Whiplash

Am 28. Februar 2015 in film

Whiplash mag nicht wie Birdman, Grand Budapest Hotel oder Boyhood mit Nominierungen zahlreicher Preise überhäuft worden sein, wohl aber war dessen Hauptrolle, Terence Fletcher, gespielt von J.K. Simmons, omnipräsent in den Medien und der heißeste Remix-Artikel dieser Tage. Von College Humor und Weird Al Yankowich bis Saturday Night Live schrie und fluchte Simmons als Fletcher bis die Stühle flogen. Ich verlinke diese Filmchen absichtlich nicht, denn so ein wenig hatte ich bei Whiplash dann schon das Gefühl, dass ich ihn bereits gesehen hatte. Natürlich besteht er aus weit mehr als nur einem sehr gutem J.K. Simmons aber irgendwie bezweifle ich, dass der Rest bei mir hängen bleibt. Irgendwann ist dann alles mit einem echten Knall zu Ende, will aber einfach nicht so recht aufhören. Die Dramaturgie hängt dann durch wie das Gesicht des gewatschten Miles Teller. Nur um zehn Minuten später noch einmal voll und bis zur Ermüdung mit allem aufzufahren, was geht. Puh.

Kung Fu Jungle & The Clones of Bruce Lee

Am 21. Februar 2015 in film

Kung Fu Film-Abende sind wellige Filmabende. Für den Einstieg wählten wir The Clones of Bruce Lee oder Die Zwillingsbrüder von Bruce Lee.

Die Story, ha, ha, sorry … das Script, ha, nee. Die To-Do Liste oder was auch immer den Ablauf dieses Streifens im Vorfeld bestimmte war sehr, sehr kurz. Und total dämlich. Bruce Lee ist tot, war FBI Agent und seine DNA wird drei frisch verstorbenen Doppelgängern injiziert, damit das FBI weiterhin was von seinem besten Mann hat. Holla. Besser wird’s nicht. Nach zwanzig Minuten haben wir nicht mehr richtig aufgepasst und gefühlt hat die Erzählung da auch aufgehört und es wurde halt bloß noch gekämpft. Jeder gegen Bruce Lee Eins, Zwei oder Drei.

Die Ausstattung des Films ist top: Verkleidete Billardtische als futuristische Laborgerätschaften und eine diabolische Karaoke-Maschine. Nein, im Ernst: Das war nichts. Warum das in zig Sprachen erschien weiß wohl niemand so richtig. Gegen dieses Machwerk wirkt Ghost Rider 2 wie ein Citizen Kane.

Der zweite Film unseres Kung Fu Abends, Kung Fu Jungle war nicht nur 35 Jahre jünger sondern auch Welten besser. Donnie Yen geht ja immer. Wenn dann der Film auch noch in jeder Szene wunderschön koloriert aussieht und dank Blu-ray mit einem Kontrast aufwartet, der die Szenen schon ein wenig surreal wirken lässt, dann macht das richtig Spaß. Hinzu kommen tolle Choreographien, ein mächtiger Action-Flow und Baoqiang Wang als krasser Serien-Killer. Passt.

Nightcrawler

Am 16. Februar 2015 in film

That’s my job, that’s what I do, I’d like to think if you’re seeing me you’re having the worst day of your life.

Dieses düstere Zitat von Lou Bloom alias Jake Gyllenhaal im Film Nightcrawler beschreibt mein Gefühl seiner Figur gegenüber bemerkenswert gut. Ich weiß nicht, ob ich in der Vergangenheit schon einmal in der Situation war, einen Film nicht zu mögen, weil dessen Hauptfigur so ein unglaublich gutes Arschloch spielt, dass es schon weh tut. Die Unfähigkeit, Gefühle gegenüber anderen auszudrücken, ein omnipräsenter Menschenhass und ein angsteinflößender Hang zur Perfektion, der moralische Grenzen relativiert. All das macht Lou Bloom aus, aber, und das ist der Punkt, irgendwo auch Nightcrawler, denn mehr als die Figur Lou Blooms gibt es nicht wirklich. Und die hat freie Bahn. Eine Bahn, auf der weder Hügel, noch Täler, noch sonst irgendetwas in seinem Weg stehen.

