Dresden Files

Am 11. November 2015 unter buch

Die Weihnachtszeit ist für mich die stressigste Zeit des Jahres. Nicht etwa, weil ich Weihnachten nicht mögen würde. Ganz im Gegenteil: Ich liebe diese Zeit. Aber meine Arbeit verlangt mir in der Weihnachtssaison schlicht alles und noch ein klein bisschen mehr ab. Da ist es wichtig, dass ich abends abschalten kann. Zum Beispiel mit einem guten Buch. Und das ist bei mir gerade der zweite Teil der Dresden Files von Jim Butcher.

Oft höre ich den Vergleich zu Buffy, nur habe ich Buffy leider nie gesehen. Deswegen wirkt der noir’sche Detektiv Harry Dresden, der unter seinem Mantel ein waschechter Hexer ist und in Chicago der Gegenwart gegen allerlei Okkultes kämpft, für mich eher wie der Hauptdarsteller in einem Achtziger-Jahre John Carpenter Werk. Irgendwie trashig, alles ein bisschen einfach und ab und an grandios einfallsreich. Und deswegen für mich sehr faszinierend.

Ich weiß nicht, wie viele Bücher der Reihe ich noch lesen muss, bis ich endlich nicht mehr das Gesicht in die Hände grabe, wenn es Dresden zum wiederholten Male für eine gute Idee hält, unbewaffnet, halb tot und ohne jede Chance in die Höhle des Löwen zu laufen. Aber irgendwie macht genau das den Reiz aus und ich glaube, ich wäre fast ein bisschen enttäuscht, würde er plötzlich anfangen, jeden Schritt vorher genau zu planen.

Derzeit gibt es fünfzehn Bücher und nein, das halte ich normalerweise nicht bis zum Ende durch, aber der Charme der ersten beiden Bände hat mich fest im Griff. Schauen wir also mal, wie weit ich noch komme.


Signal

Am 6. November 2015 unter ansage

I use Signal every day. #notesforFBI (Spoiler: they already know)

– Edward Snowden

Was euch Edward Snowden damit sagen will ist, dass es jetzt, wo Signal (App Store) und Textsecure (Play Store) auf iOS und Android den selben Namen tragen, kaum mehr einen Grund geben sollte, weiterhin Whatsapp zu benutzen.

Außer natürlich der, dass unsere Privatsphäre das Nachsehen hat, wenn es darum geht, dass wir alleine in der Signal Kontaktliste etwas verpassen könnten.

Es ist ein Drama.

(Versucht es doch bitte trotzdem mal)


Ein Wochenende Apple TV 4

Am 1. November 2015 unter ansage

Ein Wochenende klingt viel, bedeutet für Eltern mit kleineren Kindern aber allerhöchstens zwei Abenden und vielleicht noch eine Stunde am Nachmittag. Trotz allem möchte ich hier mal die ersten Stunden mit der neuen Box von Apple aufschreiben.

Der alte Apple TV 2 weilte bei uns Jahre lang unter der Yamaha Soundbar, die jetzt in zweierlei Hinsicht eine Abfuhr erteilt bekam: Erstens passt der neue Apple TV nicht mehr unter die Bar. Das kleinere Übel, denn die Fernbedienung funktioniert natürlich nicht mehr mit Infrarot, also muss der Weg zwischen Box und Sofa auch nicht mehr frei sein. Zweitens ist ein optischer Soundausgang wohl nicht mehr zeitgemäß und wenn Apple etwas nicht mehr für zeitgemäß hält, ist es eben weg. Das ist in unserem Fall ein bisschen blöd, denn optimal können wir die Soundbar so nicht mehr nutzen. Ich gebe aber zu, dass ich den Unterschied vielleicht gar nicht bemerken würde.

Nach dem ersten Einschalten dann der Seufzer der Erleichterung: Alles sieht plötzlich gut aus und reagiert schnell. Das hatte ich gehofft, musste es nach Jahren mit dem Apple TV 2 aber erstmal mit eigenen Augen sehen. Da wir den Apple TV 3 übersprungen haben, weiß ich nicht, welche Features bereits dort implementiert waren, aber per HDMI kommuniziert die Box jetzt astrein mit unserem in die Jahre gekommenen Panasonic Viera und schaltet ihn ein oder aus, wenn der Apple TV es will und auch die Yamaha Soundbar konnte mal einen Erfolg verbuchen, als sie sich mit nur wenigen Handgriffen mit der Apple Remote verbinden ließ. Vorbei sind also die Zeiten des Apple TV 2, als wir noch drei Fernbedienungen auf dem Sofatisch liegen hatten und diese auch benutzen mussten.

Apps. Apps sind großartig. Apps sind universal, das heißt, das ihr sie gratis auf euren Apple TV laden könnt, habt ihr sie vorher bereits für das iPhone oder das iPad gekauft. So wartete zum Beispiel der tolle Zelda-Klon Oceanhorn nur darauf, von uns installiert zu werden. Und ja, ich kann diese Spiele jetzt erst für voll nehmen, da ich sie endlich wie ein Schluck Wasser in der Kurve vom Sofa aus auf einem großen Bildschirm zocken kann. Interessant: Erst mit der gesamten Familie auf dem Sofa vor dem Fernseher erkennt man, wie viele iOS Spiele doch erst ihr ganzes Potential zeigen, wenn alle zusammen daran teilnehmen oder sich abwechseln. Mein Favorit: Shadowmatic, bei dem alle Anwesenden herrlich schön mitraten und Lösungsansätze brüllen können.

