Die Sache mit Episode Eins

Am 7. Juli 2015 unter film starwars

Oh, what the fuck happened to this world? There’s only one trilogy, you fucking morons.

Was Randall Graves uns hier sagen möchte, ist, dass er a.) kein Fan der Lord of the Rings Filme ist, und b.) die Star Wars Saga nur aus drei Filmen besteht. Schon alleine wegen der Hobbit Trilogie und Star Wars Teil VII brauchen wir unbedingt einen neuen Clerks Film, der hier entsprechend abrechnet. Jetzt der Übergang zu meinem Texthäppchen: Ich bin jetzt auch nicht so der riesengroße Fan von Star Wars Episode Eins bis Drei. Ich fand den ersten gut, den zweiten furchtbar, den dritten recht spektakulär und Anakin Skywalker in jeder Form überwiegend mies. Gemessen an dem, was zum Beispiel Episode V, Das Imperium schlägt zurück, für mich ausmacht, ist da extrem viel Luft zwischen.

Jetzt kommt meine Tochter ins Spiel, die natürlich, so verlangt es das Traditionsbewusstsein eines Star Wars Geeks, an das Thema herangeführt werden muss. Dabei sind wir bei Episode Eins angelangt, weil sich ja Königin Amidala aus irgendeinem mir völlig unerfindlichen Grund nicht in Episode IV oder gar in V hat blicken lassen. Es muss jetzt aber eben Königin Amidala sein. Na gut. Und während meine Tochter gebannt auf den Fernseher starrt, das erste Besatzungsschiff auf dem Planeten Naboo landet und ich mich über französische Außerirdische und Jar-Jar Binks aufrege (Mittlerweile glaubte ich, ich wäre dem gewachsen, was dieses computergenerierte Untier da von sich gibt, aber nee: Das trifft dich immer noch mitten ins Gesicht), betritt, angelockt vom Diesel-Sound der pre-imperialen Antriebe, ihr fast schon erwachsener Bruder das Wohnzimmer und setzt sich mit den Worten „Das ist so ein epischer Scheiß“ dazu. Ja, sage ich und stutze dann. Ich frage nach. Nein, epischer Scheiß ist nicht negativ gemeint. Epischer Scheiß ist ganz und gar positiv.

Unser Sohn hat die Star Wars Saga vor vielen Jahren mit eben diesem Film kennen und lieben gelernt. Und er liebt ihn heute noch. Trotz französischer Handelsföderation und hiesendiesem Gungan, den ich jedes mal am liebsten mit seiner eigenen Zunge bewußtlos würgen möchte, um ihn danach mit einem Stein an den Füßen in den Lianorm-Sümpfen zu versenken. Das Ertönen der Duell of the Fates Musik und den Auftritt Darth Mauls kommentiert der Bruder dann mit diesem tollen Zitat:

Für ein Kind der neuen Trilogie ist dieser Moment der Höhepunkt der Star Wars Saga!

Wir Kinder der alten Trilogie müssen das, ruhig auch ein bisschen neidisch, anerkennen. Und meine Tochter? Die findet Königin Amidala schön und ihre Frisuren lustig. Und Jar-Jar Binks auch. Na gut.


Minions

Am 6. Juli 2015 unter film

Text:Ich und Animationsfilme. Es ist ein Drama. Minions hätte das ändern können. Wenn dessen geistige Mütter und Väter Eier, größer als die der Wachtel, gehabt hätten. Dann wäre aus Minions nähmlich das geworden, was der erste Teaser noch versprach: Ein über die sprachlichen Grenzen der Welt hinaus verständliches Werk leicht vertrottelter Slapstick Comedy. Ein Road Movie mit drei kleinen gelben Eiern, die sich über die Eigenarten der Welt lustig machen, während wir uns über sie lustig machen und … woah, Vorsicht, Vorsicht! Zwei Schritte zurück! Drei Schritte! Noch einen … so. Tief durchatmen! Tief … durchatmen. Das ist doch hier kein Wunschkonzert! Wer soll denn das lustig finden?! Nee, wir machen das wie immer. Keine Überraschungen oder dergleichen Gedöns. Aber danke für die Vorschläge, wir packen sie in den Trailer und lassen später dann den Film genau so anfangen. Den Kindern ist es doch eh egal!

