Ein Wochenende Apple TV 4

Am 1. November 2015 in ansage

Ein Wochenende klingt viel, bedeutet für Eltern mit kleineren Kindern aber allerhöchstens zwei Abenden und vielleicht noch eine Stunde am Nachmittag. Trotz allem möchte ich hier mal die ersten Stunden mit der neuen Box von Apple aufschreiben.

Der alte Apple TV 2 weilte bei uns Jahre lang unter der Yamaha Soundbar, die jetzt in zweierlei Hinsicht eine Abfuhr erteilt bekam: Erstens passt der neue Apple TV nicht mehr unter die Bar. Das kleinere Übel, denn die Fernbedienung funktioniert natürlich nicht mehr mit Infrarot, also muss der Weg zwischen Box und Sofa auch nicht mehr frei sein. Zweitens ist ein optischer Soundausgang wohl nicht mehr zeitgemäß und wenn Apple etwas nicht mehr für zeitgemäß hält, ist es eben weg. Das ist in unserem Fall ein bisschen blöd, denn optimal können wir die Soundbar so nicht mehr nutzen. Ich gebe aber zu, dass ich den Unterschied vielleicht gar nicht bemerken würde.

Nach dem ersten Einschalten dann der Seufzer der Erleichterung: Alles sieht plötzlich gut aus und reagiert schnell. Das hatte ich gehofft, musste es nach Jahren mit dem Apple TV 2 aber erstmal mit eigenen Augen sehen. Da wir den Apple TV 3 übersprungen haben, weiß ich nicht, welche Features bereits dort implementiert waren, aber per HDMI kommuniziert die Box jetzt astrein mit unserem in die Jahre gekommenen Panasonic Viera und schaltet ihn ein oder aus, wenn der Apple TV es will und auch die Yamaha Soundbar konnte mal einen Erfolg verbuchen, als sie sich mit nur wenigen Handgriffen mit der Apple Remote verbinden ließ. Vorbei sind also die Zeiten des Apple TV 2, als wir noch drei Fernbedienungen auf dem Sofatisch liegen hatten und diese auch benutzen mussten.

Apps. Apps sind großartig. Apps sind universal, das heißt, das ihr sie gratis auf euren Apple TV laden könnt, habt ihr sie vorher bereits für das iPhone oder das iPad gekauft. So wartete zum Beispiel der tolle Zelda-Klon Oceanhorn nur darauf, von uns installiert zu werden. Und ja, ich kann diese Spiele jetzt erst für voll nehmen, da ich sie endlich wie ein Schluck Wasser in der Kurve vom Sofa aus auf einem großen Bildschirm zocken kann. Interessant: Erst mit der gesamten Familie auf dem Sofa vor dem Fernseher erkennt man, wie viele iOS Spiele doch erst ihr ganzes Potential zeigen, wenn alle zusammen daran teilnehmen oder sich abwechseln. Mein Favorit: Shadowmatic, bei dem alle Anwesenden herrlich schön mitraten und Lösungsansätze brüllen können.

Beim Thema Kontrolle ist noch Luft nach oben. Es war mir klar, dass sich Spiele mit einer Fernbedienung nicht optimal steuern lassen und einen 60 Euro Controller wollte ich auch nicht gleich mitbestellen. Aber und das muss ich fairerweise sagen: Es spielt sich besser als gedacht. Es gibt noch Kinderkrankheiten und nicht alle Spiele sind optimal auf die Remote ausgerichtet, aber es geht. Auf die Dauer ist ein Controller aber Pflicht. Vor allem, weil ein Klick auf die Fernbedienung eben oft auch gleichzeitig eine winzige Wischbewegung ist. Eine Bombe bei Oceanhorn vor sich platzieren und nicht wegzuwerfen beispielsweise verlangt feinstes Fingerspitzengefühl.

Siri. Siri funktioniert prima und findet sogar englische Seriennamen problemlos, wenn man denn im deutschen iTunes Store angemeldet ist. Die primäre Daseinsberechtigung unseres Apple TVs war und ist aber der US iTunes Store. Ein Zweitaccount lässt sich wieder problemlos hinterlegen und das Hin- und Herschalten benötigt nach wie vor nur zwei Klicks, aber Siri verweigert hierzulande schlicht den Dienst, wenn sie nicht im deutschen Store unterwegs ist. Was zu neunzig Prozent bei uns der Fall ist. Da bin ich also raus.