Beim Thema Kontrolle ist noch Luft nach oben. Es war mir klar, dass sich Spiele mit einer Fernbedienung nicht optimal steuern lassen und einen 60 Euro Controller wollte ich auch nicht gleich mitbestellen. Aber und das muss ich fairerweise sagen: Es spielt sich besser als gedacht. Es gibt noch Kinderkrankheiten und nicht alle Spiele sind optimal auf die Remote ausgerichtet, aber es geht. Auf die Dauer ist ein Controller aber Pflicht. Vor allem, weil ein Klick auf die Fernbedienung eben oft auch gleichzeitig eine winzige Wischbewegung ist. Eine Bombe bei Oceanhorn vor sich platzieren und nicht wegzuwerfen beispielsweise verlangt feinstes Fingerspitzengefühl.

Siri. Siri funktioniert prima und findet sogar englische Seriennamen problemlos, wenn man denn im deutschen iTunes Store angemeldet ist. Die primäre Daseinsberechtigung unseres Apple TVs war und ist aber der US iTunes Store. Ein Zweitaccount lässt sich wieder problemlos hinterlegen und das Hin- und Herschalten benötigt nach wie vor nur zwei Klicks, aber Siri verweigert hierzulande schlicht den Dienst, wenn sie nicht im deutschen Store unterwegs ist. Was zu neunzig Prozent bei uns der Fall ist. Da bin ich also raus.

Mein persönliches Top Feature, was bei uns bisher die Yamaha Soundbar erledigte, ist jetzt eingebaut (auch hier weiß ich nicht, ob das Apple TV 3 das bereits an Bord hatte): Univolume. Neue Filme haben einen Lautstärken-Dynamikbereich zwischen Flüsterleise und Hörsturzgefahr. Für Eltern, deren Kinder nebenan schlafen, bedeutet das, ständig die Lautstärke regeln zu müssen. Ein Auto explodiert: Lautstärke schnell runter. Zwei dunkle Gestalten treffen sich nachts in einer Gasse und flüstern: Lautstärke wieder hoch. Eine der Gestalten zieht eine Waffe: LAUTSTÄRKE RUNTER, LAUTSTÄRKE RUNTER! Man entwickelt eine Art siebten Sinn und weiß oft schon Minuten vorher, wann es laut wird, aber die Möglichkeit, den Dynamikbereich der Lautstärke eines Films oder einer Serie direkt aus dem Untermenü des Apple TVs heraus zu reduzieren, macht deutlich mehr Spaß.

Unterm Strich ist natürlich der iTunes Store nach wie vor die Daseinsberechtigung des Apple TVs. Aber auch für Netflix, YouTube, Vimeo und Co. wird das neue Apple TV bei uns zu Hause die Schnittstelle sein. So eine handliche Fernbedienung ist eben doch etwas anderes als zum Beispiel ein Playstation 4 Controller. Ich freue mich auf die nächsten Wochen mit drei zweiten Staffeln (Fargo auf Netflix, Manhattan und Les Revenants auf iTunes) und dem neuen Apple TV 4.


Maggie

Am 27. Oktober 2015 unter film

Einen Schwarzenegger Zombiefilm würde ich normalerweise nicht einmal mit Asbesthandschuhen anfassen, aber der 99-Cent Film der Woche war bei iTunes nun mal Maggie und damit seit Wochen der Erste, der vom Klappentext her so etwas wie Interesse bei mir weckte.

Maggie ist Zombieapokalypse mal anders. Überraschend ruhig und damit auch überraschend gut. Ambiente Klavierklänge untermalen eine kaputte Welt mit Menschen, die versuchen, damit klarzukommen, dass nichts mehr so sein wird, wie es mal war. Kein Überlebensdrama, keine Horden von Untoten.

Der Film ist wie eine traurige Platte, die man an einem verregneten Herbstabend auflegt, es dann irgendwie total schön findet und am Ende so richtig scheiße drauf ist. Die Maggie Platte hat gegen Ende aber leider einen Sprung. Anstelle eines knallenden Abgangs, wiederholt es sich zum Finale hin zweimal zu oft, bevor dann doch endlich mal Schluss ist. Aber kein guter Schluss. Der wäre zehn Minuten vorher perfekt gewesen, wenn Arnies Figur so etwas wie Eier vom Drehbuch spendiert bekommen hätte. Hat er aber nicht. Die 99 Cent waren trotzdem gut angelegt.


Black Coal, Thin Ice

Am 27. Oktober 2015 unter film

Es ist ewig her, dass ich einen chinesischen Film gesehen habe, der a.) nicht in Hong Kong spielt und b.) nichts mit Kung Fu zu tun hat. Das war meine Motivation Black Coal, Thin Ice zu leihen, der es relativ frisch irgendwie auf den US Markt geschafft hat und das Genre des Thrillers bedient. Da habe ich einiges erwartet, aber mit derart kaputten Cops, einem gruselig kargen Bergbau Provinz Setting, dem übelsten China-Discopop und Schlittschuhen mit zentraler Bedeutung habe ich nicht gerechnet.

All das vermischt sich hier zu einem handfesten Kulturschock einer Kultur, die man lieber ganz schnell wieder vergessen möchte. Obendrauf gibt es noch fachmännisch geschnetzelte Leichen und ein Dutzend Unsympathen. Der Protagonist Zhang hätte mir nicht einmal einen Funken Mitleid abringen können, wäre er irgendwann einfach nackt in den Schnee gefallen und erfroren. Wenn ich so recht darüber nachdenke, hätte das kaum einer in diesem Film geschafft. Irgendwie gibt es hier nämlich nur Arschlöcher. Das alles ist eigentlich genau das richtige, wenn man mal Bock auf einen Blick über den cineastischen Tellerrand hat, aber irgendwie fehlte mir noch das gewisse Etwas, das diesen Film weniger wie ein fieberndes Delirium hätte wirken lassen.