Und tatsächlich. Das Kino bebte förmlich vor Gelächter. Klar, er hatte seine (morbiden) Momente, aber mitunter hatte ich das Gefühl, es war völlig egal, was da gerade passierte, hauptsache, ein Minion guckt blöd. Was sie eben immer tun. Dann hat sich wieder irgendwo ein Kind vor Lachen eingenässt. Ein sehr kleines Kind. Meine siebenjährige Tochter ist skeptisch. Vielleicht sind die Siebziger, mit ihren skurrilen Idolen ja einfach nicht so ihre Zeit, könnte ich vermuten.

Am Ende gab es dann sogar noch vereinzelt Applaus. Was? Anstelle im Abspann von Minions zu klatschen, könnte man ausgewählten Autoren echter Filmkunst im kleinen Kino gegenüber zum Beispiel auch einfach in die Fresse hauen.


Mr. Robot

Am 3. Juli 2015 unter serie

Die erste Episode der neuen TV Serie Mr Robot gab es im nordamerikanischen iTunes Store gratis. Das ist bei neuen Serien oft so und ein Grund, warum diese Platform immer noch mein Fenster zur Film und TV Welt ist. Wenn ich mich zurückhalten würde, müsste ich sagen, dass Mr. Robot das großartigste seit Breaking Bad ist. Uff! Kein Scheiß. Das Teil hat mich förmlich umgehauen. Es stimmt einfach alles. Das Setting, unsere vernetzte, gläserne Gegenwart, die Hauptfigur, ein schizophrener, soziopathischer Hacker, der Drogen konsumiert und dieses ungewisse Rätseln, was echte Gefahr und was Einbildung ist. Wahnsinn. Gestern gab es nun endlich die zweite Episode. Gekauft habe ich sie bereits. Aber jetzt habe ich Angst davor, sie heute Abend anzuschauen. Bereits der Pilot ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich einfach will, dass mir die Serie weiterhin gefällt. Das ist toll, denn neuen Serienstoff gibt es heutzutage ja zuhauf und vieles schaue ich mir dank Netflix auch an, ohne dass es jetzt so richtig meinen Geschmack trifft. Jetzt sitze ich hier und tippe diese Zeilen auf meinem Telefon, esse gesalzene Honigmandeln und würde, in freudiger Erwartung der zweiten Folge, am liebsten wieder mit dem Nägelkauen anfangen. Fakt ist, dass, wenn die Serie nun mit den folgenden Episoden abstürzen würde, das Bild des Piloten in meinem Kopf ein anderes wäre. Ich wüsste weiterhin, dass dieser ganz großartig war, beim Versuch mich zu erinnern würde aber immer das Gesehene der folgenden Episoden mit einfließen. Ich könnte ja einfach aufhören weiter zu schauen, würde dann aber auch nie erfahren, ob mir die Serie danach nicht vielleicht sogar noch besser gefallen hätte, weil sie ihre Qualität hält oder gar noch besser wird. Es ist ein Drama. Und das Drama wird weitergehen. Heute abend. Auweia.

Update: Passt!


Am unter

Der Westernfilm ist ja gefühlt so alt, wie der besiedelte Westen an sich und doch überrascht er mich immer wieder mit richtigen Perlen. Auch, weil seine Erscheinungszyklen so angenehm unaufdringlich sind. Am liebsten sind mir dann noch die Indiewestern. Slow West mit Michael Fassbender, Ben Mendelsohn und Kodi Smit-McPhee ist so einer.

