Die Brücke

Am 6. April 2015 unter serie

Hier bin ich spät dran. Aber skandinavische Serien erreichten mich als Mensch, der gerne im Originalton und mit passenden Untertiteln schaut, vor Netflix ja eher selten. Dieses Problem ist nun endlich vom Tisch und nach zehn Folgen, respektive einer Staffel von Die Brücke bin ich mehr als froh darüber.

Ich bin aus Prinzip allergisch gegen Remakes und so war es mir wichtig, nicht die Brücke von der USA nach Mexiko mit Frau Heidkrüger zu sehen, sondern das Original, zwischen Dänemark und Schweden. Es gibt wohl auch schon ein Frankreich/England Remake mit einem Tunnel. Das Problem: Beide haben keinen Kim Bodnia. Und ich bin nunmal großer Kim Bodnia Fan, seit ich den Film Nachtwache in den Neunzigern im Hildesheimer Schauburg Kinocenter gesehen habe. Ich kann mich auch optisch sehr gut mit ihm identifizieren.

Zusammen mit Sofia Helin bilden beide ein sehr ungleiches Polizisten-Duo, was zwar erst einmal übel nach TV-Krimi-Lehrbuch klingt, in der Praxis aber eine echte Freude beim Anschauen ist. Ich freue mich jetzt auf die zweite Staffel, ebenfalls bei Netflix im Programm.

Dieser Text hier bildet übrigens auch den Start für mehr Serien auf Morgvom.org. Wurde ja auch Zeit.


The Equalizer

Am 4. April 2015 unter film

Ich ärgere mich immer, wenn ich es nicht schaffe, einen Film zu Ende zu schauen. Es ist unfair gegenüber dem Film. Woher soll ich wissen, dass kurz vor Schluss nicht alles noch ganz, ganz großartig wird und mir dann endlich klar werden würde, warum die erste Stunde so unglaublich schlecht/nervig/langweilig war? Es gibt nur eine Handvoll Filme, die ich leider nicht zu Ende geschaut habe, weil ich es einfach nicht mehr aushalten konnte. Der neueste ist The Equalizer und ich versichere euch, ich habe wenig erwartet, die vier Euro digitale Leihgebühr bereits im Vornherein potentiell als Lehrgeld abgelegt und mein Gehirn rechtzeitig in den Standby-Modus gefahren. Es hat alles nicht geholfen. Nach 45 Minuten haben meine Frau und ich aufgegeben. Nach 45 Minuten war uns beiden klar, das John Wick für uns ein guter Actionfilm ist, der Equalizer aber nicht.


Hotline Miami 2

Am 25. März 2015 unter spiel

Hotline Miami 2 gehört für mich zu der Handvoll Spiele, die ich 2015 so richtig sehnsüchtig erwartet habe. So sehnsüchtig, dass ich Teil Eins kurz vor dem Erscheinungstermin des Nachfolgers glatt noch einmal durchgespielt habe. Inklusive aller Bonuslevel. Zum wiederholten Male. Ja, man könnte sagen, ich bin ein Fan. Auch, weil Hotline Miami mit seinem grausig schönen Soundtrack und den leuchtenden Farben der Achtziger für mich immer so ein wenig das inoffizielle Spiel zu meinem Lieblingsfilm Drive von Nicolas Winding Refn war. Obwohl sich das Auto des Protagonisten, mit dem der sich von Schauplatz zu Schauplatz kutschiert, im Spiel eigentlich nie bewegt.

Jetzt kommt Teil Zwei und ist, um es vorweg zu nehmen, alles, was schon Teil Eins war, mit zwei Kellen mehr oben drauf. Interessanterweise wirkt er durch die abstrakte, durchgeknallte Story, deren Fokus auf zig Protagonisten in verschiedenen Epochen, und (optionaler!) unterschiedlicher Spielweisen dank des aufgepeppten Masken-Systems, nie wie ein Aufguss oder gar ein Abklatsch. Und, und jetzt kommt der wichtige Punkt: Es ist jetzt wirklich bockschwer! Spiele ich den ersten Teil mittlerweile fast mit geschlossenen Augen durch, habe ich so manche Stunde mit der Playstation Vita des Nächtens im Bett verbracht und war dabei oft dem Wahnsinn nahe. Die Layouts einzelner Level sind dieses Mal so ausgefuchst und gemein aufgestellt, dass deren Boshaftigkeit nur noch von der mitunter abartigen Brutalität in den Zwischensequenzen überboten wird. Puh!

Selbst die mutmaßliche Willkür, die auch bei Teil Zwei irgendwie immer noch bei jedem Angriff auf eine Wache zum Tragen kommt („Warum war der denn jetzt auf einmal schneller als ich!?”) mag mich bei diesem Spiel nicht stören. Das Scheitern ist eben auch Teil des Programms. Immer wieder. Solange, bis ich eine Ideallinie durch eine Büroetage, einen Dschungel oder eine U-Bahnstation gefunden habe und endlich den ersehnten Rücksetzpunkt erreicht habe.

