind, aber dummerweise stieg mein Gehalt in den letzten Jahren nicht ganz so stark an, wie die Kinopreise. Hätte ich nicht noch Gutscheine gehabt (zu denen ich trotzdem noch zehn Euro zuzahlen musste. Wegen 3D!), wäre der Abend damit erledigt. Dann lieber Arthouse im Programmkino.

Mit uns waren etwa zehn andere Besucher im Kino. Sie waren alle scheiße. Alle. Vater und Sohn (etwa 15 Jahre) hinter uns waren das Dynamische Duo. Der Vater hat alles und jeden Satz von der Werbung bis zum Film manisch kommentiert. UND SO LUSTIG! Wenn ich schlechte Comedy sehen will, schalte ich das deutsche Fernsehen ein. So einfach ist das.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm und so quatschte auch der Sohn den ganzen Film munter vor sich hin. Ich gebe zu: Godzilla ist ein komplizierter Film. Das kann man sich alles unmöglich merken und nach dem Film diskutieren. Find ich ganz besonders toll: Wenn die Action dann zu laut wird, wird natürlich auch lauter gesprochen. Dynamisches Sound-Design und so.

Er ist wieder da!

Nebenbei gehörte er auch noch meiner Gattung Lieblingsmenschen an, die jeden eingeblendeten Satz laut vorlesen müssen. „Er ist wieder da!”, „2015 im Kino”, „15 Jahre später”, „Äh … was bedeutet denn Coming Soon?”. Applaus! Er kann lesen! Ich habe ihn gebeten das zu lassen. Er hat mich nicht verstanden. Er war blöd.

Der junge Mann vor mir hat ganze zehn Minuten durchgehalten, bevor er das erste Mal das Kino verließ. Ich gehe mal davon aus, dass er auf dem Klo war. Das ging dann alle 20 Minuten so. Bis auf die letzte Stunde. Da habe ich mir etwas Gedanken um ihn gemacht und habe gehofft, dass der Arme jetzt nicht auf den Sitz gepinkelt hat. Ach was soll’s. Der Kinoboden hat so dermaßen geklebt, dass ich dort mit den Schuhen festklebte. Da macht ein bisschen steriler Urin keinen Unterschied mehr.

In unregelmäßigen Abständen geht immer wieder um mich herum das Licht an. Menschen. Gucken. Im. Kino. Auf. Ihr. Smartphone. HALLO?! Ich bin von meinem Smartphone abhängig, weil das Smartphone die großartigste Erfindung unser Zeit ist und alles einfacher macht. ABER IM KINO MUSS MAN DORT NICHT DRAUF SCHAUEN! Wer es nicht schafft, einen Film zu schauen, ohne zwischendurch auf sein Telefon zu starren, ist ein armer Mensch. Wirklich. Und einer, der nicht ins Kino gehen sollte. Danke.

Der Abspann. Geschafft! Nee, doch nicht. Ich will nämlich sitzen bleiben. Der Leute im Abspann wegen und weil man dort auch immer wieder interessante oder aufschlussreiche Dinge über den Film lesen kann. “Das ist kein Marvel-Film, da musste nicht sitzen bleiben”. Autsch. Egal, das kann jeder für sich entscheiden. Was gar nicht geht ist vor mir aufstehen und einfach stehenbleiben. Passiert mir aber ständig. Weil ja jeder für sich alleine im Kino ist. Da ist der Kinogänger dem Autofahrer nicht unähnlich.

Naja. Damit ihr es wisst: Gehört ihr zu einer dieser Gruppen, ist es genau eure Schuld, warum das Kino irgendwann keine Option mehr ist (außer ihr habt auch eine schwache Blase. Dann solltet ihr einfach mal zum Arzt gehen). Ganz, ganz herzlichen Dank! Für alle anderen: Die Revolution des Heimkinos ist in vollem Gange. Einige US Filme werden bereits parallel zum Kinostart auch On Demand als Stream angeboten. Zum Beispiel von iTunes. Das ist meine Film-Zukunft. Irgendwann.

Robocop

Am 12. Juni 2014 in film

Alle Anwesenden waren sich vor dieser Sichtung einig. Wir wollten ihn bloß abhaken und erwartet hat niemand irgendetwas. Ich nehme es gleich vorweg: Wir wurden überrascht!

