Worms: Battlegrounds

Am 18. Januar 2016 unter spiel

Es kommt der Tag im Leben aller Eltern, da müssen gewisse Themen einfach angesprochen werden. Egal, wie brisant diese sind. Und so begab es sich am vergangenen Sonntag, nach einem ausgiebigen Spaziergang im tiefen Schnee, dass wir im Kreise der Familie gemütlich beisammen saßen und ich das frisch erworbene Worms: Battlegrounds auf der Playstation 4 startete. Unsere fast achtjährige Tochter durfte sich nicht mehr länger vor der Realität verstecken und sollte sich endlich ihrer größten Angst stellen: Papa gewinnt immer! Zumindest bei Worms.

Wie bei allen Spielen, an die Kinder eher behutsam herangeführt werden sollten, gilt auch hier: Darüber reden! Gerade bei Worms kann man ja ganz wunderbar jeden Zug ansagen: “Ich schieße dich jetzt mit der Schrotflinte über den Haufen, Krümel!”, “Schatz, ich liebe dich, aber auf dieser heiligen Handgranate steht dein Name!” oder “Manchmal muss man eben auch mal einen Bauern opfern … oder auch drei oder vier mit dieser Bananenbombe!”.

Gewisse Dinge sollten für Kinderohren natürlich vorsichtig kommuniziert werden, ohne dass ein Einsatz des frisch erweiterten Wortschatzes, zum Beispiel in der Schule, zu auffälligem Verhalten führt. “Ich schieße dir jetzt den Kopf zwischen den Ohren weg” kann ein unangehmes Eltern-Lehrergespräch nach sich ziehen. “Ich schieße dir die Murmel weg” hingegen, lässt gerade auf dem Schulhof durchaus noch Raum für Interpretationen.

Niemals werde ich den Moment vergessen, in dem meine Tochter mir nach einem erfolglosen Angriff mit einem explosiven Schaf die Worte “Dieses Loch wird dein Grab werden, Papa!” zuwarf. Sie werden ja so schnell groß!

Und so warfem wir uns allerlei Dinge an die Köpfe, pardon, an die Murmeln, sprengten uns im hohen Bogen in Abgründe hinein und lachten einander schadenfroh aus, wenn der Einsatz mit dem Jetpack, beziehungsweise dem Ninjaseil fatal für einen oder mehrere eigene Würmer im Spiel endete. Ich bin ja immer noch ein wenig sauer, dass es die atmosphärisch dichten NAM-Landschaften des Ur-Worms nicht mehr in den neuen Teilen gibt. Aber das lernt unsere Tochter dann eben mit ausgewählten Gästen bei einer Übernachtungsparty mit dem Film Apocalypse Now im Schlafi.

Alles in allem geht doch nichts über einen gemeinsamen Nachmittag mit der Familie. Nächsten Sonntag spielen wir dann Outlast. Das dürfte spannend werden. Vor allem hinsichtlich der Entwicklung des Schlafverhaltens unserer Tochter.

Worms: Battlegrounds ist übrigens kein gutes Worms. Schade. Dank unübersichtlicher Hintergrundgrafiken, träger Kamera und vieler technischer Mängel sehne ich mich jetzt nach einem Worms 2: Armageddon für die aktuellen Konsolen. Oder für das Apple TV.


The Revenant

Am 12. Januar 2016 unter film

Bereits das letzte Kinojahr startete für mich mit einem Film von Alejandro González Iñárritu, und ähnlich wie bei Birdman saß ich auch bei The Revenant überwältigt da, als am Ende des Films die Namen der Mitwirkenden über die Leinwand flimmerten.

Die Erwartungshaltung von Seiten der Medien, dass Leonardo DiCaprio mit dieser Rolle nun endlich Hollywoods höchste Auszeichnung erhalten wird, ist hoch. So hoch, dass man sich fragen muss ob eine auf Überraschungen allergisch reagierende Veranstaltung wie die Verleihung der Oscars eine ist, es tatsächlich nicht tun könnte, wenn sie es denn wollte.

Verdient hätte er ihn, wie sicherlich zuvor auch schon. DiCaprio spielt ganz ohne Frage großartig und ist unangefochten das Herzstück dieses Films, aber auch Tom Hardy mit fiesem Dialekt, Domhnall Gleeson in Nordstaaten-Uniform und Will Poulter als junger Trapper sind wichtige Teile dieser leicht wahnsinnigen Inszenierung.

Sehr gefreut habe ich mich über die leider viel zu kleine Rolle von Joshua Burge, den ich nach Buzzard so ins Herz geschlossen habe und bereits darauf wartete, ihn endlich wieder spielen zu sehen. Ich hoffe inständig, dass ihm das Mitwirken in diesem Film Türen für größere Rollen öffnen wird.

