Hotline Miami 2

Am 25. März 2015 in spiel

Hotline Miami 2 gehört für mich zu der Handvoll Spiele, die ich 2015 so richtig sehnsüchtig erwartet habe. So sehnsüchtig, dass ich Teil Eins kurz vor dem Erscheinungstermin des Nachfolgers glatt noch einmal durchgespielt habe. Inklusive aller Bonuslevel. Zum wiederholten Male. Ja, man könnte sagen, ich bin ein Fan. Auch, weil Hotline Miami mit seinem grausig schönen Soundtrack und den leuchtenden Farben der Achtziger für mich immer so ein wenig das inoffizielle Spiel zu meinem Lieblingsfilm Drive von Nicolas Winding Refn war. Obwohl sich das Auto des Protagonisten, mit dem der sich von Schauplatz zu Schauplatz kutschiert, im Spiel eigentlich nie bewegt.

Jetzt kommt Teil Zwei und ist, um es vorweg zu nehmen, alles, was schon Teil Eins war, mit zwei Kellen mehr oben drauf. Interessanterweise wirkt er durch die abstrakte, durchgeknallte Story, deren Fokus auf zig Protagonisten in verschiedenen Epochen, und (optionaler!) unterschiedlicher Spielweisen dank des aufgepeppten Masken-Systems, nie wie ein Aufguss oder gar ein Abklatsch. Und, und jetzt kommt der wichtige Punkt: Es ist jetzt wirklich bockschwer! Spiele ich den ersten Teil mittlerweile fast mit geschlossenen Augen durch, habe ich so manche Stunde mit der Playstation Vita des Nächtens im Bett verbracht und war dabei oft dem Wahnsinn nahe. Die Layouts einzelner Level sind dieses Mal so ausgefuchst und gemein aufgestellt, dass deren Boshaftigkeit nur noch von der mitunter abartigen Brutalität in den Zwischensequenzen überboten wird. Puh!

Selbst die mutmaßliche Willkür, die auch bei Teil Zwei irgendwie immer noch bei jedem Angriff auf eine Wache zum Tragen kommt („Warum war der denn jetzt auf einmal schneller als ich!?”) mag mich bei diesem Spiel nicht stören. Das Scheitern ist eben auch Teil des Programms. Immer wieder. Solange, bis ich eine Ideallinie durch eine Büroetage, einen Dschungel oder eine U-Bahnstation gefunden habe und endlich den ersehnten Rücksetzpunkt erreicht habe.

Das kann oft sehr lange dauern. Deshalb präferiere ich für Hotline Miami 2 bisher noch die Playstation Vita mit ihren, für das Spiel völlig ungeeigneten Schultertasten und Analog-Irgendwas gegenüber einem feinen Dualshock der Playstation 4. Weil Letztere wohl erst mit dem nächsten großen Update das System in den Standbymodus versetzen kann, während das Spiel dann pausiert sein wird. Und auch dann bin ich nicht dagegen gefeit, dass unserer Sohn in meiner Abwesenheit das ungespeicherte Hotline Miami 2 für eine Partie Fifa an der Familien-PS4 unterbricht, während ich im Büro eine Erschütterung der Macht verspüre. Auf der Vita kann ich mein Glück morgens in der Bahn versuchen, wenn ich abends zuvor gemerkt habe, es geht in einer Szene nicht mehr weiter, ohne dass ich diese ganz von vorne spielen muss.

Wer mit Hotline Miamis eigenartiger Spielweise zurechtkam und sich mit ihr angefreundet hat, der wird auch an Teil Zwei seine große Freude haben. Von mir gibt es hier eine ganz klare Empfehlung und beide blutverschmierten Daumen nach oben. Und kommt mir hier bloß nicht mit Reflektion der Gewalt. Ich halte Hotline Miami 2, wie schon Teil Eins, schlicht für maßlos brutal und aufgesetzt kontrovers. Aber hey, es trägt wirklich viel zur kranken Atmosphäre bei.

Inherent Vice

Am 24. März 2015 in film

Ich habe soeben Inherent Vice von Paul Thomas Anderson gesehen, dabei gefühlt dreißig tolle Namen, wie Shasta Fay(!), Ensenada Slim(!) und Sauncho Smilax(!) gehört und so ein wenig bekifft fühle ich mich jetzt auch. Als hätte ich die ganze Zeit über bei Herrn Phoenix mitgeraucht. Oder Lachgas eingeatmet. Oder Kokain gezogen. Oder … ach, ihr versteht, was ich meine. Nicht? Gut. Denn so oder so ähnlich fühlt sich Inherent Vice an. Aber er fühlt sich trotzdem gut an. Es ist ein Film Noir, der mit seinen bunten Kulissen und den mitunter sehr seltsamen Figuren darin, nicht weiter von der Farbe Noir entfernt sein könnte. Und er ist fantastisch besetzt, inszeniert und gespielt. Die Sache mit I’m still here hängt Joaquin Phoenix ja immer noch ein wenig nach und die zwei geklauten Stunden dafür schuldet er mir nach wie vor, aber hey, er spielt sich als Hippie und Privatdetektiv Doc Sportello(!) wieder geradewegs zurück an den Platz in meiner Brust. Bei Inherent Vice passieren die wichtigen Ereignisse übrigens oft nur zwischen den Szenen, wenn die Kamera nicht hinschaut. Dann wird sich dann über eben diese Ereignisse unterhalten. Außer von Seiten Owen Wilsons. Der flüstert in seiner Rolle als Coy Harling(!) bloß. Und selbst das macht dieser ach so oft verkannte Charakterdarsteller mit Bravour. Ich denke, es ist save zu sagen, dass Inherent Vice ganz wunderbar sonderbar ist. Wer hier massentaugliche Comedy erwartet, macht ganz schnell mal ein Gesicht wie Puck Beaverton(!).