Dessen Stärke ist das Skript, das erfrischend nach vorne geht, während es eine Coming of Age Geschichte mit der verstaubten Legende des einsamen Reiters zu einem (Off-)Road Movie verknüpft. Dabei herrscht eine echt beschissene Stimmung, denn Slow West zeigt keine glorreichen Reiter in weiter Prärie, sondern oft gewissenlose Menschen in einem Amerika, das am schwierigen Anfang eines langwierigen Weges in die Industrialisierung steht und gerade damit beschäftigt ist, die Ureinwohner zu verjagen, um Platz für die europäischen Einwanderer zu schaffen. Seine Figuren sind in ihren Rollen entweder schon vom Aussterben bedroht oder noch gar nicht in diese hineingewachsen. Daraus ergibt sich ein tragisch komisches Abenteuer mit ganz viel Unglück und gelegentlich etwas Galgenhumor zum dran festhalten.

Überraschend negativ fiel mir dabei der anhaltende Trend auf, digitale Filme nicht mehr im klassischen Kinoformat, sondern im schlanken Heimkino Widescreen zu drehen. Bei einem Western gehören diese extremen Weiten für mich wohl immer noch dazu. Das ist angesichts der Qualität dieses Films aber Gejammer auf hohem Niveau und schließlich kommt ja Weihnachten schon das Kontrastprogramm, wenn Tarantinos Hateful Eight im 70 Millimeter Superweitbildformat in den Kinosälen anläuft.


Catlateral Damage

Am 27. Juni 2015 unter spiel

Wenn neben eurem Kleiderschrank die Ikea Fusselrollen stehen, die Badezimmertür nicht geschlossen sein darf und eure Möbel, im Gegensatz zu einem in der Ecke stehenden, sich langweilenden Kratzbaum, aufs äußerste lädiert sind, dann seid ihr ziemlich wahrscheinlich Besitzer mindestens einer Katze. Oder ihr habt Schuppen, eine sehr schwache Blase und sehr lange Fingernägel. Nein, ihr habt dann ganz sicher eine Katze. Ich fühle mit euch.

Katzen sind unberechenbare Killer, überaus destruktiv und verdammt gut darin, ihr Unbehagen auszudrücken, wenn es um die Futtermoral von Frauchen oder Herrchen geht. Dann sitzen sie graziös auf der Anrichte und blicken einen kalt und leer an, während die Pfote gekonnt einen Kugelschreiber, den wichtigen Notizblock oder das Glas Wasser mit einer frischen Scheibe Zitrone von eben dieser Anrichte schubst. Auf den wichtigen Notizblock.

Dank der erfolgreich abgeschlossenen Catlateral Damage Kickstarter Kampagne kann ich jetzt endlich auch Katze und scheiße sein. Auf meinem MacBook. Mit Maus und Tastatur. Himmel, ist das ungewohnt. Ich mag es nicht, irgendwas mit der Tastatur zu bewegen und ich kann es auch nicht. Aber ich übe und dieser Katzensimulator ist genau das richtige dafür. Allerdings nicht im Hauptmodus, weil der mir immer ein straffes Zeitlimit aufdrückt, welches ich aufgrund meines Handicaps, Maus und Tastatur nicht als Eingabemedium für Spiele zu akzeptieren, wenn überhaupt nur knapp bewältige. Da ist der Katzenklo Modus schon besser. Ohne Zeitlimit gilt es, so viele Dinge wie möglich aus Regalen und von Tischen auf den Boden zu schubsen. Bücher, Kissen, Fernseher, Konsolen. Einfach alles! Nebenbei füllen diese Gegenstände meine Sammlung auf, sofern es sich um Dinge handelt, die ich zum ersten mal abräume. Das hat alles ganz viel Katamari Damashii Charme und ist auf eine wunderbare Weise auch angenehm hypnotisierend. Man kann gut nachvollziehen, warum das einer Katze solch einen Spaß macht.

Und vielleicht kann ich deshalb demnächst auch darüber lachen, wenn unser Kater mit den Wäscheständer umkippt, dieser daraufhin ein Bücherregal ausräumt, in dessen Folge der erste Harry Potter Band auf der Kante des Macbooks landet, welches danach einen doppelten Salto auf das Laminat macht. Neben den demolierten Resten des Macbooks liegt dann der aufgeschlagene Potter Band, auf dessen Seiten Professor Dumbledore gerade im Privet Drive vor der Hausnummer Vier mit einer Katze spricht. Nee, ich lache wohl auch zukünftig nicht darüber.