The Revenant wirkt so ein kleines bisschen wie ein Valhalla Rising, allerdings mit mehr Dialogen als bloß einer Seite DIN A4, mit einer begreifbaren Handlung und als außergewöhnliches Revenge Movie inszeniert. Die wunderschönen Aufnahmen, die dank gedrosseltem Filmtempo stark auf den Zuschauer einwirken, wechseln sich mit Szenen bestialischer Brutalität und ganz viel Leid seitens DiCaprios Figur ab. Für meinen Geschmack auch schon mal einen Tick zu intensiv, obgleich ich gestehen muss, dass auch diese Abschnitte wirklich beeindruckend auf mich wirkten.

Ich konnte mich aber auch sehr gut in den Protagonisten hineinversetzen, denn auch ich erlitt, dank der miesen Kinosessel im CinemaxX Hannover, für mein Empfinden schier unermessliche Qualen. Mittendrin statt nur dabei.

Am Ende sind es überraschenderweise nicht die wirklich umwerfenden Landschaftsaufnahmen, die das Kinoerlebnis für mich ausmachen. Es sind die symbolischen Szenen, in denen Themen wie Verwandlung oder Wiedergeburt in Bildern mitschwingen, die oft nur aus ganz viel Schnee und Blut zu bestehen scheinen.

Bleibt die Frage, ob sich die zweienhalb Stunden nun wegen der Lethargie der Kameraführung oder der ollen Kinositze wie volle vier Stunden angefühlt haben? Ich tippe auf beides, aber ersteres war doch deutlich angenehmer.


Sherlock The Abominable Bride

Am 10. Januar 2016 unter

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Denise trifft den Nagel auf den Kopf, wenn sie in der ersten Staffel der großartigen Netflix Serie Master of None ganz richtig bemerkt, dass es grundsätzlich erst einmal völlig egal ist, welche Rolle Benedict Cumberbatch spielt. Der könnte auch das Telefonbuch vorlesen und ich würde es mir immer noch mit einem leckeren Getränk vor ihm gemütlich machen und verträumt dabei zuhören, wie er Zahlenreihen aufsagt. Stimmung: still totally Cumberbatched, sozusagen. Manchmal frage ich mich wirklich, wie ein Sherlock überhaupt ohne die wahnsinnig guten Originalstimmen funktionieren soll? Frage ich mich ernsthaft, ganz ohne die leidige „Synchronisation Ja/Nein“ Debatte befeuern zu wollen.

Natürlich funktioniert es auch dann noch, weil die gesamte Produktion astrein umgesetzt ist. The Abominable Bride, zum Beispiel, hat wieder ganz großartige Momente: Drogen, schön viel What the Fuck, feinster Oberlippenbarthaus bei Martin Freeman und ein, wie ich finde, ganz wunderbar gelungener Twist.

Letzterer polarisiert im Netz. Die einen fühlen sich da vom Trailer im Vorfeld aufs Glatteis geführt, die anderen loben die Serie aufs Neue für ihre mutige Andersartigkeit. So wie ich. Ich könnte mir gut eine eigene Serie vorstellen, deren Dreh- und Angelpunkt Sherlocks Ermittlungsmethode aus dem Bride-Special ist.

Gestört hat mich lediglich, dass niemand dem Mycroft ein hauchdünnes Minzblättchen angeboten hat.

Das Jahr mit Sherlock anzufangen bleibt für mich eine ganz wunderbare, unregelmäßige Tradition, die ich gerne noch ein paar Jahre weiter pflegen möchte. Ich hoffe, die Autoren haben noch Stoff genug für weitere Folgen. Und ich hoffe, sie hören auf, bevor er ihnen komplett ausgeht.

Und nein, ich weiß nicht wirklich mehr, was ein Telefonbuch ist.


