Tusk

Am 18. Dezember 2014 in film oberlippenbarthouse

Ich sitze sprachlos über der Tastatur meines MacBooks. Seit Stunden versuche ich mir das am Vortag Gesehene schön zu reden. Kevin Smiths neuester Film Tusk. Ich will diesen Film mögen, weil ich bisher jeden Kevin Smith Film mochte. Ich könnte Clerks II an Heilig Abend zu wohligen Klängen der Blockflöte bestimmt auswendig aufsagen und bis gestern dachte ich, es wäre schlicht unmöglich, dass ich irgendeinen Smithschen Film einmal nicht mögen würde. Wie man sich irren kann!

Dabei fing alles ganz gut an. Also bis auf Justin Long mit seinem Walross-Schnauzer, bei dem ich mir ja fast schon Joaquin Phoenix aus Her zurückgewünscht habe. Dafür war der Kleine aus The Sixth Sense wieder da und irgendwie bereichert der ja jeden Film mit seinem Teddybär-Gemüt. Witzig: seine Figur heißt hier Teddy. Genesis Rodriguez spielt in der Mitte des Films mit Tränen in den Augen die für mich überzeugendste Szene und das Esemble damit einmal komplett gegen die Wand. Da ändert danach auch Johnny Depp nichts dran, der den Untergang des Films mit einem, nun ja ich nenne es mal Schauspiel, einleitet, welches ich im besten Fall als dilettantisch bezeichnen kann.

Übrigens ein Adjektiv, welches die gesamte zweite Hälfte des Films ganz gut zusammenfasst. Vielleicht sind hier ja Drogen (natürlich sind hier Drogen) der Schlüssel zum Erfolg, diesen Film lustig oder überhaupt irgendetwas an ihm zu finden, aber diese Zeiten sind bei mir ja lange vorbei. Mist.

Und dann wäre da noch die kleine Smith. Die Tochter. Deren Talent erahnte ich bereits nach ihrem Gastauftritt in Daddys Comic Book Men. Auch nach Tusk kann ich mir nicht vorstellen, dass mir Yoga Hosers, Kevin Smiths nächster Film mit ihr in einer größeren Rolle, viel besser gefallen wird. Ich bin aber Optimist und so gebe ich die Hoffnung in sie so schnell nicht auf.

Den Film Tusk jedenfalls vergesse ich erst einmal wieder ganz schnell und freue mich dafür ganz doll auf Clerks III!

Guardians of the Galaxy

Am 15. Dezember 2014 in film

Vor einiger Zeit traf ich die schwere Entscheidung, nur noch Filmkunst-Kinos zu besuchen. Vor allem, aber nicht nur, wegen der Preispolitik der „Großen” und deren Zuschläge für 3D-Nonsens und Überlänge (2014!) und andere hanebüchenen Ausreden den Preis zu erhöhen. Die Folge dieser Entscheidung ist die, dass ich jetzt Arthouse-Filme im Kino schaue und die Blockbuster zu Hause bei iTunes über das Apple TV. Das ist so ein bisschen verkehrte Welt, aber es macht mir trotzdem Spaß.

Nur bei Guardians of the Galaxy tat es Monate lang weh. Als neuerlicher Fan der letzten drei Marvel-Verfilmungen war ich doch sehr gespannt auf den Science Fiction Stoff und konnte es kaum noch abwarten bis der Film endlich (international) für das Heimkino erschien. Bis es soweit war, las und hörte ich allerlei Lobhudelei. Der Film wurde schneller immer höher in den Himmel gelobt, als meine Erwartungen steigen konnten. Noch bevor ich wusste, worum es überhaupt geht (ich bin kein Comicleser mehr, Schande über mich), schmückte Rocket Raccoon bereits unser Wohnzimmer-Regal und der Guardians Soundtrack tönte regelmäßig durch die Wohnung.

Da kann ein Film ja nur verlieren. Interessanterweise tut Guardians of the Galaxy das nicht. Er funktioniert für mich von Anfang bis Ende. Weil er sich traut wie ein neuer Star Trek Film auszusehen, sich aber genau wie das Gegenteil dessen benimmt. Nämlich gar nicht. Immer wenn er für mich vertrautes Marvel-Film-Terrain betritt, also eine generische CGI-Schlacht stattfindet oder wieder ein überdimensionales Flugobjekt abstürzt, gibt es eine musikalische Ohrfeige und/oder einen Weltraumpiraten-Kalauer, während sich ganz bestimmt irgendwo ein James Gunn vor Lachen auf die Schenkel klopft. Und aus irgendeinem verrückten Grund passt das.