Buzzard

Am 22. März 2015 in film

Die ersten zehn Minuten von Buzzard reichen aus, den mittelgroßen Saal einer auf den Massenmarkt ausgerichteten Kinokette komplett leerzufegen. Ich liebe die ersten zehn Minuten von Buzzard. Im Film geht es um Marty, der auf düstere Metal-Musik und Horrorfilme steht und im persönlichen Krieg mit dem System stetig versucht, dieses zu seinem Vorteil zu betrügen. Mit möglichst wenig eigener Arbeit. Buzzard zeigt hier eine Momentaufnahme, als Martys Leben droht, an dieser Rebellion zu zerbrechen. Interessant ist das Detroit, welches der Film dabei zeichnet, bestehend aus kargen Büro-Zellen, Motel-Zimmern und semi-hübsch ausgebauten Hobbykellern, in denen es zum Beispiel nur Retro-Videospielkonsolen zu geben scheint, obwohl Kinoplakate darauf hinweisen, dass der Film mindestens in den 2000ern spielt. Die letzten zehn Minuten von Buzzard sind mindestens genauso großartig wie die ersten, die Stunde dazwischen ist ein wertvoller Arthouse Trip. Es endet in einer wunderbaren Harmonie aus Minimalismus, Ästhetik und einem kleinen What-the-fuck-Moment. Ich attestiere Joel Potrykus (Autor) und Joshua Burge (Marty) auf Basis von Buzzard hier einfach mal eine potentiell glänzende Zukunft. Ich freue mich schon, mehr von den beiden zu sehen. Gerne auch wieder in einem gemeinsamen Werk, weil da die Chemie stimmt.

The Drop

Am 15. März 2015 in film

Ab und an gibt es sie, diese Filme, die, subjektiv gesehen, einfach alles richtig machen. „The Drop” mit Tom Hardy ist so ein Film. Gefühlt ist das bei mir jeder Film mit Tom Hardy, wenn ich genauer darüber nachdenke. Egal, ob er Bane, Bronson oder Handsome Bob spielt, es ist mir jedes mal eine Freude ihm dabei zuzusehen.

In „The Drop” spielt er ebenfalls einen Bob, allerdings weniger handsome, eher zurückhaltend und vom Guy Ritchie-Gangster-Kino ist dieser Film auch meilenweit entfernt. Er erinnert viel mehr an die Boston-Crime Romane von George V. Higgins, allerdings mit einer ganz anderen Herangehensweise verfilmt als etwa dessen „Killing Them Softly”, ebenfalls ein von mir sehr geschätzter Film in diesem Genre.

Es geht um Menschen, die mit verdammt viel Geld hantieren, das ihnen nicht gehört und das andere haben wollen, denen es ebenfalls nicht gehört. Das reicht vielen Filmen schon für zwei Stunden Unterhaltung, aber dieser Film will mehr und gibt es einem auch.

Kleine Puzzleteile des großen Ganzen werden feinfühlig ausgelegt und fügen sich erst kurz vor Schluss zusammen. Dann kribbelt es in der Magengrube und man muss erst mal kurz schlucken. Weil die Geschichte aus der Feder von Dennis Lehane passte, weil die Geschwindigkeit, in der sie erzählt wurde passte, und weil jeder Mensch in diesem großartigen Cast passte. So will ich das.

Foxcatcher

Am 15. März 2015 in film

Kommen der Hulk, Magic Mike und die 40 Jahre alte Jungfrau in eine Bar und drehen einen Film über das Ringen. Ringer, das sind die Sportler, die bei Olympia in der Abstellkammer schlafen. In Schichten, weil die Tischtennis-Spieler ja auch mal müde sind. Ich finde ja generell jeden Sport doof und da haben Filme über diese Thematik schon von Vornherein einen schlechten Start bei mir, aber dann auch noch ausgerechnet Ringen? Da verhält sich Foxcatcher bei mir allerdings so ein wenig wie Makkaroni mit doppelt Käse. Ich mag’s, aber ich weiß nicht so recht, wieso. Eigentlich sollte ich Foxcatcher mit seinem ermüdenden Tempo als einschläfernd empfinden, aber es hat einfach etwas hypnotisierend Schönes, wenn Channing Tatum einfach mal gar nichts sagt und Steve Carell bei jedem Satz, den er mit versteinerter Mine spricht, bei mir eine Gänsehaut verursacht. Marc Ruffalos Bart sei hier noch ein Extra-Satz gewidmet: Ich halte nichts von Online-Petitionen, aber eine solche an Joss Whedon und Marvel gerichtet, mit der Forderung, dem Hulk in zukünftigen Avengers-Fortsetzungen einen Bart zu verpassen, würde ich mit den Namen aller meiner Angehörigen und Bekannten unterzeichnen. Ich mag Foxcatcher sehr und ich finde, man kann Carells mutige Charakter-Darstellung gar nicht oft genug loben und wünsche mir für die Zukunft noch mehr Überraschungen dieser Art.