Mein persönliches Top Feature, was bei uns bisher die Yamaha Soundbar erledigte, ist jetzt eingebaut (auch hier weiß ich nicht, ob das Apple TV 3 das bereits an Bord hatte): Univolume. Neue Filme haben einen Lautstärken-Dynamikbereich zwischen Flüsterleise und Hörsturzgefahr. Für Eltern, deren Kinder nebenan schlafen, bedeutet das, ständig die Lautstärke regeln zu müssen. Ein Auto explodiert: Lautstärke schnell runter. Zwei dunkle Gestalten treffen sich nachts in einer Gasse und flüstern: Lautstärke wieder hoch. Eine der Gestalten zieht eine Waffe: LAUTSTÄRKE RUNTER, LAUTSTÄRKE RUNTER! Man entwickelt eine Art siebten Sinn und weiß oft schon Minuten vorher, wann es laut wird, aber die Möglichkeit, den Dynamikbereich der Lautstärke eines Films oder einer Serie direkt aus dem Untermenü des Apple TVs heraus zu reduzieren, macht deutlich mehr Spaß.

Unterm Strich ist natürlich der iTunes Store nach wie vor die Daseinsberechtigung des Apple TVs. Aber auch für Netflix, YouTube, Vimeo und Co. wird das neue Apple TV bei uns zu Hause die Schnittstelle sein. So eine handliche Fernbedienung ist eben doch etwas anderes als zum Beispiel ein Playstation 4 Controller. Ich freue mich auf die nächsten Wochen mit drei zweiten Staffeln (Fargo auf Netflix, Manhattan und Les Revenants auf iTunes) und dem neuen Apple TV 4.

Maggie

Am 27. Oktober 2015 in film

Einen Schwarzenegger Zombiefilm würde ich normalerweise nicht einmal mit Asbesthandschuhen anfassen, aber der 99-Cent Film der Woche war bei iTunes nun mal Maggie und damit seit Wochen der Erste, der vom Klappentext her so etwas wie Interesse bei mir weckte.

Maggie ist Zombieapokalypse mal anders. Überraschend ruhig und damit auch überraschend gut. Ambiente Klavierklänge untermalen eine kaputte Welt mit Menschen, die versuchen, damit klarzukommen, dass nichts mehr so sein wird, wie es mal war. Kein Überlebensdrama, keine Horden von Untoten.

Der Film ist wie eine traurige Platte, die man an einem verregneten Herbstabend auflegt, es dann irgendwie total schön findet und am Ende so richtig scheiße drauf ist. Die Maggie Platte hat gegen Ende aber leider einen Sprung. Anstelle eines knallenden Abgangs, wiederholt es sich zum Finale hin zweimal zu oft, bevor dann doch endlich mal Schluss ist. Aber kein guter Schluss. Der wäre zehn Minuten vorher perfekt gewesen, wenn Arnies Figur so etwas wie Eier vom Drehbuch spendiert bekommen hätte. Hat er aber nicht. Die 99 Cent waren trotzdem gut angelegt.

Black Coal, Thin Ice

Am 27. Oktober 2015 in film

Es ist ewig her, dass ich einen chinesischen Film gesehen habe, der a.) nicht in Hong Kong spielt und b.) nichts mit Kung Fu zu tun hat. Das war meine Motivation Black Coal, Thin Ice zu leihen, der es relativ frisch irgendwie auf den US Markt geschafft hat und das Genre des Thrillers bedient. Da habe ich einiges erwartet, aber mit derart kaputten Cops, einem gruselig kargen Bergbau Provinz Setting, dem übelsten China-Discopop und Schlittschuhen mit zentraler Bedeutung habe ich nicht gerechnet.

All das vermischt sich hier zu einem handfesten Kulturschock einer Kultur, die man lieber ganz schnell wieder vergessen möchte. Obendrauf gibt es noch fachmännisch geschnetzelte Leichen und ein Dutzend Unsympathen. Der Protagonist Zhang hätte mir nicht einmal einen Funken Mitleid abringen können, wäre er irgendwann einfach nackt in den Schnee gefallen und erfroren. Wenn ich so recht darüber nachdenke, hätte das kaum einer in diesem Film geschafft. Irgendwie gibt es hier nämlich nur Arschlöcher. Das alles ist eigentlich genau das richtige, wenn man mal Bock auf einen Blick über den cineastischen Tellerrand hat, aber irgendwie fehlte mir noch das gewisse Etwas, das diesen Film weniger wie ein fieberndes Delirium hätte wirken lassen.

The Sword Of Doom

Am 24. Oktober 2015 in film

The Sword of Doom ist einer der besten Filme, die ich kenne. The Sword of Doom ist aber auch ein Film, den kaum jemand kennt. Kein Wunder, denn hierzulande kam der im Jahr 1962 gedrehte Streifen erst 2006 dank Rapid Eye Movies auf DVD heraus. Und der Kreis derer, die sich gerne abends vor einem schwarzweißen Schwertkampf Film auf dem Sofa zusammenkuscheln ist ja nun auch nicht so groß.

