Cop Car

Am 2. Oktober 2015 in film oberlippenbarthouse

Zwei Details lassen mein Herz bereits in den ersten Sekunden einer neuen Filmsichtung höher schlagen. Erstens ein „Focus Feature/Focus World“ Logo und zweitens ein Breitbildformat. Nicht dieser 16:9 Kram, der wieder zurückkommt, weil überall gespart werden muss, sondern richtiges, schönes Kino-Widescreen wie Panavision oder Cinemascope. Cop Car erfüllt diesen Anspruch und wie die meisten Filme der Focus Gruppe ist auch er ein großes Ding.

Genauer gesagt handelt es sich bei Cop Car um feinsten Indie Oberlippenbarthaus, mit einem wahnsinnig guten Kevin Bacon, der einen großartig kaputten Sheriff spielt. In einer Momentaufnahme im Ödland Colorados, die einen, was die Umstände und die Folgen ihrer Handlung angeht, komplett und ohne Reue im Regen stehen lässt. Wie ein geplatztes Tinder Date in Hannover unterm Schwanz.

Damit das Warten auf den großen Knall da nicht zu langweilig wird, konfrontiert Cop Car den Zuschauer in Intervallen mit Szenen, bei denen es jeden Moment schon so weit sein könnte. Bevor man sich dann aber wieder, in wunderschöne Bilder von Weiden und Highways gebettet, zurücklehnen kann, sind die Nägel meistens schon abgekaut.

Lange Fingernägel sind aber eh überbewertet, gutes Indiekino natürlich nicht. Deswegen hier und jetzt der deutliche Anschaubefehl von mir an euch. Cop Car gibt’s im US-iTunes (für das ihr euch endlich mal ein Konto anlegen solltet) und kann dort für eine Handvoll Dollar geliehen werden.

Was ist eigentlich der Unterschied?

Am 30. September 2015 in ansage

Im zweiten Teil meiner Erklärbärreihe rund um Rap und Hip-Hop geht es um … ja, Rap und Hip-Hop. Was ist denn da überhaupt der Unterschied? Das erzähle ich euch oben im Video. Den Track, wieder mit Instrumental zum Selberrappen, gibt es drüben bei Bandcamp.

Friday

Am 21. September 2015 in film

In einem für Netflix Deutschland ungewöhnlich scharfsinnigen Zug, hat der Streaming Dienstleister vor gut einer Woche den Film Friday zu seiner Bibliothek hinzugefügt. Klar, Straight Outta Compton räumt derzeit an den Kinokassen ab, da muss eben was bezahlbares von Ice Cube und Regisseur F. Gary Gray her.

Als ich den Film damals das erste Mal anschaute, sah es noch nicht so aus, als würde es ein Werk dieser Art je in ein deutsches Kino schaffen. Ein bei der Army stationierter Buddy brachte ihn aus der armeeeigenen, den dortigen demographischen Umständen entsprechend auf afroamerikanisches Material spezialisierten Videothek mit. Während die USA Angst vor den Kommunisten und der Bombe hatte, brachten die Nachwehen des Kalten Krieges uns also Filme wie Friday ins Haus. Es lief ganz gut.

Ich kann mich noch an die Umstände der Sichtung erinnern. Ein dunkles Zimmer, mit Decken zugehängte Fenster und Matratzen auf dem Fußboden. Wie immer halt. Auf dem Fernseher, wahrscheinlich ein Sony Black Trinitron, lief Friday und davor lagen wir, mindestens so dicht wie Chris Tuckers Alter Ego Smokey im Film. Ich gehe davon aus, dass wir von der ersten bis zur letzten Minute gelacht haben. Zumindest musste ich später immer wieder lachen, wenn der Film mir gegenüber erwähnt wurde.

Heute, zwei Jahrzehnte später und ohne gelegentlichen Graskonsum lief das ein wenig anders ab. Eine Mischung zwischen Schmunzeln über den jungen Ice Cube, der noch gar nicht so richtig zum Medium Film passte (was sich aber positiv auswirkt), innerlicher Unruhe bei Chris Tuckers Overacting und purer Fremdscham, die jede Szene mit John Witherspoon als Vater heraufbeschwört. Aber ich mag das Phänomen Ice Cube irgendwie und es war unterm Strich trotz allem wieder eine Freunde ihn am Anfang seiner Karriere zu beobachten. Auch wenn sich der Kifferhumor als alles andere als zeitlos herausstellte.

Dass ich dran bleibe, wenn das Netflix Kalkül erneut zuschlägt und die anderen Friday- und Barbershop-Filme ebenfalls anbietet, halte ich trotzdem für unwahrscheinlich. Zuviel Konsum von diesem Zeug ist ja auch nicht so gesund.