Das kann oft sehr lange dauern. Deshalb präferiere ich für Hotline Miami 2 bisher noch die Playstation Vita mit ihren, für das Spiel völlig ungeeigneten Schultertasten und Analog-Irgendwas gegenüber einem feinen Dualshock der Playstation 4. Weil Letztere wohl erst mit dem nächsten großen Update das System in den Standbymodus versetzen kann, während das Spiel dann pausiert sein wird. Und auch dann bin ich nicht dagegen gefeit, dass unserer Sohn in meiner Abwesenheit das ungespeicherte Hotline Miami 2 für eine Partie Fifa an der Familien-PS4 unterbricht, während ich im Büro eine Erschütterung der Macht verspüre. Auf der Vita kann ich mein Glück morgens in der Bahn versuchen, wenn ich abends zuvor gemerkt habe, es geht in einer Szene nicht mehr weiter, ohne dass ich diese ganz von vorne spielen muss.

Wer mit Hotline Miamis eigenartiger Spielweise zurechtkam und sich mit ihr angefreundet hat, der wird auch an Teil Zwei seine große Freude haben. Von mir gibt es hier eine ganz klare Empfehlung und beide blutverschmierten Daumen nach oben. Und kommt mir hier bloß nicht mit Reflektion der Gewalt. Ich halte Hotline Miami 2, wie schon Teil Eins, schlicht für maßlos brutal und aufgesetzt kontrovers. Aber hey, es trägt wirklich viel zur kranken Atmosphäre bei.


Inherent Vice

Am 24. März 2015 unter film

Ich habe soeben Inherent Vice von Paul Thomas Anderson gesehen, dabei gefühlt dreißig tolle Namen, wie Shasta Fay(!), Ensenada Slim(!) und Sauncho Smilax(!) gehört und so ein wenig bekifft fühle ich mich jetzt auch. Als hätte ich die ganze Zeit über bei Herrn Phoenix mitgeraucht. Oder Lachgas eingeatmet. Oder Kokain gezogen. Oder … ach, ihr versteht, was ich meine. Nicht? Gut. Denn so oder so ähnlich fühlt sich Inherent Vice an. Aber er fühlt sich trotzdem gut an. Es ist ein Film Noir, der mit seinen bunten Kulissen und den mitunter sehr seltsamen Figuren darin, nicht weiter von der Farbe Noir entfernt sein könnte. Und er ist fantastisch besetzt, inszeniert und gespielt. Die Sache mit I’m still here hängt Joaquin Phoenix ja immer noch ein wenig nach und die zwei geklauten Stunden dafür schuldet er mir nach wie vor, aber hey, er spielt sich als Hippie und Privatdetektiv Doc Sportello(!) wieder geradewegs zurück an den Platz in meiner Brust. Bei Inherent Vice passieren die wichtigen Ereignisse übrigens oft nur zwischen den Szenen, wenn die Kamera nicht hinschaut. Dann wird sich dann über eben diese Ereignisse unterhalten. Außer von Seiten Owen Wilsons. Der flüstert in seiner Rolle als Coy Harling(!) bloß. Und selbst das macht dieser ach so oft verkannte Charakterdarsteller mit Bravour. Ich denke, es ist save zu sagen, dass Inherent Vice ganz wunderbar sonderbar ist. Wer hier massentaugliche Comedy erwartet, macht ganz schnell mal ein Gesicht wie Puck Beaverton(!).


Buzzard

Am 22. März 2015 unter film

Die ersten zehn Minuten von Buzzard reichen aus, den mittelgroßen Saal einer auf den Massenmarkt ausgerichteten Kinokette komplett leerzufegen. Ich liebe die ersten zehn Minuten von Buzzard. Im Film geht es um Marty, der auf düstere Metal-Musik und Horrorfilme steht und im persönlichen Krieg mit dem System stetig versucht, dieses zu seinem Vorteil zu betrügen. Mit möglichst wenig eigener Arbeit. Buzzard zeigt hier eine Momentaufnahme, als Martys Leben droht, an dieser Rebellion zu zerbrechen. Interessant ist das Detroit, welches der Film dabei zeichnet, bestehend aus kargen Büro-Zellen, Motel-Zimmern und semi-hübsch ausgebauten Hobbykellern, in denen es zum Beispiel nur Retro-Videospielkonsolen zu geben scheint, obwohl Kinoplakate darauf hinweisen, dass der Film mindestens in den 2000ern spielt. Die letzten zehn Minuten von Buzzard sind mindestens genauso großartig wie die ersten, die Stunde dazwischen ist ein wertvoller Arthouse Trip. Es endet in einer wunderbaren Harmonie aus Minimalismus, Ästhetik und einem kleinen What-the-fuck-Moment. Ich attestiere Joel Potrykus (Autor) und Joshua Burge (Marty) auf Basis von Buzzard hier einfach mal eine potentiell glänzende Zukunft. Ich freue mich schon, mehr von den beiden zu sehen. Gerne auch wieder in einem gemeinsamen Werk, weil da die Chemie stimmt.