The Sword of Doom solltet ihr aber unbedingt anschauen. Weil der seiner Zeit so weit voraus war, das ich jedes Mal erstaunt bin, wie alt er doch ist. Die Art der Erzählung, die das Schicksal mehrerer Personen spinnt, diese behutsam beleuchtet und sie am Ende wieder zusammenlaufen lässt. Das Spiel mit Licht und Schatten, mit Kamerabewegungen und Ausleuchtung, das jede Szene wie ein Kunstwerk wirken lässt. Und dann die brachiale Gewalt im Kontrast dazu.

Ryûnosuke, die Hauptfigur, ist ein meisterhafter Schwertkämpfer und ein Wahnsinniger. Seine Geschichte wird hier in die Entstehung der Shinsengumi, der Wölfe von Mibu (eine Polizeitruppe des Shogunats in der Edo Periode) eingeflochten. Fiktion und Realität treffen aufeinander, wenn Ryûnosuke zu einem Werkzeug wird, im eskalierenden Konflikt der historischen Personen Serizawa Kamo und Kondô Isami, zwei Hauptmännern der Shinsengumi.

Ich mag Filme über die Shinsengumi, aber die letzten großen Werke, die ich hier sehen konnte, The Last Sword is Drawn als Beispiel, ertrinken gegen Ende meist in einer Welle künstlich lang gezogener Emotionen der über die Ufer getretenen Romantisierung des Stoffes. Nicht so bei The Sword of Doom. Ganz im Gegenteil. Das abrupte Ende dieses Films ist einerseits schade, weil er ursprünglich als Start einer Trilogie geplant war, zu der es dann nie kam. Andererseits bleibt einem so aber auch das qualvolle Überziehen des logischen Filmschlusses erspart, was das Neue Japanische Kino so gerne und so oft bemüht.

Wenn ich euch diesen Film empfehle, dann tue ich das aus meiner Liebe zu ihm heraus. Und ich gehe dabei gerne das Risiko ein, dass ihr mich nach der Sichtung alle für noch bekloppter haltet, als es vielleicht schon der Fall ist. Aber wenn es auch nur einem so gut gefallen hat wie mir, hat es sich schon gelohnt. Ich wünsche euch viel Spaß!

Am in

Von Pixar mag ich ja eigentlich nur die kurzen Werke. Bei den abendfüllenden Filmen sehe ich oft ganz großartige Ideen, aber auch viel verschenktes Potential und zwei Portionen zu viel Disney für meinen Geschmack. Nachdem mich die (https://donswelt.github.io/big-hero-6) Big Hero 6) aber dazu brachten, meine grundlegend abwertende Haltung gegenüber animierten Familienfilmen im Allgemeinen zu überdenken, fiel es mir schon nur noch halb so schwer, unsere Tochter in Inside Out (hierzulande Alles steht Kopf) zu begleiten. Immerhin wusste ich, dass es einen tollen Pixar Vorfilm geben würde. Und Vorfilme können sie ja.

Die daraufhin folgenden fünf Minuten Lava waren vielleicht die längsten meines Lebens und wurden in Sachen qualvolle Erfahrung höchstens noch von der viel zu niedrig dosierten, örtlichen Betäubung bei meiner Vasektomie übertroffen. Ich übertreibe, ja, aber dieser nicht enden wollende Gesang war schlicht furchtbar. Meine Augen konnten nicht begreifen, was meine Ohren da mit anhören mussten und drohten mit Schockschielen. Ich wäre am liebsten aus dem Kino gerannt, als endlich der Hauptfilm anfing und ich meinen Glauben an Pixar zurück gewinnen sollte.

Inside Outs Interpretation menschlicher Gefühle eines Teenagers ist höchst innovativ, mutig und in Teilen auch sehr unkonventionell. Und Inside Out ist ein Film, der sich zu keiner Zeit hinter seinen Animationen verstecken muss. Hätte Jean-Pierre Jeunet dieses Drehbuch vor zehn Jahren verfilmt, es wäre sicher ein ziemlich ähnlicher Realfilm dabei herausgekommen. Der Humor ist intelligent und trotzdem für Kinder und Erwachsene verständlich, was in einer Zeit, in der Humor für Erwachsene gemischt mit Slap Stick für Kinder der Status Quo im Familienfilm zu sein scheint, durchaus das schwierigste Unterfangen gewesen sein dürfte.

Und damit hat sich Inside Out einen kleinen Platz in meinem Herzen erspielt. Und einen fast schon sicheren Platz in meiner Jahres Top Fünf. EIN. ANIMATIONSFILM. IN. MEINER. JAHRES. TOP. FÜNF. Ich bin begeistert.