Victoria

Am 13. Juni 2016 unter film

Seit einigen Tagen ist Sebastian Schippers Film Victoria auf Netflix als Stream erhältlich. Sebastian Schipper, das ist der, der uns Ende der Neunziger mit Absolute Giganten den vielleicht besten deutschen Film beschert hat. Victoria ist sein handwerkliches Meisterstück. Ein Film, dessen Drehbuch aus lediglich gut einem Dutzend Seiten besteht, dessen Dialoge größtenteils improvisiert sind und der ohne einen einzigen Schnitt auskommt. Er hat zwei Sterne auf Netflix. Metakritik ist eine Bitch.

Ich gebe zu, Victoria klingt auf dem Papier erst einmal wie Kunst, die vielleicht weg kann. Mag sein, dass einige das auch nach der Sichtung oder nach zehn Minuten, wenn sie aufgeben, noch so sehen. Ich dagegen halte diesen Film für ein Meisterwerk und die Tatsache, dass er in Zeiten, in denen andere Filme von ihrer Schnitttechnik leben, anderweitig eine dichte, oft audiovisuell wunderbare Atmosphäre schafft, für einzigartig und absolut großartig.

Natürlich hat ein Projekt dieses Ausmaßes hier und da Längen, unterm Strich gehören sie aber genauso zur besonderen Erfahrung, wie die Versprecher der Schauspieler. Nur drei Versuche hat es laut der Internet Movie Database gebraucht, bis der finale Take im Kasten war. Beeindruckend. Der eigentliche Star des Films ist dabei der Kameramann Sturla Grøvlen, der die Bilder gekonnt professionell einfängt, ohne dass ein mittlerweile eher ausgelutschter Found Footage-Effekt entsteht.

Wenn ihr Victoria nicht im Kino gesehen habt, lege ich ihn euch auf Netflix ans Herz. Gebt ihm eine Chance und lasst euch von den zwei Sternen nicht abschrecken.


Hail, Caesar!

Am 8. Juni 2016 unter film

Man kann über die Filme der Coen-Brüder sagen was man will. Auch über The Big Lebowski, um mal auf Cassidy anzuspielen. Eine Figur aus meiner derzeitigen Lieblingszeitverschwendung Preacher. Aber eines müssen sich selbst die größten Kritiker dieser sehr unkonventionellen Filmemacher eingestehen: Selten bis nie ist das, was wir von Ihnen zu sehen bekommen vorhersehbar. Und das ist im heutigen Kino eine Rarität. Fast schon eine Magie, die nur noch die wenigsten beherrschen. Und wenn sie es doch tun, können sie sicherlich nur schwer das Geld auftreiben, welches nötig ist, um diese Magie überhaupt entstehen zu lassen.

Die Cohens bekommen dieses Geld. Irgendwie. Auch für einen Jonah Hill, der mittlerweile so teuer zu sein scheint, dass bei nur fünf Minuten Leinwand-Präsenz trotzdem noch eine Erwähnung mit Bild auf dem Kinoplakat inklusive ist. Zu Hills Verteidigung muss ich aber sagen, dass er in fünf Minuten als Langweiler immer noch mehr Eindruck hinterlässt als zum Beispiel Nicholas Cage in einer Hauptrolle in, sagen wir mal zwei seiner aktuelleren Filme. Der Rest des Ensembles ist eine Mischung aus Coen-Veteranen, angesagten Gesichtern aktueller Kino-Geschichte und Christopher “Es kann nur einen geben” Lambert.

Hail, Caesar! ist eine großartige Hommage an die goldenen Jahre der Geldmaschine Hollywood und deren durch und durch romantisierte Fassade. Dieser Zeit nachempfundene und wunderbar nachgestellte Drama-, Action- und Musical-Szenen lockern den Plot um den halbfiktiven Hollywood-Manager Mannix (Josh Brolin) auf und bieten dem Filmteam viele Möglichkeiten, um wunderschöne Kunst aus Farbe, Beleuchtung, Musik und Arrangement entstehen zu lassen. Das sind oft Einstellungen, die ich mir direkt an eine Wand hängen würde.

Typisch für ein Coen-Skript ist, dass viele Dinge nur zwischen zwei Szenen ablaufen und so für interessante Dialoge in der Folge sorgen. Eine Meisterschaft, die sie beherrschen und die ich ganz besonders an ihren Filmen mag. Irgendwann ist es dann zu Ende und so richtig viel ist eigentlich auch gar nicht passiert, und trotzdem hat man das Gefühl endlich mal wieder kurzweiliges und, wie eingangs erwähnt, auch mal wieder unvorhersehbares Kino gesehen zu haben. Geht doch.


Preacher

Am 4. Juni 2016 unter serie

Die nächsten Montage sind gerettet. Zumindest die Abende. Denn dann gibt es jeweils eine neue Folge Preacher. Das ist eine neue Serie, basierend auf einem knallharten Vertico-Comic, ein auf ganzer Linie überzeugender Pilot und der Grund, warum wir gestern unsere Seelen gegen eine Prime-Mitgliedschaft beim bösen Imperium bei Amazon getauscht haben. So überzeugt wie diese erste Folge hat mich zuletzt der Pilot von Mr. Robot. Ich gebe zu, dass das erst ein Jahr her ist, aber ein Jahr sind in Zeiten von Netflix, Amazon und Co. ja auch gefühlt zwölf neue Serien.

