Was sind eigentlich 16 Bars?

Am 13. September 2015 in ansage

Was sind eigentlich diese 16 Bars von denen die Rapper immer alle sprechen? Und wie genau hören sich die in der Praxis an? Das wollte meine Tochter heute wissen und deswegen habe ich schnell mal das hier aufgenommen. Viel Spaß. Den Download gibt es drüben bei Bandcamp.

Volume (Podcast)

Am 10. September 2015 in spiel

Kann Volume dem großen Erwartungsdruck aufgrund seines Machers und aufgrund seines spielerischen Vorbilds gerecht werden? Das klären Torsten und Daniel im Podcast.

Und zwar in dem hier. Ein Texthäppchen von mir zum Spiel könnt ihr hier lesen.

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain

Am 7. September 2015 in spiel

Wie kann ich denn wohl diejenigen unter euch, die Phantom Pain nicht spielen, noch dazu bringen es doch zu tun? Ich hab es! Ich erzähle euch einfach mal von gestern Nacht.

Es begann hoch zu Ross. Mein Pferd trottete gemächlich an eine Felskante heran. Unter uns knarzte der karge, staubige Boden der afghanischen Wüste. Vor uns, am Fuß der Klippe erstreckte sich ein weitläufiges Militärcamp. Ein Dutzend feindlicher Soldaten streunte mehr oder weniger gemütlich auf und ab. Einer von ihnen war ein Waffenspezialist und mein Objekt der Begierde. Eine Entführung. Mein Spezialgebiet. Ausspionieren, eindringen, zuschlagen, abhauen. Was in der Theorie wie im Kino klingt, ist in der Praxis harte Arbeit. Nachdem ich alle beweglichen Ziele beobachtet und markiert hatte, machte ich mich im Schutz der Dunkelheit auf, das Camp zu infiltrieren. Ich schlich mich gekonnt bis ins Zentrum des Lagers. Dort wurde eine Wache mit einem Nachtsichtgerät auf mich aufmerksam. Schnell versteckte ich mich hinter einen geparkten Jeep. Der Nachtsichtmann wurde stutzig und bewegte sich auf mein Versteck zu. Ich stülpte mir einen Karton über, tarnte mich so als herumstehende Arbeit und freute mir einen Ast, dass das wirklich funktionierte und der Nachtsichtmann das Interesse an mir verlor. Minuten später lockte ich, hinter Mauern, Dixie Klos oder Zelten hockend, einzelne Soldaten, einen nach dem anderen, zu mir und schaltete sie aus. Die schliefen nur. Ich bringe bei Metal Gear niemanden um.

Irgendwo war mir ein Fehler unterlaufen, woraufhin die Hölle losbrach. Ich konnte mich gerade noch so in einem alten Tempel verstecken und harrte aus, bis wieder Ruhe einkehrte. Auf ein Neues. Im Folgenden erwischte mich ein Wachmann mit einem anderen Wachmann über der Schulter, den ich gerade in einem Dixi verstauen wollte („Es ist nicht so, wie es aussieht!“). An anderer Stelle achtete ich nicht auf den aufgebrauchten Schalldämpfer meiner Betäubungspistole. Einmal fiel ich beim Wegrennen zu tief und starb. Ein anderes mal hing der von mir zu entführende Soldat bereits am Wetterballon, der ihn ausfliegen sollte, als im Gerangel eine Granate erst mich verfehlte und dann direkt unter dem Ballon detonierte. Mitsamt dem Objekt der Begierde. Einen Meter über dem Boden!

Es kostete letztendlich über eine Stunde Zeit und erforderte ein aufregendes Katz- und Mausspiel durch das Labyrinth der Tempelruine, bis mein Auftrag endlich erfüllt war und ich sicher wieder aus dem Missionsgebiet verschwunden war. Dann merkte ich, wie müde ich längst war. Und auch ein wenig sauer. Ich ritt davon und wollte das Tal mit den feindlichen Soldaten hinter mir lassen.

Plötzlich spürte ich dieses Stechen. Der Stolz. Ich hielt das Pferd an … und kehrte um. Wieder an der Felskante angekommen, blickte ich runter ins Tal auf das Lager. Immer noch sauer. Über mein Kommunikationsgerät, dem iDroid, forderte ich einen Luftschlag an und wählte das Zentrum, die Kommunikationsanlage und den Aussichtsturm des Camps als Ziel aus. Wenige Minuten später explodierte der Aussichtsturm und die Funkanlage mit samt Zelt in tausende kleine Teile. Im Zentrum flogen Körper, von der Explosion getrieben, durch die Luft. Ich rief den Helikopter und bat um weitere Feuerunterstützung. Während im Camp helle Aufregung herrschte, flog mein Heli in das Tal ein und schaltete gezielt umherlaufende Soldaten mit Maschinengewehrfeuer aus.

Die Schreie der Soldaten im Tal vermischten sich mit Kim Wildes Kids in America, das aus den Boxen des angreifenden Helikopters schallte und der Szene eine erdrückende Atmosphäre verlieh. Ich stand am Abgrund und weil Snake weder eine Flagge der vereinigten Staaten, noch eine eiskalte Coca Cola zur Hand hatte, ließ ich ihn eine Zigarre rauchen. I am Snake dachte ich. Don’t fuck with me!

Ich erlebte den vielleicht moralisch verwerflichsten Moment meines Lebens als Videospieler. Es untermalte ihn das schöne Gefühl höchster Genugtuung.

Kurzum: Metal Gear Solid V: The Phantom Pain ist ein Brett.

