Friday

Am 21. September 2015 unter film

In einem für Netflix Deutschland ungewöhnlich scharfsinnigen Zug, hat der Streaming Dienstleister vor gut einer Woche den Film Friday zu seiner Bibliothek hinzugefügt. Klar, Straight Outta Compton räumt derzeit an den Kinokassen ab, da muss eben was bezahlbares von Ice Cube und Regisseur F. Gary Gray her.

Als ich den Film damals das erste Mal anschaute, sah es noch nicht so aus, als würde es ein Werk dieser Art je in ein deutsches Kino schaffen. Ein bei der Army stationierter Buddy brachte ihn aus der armeeeigenen, den dortigen demographischen Umständen entsprechend auf afroamerikanisches Material spezialisierten Videothek mit. Während die USA Angst vor den Kommunisten und der Bombe hatte, brachten die Nachwehen des Kalten Krieges uns also Filme wie Friday ins Haus. Es lief ganz gut.

Ich kann mich noch an die Umstände der Sichtung erinnern. Ein dunkles Zimmer, mit Decken zugehängte Fenster und Matratzen auf dem Fußboden. Wie immer halt. Auf dem Fernseher, wahrscheinlich ein Sony Black Trinitron, lief Friday und davor lagen wir, mindestens so dicht wie Chris Tuckers Alter Ego Smokey im Film. Ich gehe davon aus, dass wir von der ersten bis zur letzten Minute gelacht haben. Zumindest musste ich später immer wieder lachen, wenn der Film mir gegenüber erwähnt wurde.

Heute, zwei Jahrzehnte später und ohne gelegentlichen Graskonsum lief das ein wenig anders ab. Eine Mischung zwischen Schmunzeln über den jungen Ice Cube, der noch gar nicht so richtig zum Medium Film passte (was sich aber positiv auswirkt), innerlicher Unruhe bei Chris Tuckers Overacting und purer Fremdscham, die jede Szene mit John Witherspoon als Vater heraufbeschwört. Aber ich mag das Phänomen Ice Cube irgendwie und es war unterm Strich trotz allem wieder eine Freunde ihn am Anfang seiner Karriere zu beobachten. Auch wenn sich der Kifferhumor als alles andere als zeitlos herausstellte.

Dass ich dran bleibe, wenn das Netflix Kalkül erneut zuschlägt und die anderen Friday- und Barbershop-Filme ebenfalls anbietet, halte ich trotzdem für unwahrscheinlich. Zuviel Konsum von diesem Zeug ist ja auch nicht so gesund.


Grow Home

Am 20. September 2015 unter spiel

Es gab Zeiten, da leuchteten meine Augen, wenn sich irgendwo das Ubisoft Logo materialisierte. Das waren schöne Zeiten. Aber ich habe ja auch mal EA gemocht. Auch dann noch, als alle anderen den Publisher schon als eine Institution des Teufels verschrien haben. Heute kann ich nur noch verwundert den Kopf schütteln, wenn ich sehe, wie Ubisoft, Square Enix und EA ihr letztes bisschen Würde in kleinen, oft wertfreien Paketen in den Onlineshops dieser Welt anbieten. Und während ich mit ansehen musste, wie ein großartig funktionierendes Assassin’s Creed immer und immer weiter verwässert wurde, um es der breiten Masse noch ein wenig zugänglicher zu machen und ich der Battlefield Serie dabei zugeschaut habe, wie es mehr und mehr zu Call of Duty transformierte, habe ich die Tür einfach mal zugemacht. Macht das ruhig so weiter, dachte ich mir. Ein wichtiger Teil davon, nämlich der Konsument, will ich aber nicht mehr sein. Das klappt bisher sehr gut.

Jetzt kommt Grow Home von Ubisoft. Ein einziges Bild habe ich dazu vorab gesehen. Es sah gut aus. Als Platform war aber der PC angegeben und da war ich raus. Jetzt kredenzte es Sony allen Playstation Plus Abonnenten für lau auf der Playstation 4. Ich liebe diesen Service, auch weil ich hier Spiele zocke, die ich mir nie gekauft hätte. Als ich Grow Home sah, kam mir das Bild wieder in den Sinn. Und obwohl ich gerade bis zum Hals im verf%#!t bockschweren Metal Gear Solid V stecke, habe ich es mir gleich angeschaut.

