A Rugged Family

Am 11. Dezember 2015 unter ansage

Irgendwann im Jahr 2007 stehen meine Frau und ich im Skater’s Palace im schönen Münster etwas abseits der Menge und wir schauen uns Jedi Mind Tricks und RA the Rugged Man live an. Meine Frau ist schwanger. In ihrem Bauch windet sich unsere ungeborene Tochter zur Musik von Uncommon Valor: A Vietnam Story hin und her, während ein irgendwie ausgepowerter Vinnie Paz und ein völlig fertiger Rugged Man mit freiem Oberkörper und Plauze ganz großartige Reime ins Mikro sprechen und diesen Song zum Besten geben. Rugged Man ist der Star des Abends. So wie er 2007 der Star der Rapszene ist. Talentiert, kontrovers aber wohl auch arg schwierig. Sein zweites Album wird noch Jahre dauern.

2014 im Mephisto, einem kleinen Club des Faust e.V. in Hannover Linden. Ich stehe mit Freunden erneut vor einer Bühne mit Rugged Man oben drauf. Allerdings ein völlig veränderter, gesund und gepflegt aussehender RA. Begleitet von DJ Illegal von den Snowgoons liefert er eine Show ab, die ihres gleichen sucht. Dieser Mann hat ein Talent und neuerdings auch eine Ausstrahlung, dass es einen sofort mitreisst. Am Ende des Abends hat er gefühlt mehr im Publikum gerappt, als oben auf der Bühne gestanden. Es wird eines der besten Konzerte sein, die ich bis dato gesehen habe.

Es ist der 9. Dezember 2015 und Rugged Man tritt erneut in Hannover auf. Wieder im Mephisto und begleitet von Afro - All Flows Reach Out, dem wahrscheinlich krassesten Neuzugang der Szene. Ich bin leider nicht dabei. Aber unser Sohn/Stiefsohn hält die kleine Familientradition aufrecht, dank zweier Rugged Man Konzertkarten, die wir ihm zum 18. Geburtstag feierlich überreichten. Kulturauftrag und so.

Somit, und da bin ich ehrlich ein bisschen stolz drauf, denn RA the Rugged Man ist einer der größten Rapper dieser Tage, waren alle vier Mitglieder unserer kleinen Familie schon einmal auf einem RA the Rugged Man Konzert.

A somewhat rugged family! <3


Jessica Jones

Am 6. Dezember 2015 unter serie

Wenn ich in Zukunft eine Marvel-Serie sehe, bei der die Hauptfigur mal halb soviel Charisma hat, wie deren Antagonist, dann gebe ich euch eine Reihe Mexikaner aus. Immerhin: Mexikaner trinkt Jessica Jones bestimmt zum Frühstück. Bevor das harte Zeug drankommt. Darin ertränkt sie dann vor allem ihr Selbstmitleid. Als Zuschauer hätte ich gerne jedes Mal einen Schluck abbekommen, wenn zum gefühlt zehnten Mal das Damoklesschwert ihrer Vergangenheit über der Liaison mit dem Powerman baumelte.

Aber ähnlich wie bei Marvels Daredevil sind diese Durststrecken im Drehbuch fast egal, wenn der Gegenspieler das erste mal ordentlich Screentime hat. David Tennant spielt die Charakterentwicklung des sadistischen Kilgrave so großartig, dass ich mich jedesmal tadeln wollte, wenn ich wieder anfing, seine hier wirklich als abartig übles Monster dargestellte Figur irgendwie doch zu mögen.

Jones’ On/Off Partner Powerman geht zum Lachen erfreulicherweise lieber in den Keller und irgendwo da muss auch der sonst immer noch gerne und oft eingesetzte, ach so witzige/trottelige Sidekick gefesselt in einer dunklen Ecke liegen. Humor hat bei Jessica Jones entweder mindestens 37% Alkoholgehalt oder kommt rabenschwarz aus dem Mund von Kilgrave. Das ist gut.

Vier Folgen bleiben mir noch, dann ist der Sack zu und ich hoffe, dass das Finale nicht ganz so stark abfällt, wie es mir bei Jessica Jones Nachbar Daredevil vorkam. Und dann wird es echt mal Zeit, dass Frank Castle in Hell’s Kitchen auftaucht!

Update: Es fällt stark ab und wir haben aufgegeben. Schande über uns.



Star Wars Battlefront

Am 29. November 2015 unter spiel starwars gif

Der Hype Train zur neuen Star Wars Episode im Dezember hat mittlerweile den Hyperlichtsprung gewagt und zwar mit wahnsinniger Geschwindigkeit. Ich habe gar nicht so viele Hände, wie ich Nägel kauen möchte, so gespannt bin ich auf das, was Abrams und Team aus diesem Stoff geschaffen haben. Bis dahin erfüllen Electronic Arts und DICE mir und Millionen anderer Star Wars Fans einen kleinen Traum mit Star Wars Battlefront. Die Qualität der Merchandiseprodukte zum Franchise reicht ja bekanntlich von ganz tief unten bis Uiuiui und, das kann ich nach vielen Stunden Battlefront sagen, dieses Spiel ist eindeutig in letzterer Kategorie einzuordnen.