Rübensuppe

Am 10. Januar 2016 unter prosa

Es hat aufgehört zu schneien. Endlich. Die letzten drei Tage hat es fast durchgehend geschneit. Alles ist weiß. Das bremst die Bastarde aus, aber Feuer machen und die Kälte sind einfach nur eine Qual. Ich stochere mit einem Stock in der viel zu dünnen Suppe, die ich mir in einer alten Konservendose über einem mickrigen Feuer aufgewärmt habe. Suppe ist gut. Rübe im lauwarmen Tauwasser trifft es wohl eher. Ich zittere und ziehe mir die Decke, in die ich mich eingewickelt habe, fester zusammen. Es ist richtig scheiße kalt. Aber es ist ruhig. Kein Stöhnen, kein klägliches Jammern, keine Schreie. Als wäre es auch diesen schlurfenden Kreaturen viel zu kalt. Ich starre an die Wand der halb zerstörten Lagerhalle, in der ich mich verschanzt habe. Da liegt ein großer Haufen Schnee und ich frage mich, wo der hier drinnen hergekommen ist. Wohl ein Loch im Dach. Dann muss ich etwas lachen. Weil ich daran denken muss, wie ich vor einiger Zeit in einen solchen Schneehaufen gepinkelt habe, anstatt Trinkwasser daraus zu tauen. Da ist die Brünette ganz schön ausgeflippt. Schnee tauen für Trinkwasser, ey. Ich wollte da viel lieber meinen Spaß haben, solange es noch ging. Die Brünette nicht. Die hat da nur gemeckert. Überleben und so. Kann man es Menschen in extremen Situationen eigentlich verdenken zickig zu sein? Angeschissen vom Leben, verfolgt vom Tod? Wow, das ist ein richtig gutes Epitaph! Ich sollte es mir auf eine Pappe schreiben und mir um den Hals hängen. Wenn ich dann sterbe, steht auf meinen Überresten: „Angeschissen vom Leben, verfolgt vom Tod.“ Ich muss stark husten. Mein Hals tut etwas weh. Der Dicke hat auch lange gehustet. Hat gepfiffen wie eine Lokomotive. Und er hat immer den Kopf geschüttelt, wenn er mich ansah. Der Dicke und die Zicke. Als ihm die Viecher beide Unterschenkel weggefressen haben, hat er nicht gepfiffen. Da hat er so laut und deutlich geschrien wie nie zuvor. Ich wache nachts auf, weil ich seinen Schrei im Traum höre. Und dann sehe ich diesen angsterfüllten Blick, das zuckende Gesicht und seine ausgestreckte Hand wieder vor mir. Immer wieder. Fuck! Ich trinke den Rest meiner lauwarmen Rübensuppe und kämpfe gegen das Verlangen, sie gleich wieder auszukotzen. Ich bemerke, dass meine Finger echt eiskalt sind und reibe mir die Hände. Die Brünette … die hat nur kurz geschrien. Die war viel zu überrascht, weil die Bastarde sie im Schlaf überwältigt haben. Bei ihr haben sie am Kopf angefangen, nicht an den Beinen. Das ging schneller und ihr Schrei war dumpfer. Aber aufgewacht bin ich davon immerhin noch. Ich dachte da noch, ich hätte Glück gehabt. Jetzt frage ich mich ernsthaft, was mir die Zeit seither denn gebracht hat? Außer Hunger, Kälte und Schmerzen am ganzen Körper, meine ich. Ich bin echt müde. Ich stehe auf und hunderte Stellen meines Körpers fangen gleichzeitig an zu knacken, knirschen oder schreien. Steifgefroren wanke ich hinüber zum Schneehaufen und fange an, mir etwas davon in die Konservendose zu füllen, in der eben noch die eklige Suppe schwamm. Zurück am Feuer stelle ich die Dose ab. Schnee tauen für Trinkwasser, ey. Das hätte ihr gefallen. Ich muss noch einmal lachen.

Dann wird es Nacht.


Ray Donovan

Am 4. Januar 2016 unter serie

Ray Donovan ist eine Serie, die immer noch oft dicke Fragezeichen im Gesicht meiner Gesprächspartner entstehen lässt, wenn ich den Titel in einem dieser typischen TV-Serien-Gespräche erwähne. Aber Ray Donovan sollte unbedingt jeder kennen und natürlich auch jeder sehen. Gerade fügte Netflix Deutschland noch die zweite Staffel zum eigenen Katalog hinzu. Eine dritte ist zum Beispiel im US-iTunes-Store käuflich zu erwerben. Staffel Eins und Zwei fanden wir so dermaßen gut, dass wir uns entschieden haben, das Geld in die dritte Staffel zu investieren, damit es endlich weitergehen kann.

Liev ‘Backenhörnchen’ Schreiber ist Ray Donovan, ein Fixer in Hollywood, der für eine Anwaltskanzlei der Schönen und Reichen jenen aus jeder noch so erdenklich misslichen Lage hilft. Sein Privatleben hat da allerdings das Nachsehen und es wird auch nicht besser, als sein ungeliebter Vater Mickey, frisch aus dem Knast entlassen, in der Stadt auftaucht. Der ist nicht unbedingt Vater des Jahres und auch sonst immer für eine neue Katastrophe in Rays Leben zu haben. Und noch eine und noch eine. Ich mag solche Abwärtsspiralen und das daraus resultierende Eskalationsdrama, welches mich bei Ray Donovan zu den Staffelfinals immer mit den Händen über dem Kopf und abgekauten Nägeln dasitzen lässt.

Ray Donovan hat großartige Figuren, die alle ganz viele Probleme haben und nur ganz wenige von ihnen können mich richtig nerven. Die Serie ist außerdem knallhart, schreckt offenbar vor kaum etwas zurück und Mickey Donovan kennt obendrein noch den besten Pädophilen-Witz. Und er hat das beste Timing, diesen zu erzählen. Jetzt freue ich mich auf die dritte Staffel mit noch mehr Katastrophen, noch mehr Eskalation und noch mehr “We have to talk!” am Telefon.