Under The Skin

Am 18. Juli 2014 in film

Puh! Da ist er wieder, dieser eine Film. Der, der so gar nicht wie alle anderen Filme sein will. Der lieber gegen den Strom schwimmt. In diesem Falle übrigens rückwärts, im Wintermantel und ohne Hose. Sprich: „Under the Skin” ist anders. Da lacht der Nicolas Winding Refn in der letzten Reihe und verweist räuspernd auf seine von vielen ungeliebten Kinder Valhalla Rising und Only God Forgives. Da hat er recht. Under the Skin” von Jonathan Glazer reiht sich da nahtlos ein. Das bedeutet, er ist anstrengend, er ist verwirrend und er polarisiert, wo er nur kann. Das mag zickig sein, ist meiner Meinung nach aber auch nötig. Das Gleichgewicht der Macht und so.

Scarlett Johansson spielt etwas nicht Irdisches. Soviel ist klar, obwohl das auch wieder nicht klar ist. Denn solche Dinge werde nicht etwa groß und breit erklärt. Fakt ist, dass Johansson im Film sehr glaubwürdig ein Wesen spielt, das versucht, die Bewohner der Erde zu verstehen. Und diese zu Kniften für die Kollegen zu verarbeit.

Der Film vermittelt mit seiner Bildgewalt eine Ahnung, wie es sich für Fremde auf unserem Planeten anfühlen muss. Und warum die eigentlich gleich wieder umkehren würden, hätte sie nicht Hunger und längst keine eigenen Ressourcen mehr. Mal ist der Film dabei langatmig banal, mal maximal bizarr und mitunter auch mal erschreckend brutal. Oder er drängt uns hilflos in die Ecke, wenn Scarlett Johansson und der von Neurofibromatose stark entstellte Debütant Adam Pearson in unseren Köpfen mit unseren Gefühlen jonglieren als wären sie kleine Bälle. Und nebenbei wurde vieles auch noch mit versteckter Kamera gefilmt, was vor zwei Jahren glatt ein Internet-Meme hervorbrachte, weil niemand wusste, dass Johansson in Character war.

Es ist schwer zu verstehen, warum ich diesen Film mag. Auch für mich. Aber ich tue es. Irgendwie liegt es wohl daran, dass so wenig erklärt wird, aber dennoch vieles davon verständlich ist. Die Bildersprache dieses Werkes macht so manchen Dialog unnötig und das ist, wie ich finde, eine ganz, ganz große Kunst. Mit einer Empfehlung tue ich mich dennoch schwer, denn “Under the Skin” ist schon sehr, sehr speziell.

The Signal

Am 15. Juli 2014 in film

Kurz und knapp zitiere ich an dieser Stelle einmal einen Freund:

Es gibt keine schlechten Focus Features Filme.

Diese Tradition wird auch mit The Signal fortgesetzt. Mehr braucht ihr nicht zu wissen. Weil ich auch nicht mehr wusste und der Film dann eine tolle Überraschung für mich war. Wie bitte? Ihr habt schon den Trailer gesehen? Na dann gebe ich euch noch einen leckeres Cocktail-Rezept für einen guten Filmabend mit auf den Weg:

  • ein Teil M. Night Shyamalan (gut abgehangen, nicht zu frisch!)
  • zwei Teile Shane Carruth (ganz fein gemahlen!)

Alles gut umrühren und auf Eis servieren. Lasst es euch schmecken!

Snowpiercer

Am 13. Juli 2014 in film

Die folgenden Worte kommen von einem, der den Comic Le Transperceneige leider nie gelesen hat. Vielleicht ändert sich das ja noch. Jetzt, nachdem ich Bong Joon-hos Interpretation des Stoffes gesehen habe. Wenn ihr also wissen wollt, ob Snowpiercer respektvoll mit seiner Vorlage umgeht, müsst ihr woanders lesen gehen.

Eines gleich vorweg: Wir haben die US-Fassung von Snowpiercer gesehen, die derzeit für 7 Dollar über den US-iTunes Store geschaut werden kann. Gerüchten zufolge haben die Weinsteins hier die Schere angelegt und der koreanischen Nebenrolle Kang-ho Song die englische Sprache in den Mund gelegt. Nun, diesbezüglich glaube ich nach der Sichtung diesem Artikel auf Slashfilm, der besagt, das es nur eine weltweite Schnittfassung gibt. Denn zum einen ist der Film gegen Ende gefühlt zwanzig Minuten zu lang und zum anderen spricht Kang-ho Song wirklich nur koreanisch mit Untertiteln. Alles gut. Kommen wir zum wichtigen Teil:

Meine Fresse, ist Snowpiercer ein Brett!