Battlefront bedient sich nicht der großen Raumschlachten (auch wenn der Lufthoheitsmodus sicherlich davon inspiriert ist), sondern zielt auf die Frontkämpfe der Infanteristen. Und das ist spektakulär. Ob in den Spielmodi Walker Assault und Supremacy mit 4o Spielern auf großen Spielfeldern oder in den kleineren Wettbewerben, wie Droid Run oder Drop Zone, die auf Teilen der großen Karten ausgetragen werden: Es gibt immer viel Laserfeuer, viel Pew-pew-pew und ganz viel Gebrüll. Weil das dann alles genau so wie in den alten Filmen klingt und auch so aussieht, strahlen Kinder und Fans der alten Trilogie wie Honigkuchenbanthas.

Ich bin kein Fan von Waffen, auf die ich erst Zugriff habe, wenn ich einen bestimmten Erfahrungslevel erreicht habe. Wenn über den Ausgang eines Laserduells nicht nur das Talent entscheidet, sondern vor allem auch die Zeit, die ich in meiner Freizeit ins Spiel investiert habe, um möglichst gute Waffen zu erlangen, dann kann ein Siebzigerkind wie mir höchstens noch die anstehende Mathearbeit des viel zu jungen, kinder- und/oder verantwortungslosen Gegenübers retten. Trotzdem macht es Spaß, die richtige Ausrüstung für den richtigen Einsatz auszuwählen. Kurze, präzise Feuerstöße auf Distanz oder lieber Dauerfeuer im Nahkampf? Einen Raketenrucksack oder lieber einen Thermaldetonator mehr mitnehmen? Wenn ihr eure Waffen, Gadgets und attributerweiternde Bonuskarten erst einmal im Griff habt, dann fühlt sich das bei Star Wars Battlefront richtig gut an und wird belohnt.

Die Umgebung strotz nur so von Details, die DICE herrlich verliebt überall eingebaut hat. In der Jundlandwüste auf Tatooine gibt es Pod-Renner Wracks, Jabbas Palast und Gonk Droiden ♥ zu entdecken. Auf dem eisigen Planeten Hoth streifen wir durch Höhlen mit Resten vom großen Wampa-Frühstück und im dichten Dschungel des Waldmonds Endor gibt es allerlei Getier und pelzige Waldbewohner zu entdecken. Ab und an ertönt sogar der Wilhelmsschrei. Alles so wie bei den unzähligen Blu-ray/DVD/VHS/Laserdisc-Abenden, nur diesmal sind wir mittendrin und ein Teil der Action auf dem Schirm.

Ein bisschen affig wird es, wenn die sogenannten Helden eingesetzt werden. Was zwischen imperialen Truppen und Rebellenabschaum zu packender Action aufdreht, wirkt mit dem Auftauchen der übermächtigen Helden, wie Darth Vader, Luke Skywalker, Han Solo oder dem Imperator, in die man sich temporär nach der Aufnahme einer entsprechenden Münze auf dem Schlachtfeld verwandeln kann, eher seltsam deplatziert.

Den Rest des Spiels finde ich so großartig, dass ich EAs schäbige Arschlochattitüde im Umgang mit dem Kunden, beim Zusammenstellen des knappen Basismaterials von lediglich vier großen Karten, fast schon übersehen könnte. Klar, diese vier Karten sind für die Modi mit weniger Spielern nochmals in kleinere Gebiete unterteilt, aber nüchtern betrachtet bekomme ich hier für 60 bis 70 Euro nicht viel mehr Kartenmaterial als es damals bei Battlefield 1943 der Fall war. Und das war noch nicht einmal ein Vollpreisspiel. Dafür gibt es aber an jeder Ecke Hinweise, dass das große Repertoire an Spielstätten, welches das Star Wars Universum ja nun einmal bietet auf ganz viele kostenpflichtige Zusatzpakete in der Zukunft verteilt wird. Ich bin prinzipiell kein Gegner der DLC-Politik, aber ein bisschen weniger plump könnte man es meiner Meinung nach schon verpacken. So wirkt das, dem Franchise entsprechend, wie Die Suche nach noch mehr Geld. Ich sehe dann immer das freundliche Gesicht von Mel Brooks als Joghurt.

Egal, denn die ungeskripteten Wahnsinnsmomente, die entstehen, wenn wir mit vielen anderen Spielern gegeneinander antreten, riesige Truppentransporter an uns vorbeiziehen und über uns erbitterte Luftkämpfe ausgetragen werden, die gibt es halt nur in guten Mehrspieler-Onlineshootern und Star Wars Battlefront ist einer. Mit einem fetten Nostalgiebonus als Sahnehäubchen obendrauf.

Und wenn ihr, wie ich heute morgen, eueren Raketenrucksack zündet, um schneller voran zu kommen und dabei von einem T-47 Snowspeeder erfasst werdet wie Rotwild im Abblendlicht, dann macht bitte ein Gif davon. Habe ich auch gemacht:

 

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Ich sage es mal so: Es ist wirklich nicht einfach, bei Star Wars Battlefront überflogen zu werden!


Alto's Adventure

Am 25. November 2015 unter spiel

Wenn ihr noch einen geeigneten Zeitvertreib für die kalten Winterabende sucht, sei euch an dieser Stelle das neue Apple TV mit Alto’s Adventure empfohlen. Kennt ihr auf iPad und iPhone, ich weiß. Aber so richtig zur Geltung kommt dieses wunderhübsche Spiel wirklich erst auf eurem Fernseher, während ihr regungslos und in die Sofaecke gelümmelt, einfach nur daliegt und bloß noch euren Daumen bewegen müsst. Bewegung ist schließlich überbewertet! Eine echte Killerapp für richtig faule Zocker und sicherlich mein meistgespieltestes Spiel im November. Trotz Battlefront im Star Wars Hype. Und Lamas hats auch!