Es war furchtbar. Mittlerweile zucke ich schon mal spontan zusammen, wenn das Unity-Logo über den TV-Bildschirm flackert und erwarte technisch erst einmal gar nichts. So kann es meistens nur noch besser werden. Das eine Unity-Entwicklung nicht immer technisch hinterherhinken muss, bewies dann aber Tembo sehr gut, ein Grow Home trennen davon allerdings Welten. Alles ruckelt, teart und blitzt. Die (teilweise gewollt) schwammige Steuerung machte es nicht besser. Nach fünf Minuten musste ich das Pad erst einmal weglegen.

Aber Grow Home hat etwas, das mich festhielt. Eine Idee, die mich immer schon reizte. Es geht darum, nach oben zu kommen. Das mag ich. Nicht bildlich gesprochen, sondern schlicht die Möglichkeit, eine virtuelle Welt nicht nur von links nach rechts sondern auch in der Höhe neu zu entdecken (Es gab ein Arcadespiel, das ich früher geliebt habe, aber leider nicht mehr weiß, wie es hieß. Es war Tate, also im Hochformat und ich musste über Plattformen immer weiter nach oben durch Baumwipfel springen).

Also blieb ich dran. Und irgendwie machte das Klettern mit dem kleinen Roboter, der eine außerirdische Bohnenranke zum Wachsen bringen muss, plötzlich Spaß. Einfach war es nicht, was aber weniger am Schwierigkeitsgrad sondern mehr an der Verfassung des Spiels lag. Immer wieder fiel ich irgendwo runter, obwohl ich Stein und Bein schwören könnte, dass ein Arm meines Roboters sich doch noch irgendwo hätte festhalten können, während ich die Schultertasten meines Controllers so fest drückte, dass ich sie fast schon zerstörte.

ICH HAB’ DOCH GEDRÜCKT!

Egal, denn Grow Home hat noch zwei Sachen, die ich total mag: Ich muss in der Spielwelt versteckte Kristalle finden, um schleppend die Fähigkeiten meines botanischen Roboters auszubauen. Optional darf ich nebenbei auch noch die bizarre Tier- und Pflanzenwelt katalogisieren. Dazu muss ich ein Exemplar zu fassen bekommen und es irgendwie zu einem der Teleporter transportieren. Das ist manchmal schon ein wenig knifflig und ein schönes Spiel im Spiel. Die Teleporter dienen hauptsächlich als Rücksetzpunkte, wenn ich wieder einmal irgendwo runtergefallen bin. Der Frust hält sich also in Grenzen, wenn ich von den technischen Pannen mal absehe.

Grow Home funktioniert überraschend gut, wenn ihr es mit Kindern spielt. Obwohl die Steuerung eine mittlere Katastrophe ist, gelingen meiner Tochter hier immer wieder erstaunliche Fortschritte. Dank Metal Gear Solid V habe ich nicht ansatzweise so viel Zeit in diesen Titel gesteckt, wie ich es in anderen Zeiten getan hätte, aber das hole ich noch nach. Und ich freue mich drauf. Immerhin haben wir die Hälfte der zweitausend Meter bereits bezwungen.


Was sind eigentlich 16 Bars?

Am 13. September 2015 unter ansage

Was sind eigentlich diese 16 Bars von denen die Rapper immer alle sprechen? Und wie genau hören sich die in der Praxis an? Das wollte meine Tochter heute wissen und deswegen habe ich schnell mal das hier aufgenommen. Viel Spaß. Den Download gibt es drüben bei Bandcamp.


Volume (Podcast)

Am 10. September 2015 unter spiel

Kann Volume dem großen Erwartungsdruck aufgrund seines Machers und aufgrund seines spielerischen Vorbilds gerecht werden? Das klären Torsten und Daniel im Podcast.

Und zwar in dem hier. Ein Texthäppchen von mir zum Spiel könnt ihr hier lesen.


Metal Gear Solid V: The Phantom Pain

Am 7. September 2015 unter spiel

Wie kann ich denn wohl diejenigen unter euch, die Phantom Pain nicht spielen, noch dazu bringen es doch zu tun? Ich hab es! Ich erzähle euch einfach mal von gestern Nacht.