Guardians of the Galaxy ist so frech, dass er selbst vor heiligem Boden, zum Beispiel der Pflichtszene nach dem Abspann, nicht halt macht und uns selbst dann noch mit ausgegrabenen 80er-Trash trollt.

Unterm Strich gefällt mir der ganze Superhelden Schnickschnack im Science Fiction Gewand irgendwo im Weltraum noch einmal deutlich besser als in den Geschichten auf der Erde. Bunte Kostüme, große Helme und schräge Vögel passen dort eben einfach nochmal ein Stück besser ins Bild. Und gute Science Fiction kann es eh nicht genug geben. Ich habe ihn gerade nicht im Kopf, den Fünf-Jahres-Plan für Marvel-Filmumsetzungen und die Info wie alt Tony Stark noch werden muss, bevor die Wächter wieder dran sind, aber hey, ich freue mich jetzt schon drauf!

Penguins of Madagascar

Am 14. Dezember 2014 in film

Nanu, was ist denn jetzt los? Zum Jahresende hin wird man ja manchmal sentimental und da kann sich schon einmal ein Animationsfilm auf Morgvom.org einschleichen. So ein x-ter Teil. Nein, ein Spin-Off. Eher der Film zur Spin-Off Serie. Himmel, ist das kompliziert. Im Gegensatz zum Film. Logisch. Schließlich ist es ein Kinderfilm. Aber einer, dessen Humor die Eltern genauso unterhalten soll. Die bezahlen ja schließlich.

Das funktionierte bei mir genau eine Stunde. Es funktioniert fast immer eine Stunde. Dann verfällt er, wie gefühlt fast jeder westlicher Kinder-Animationsfilm in dieses Muster. Dieses eine Muster, das immer das selbe ist. Eine Stunde Humor, dann zwanzig Minuten, in denen irgendwer oder irgendwas über den eigenen Schatten springt, dann zehn bis zwanzig Minuten generischer Showdown mit Hoffnung auf die Rückkehr des Humors der ersten Stunde. Immer und immer und immer wieder. Das ist schade, denn ich habe ansonsten viel gelacht. Dieses Muster aber hinterlässt bei mir immer einen üblen Nachgeschmack, sodass die Lacher schnell vergessen sind.

Was ich nicht so schnell vergessen werde und das ist der eigentliche Grund, warum ich diese Zeilen schreibe, ist das Kino, in dem meine Tochter und ich die Pinguine gesehen haben. Flebbes neuestes Nobel Kino, das Astor Grand Cinema im vermeintlich schönen Hannover. Ich stehe auf so Sachen, wie Menschen in Uniformen, die mir die Eingangstür aufhalten und denen ich dafür einen wunderschönen Abend wünschen kann. Auf Kino-Säle mit genügend Platz um jeden Ledersessel, auf den Fußhocker und auf die Bücherregale an den Wänden, um die Wartezeit zu überbrücken. Das ist alles ganz, ganz toll und ist trotz ähnlicher Preise vom Preis-Leistungs-Verhältnis eine ganz andere Liga als bei der großen Kino-Kette, die Flebbe selbst einst aus dem Boden gestampft hat und der er aus Liebe zur Filmkunst abtrünnig geworden ist.

Seht ihr, jetzt habe ich die Geschichte von vier militärisch strukturierten Pinguinen mit einer Rezension über ein Kino kombiniert. Wahnsinn!

Meine Filme des Jahres 2014

Am 7. Dezember 2014 in film ansage

Puh, das war schwer. Ich habe ein großartiges Kinojahr hinter mir und gefühlt soviele gute Filme gesehen wie noch nie. Jetzt galt es, die fünf für mich persönlich besten davon herauszufinden, um meiner jährlichen Tradition, meine fünf Lieblingsfilme hier vorzustellen, nachzugehen. Selten war das so schwer wie in diesem Jahr. Diese elf Filme kamen in die engere Wahl:

  • Only Lovers Left Alive
  • Inside Llewyn Davis
  • Big Bad Wolves
  • The Grand Budapest Hotel
  • Out of the Furnace
  • Godzilla
  • Snowpiercer
  • Locke
  • The Rover
  • Calvary
  • Interstellar

Ich habe lange gegrübelt, habe circa zwei Liter zuckerfreie Cola zu mir genommen und habe mir an die zweiundfünfzig mal den Handballen vor die Stirn geschlagen, um letztendlich zu folgendem Ergebnis zu kommen:

Only Lovers Left Alive

Das Genre Vampir-Film war und ist in einem katastrophalen Zustand, und dann kommt der Jim Jarmush daher und liefert diesen Hammer von einem Film ab. Mit einem Tom Hiddleston, der meine Heterosexualität auf eine ganz harte Probe stellt. (Zur Rezension)

Godzilla

Hach, hach, hach! Nie habe ich mir mehr gewünscht, in der Zeit zurückreisen zu können, um meinem zwölfjährigen Ich auf die Schultern zu tippen und ihm zu sagen: „Du weißt gar nichts, Jon Snow! In neunundzwanzig Jahren wirst du den König der Monster sehen!“. Dann würde ich mit diabolischer Lache wieder verschwinden, bevor ich Doc Brown aufsuche und ihn damit beauftrage, dieses von mir verursachte Durcheinander wieder hinzubiegen. (Zur Rezension)

Out Of The Furnace

Ich habe dieses Jahr zwei Filme in der Top Fünf mit einem Soundtrack von Dickon Hinchliffe. Weil Dickon Hinchliffe einfach die besten Soundtracks macht. Out of the Furnace zeigt außerdem ganz tolle Schauspieler, die ganz großartig spielen und hat eine Atmosphäre, die dichter ist als die Luft rund um den alten Hochofen, Hust! (Zur Rezension)

Interstellar

Ja, ein Brett. Was für tolle drei Stunden. Für mich hätte er auch noch drei Stunden weitergehen können, so geflasht war ich. Perfekt. (Zur Rezension)

Locke

Wenn es einem Team gelingt, einen Film zu machen, der nur in einem Auto spielt und wenn es ein Schauspieler schafft, diesen Film die gesamte Zeit durchgehend hochzuhalten, dann gehört der verdammt noch mal in die Liste! Und der Soundtrack ist von Dickon Hinchliffe. Habe ich schon erwähnt, dass der die besten Soundtracks macht? (Zur Rezension)

Und solltet ihr einen oder mehrere dieser elf Filme nicht gesehen haben, lege ich sie euch sowieso alle ans Herz.

Dawn of the Planet of the Apes

Am 7. Dezember 2014 in film

Wahrscheinlich haben John Clarke und Gary Oldman ob der Arbeit von Andy Serkis und den anderen Affen-Darstellern in diesem Film einfach resigniert, weil sie wussten, dass sie da nicht mithalten konnten. Oder war die blasse Darstellung dieser beiden nassen Handtücher, für die Charlton Heston nicht einmal sein Hemd ausgezogen hätte, Absicht? Ich weiß es nicht.

Ja, die CGI-Affen sahen gerade in den Nahaufnahmen wieder überwältigend gut aus, durften dann aber doch nur das nachspielen, was irgendwer nach dem Frühstück auf die Serviette seines Omelett Denvers gekritzelt und dann im Übereifer Skript genannt hat.

Da gab es mit „Rise of the Planet of the Apes“ einen absoluten Überraschungserfolg, weil das Team eben nicht über das Ziel hinausgeschossen ist, dafür aber den Fokus auf die Perfektionierung des Greifbaren legte, und dann wird genau diesem Team die Chance verwehrt, ihre Arbeit in einem zweiten Teil weiterzuführen. Weil das Studio darauf drängt, den Zeitplan einzuhalten.

Zugegeben, „Dawn“ ist trotzdem mutig. Ein Blockbuster, der dem Mainstream-Publikum dermaßen viele Untertitel vorsetzt, ist schon etwas besonderes. Dafür muss der Zuschauer aber auch keine Angst haben, dass ihm irgendwas entgehen könnte, denn ihm wird nichts, aber auch gar nichts zugemutet und alle Anzeichen einer Wendung sind bereits in den ersten zehn Minuten klar und werden vorbereitet, dass später niemand mehr sagen kann, er hätte nichts bemerkt. Spannend.

Ich hätte mir gewünscht, dass Matt Reeves nicht ausgerechnet jetzt auf die fixe Idee gekommen wäre, der nächste James Cameron zu werden, dass der ansonsten strunzdumme Koba nicht nur die eine einzige, ganz großartige Szene bekommen hätte und dass der neue Maßstab in Sachen von Computer animierten Primaten, nämlich der angsteinflößende Blick von Caesers Sohn Blue Eyes, irgendeine Rolle im Film gespielt hätte. Um es weihnachtlich mit den unsterblichen Worten des großen Bernd Stromberg abzuschließen:

Da wünschst du dir wochenlang ein Bonanza-Rad oder was anderes Schönes - und was kriegste am Ende? Einen kratzigen Pulli.