Logan Noir

Am 29. Mai 2017 in film noir

Der beste Film des Jahres ist im nordamerikanischen iTunes Store angekommen. Unter anderem in schwarzweiß, sofern ihr die iTunes Edition oder die kommende Blu-ray kauft. Optional könnt ihr aber auch einfach die farbige Leihversion wählen und den Farb-Regler eures TV-Geräts ganz herunter drehen. Haben wir auch gemacht. Kommt wahrscheinlich das Gleiche bei raus. „Logan Noir“ heißt das dann offiziell und gefiel mir tatsächlich noch einmal besser als das Original. Zum einen stellt es deutlich die knapp siebenhundert Liter Blut wieder etwas in den Hintergrund und zum anderen passen die Graustufen ganz herrlich zur tragischen Note des Films. Tut euch also einen Gefallen und schaut Logan in Noir. Ich habe passend zum Thema außerdem noch ein neues Schlagwort eingeführt. Unter noir findet ihr künftig Filme, die mir ohne Farbe noch besser gefallen haben.

Alien: Covenant

Am 19. Mai 2017 in film

Seit ich Anfang der Achtziger heimlich durch den Türspalt zum heimischen Wohnzimmer der Eltern dabei zuschaute, wie John Hurt zuerst die Spaghetti Bolognese und danach einen extraterrestrischen Parasiten auf den frisch gedeckten Tisch brach, lässt mich die Kreatur des exzentrischen Künstlers Giger nicht mehr los. Anfangs war meinem elf- oder zwölfjährigen Ich zwar noch so mulmig zumute, dass es nächtelang das Licht anlassen musste, um überhaupt irgendwann einmal zu schlafen, aber schon ein paar Jahre später mit James Camerons Aliens wurde mir klar, dass diese Reihe etwas ganz besonderes ist. Und tatsächlich standen mir gestern, mittlerweile zu einem ebenso furchtlosen wie bärtigen Mann herangewachsen, die Haare im Nacken immer dann zu Berge, wenn wieder das eingängige wie einfache musikalische Alien-Thema von Jerry Goldsmith aus den Boxen schallte. Gepaart mit einem Gefühl schaurig schöner Nostalgie. Bis dahin wusste ich gar nicht, wie sehr ich einen Alien-Film auf der Kinoleinwand vermisst habe.

Covenant verknüpft die Handlung der Alien-Filme mit den Ereignissen des fünf Jahre älteren Prometheus und ist damit gleichzeitig ein Vor- und ein Nachfolger. Dessen bewusst, dass es weniger Freunde von Prometheus als von Alien und Aliens gibt kann dieser Satz gerne als Warnung verstanden werden. Katherine Waterston als Captain Daniels, der immer großartige Michael Fassbender als Android Walter und ein überraschend gut ins Team passender Danny McBride als Pilot steuern dann aber doch sehr zielsicher in die Sphere der Ur-Serie hinein. Und das kann jetzt gerne wieder als Entwarnung aufgefasst werden.

Audiovisuell setzt der Film für mich Maßstäbe, obwohl oder vielleicht auch weil mir die Lautstärke des lokalen Astor-Kinos beinahe das Gehirn zermatscht hätte. Überall blinken und leuchten herrlich gestaltete Displays, der Bordcomputer Mother kommentiert gewohnt gleichgültig Katastrophen sowie Einzelschicksale und es knarrt und knirscht schweres Gerät, während es zu fantastischen Partikel-Effekten anderes schweres Gerät zerstört. Beeindruckend.

Der Handlung gelingt dabei ein Balanceakt zwischen dem Beantworten einiger offener Fragen und einem verspielten Körperteil-Bingo bezüglich des Ausbrütens neuer Parasiten. Ein Kniff nach der ersten Hälfte des Films bringt das Ganze richtig ins Rollen und entschädigt für die mit dem Zaunpfahl ins Gesicht angedeutete und für alle außer den Protagonisten ziemlich vorhersehbare Wende am Schluss des Films. Wenn das Licht im Saal angeht und das Blut literweise am Schiffsboden stockt, entsteht im Gesamtbild ein wunderschön geschwungener Pfad zu kommenden Alien Filmen. Das ist so philosophisch. Könnte auch von Walter sein.

Fargo (Staffel Drei)

Am 12. Mai 2017 in serie oberlippenbarthouse

Dienstags eine neue Folge Better Call Saul und donnerstags eine neue Folge Fargo. Montags, mittwochs, freitags, samstags und sonntags kauere ich derzeit in einer Ecke unserer Wohnung und starre bloß noch an die Wand. Ab und an raffe ich mich auf und schreibe einen Text. So wie jetzt. Über Fargo. Staffel Eins war großartig, Staffel Zwei noch größer und die gestrige Folge der dritten Staffel war so gut, dass ich jedes Wort in diesem Text nur schreibe, damit die Zeit vergeht und es endlich wieder weitergeht. Mit einem Ohrwurm von „Peter und der Wolf“, der mich fast zur Weißglut bringt. Ewan McGregor in einer Doppelrolle ist ja schon doppelt gut, aber Hogwarts Fellnase Remus Lupin stellt für mich sogar noch Billy Bob Thorntons Darbietung aus Staffel Eins in den Schatten. Das Gros der Zuschauer scheint dagegen der Meinung zu sein, dass Staffel Drei bisher nichts taugt. Das sind wahrscheinlich die, die der zweiten Staffel von „True Detective“ ebenfalls nichts abgewinnen konnten. Also von meiner Warte aus Leute am gegenüberliegenden Ende des Geschmacksspektrums. Da ist ordentlich was los auf der Seite, und hier bei mir ist jetzt nicht gerade die große Party. Aber wir sind auch nicht allein. Also meine Frau und ich.