LEGO Marvel Super Heroes

Am 6. September 2015 in spiel lego

LEGO Marvel Super Heroes ist kein gutes Spiel. Es hat Ecken und Kanten, so groß wie Löcher in den Socken von Galactus und manche von ihnen haben ihren Ursprung noch in LEGO Star Wars, dem ersten Spiel seiner Art. Es stürzt auf unserer Playstation 3 öfters ab als Peter Parker in einer Hipster Milchbar im gentrifizierten Brooklyn. Im Netz wird man vor dem Speichern innerhalb eines Levels gewarnt. Weil man so angeblich seinen Spielstand zerschießen kann. Noch so offensichtliche Rätsel erklärt mir das Spiel immer und immer wieder, obwohl ich bereits gefühlt zweihundert dieser Art gelöst habe, und an anderen Stellen, an denen mir das oft eigenwillige Level Design einen intuitiven Lösungsansatz verweigert, schweigt es wie ein Grab. Auch der künstlich verlängerte Spielablauf, bei dem ich im Kampagnenmodus vielleicht die Hälfte aller Aufgaben schaffen kann und den Rest im so genannten Freeplay Modus spielen und dabei umständlich zwischen Dutzenden freigespielter Charaktere wechseln muss, reizt mich längst nicht mehr. Und dennoch ist LEGO Marvel Super Heroes seit ein paar Tagen offiziell zu einhundert Prozent durchgespielt. Inklusive einer Platintrophäe.

Und alles bloß, um mit Iron Man auf dem Fahrrad Manhattan zu erkunden. Um mit Ultimate Spider-Man durch Häuserschluchten zu schwingen. Um mit dem Avenger Bike/Ghostrider Chopper/Tony Stark Sportwagen eine Tour zu machen. Um Thor, Daredevil, Deadpool, Wolverine, War Machine, den Hulk und gefühlt dreihundert weitere Marvelfiguren freizuspielen. Dafür haben wir Nebenmission mit belanglosen Konzepten, katastrophalen Sprung- und Kletteraufgaben oder Straßenrennen mit abgrundtief mieser Steuerung über uns ergehen lassen. Wir haben geflucht, sind an der Kamera verzweifelt und … oh, seht mal da: Elektra! Und dort Bullseye! Und Wilson Fisk! Und überhaupt: MARVEL! Ihr versteht, was ich meine.

Wenn man früher Karten oder ähnliches gesammelt hat, war der Weg zum Kiosk oder Supermarkt auch nie das Ziel, sondern notwendiges Übel. So ähnlich geht es mir mit LEGO Marvel Super Heroes. I gotta catch them all! Und deshalb spiele ich es trotz aller Fehler und deshalb werde ich auch einen eventuellen Nachfolger spielen, mit all seinen Fehlern. Nur, um irgendwann wieder im Chor mit meiner Frau zusammen „PUNISHER!“ zu schreien, wenn Frank Castle erneut freigespielt wird. Auch, wenn wieder alles an diesem Spiel „HA-HA-HA DU IDIOT! WIR KÖNNTEN DAS BESSER MACHEN, ABER DAS MÜSSEN WIR GAR NICHT!“ schreit. Ja, ich bin der Idiot. Aber dafür habe ich jetzt meine erste Platinum Trophäe erspielt … mit dem Profil meiner Frau. Oh.

Straight Outta Compton

Am 30. August 2015 in film

Biopics sind nicht meins. Normalerweise. Straight Outta Compton hat aber zwei Vorteile. Zum einen waren Ice Cube, Dr. Dre und Eazy-E in der Blüte meines Lebens der Soundtrack zu eben diesem und notwendiger Kraftstoff für den Motor, auf viele Dinge einfach einen Fick zu geben. Zum anderen bringt es ein Drehbuch weit nach vorne, wenn das darin thematisierte Leben mehr Auf und Abs hat, als eine Lowrider Parade auf dem Crenshaw Boulevard.

Und davon wird erfreulicherweise viel gezeigt, ohne dass ich je das Gefühl hatte, der Film würde sich nicht auch Zeit dafür nehmen. Vom ersten Satz an, dem Intro Text der namensgebenden Platte (vorher gibt es witziger weise noch ein Cypress Hill Sample), bis zum Beatskopfhörer (Himmel!) war ich Zeuge vieler wichtiger wie tragischer Ereignisse im Leben der Bandmitglieder.

Oft konnte ich dabei, anhand von Klamotten und Kopfbedeckungen, Rückschlüsse auf die Cover der entsprechenden musikalischen Werke ziehen, die in den jeweiligen Szenen gerade in Arbeit waren. Ein tolles Detail, das zusammen mit dem schlicht perfekten Casting und deren neu interpretierten Versionen bekannter Songs als Soundtrack das Highlight des Films ausmacht.

Das Überraschendste an Straight Outta Compton ist seine Ehrlichkeit, auch Themen der Bandgeschichte anzuschneiden, die dann mal nicht all zu rühmlich waren. Aber mehr ist auch gar nicht nötig, denn alles ist vergessen, wenn der junge Dr. Dre an der Orgel sitzt und leicht verzweifelt versucht, die Melodie von Leon Haywoods I Want’a Do Something Freaky To You nachzuspielen. In der Hoffnung, dass da vielleicht mal ein Hit draus wird. Oder Ice Cubes Sohn bei der perfekten Darstellung seines Vaters zuzusehen. Das fasziniert.

Die letzten fünf Minuten hätten sie sich sparen können. Bevor diese losgingen, hatte ich eine Vermutung im Kopf, wie der Film perfekt und mit einer nachdenklichen Note enden könnte. Ich lag mit meiner Vermutung falsch. Leider. Aber ich war ja schon dankbar, dass vor dem Film nicht noch einmal diese höchst peinliche Bastian Schweinsteiger Beats Kopfhörer Werbung lief. Man kann halt nicht alles haben.