Als Freund des Paul Verhoeven Originals war ich von der ersten Ankündigung an schon skeptisch. Ich halte nicht viel von Remakes. Der Robocop aus den Achtzigern hat zugegebener Maßen mittlerweile ordentlich Staub angesetzt und Peter Wellers Interpretation eines Cyborgs ist bestimmt nicht mehr das, was einen Teenager heute noch hinter dem Ofen hervorlockt. Robocop war für mich damals ein Traum. Vor ein paar Wochen habe ich ihn mir noch einmal angeschaut und war überrascht und ein bisschen geschockt, wie treffsicher die Gesellschaftskritik im Film auch heute noch passt. Technisch, so gebe ich zu, musste ich vor allem schmunzeln. Aber das ist okay. Der Film ist Jahrzehnte alt.

Irgendwo in der Crew der Neuproduktion, da bin ich mir ganz sicher, waren dann Menschen, die sich ernsthaft gefragt haben müssen, wie man den alten Cyborg denn respektvoll neu auflegen könnte. Und irgendwie hat es funktioniert. Weil der neue Robocop kein simpler Abklatsch ist. Weil Joel Kinnamans Gesicht in der Roboter-Maske tatsächlich etwas an Peter Weller erinnert und so Erinnerungen weckt. Weil der Film Murphys Konflikt mit dessen Vergangenheit und Gegenwart im Vergleich zum Original zu Beginn einfach mal umkehrt. Und weil Samuel L. Jacksons Tonight Show im Film so erschreckend dicht an den Fox News ist. Da möchte ich dem Film das Computer-Animations-Geplänkel im Finale mit der Prise Damsel in Distress beinahe komplett verzeihen. Beinahe.

Der bitterböse schwarze Humor des Originals fehlt komplett. Das ist zwar schade, aber wohl auch ein Grund, warum sich der neue Robocop so ganz anders anfühlt. Was für ein Remake ja aber eigentlich wieder ganz gut ist. Mir zumindest hat der Film Spaß bereitet.

Playstation Vita Pets

Am 11. Juni 2014 in spiel

Der Labrador meiner Tochter heißt Stella. Es ist ein Rüde. Interessiert sie nicht. Er trägt eine rosa Schleife im Haar (natürlich) und einen Pailletten-Rock (Auweia). Hätten Hunde so etwas wie Selbstachtung hätte sich Stella längst das Leben genommen. Aber Stella ist zum Glück kein lebender Hund, sondern ein virtuelles Wesen in Pets auf der Playstation Vita.

Anstelle des Freitods stellt sich Stella also dem Spieltrieb meiner Tochter. Er holt Ball und Stöckchen, gräbt im Garten oder Park nach Schätzen (sprich: Neue Kleidungstücke. Der Ärmste) und macht mal mehr und mal weniger gut seine Kunststückchen, je nachdem, wie exakt diese meine Tochter per Sprachbefehl ins Mikro der Vita brüllt. Das ist ein altbekanntes Problem bei Playstation und Kinderspielen. Was Erwachsene relativ schnell als semi-gut funktionierende Steuerungsalternativen entlarven und abtun, frustriert Kinder schneller als Sony denkt.

Bereits das Wonderbook hatte diese Probleme mit der Move Steuerung und auch Pets Kontrollschema ist mit seiner Mischung aus Analogsticks, Touchscreen, Bewegungs-Sensor und Mikrofon für Kinder alles andere als intuitiv. Vor allem, weil Tipps zu diesen Aktionen, genau wie Fortschritt und freigespielte Gegenstände, oft nur als Text-Information vorliegen. Das hilft unserer sechsjährigen Tochter herzlich wenig und auch wenn Spiele in diesem Alter durchaus zusammen mit dem Kind erfahren werden sollten, ist ein Handheld mit dem vergleichsweise kleinen Bildschirm für zwei Personen nicht unbedingt die optimale Ausgangssituation. Vor allem nicht, wenn die Eltern die Texte lesen müssen.

Dabei können die Pets Hunde, je nach eingestellter Systemsprache, sogar in der jeweiligen Muttersprache des Spielers sprechen. Da freut sich das Disney geprägte Kind und Eltern drücken bis zuletzt die Daumen, dass die Töle bloß nicht auch noch zu singen anfängt.

So bedarf es einiger Einarbeitungszeit zu zweit, bis sämtliche Möglichkeiten im Spiel auch von unserer Tochter alleine bewältigt werden können. Und auch wenn ich ihr ans Herz lege mich zu fragen, wenn sie etwas im Spiel nicht versteht, ist ihr Notfall-Rückzugspunkt in diesen Fällen oft der virtuelle Kleiderschrank. Dort wird Stella dann wieder mit Schleifchen, Röckchen, Brille und Mütze gequält. Immer mit einem, was auch sonst, Hundeblick, den ich dann gerne als Wunsch nach Frieden werte. In einem Plastiksack unter der Erde.