Grow Home

Am 20. September 2015 in spiel

Es gab Zeiten, da leuchteten meine Augen, wenn sich irgendwo das Ubisoft Logo materialisierte. Das waren schöne Zeiten. Aber ich habe ja auch mal EA gemocht. Auch dann noch, als alle anderen den Publisher schon als eine Institution des Teufels verschrien haben. Heute kann ich nur noch verwundert den Kopf schütteln, wenn ich sehe, wie Ubisoft, Square Enix und EA ihr letztes bisschen Würde in kleinen, oft wertfreien Paketen in den Onlineshops dieser Welt anbieten. Und während ich mit ansehen musste, wie ein großartig funktionierendes Assassin’s Creed immer und immer weiter verwässert wurde, um es der breiten Masse noch ein wenig zugänglicher zu machen und ich der Battlefield Serie dabei zugeschaut habe, wie es mehr und mehr zu Call of Duty transformierte, habe ich die Tür einfach mal zugemacht. Macht das ruhig so weiter, dachte ich mir. Ein wichtiger Teil davon, nämlich der Konsument, will ich aber nicht mehr sein. Das klappt bisher sehr gut.

Jetzt kommt Grow Home von Ubisoft. Ein einziges Bild habe ich dazu vorab gesehen. Es sah gut aus. Als Platform war aber der PC angegeben und da war ich raus. Jetzt kredenzte es Sony allen Playstation Plus Abonnenten für lau auf der Playstation 4. Ich liebe diesen Service, auch weil ich hier Spiele zocke, die ich mir nie gekauft hätte. Als ich Grow Home sah, kam mir das Bild wieder in den Sinn. Und obwohl ich gerade bis zum Hals im verf%#!t bockschweren Metal Gear Solid V stecke, habe ich es mir gleich angeschaut.

Es war furchtbar. Mittlerweile zucke ich schon mal spontan zusammen, wenn das Unity-Logo über den TV-Bildschirm flackert und erwarte technisch erst einmal gar nichts. So kann es meistens nur noch besser werden. Das eine Unity-Entwicklung nicht immer technisch hinterherhinken muss, bewies dann aber Tembo sehr gut, ein Grow Home trennen davon allerdings Welten. Alles ruckelt, teart und blitzt. Die (teilweise gewollt) schwammige Steuerung machte es nicht besser. Nach fünf Minuten musste ich das Pad erst einmal weglegen.

Aber Grow Home hat etwas, das mich festhielt. Eine Idee, die mich immer schon reizte. Es geht darum, nach oben zu kommen. Das mag ich. Nicht bildlich gesprochen, sondern schlicht die Möglichkeit, eine virtuelle Welt nicht nur von links nach rechts sondern auch in der Höhe neu zu entdecken (Es gab ein Arcadespiel, das ich früher geliebt habe, aber leider nicht mehr weiß, wie es hieß. Es war Tate, also im Hochformat und ich musste über Plattformen immer weiter nach oben durch Baumwipfel springen).

Also blieb ich dran. Und irgendwie machte das Klettern mit dem kleinen Roboter, der eine außerirdische Bohnenranke zum Wachsen bringen muss, plötzlich Spaß. Einfach war es nicht, was aber weniger am Schwierigkeitsgrad sondern mehr an der Verfassung des Spiels lag. Immer wieder fiel ich irgendwo runter, obwohl ich Stein und Bein schwören könnte, dass ein Arm meines Roboters sich doch noch irgendwo hätte festhalten können, während ich die Schultertasten meines Controllers so fest drückte, dass ich sie fast schon zerstörte.

ICH HAB’ DOCH GEDRÜCKT!

Egal, denn Grow Home hat noch zwei Sachen, die ich total mag: Ich muss in der Spielwelt versteckte Kristalle finden, um schleppend die Fähigkeiten meines botanischen Roboters auszubauen. Optional darf ich nebenbei auch noch die bizarre Tier- und Pflanzenwelt katalogisieren. Dazu muss ich ein Exemplar zu fassen bekommen und es irgendwie zu einem der Teleporter transportieren. Das ist manchmal schon ein wenig knifflig und ein schönes Spiel im Spiel. Die Teleporter dienen hauptsächlich als Rücksetzpunkte, wenn ich wieder einmal irgendwo runtergefallen bin. Der Frust hält sich also in Grenzen, wenn ich von den technischen Pannen mal absehe.

Grow Home funktioniert überraschend gut, wenn ihr es mit Kindern spielt. Obwohl die Steuerung eine mittlere Katastrophe ist, gelingen meiner Tochter hier immer wieder erstaunliche Fortschritte. Dank Metal Gear Solid V habe ich nicht ansatzweise so viel Zeit in diesen Titel gesteckt, wie ich es in anderen Zeiten getan hätte, aber das hole ich noch nach. Und ich freue mich drauf. Immerhin haben wir die Hälfte der zweitausend Meter bereits bezwungen.