Für Regie und Drehbuch des Preacher-Debuts sind unter anderem Seth Rogen und Evan Goldberg verantwortlich. Zwei Menschen, die mir aus der Seele schreiben und deren Handschrift sich hier unverkennbar und erfreulicherweise in allen Dialogen wiederfindet. Das Casting macht einen guten bis großartigen (Cassidy) ersten Eindruck und das Setting, irgendwo zwischen Südstaaten-Lethargie und White-Trash-Romantik, liefert eine beklemmend schöne Atmosphäre.

Erklärt wird erst einmal nicht viel, dafür wird um so mehr geblutet, während die wichtigsten Hauptfiguren nach und nach vorgestellt werden. Meist blutig. Die eigentliche Geschichte wird sich dann in den nächsten Folgen entwickeln und soviel darf ich an dieser Stelle schon einmal verraten: Messdiener müssen dann ganz stark sein!


Hold the Door! Pikachu? (Gif)

Am 2. Juni 2016 unter film

 

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Ich bin noch nicht über die Ereignisse von Game of Thrones hinweg und musste mir deshalb zum Zweck der Eigentherapie dieses komplett spoilerfreie Gif basteln. Und das erste Mal seit Jahren habe ich wirklich Lust The Winds of Winter zu lesen (Ich verfolge die TV-Serie nur sporadisch). Wenn es denn mal erscheint. Mach hin, Martin!


Overwatch

Am 1. Juni 2016 unter spiel

Eine Woche mit Overwatch. Eine Woche zwischen heldenhaften Höhenflügen und erschütternden Momenten der Demütigung. Eine Woche und bloß Level 20. Ich habe mindestens eine Familie, einen Job und zehn Jahre zu viel, um Overwatch die Aufmerksamkeit zu geben, die es verdient hat, aber das ist mir egal, denn ich liebe es.

Der positive Eindruck der Beta setzt sich im Hauptspiel voll und ganz fort. Die Prügelspiel-Aufmachung in Bezug auf das Figuren-Design sorgt bei mir weiterhin für ein hohes Maß an Charme, die Server laufen butterweich und wie geschmiert, und ich entdecke immer noch Neues, wenn ich mich an bisher von mir vernachlässigte Figuren wage oder ich mich in den wunderschön gestalteten Schauplätzen verlaufe.

Overwatch ist ein Spiel, von dem ich gar nicht wusste, wie lange ich darauf gewartet habe.

Und so bemühe ich mich als Sanitäter möglichst nah an der Front die Verwundeten zu heilen, stürze mich gelegentlich selbst als Aggressor ins Getümmel oder probiere mein Glück als Verteidiger beziehungsweise Fallensteller. Als einsamer Wolf macht das Spiel nur wenig Freude, als Teil des Teams mit Fokus auf die Stärken der eigenen Figur und mit dem Vertrauen auf die Stärke der Mitspieler aber entfaltet Overwatch sein ganzes Potential. Dann wird es episch. Oder frustrierend. Je nachdem, wie gut oder schlecht beide Teams gerade funktionieren. Das ist Fluch und Segen eines jeden Team-Shooters.

Apropos Fluch: Eine Sache stört meine ansonsten ungetrübte Spielerfahrung dann aber doch: das Belohnungssystem. Ich bin nach wie vor froh, dass es keine Möglichkeit gibt, Fähigkeiten auszubauen oder neue Waffen freizuschalten. Im Gegenteil: Das ist das beste an Overwatch und zieht die nötige Grenze zum Aufrüst-Wahn anderer Shooter. Wenn ich aber noch ein Sprühsymbol oder Spielerbildchen freispiele und nicht bald mal ein ansprechendes Outfit für einen meiner favorisierten Charaktere, dann flipp ich aus!

Jetzt kommt wieder wer und sagt: ich habe schon dieses legendäre Dings und jenes tolle Bums aus einer Beutekiste gezogen, aber nee, das ist einfach Glück. Und wo Glück ist, ist auch Pech. Und darauf sollte sich kein Entwickler verlassen, wenn es um Frust beim Spieler geht. Wenn ich für jedes freigespielte Schrottbildchen wenigstens noch fünf Kredite dazu bekommen würde. Dann hätte ich mir ja längst eines der begehrten Dinge kaufen können. So aber habe ich nach neunzehn Level-Ups gerade mal die Hälfte für ein legendäres Outfit zusammen gespart.

Meckern auf hohem Niveau. Ich weiß: Das kann ich. Und Overwatch ist ja auch kein Mode-Simulator, sondern bewaffneter Konflikt. Und natürlich sollen die Spieler die Zufalls-Boxen lieber mit barer Münze bezahlen. Aber selbst dann ist ja nicht gesagt, dass ich bei den gekauften Kisten mehr Glück habe.

Auf den ersten Blick wirkt die Möglichkeit von In-App Käufen sowieso eher dreist, handelt es sich bei Overwatch doch um einen Vollpreistitel, der im Falle der digitalen Playstation-Version mit nicht weniger als 70€ zu Buche schlägt. Wenn das dann aber die laufenden Kosten deckt und dazu beiträgt, dass nächstes Jahr nicht schon wieder Teil Zwei als Vollpreistitel erscheint, soll es mir recht sein. Ich vertraue eh weiter auf mein Glück.

Haha, genau.