Hm. So richtig viel hat das jetzt auch nicht gebracht. Ist ja immer noch Freitag. Menno.

Miniatur Wunderland Hamburg

Am 10. Mai 2017 in ansage

Da ich beim Entschärfen der #HannBombe aus einem mir unerfindlichen Grund nicht teilnehmen durfte, sind wir stattdessen ins Miniatur Wunderland nach Hamburg gefahren. Dabei sind diese fünfzig Fotos entstanden. Ich bin kein Fotograf und alle Fotos sind ausschließlich mit meinem iPhone SE gemacht. Es geht mir also in erster Linie darum zu zeigen, dass sich ein Besuch lohnt.

Shin Godzilla

Am 6. Mai 2017 in film godzilla

Während ich finde, dass Gareth Edwards vor drei Jahren mit Godzilla den in meinen Augen wohl besten Monsterfilm abgeliefert hat, scheint die japanische Toho das etwas weniger enthusiastisch zu sehen. „Shin Gojira“, der „wahre Godzilla“ heißt nun der Film, mit dem sie die Riesenechse dorthin zurück holen, wo sie eigentlich auch hingehört: nach Tokio. Und das wollten am letzten Mittwoch in einem Kino in Hannover tatsächlich weit mehr Kinobesucher sehen, als ich geglaubt hätte. Das liegt sicherlich auch eher an Gareth Edwards und weniger an der Erinnerung an fettige Flipsfinger vor den Fernsehern unserer Eltern.

Was dann aber auf der Leinwand geboten wurde, konnte dem stolzen Titel leider nur mäßig und auch nur in Ansätzen gerecht werden. So gut gemeint oder gut durchdacht diese Ansätze auch sind, ein Monsterfilm steht und fällt mit dem Monster. Und da ist bei Shin Godzilla im wahrsten Sinne des Wortes der Wurm drin. Ich möchte es, passend zum Genre, gar als eine mittlere Katastrophe bezeichnen. Als Godzilla-Fan der Achtziger Jahre habe ich ja mindestens ein so dickes Fell wie die Echse selbst, aber das, was sich da in der zweiten von vier Turbo-Evolutionsphasen durch den Tokioter Betondschungel schleppt, sieht auch mit zwei Portionen Nostalgiebonus noch derbe dilettantisch und in Teilen leider auch noch absolut bescheuert aus. Da hätte selbst Godzillas Sohn das Gesicht vor Scham in den Latexhändchen vergraben.

Eine wesentlich bessere Figur macht da schon das andere Monster im Film. Anstelle einer Mothra, eines Mechazillas oder gar King Kong ist es hier nämlich die übertrieben dargestellte japanische Bürokratie, die zuweilen steifer und vor allem unbezwingbarer wirkt, als jede Riesenmotte es je sein könnte. Darüber hinaus gelingen dem Film noch drei weitere Punkte ganz hervorragend gut:

Der Erzählstil

Die Art, wie Shin Godzillas magere Geschichte vorangetrieben wird ist minimalistisch, trocken und dank verspielter Kameratechniken überaus dynamisch. So wird der Monsterfilm auf das Wesentliche reduziert und verliert sich zu keiner Zeit in einem überflüssigen Drama. Nach ungefähr einer Stunde hat dieser Stil seine Halbwertzeit allerdings überschritten und verliert sich dafür in seiner repetitiven wie ermüdenden zweiten Hälfte.

Die Zerstörung

Das A und O eines Monsterfilms. Es sei denn, der Regisseur heißt Gareth Edwards und der Film (link: ../monsters text: Monsters) (Ich sollte aufhören, andauernd Gareth Edwards zu erwähnen). Die verheerende Zerstörung ist perfekt und ungemein drastisch in Szene gesetzt. Wessen Augen vom ersten Auftretens Godzillas rechtzeitig wieder getrocknet sind, der bekommt in der Mitte des Films einen der zerstörerischsten Höhepunkte des Genres zu sehen. Lange währt das allerdings nicht und es bleibt außerdem bis zum Ende und dem eher ernüchternden Finale unerreicht.

Die Metapher

Der dritte und letzte positiv aufzuführende Punkt. Godzilla galt schon immer als Personifizierung der japanischen Angst vor der Atomkraft, die das Land bereits im zweiten Weltkrieg, und erst jüngst in Fukushima erneut, fürs Leben gezeichnet hat. Aber deutlicher als jeher wird dieses Schicksal am Ende von Shin Godzilla thematisiert. Wenn sich das, was von Tokio noch übrig ist, mit dieser Kraft arrangiert, und Parallelen zum gescheiterten Atomausstieg des von einer Katastrophe vernarbten realen Japans deutlich werden.

Und wer wie ich vom Splendid-Verleih mit einer deutsch synchronisierten Fassung gequält wird, den lege ich folgendes Trinkspiel nahe: Immer dann ein Gläschen Schnaps trinken, wenn ihr meint die Synchronstimme von Justus Jonas aus dem Off zu vernehmen. Da werdet ihr am Ende nicht von kotzen, aber immer noch beschwipst genug sein, um Shin Godzilla vieles verzeihen zu können.

Sicherheitshalber werde ich mich jetzt im Badezimmer vor den Spiegel stellen und noch fünfmal ganz laut „Gareth Edwards“ sagen. Vielleicht hilft es ja für die Zukunft.