Es wird sich in den nächsten Tagen noch zeigen müssen, ob sich die 30 Euro hier gelohnt haben. Auch angesichts der Vielfalt an Tablet-Titeln, die zumindest oberflächlich das gleiche machen, wie Pets es tut. Ich bin gespannt. Bis dahin plane ich weiter, den armen Stella irgendwie zu retten. Ich habe schon ganz andere unter die Erde gebracht.

Last Man Standing

Am 3. Juni 2014 in film

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Text zum Film „Her” stehen. Oder zu „Days of Future Past”. Oder zu „The Double”. Dinge auf meiner Watchlist, die dort so vor sich hin schmachten, darauf wartend, endlich konsumiert zu werden. Da bin ich Sadist. Irgendwann kommt dann der Moment und ich sitze mit Zeit vor dem Apple TV. So wie gestern. Dann öffne ich meine Watchlist und zähle wie ein perverser Psychopath mit den Fingern meine Opfer, äh, Filme aus. So wie gestern. Eine kleine Micky Maus … zog sich mal die Hose aus. Irgendwann ruht der Finger auf einem der Filme. Ich überlege dann kurz und schaue irgendetwas ganz anderes. So wie gestern.

Mein Wahl fiel dann auf „Last Man Standing”. Nicht die unlustige Sitcom sondern der Film aus den Neunzigern, den ich sehr, sehr schätze. Aus vielerlei Gründen. Erstens ist es ein Walter Hill Film. Hill ist ein Urgestein, der sich auch mal etwas getraut hat. Auch bei „Last Man Standing” hat er gepokert und ziemlich übel verloren. Das relativ hohe Budget wurde nie eingespielt und die Meta-Kritik mag ihn ebenfalls nicht. Ein Drama.

Außerdem bildet der Film für mich eine heilige Dreifaltigkeit mit Kurosawas „Yojimbo” und Leones „Fistful of Dollars”, der wie „Last Man Standing” auf ersterem basiert. Drei Filme mit der selben Grundgeschichte, drei Filme mit völlig unterschiedlichem Setting: Chambara, Spaghettiwestern und ein, ich nenne es mal Gangster Noir.

Last Man Standing ist der beste Max Payne Film.

Die trockenen Monologe aus dem Off, die staubigen Bilder des Wüstenstädtchens Jericho zur Prohibition, der dreckige und unglaublich gute Soundtrack von Ry Cooder. Bruce Willis, der immer cheesy aber trotzdem irgendwie passend wirkt und der selbst beim Sex seine beiden Colt 1911 Pistolen unterm Kopfkissen fest in den Fäusten zu halten scheint und natürlich Christopher Walken. Christopher don’t you dare fuck with me Walken. Ein Mann mit einer Leinwand-Aura, die einen im Sessel zu erdrücken droht. Nachdem man von seinem Blick auf Neugeborenen-Größe zusammengeschrumpft wurde. Das alles zusammen ergibt für mich eine einmalige Mischung, die von vorne bis hinten Spaß macht. Immer wieder.

„Last Man Standing” ist ein Film, den viele, die ihn gesehen haben, doof finden und viele derer, die ihn nicht gesehen haben deswegen auch. Letzteres versuche ich mit diesem Text zu ändern. Gebt diesem Film doch eine Chance. Vielleicht seht ihr das ja ähnlich wie ich und brummelt dann im feinsten Willis-Monolog: „Ich dachte immer dieser Film wäre Scheiße, aber als ich diese Typen mit ihren dreckigen Visagen sah und wie sie im Aufblitzen des Mündungsfeuers zu Boden fielen, wusste ich, das gefällt mir. Ja, das gefällt mir!”

Musik: Smoke Bath Girl Upstairs von Ry Cooder.

Pad Kra Prau

Am 29. Mai 2014 in ansage

Himmelfahrt, ich bin nicht blau.
Ich esse lieber Pad Kra Prau.
Mit meiner Frau.

Draußen regnet es ganz grau.
Ich esse lecker Pad Kra Prau.
Am Fenster glänzt der Morgentau.

Mein Herd gab den Geist auf, die Sau.
Ich esse daher Pad Kra Prau.
Vom China-Imbiss, ja genau.

Der Bauch ist voll, im Darm herrscht Stau.
Ich esse zuviel Pad Kra Prau.
Ich lege die Kreuz Acht, Maumau.

Im Bett fühl ich mich eher flau.
Ich träum ja schon von Pad Kra Prau.
Der Herd ist schuld, die blöde Sau.

Tschau.