Und was zum Beispiel bei einem John Wick kein Problem darstellt, weil dort mein eigenes Gehirn (gut, das von John Wick sicher auch) auf Sparflamme läuft, gleicht bei einem Film wie Nightcrawler dann doch eher einem Leerlauf mit großer Erwartungshaltung meinerseits. Aber irgendwie kommt da nichts.

The name of my company is Video Production News, a professional news-gathering service. That’s how it should be read and that’s how it should be said.

Und jetzt stehe ich da. Zwischen zwei Stühlen. Auf dem einen Jake Gyllenhaal, mit Hundeblick und einer Performance, die jenseits von Gut und Böse ist und schlicht jeden Preis verdient hätte, den es für solche Fälle gibt. Und auf dem anderen sitzt John Wick. Ebenfalls mit Hundeblick, aber im Gegensatz zu Lou Bloom mit einem Platz in meinem Herzen. Für ein strunzbrutales Action Flick. Oha.

The Interview

Am 7. Februar 2015 in film

So langsam aber sicher haben sich die Wogen um „The Interview“ geglättet. Das hat etwas gedauert. Ich mag nie Teil dieser Wogen sein, also habe ich mit dem Anschauen des Films gewartet, bis sich alle Beteiligten beruhigt haben. Diejenigen Zuschauer, die normalerweise nichts mit Rogen/Goldberg Filmen anfangen können, die Torrent-Downloader, die für den Film eh nichts bezahlt hätten, die Neugierigen, die wissen wollten, worum es bei dieser Sache eigentlich geht und zu guter letzt noch die Rogen/Goldberg Fans, die sich auf neuen Stoff gefreut haben. Sie alle haben sich auf diesen Film gestürzt. Mitunter wie Geier und viele ihrer Schreie sind erst vor Kurzem verstummt.

Jetzt komm ich. Passt ja, denn diese Woche lief der Film offiziell in Deutschland an. Keine Frage, dass er das tut ist mehr als wichtig. Kaum ein Film hat in letzter Zeit mehr Diskussionen über Redefreiheit, Demokratie, Terrorismus und Überwachung losgetreten als ausgerechnet „The Interview”. Das ist die Macht grenzwertiger Satire und der Grund, warum es sie immer geben muss. Gerade jetzt, in den Nachwehen von Charlie Hebdo ist das ein weiteres Mal auch ein Statement.

Aber „The Interview” ist auch einfach bloß ein Seth Rogen/James Franco Film. Nie so großartig wie etwa „This is the End”, aber auch in keinster Weise mit höherem Anspruch, was das Thema vermuten lassen könnte. Es ist schlicht ein lustiger Film und etwas anderes wollte er sicher auch nie sein, bevor ein paar verblendete Halbwüchsige sich einen Spaß gemacht haben und anfingen, Sony und die Kinoketten zu bedrohen, wenn dieser Film denn gezeigt werden sollte.

Dass der Film daraufhin zuerst digital veröffentlicht wurde, ein Szenario, welches ich mir für alle neuen Filme so sehr wünsche, war auf der anderen Seite ein sehr interessantes Experiment. Eines, das dann allerdings augenscheinlich in die Hose gegangen ist. Leider. Denn mehr Publicity als “The Interview” bekommen hat, geht nun wirklich nicht und trotzdem hat man nur einen Teil der Kosten wieder eingespielt. Und die vielen Neugierigen, die sich unter anderen Umständen nie für diesen Film interessiert hätten, trieben auch noch die eigentlich dämliche, in der Gesellschaft aber fest verankerte Meta-Kritik auf undankbare 50 Prozent herunter.

Mir hat er trotzdem Spaß gemacht und genau das geboten, was ich von Anfang an von diesem Film erwartet habe. Die Fäkal-Witze hätte man für meinen Geschmack gerne etwas zurückschrauben können und irgendwo fehlte mir bei den Dialogen die Balance zwischen Seth Rogen und James Franco, der Ersteren mit seiner gnadenlos fantastischen Darstellung des niveaulosen Boulevard-Moderators Dave Skylark schlicht an die Wand gespielt hat. Vor allem in den Szenen mit Randall Park als ganz, ganz tollem Kim Jong-un.

Am Ende ist „The Interview” eben doch nur ein lustiger „Inglourious Basterds”, ohne dessen schlechte deutsche Schauspieler, aber mit gefühlt nicht weniger Gewalt und unterm Strich für mich persönlich auch weit amüsanter.