Es begann hoch zu Ross. Mein Pferd trottete gemächlich an eine Felskante heran. Unter uns knarzte der karge, staubige Boden der afghanischen Wüste. Vor uns, am Fuß der Klippe erstreckte sich ein weitläufiges Militärcamp. Ein Dutzend feindlicher Soldaten streunte mehr oder weniger gemütlich auf und ab. Einer von ihnen war ein Waffenspezialist und mein Objekt der Begierde. Eine Entführung. Mein Spezialgebiet. Ausspionieren, eindringen, zuschlagen, abhauen. Was in der Theorie wie im Kino klingt, ist in der Praxis harte Arbeit. Nachdem ich alle beweglichen Ziele beobachtet und markiert hatte, machte ich mich im Schutz der Dunkelheit auf, das Camp zu infiltrieren. Ich schlich mich gekonnt bis ins Zentrum des Lagers. Dort wurde eine Wache mit einem Nachtsichtgerät auf mich aufmerksam. Schnell versteckte ich mich hinter einen geparkten Jeep. Der Nachtsichtmann wurde stutzig und bewegte sich auf mein Versteck zu. Ich stülpte mir einen Karton über, tarnte mich so als herumstehende Arbeit und freute mir einen Ast, dass das wirklich funktionierte und der Nachtsichtmann das Interesse an mir verlor. Minuten später lockte ich, hinter Mauern, Dixie Klos oder Zelten hockend, einzelne Soldaten, einen nach dem anderen, zu mir und schaltete sie aus. Die schliefen nur. Ich bringe bei Metal Gear niemanden um.

Irgendwo war mir ein Fehler unterlaufen, woraufhin die Hölle losbrach. Ich konnte mich gerade noch so in einem alten Tempel verstecken und harrte aus, bis wieder Ruhe einkehrte. Auf ein Neues. Im Folgenden erwischte mich ein Wachmann mit einem anderen Wachmann über der Schulter, den ich gerade in einem Dixi verstauen wollte („Es ist nicht so, wie es aussieht!“). An anderer Stelle achtete ich nicht auf den aufgebrauchten Schalldämpfer meiner Betäubungspistole. Einmal fiel ich beim Wegrennen zu tief und starb. Ein anderes mal hing der von mir zu entführende Soldat bereits am Wetterballon, der ihn ausfliegen sollte, als im Gerangel eine Granate erst mich verfehlte und dann direkt unter dem Ballon detonierte. Mitsamt dem Objekt der Begierde. Einen Meter über dem Boden!

Es kostete letztendlich über eine Stunde Zeit und erforderte ein aufregendes Katz- und Mausspiel durch das Labyrinth der Tempelruine, bis mein Auftrag endlich erfüllt war und ich sicher wieder aus dem Missionsgebiet verschwunden war. Dann merkte ich, wie müde ich längst war. Und auch ein wenig sauer. Ich ritt davon und wollte das Tal mit den feindlichen Soldaten hinter mir lassen.

Plötzlich spürte ich dieses Stechen. Der Stolz. Ich hielt das Pferd an … und kehrte um. Wieder an der Felskante angekommen, blickte ich runter ins Tal auf das Lager. Immer noch sauer. Über mein Kommunikationsgerät, dem iDroid, forderte ich einen Luftschlag an und wählte das Zentrum, die Kommunikationsanlage und den Aussichtsturm des Camps als Ziel aus. Wenige Minuten später explodierte der Aussichtsturm und die Funkanlage mit samt Zelt in tausende kleine Teile. Im Zentrum flogen Körper, von der Explosion getrieben, durch die Luft. Ich rief den Helikopter und bat um weitere Feuerunterstützung. Während im Camp helle Aufregung herrschte, flog mein Heli in das Tal ein und schaltete gezielt umherlaufende Soldaten mit Maschinengewehrfeuer aus.

Die Schreie der Soldaten im Tal vermischten sich mit Kim Wildes Kids in America, das aus den Boxen des angreifenden Helikopters schallte und der Szene eine erdrückende Atmosphäre verlieh. Ich stand am Abgrund und weil Snake weder eine Flagge der vereinigten Staaten, noch eine eiskalte Coca Cola zur Hand hatte, ließ ich ihn eine Zigarre rauchen. I am Snake dachte ich. Don’t fuck with me!

Ich erlebte den vielleicht moralisch verwerflichsten Moment meines Lebens als Videospieler. Es untermalte ihn das schöne Gefühl höchster Genugtuung.

Kurzum: Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ist ein Brett.