Ich habe ja mit einigem gerechnet, aber das hier übertraf meine Erwartungen bei weitem. Chris Evans mag ich seit London ja eigentlich sehr, muss aber immer weggucken, wenn der das Captain America Kostüm anhat. Bei Snowpiercer ist er Curtis und macht seine Sache gut. Vor allem, weil er den anderen nicht im Weg steht. Zum lang gezogenen Ende hin, das für koranische Kino-Verhältnisse aber immer noch als Zeitraffer durchgehen würde, leiht er sich viel zu oft das Gesicht von Kollege LaBeouf und ich wünschte mir ein-, zweimal, der olle Til Schweiger würde mal auf einen Besuch vorbeikommen.

Davon ab macht Snowpiercer aber so vieles so richtig. Die Stimmung in der Zwei-Klassengesellschaft in einem Zug nach dem Ende der Welt ist so herrlich abstrakt und teilweise surreal dargestellt, dass man meinen könnte, Marc Caro wäre wieder aus der Schockstarre erwacht. Ist er aber nicht (Also Herr Bong, schnappen Sie ihn sich und machen Sie bitte als nächstes eine Verfilmung von (http://en.wikipedia.org/wiki/Railsea) China Miévilles Railsea). Danke schön!). Tilda Swintons, im ersten Moment eigenartige Rolle trägt ebenfalls viel zur seltsamen, aber eben auch sehr passenden Stimmung in der Zugwelt bei. Ihre Darstellung der Mason ist erneut eine Höchstleistung und ein weiterer Beitrag zum Phänomen Swinton, das wir vielleicht erst irgendwann in ein paar Jahren vollständig begreifen. Ich freue mich darauf.

Das großartigste an Snowpiercer: Niemand muss jetzt noch einen Bioshock Film machen.

Ja. Weil mir dieser Zug und seine von Drogen geblendete Gesellschaft auf den Pfaden eines Utopias die ganze Zeit über wie die fiktive Stadt Rapture vorkam. Ein zum Scheitern verurteiltes offizielles Filmprojekt zum Thema wird also nicht mehr gebraucht. Lesen Sie den letzten Satz bitte laut und machen dazu die Handbewegung des alten Ben Kenobi.

Nach eineinhalb Stunden rasanter Action zieht Bong dann, bildlich gesprochen, die Notbremse und der Film nimmt danach auch nie mehr richtig Fahrt auf. Es gilt dann Tempo 30. Vielleicht ist es angesichts des dann folgenden Twists ein Vorteil, den Comic nicht gelesen zu haben. Über die letzten Minuten des Films kann man sich streiten. Ich glaube, das ist eine Art Virus, den man sich einfängt, wenn man als internationaler Regisseur nach Hollywood geht. Immerhin hat Bong Joon-ho da nur eine leichte Erkältung und nicht eine ausgewachsene Grippe, wie etwa Roland Emmerich.

Den Film gibt es, wie eingangs erwähnt, derzeit im US iTunes Store zu leihen und zu kaufen. Leider gezoomt und angeschnitten auf 16:9. Das ist unnötig und vielleicht ein Grund, auf die deutsche Blu-ray im September zu warten. Dann solltet ihr aber spätestens zuschlagen.

Naked Lunch

Am 10. Juli 2014 in film

Als ich Anfang der Neunziger Jahre im Begriff war, das Kino zu betreten, in dem ich die beiden Filme Delicatessen und Naked Lunch in einem Doppel-Feature sehen sollte, wusste ich noch nicht, dass sich mein Filmgeschmack danach um 180 Grad wenden würde. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies die normale Reaktion vieler Kinogänger auf diese Filme war, allerdings in unterschiedliche Richtungen. Entweder diese Erfahrung fesselte einen, wie in meinem Fall, fortan an das Arthouse Kino oder man leugnete zukünftig schlicht die Existenz dieses Genres und lenkte sich ausnahmslos mit Mainstream-Kino ab.

War bei Jeunets und Caros Delicatessen keinerlei besondere Vorgeschichte seitens des Zuschauers nötig, diesen Film auf einer künstlerischen Ebene zu mögen und zu verstehen, war doch bei Cronenbergs Naked Lunch zumindest eine Sache Bedingung: Man musste in irgendeiner Weise schon einmal Kontakt mit einer bewusstseinsverändernden Droge gehabt haben, um auch nur im Ansatz zu begreifen, nicht etwa was hier geschieht, sondern warum man daraus einen Film macht.