John Wick

Am 7. Februar 2015 in prosa film jasonstatham

Ein runtergekommenes Lokal, irgendwo am Rande der Downtown Los Angeles. An der Bar auf einem Hocker sitzt ein gebückter Mann über einem billigen Whiskey. Die Gestalt starrt leer in das volle Glas, während die rechte Hand mit einer viereckigen Serviette spielt. Im Hintergrund tönt Buenas Tardes Amigo von Ween kratzig durch Lautsprecher, an deren besten Tagen der jetzige Besitzer dieser Bar noch nicht einmal geboren war. „… Cinco de Mayo is on tuesday …“ tönt es in das Lokal hinein. Ein Standard iPhone Klingelton beginnt aus der Tasche des Mannes heraus zu läuten. Er ignoriert diesen.
Die Tür öffnet sich und eine weitere Gestalt betritt die Bar. Die staubige Dunkelheit des Etablissements wird vom Licht L.A.s durchfahren und überall tanzen Staubkörner durch die Luft. Die Gestalt, ebenfalls ein Mann, geht mit gemächlichen aber bestimmten Schritten auf die Theke zu und bleibt neben dem dort sitzenden Mann stehen.
„Liam“, spricht er diesen an. Nichts passiert. Das Telefon klingelt weiter. „Liam!“ entfährt es den Mann jetzt lauter.
„Hm?“, der sitzende Mann blickt müde über seine Schulter und schaut sein stehendes Gegenüber fragend an.
„Dein Telefon klingelt, Liam.“
„Mir doch egal“, antwortet Liam Neeson.
Der eben noch stehende Mann setzt sich zu Liam Neeson an die Theke und bestellt mit einem tollen englischen Akzent noch einen Whiskey. Das Telefon hört auf zu schellen.
„Sie haben wieder meine Familie, Jason“, sagt Neeson.
Jason Statham verharrt in seiner Bewegung, mit der er es sich gerade gemütlich machen wollte und blickt Liam Neeson ungläubig an. „Schon wieder?“
„Fuck, ja“.
„Verdammt!“ Jetzt ertönt ein polyphoner Standard Nokia Klingelton, irgendwo aus der Lederjacke Jason Stathams. Auch er geht nicht ans Telefon. Er blickt hinüber zum Barmann, bestellt drei Flaschen Whiskey, einen Eimer, zwei Strohhalme und eine Tüte Erdnüsse.
Die nächsten 24 Stunden wechseln sich beide Telefone regelmäßig mit ihren Klingeltönen ab und werden konstant ignoriert. Liam Neeson wird irgendwann ein Nasenbein auf dem nassen Thekenholz brechen und Jason Statham stammelt die ganze Zeit über etwas von Regeln, während er mit dem Unterschenkel einen Drogen-Dealer würgt. Außerdem geht ein Spiegel zu Bruch, der älter war als sein jetziger Besitzer.
Irgendwo am anderen Ende der Stadt, in einem Büro in Hollywood sitzen ein Studioboss und ein Produzent, sichtlich verzweifelt, an einem Mahagoni-Schreibtisch und pusten ihre wunden Finger vom Telefonieren. „Hast du Jason Statham erreicht?“, fragt der Produzent.
„Nein …“, sagt der Studioboss, „… er geht einfach nicht ans Telefon!“ „Neeson auch nicht“, erwidert der Produzent.
Beide gucken vor sich auf den Schreibtisch.
Vorsichtig blickt der Studioboss nach oben in die Augen des Produzenten „Was machen wir nun?“
Es vergeht eine kurze Minute, in der sich beide weder bewegen noch einen Mucks sagen.
Dann schlägt der Studioboss auf den Tisch. „Scheiß drauf, wir nehmen den Typen aus Matrix!“
An wieder einem anderen Ende der Stadt spielt das Mobil-Teil eines Festnetzanschlusses Beethovens Für Elise. Ein Mann nimmt ab und meldet sich schüchtern mit „Reeves.“

John Wick ist solide Unterhaltung ohne viel Anspruch, wirkt aber wie eine auf 100 Minuten aufgeblasene Sorter-Baller-Szene aus Guy Ritchies „Revolver“ und darauf warte ich schon seit Jahren.

P.s.: Der Cinco de Mayo fällt dieses Jahr tatsächlich auf einen Dienstag.