Heutzutage sind exzessive verstörende Filme, gerade im Bereich des Horrors, keine Seltenheit mehr, aber Anfang der Neunziger kochte Cronenberg hier noch ein Süppchen, das damals noch so manchem deutlich zu scharf war. Und so ein bisschen kam dieses Gefühl bei mir auch bei der erneuten Sichtung wieder hoch. Peter Wellers großartige Darstellung des weggeschossenen Junkies, die ganz leicht überzeichnete, bunte Welt, die ihm als Bühne dient und das extreme, ja auch heute noch verstörende Kreaturen-Design macht diesen Film immer noch, so oder so, zu einem echten Erlebnis.

Die Zeit war gnädig mit Naked Lunch. Er ist trotz, oder vielleicht auch gerade wegen des Einsatzes von viel Mechatronik in unserer von Computeranimationen übersättigten Zeit immer noch toll anzusehen. Und ich habe immer noch das Gefühl, dass man mit William S. Burroughs ganz gut feiern konnte. Sofern man nicht derjenige war, der beim Wilhelm Tell spielen das Glas auf dem Kopf stehen hatte.

Toller Film für die Katerstimmung nach einer großen Sause, bei dem man sich gleich viel wohler fühlt, weil alles viel, viel schlimmer hätte kommen können.

300: Rise Of An Empire

Am 4. Juli 2014 in film

Oha. Was bewegt mich eigentlich dazu, so etwas anzuschauen? Vielleicht ist es das Bedürfnis, irgendwo ganz tief in mir drin, den Film „300” noch einmal zum ersten Mal sehen zu dürfen. Das klappt natürlich nicht, aber oft lässt man es dann doch drauf ankommen. Außerdem hat Peter Jackson mit dem zweiten Hobbit-Film die Messlatte für Film-Nachfolger so niedrig gehängt, dass ein „300” da eigentlich gemütlich drüber hinweg spazieren müsste. Und da wäre da noch unser Sohn, der ihn unbedingt sehen wollte. Der muss noch lernen, wie gemein Fortsetzungen sein können.

Und dann fängt das Ganze gar nicht so übel an. Dynamik, Zeitlupen, Farbfilter, überzeichnete Action und ignorant englisch ausgesprochene griechische Namen. Mehr braucht so ein Film nicht und genau das bietet er auch. Natürlich alles mindestens eine Stufe hinter dem Original-Film, aber anfangs immer noch vertretbar. Bis auf die Hauptrollen. Wenn ein Studio mit einem zweiten Teil eine schnelle Mark machen will, steht eben nicht mehr die Elite der Schauspieler vor den Toren Schlange. Trotzdem hätte man da bestimmt mit etwas mehr Mühe noch etwas weniger blasses heranziehen können.

You fight much harder than you fuck!

Vielleicht auch nicht. Dieses Defizit macht „Rise Of An Empire” dann jedenfalls auch nicht mit computergeneriertem Blut wett. Liebe Filmemacher: Computergeneriertes Blut sieht nie gut aus. Auch nicht, wenn ihr es aus Kübeln regnen lasst. Auch nicht, wenn ihr es aus noch mehr Kübeln regnen lasst. Himmel, irgendwer muss doch bei der Post-Produktion gesehen haben, wie dämlich das aussieht und hätte etwas sagen müssen. Das ist doch hier nicht Sharknado 2!

Zwischendurch wird natürlich wieder viel und stolz vor hunderten eingeölten, echten Männern umhergelaufen und ganz, ganz viel in deren Richtung geschrien und dabei das Pathos geprügelt, bis es grün und blau ist. Zum Glück schreien nach solchen Reden immer alle zurück und ich wache wieder auf. Pünktlich zur obligatorischen Sexszene. Die war aber gut!

Am Ende steht dann das Computereffekt-geschwängerte Finale, mit dem Charme eines adipösen Grottenmolchs so da und ich will einfach nur, dass es aufhört. Was habe ich denn jetzt gelernt? Na klar: Spartiaten sind rot, Athener sind blau. Ich bin gespannt, ob die bisher nicht so gut weggekommenen Arkadianer dann im sensationellen dritten Teil die Hauptrolle spielen und wenn ja, welche Farbe die dann kriegen. Und ob endlich ein riesiges Holzpferd drin vorkommt. Und was hat unser Sohn gelernt? Das man Fortsetzungen nicht trauen darf. Na bitte.