Hitman

Am 16. März 2016 unter film

Da ist er wieder, der adrett gekleidete Mann mit Glatze, schwarzem Anzug, weißem Hemd, roter Krawatte und mit einer tödlichen Klaviersaite in der Jacketttasche. Seine humorlosen Pflegeeltern haben ihm, noch im Reagenzglas, den öden Namen Agent 47 gegeben. Dass er jetzt wieder da ist, ist wohl eher Glücksache. Nach einem Ausflug in die Welt der Smartphones und Tablets mit Hitman Go! und Hitman Sniper wusste man ja gar nicht so recht, ob es überhaupt noch einmal auf Konsole so richtig zur Sache geht. Tut es aber und das verdanke ich wohl einem für diese Art Spielserie eher ungewöhnlichen Episoden-Modell. Hitman wird in mehreren Teilen ausgeliefert und es liegt an mir, ob ich gleich alles auf einmal kaufe (aber vorerst nur eine Episode bekomme) oder erst einmal vorsichtig mit dem Intro zum kleineren Preis hinein schnuppere.

Und dieses Intro enthält, neben zwei Übungs-Szenarien, tatsächlich nur einen Einsatzort: Paris. Umfang und Preis erinnern hier stark an Metal Gear Solid: Ground Zeroes, das sich deswegen in einigen Lagern auch den Titel einer bezahlbaren Demo eingefangen hat. Aber Ground Zeroes war für mich so etwas wie ein Spiel des Jahres. Ein Spielplatz mit so vielen Möglichkeiten ans Ziel zu kommen, dass ich es wochenlang gespielt habe. Und Hitman wirkt auf mich tatsächlich ähnlich.

Das Szenario, ein Schloss mit hunderten Gästen, einer große Gartenanlage, einem Weinkeller, dunklen Dachböden und vielen, vielen Zimmern, ist ein Tummelplatz der Reichen, Schönen, Todgeweihten und einem Auftragskiller. Im Idealfall sterben hier nur die geforderten Ziele. Wenn es eher holperig abläuft, kann die Zahl der Opfer auch schon einmal steil nach oben gehen. Gelingt es mir dann trotzdem noch, diese Zwischenfälle so zu vertuschen, dass kaum jemand Verdacht schöpft, macht das mindestens so viel Spaß, wie ein perfekt ausgeführter (und sauschwerer) Job. Natürlich könnte ich Schritt für Schritt das manuelle Speichern bemühen, um möglichst alles perfekt ablaufen zu lassen, aber Hitman hat da ein gemeines Mittel, diese Hasenfußtaktik gekonnt zu unterbinden: Ladezeiten aus der Hölle. Ein Neuladen eines vorherigen Spielstandes auf der Playstation 4 kostet mehr Nerven, als sich schnell mal irgendwo aus dem Staub zu machen. Wenn zum Beispiel der Kronleuchter nicht das erhoffte Ziel getroffen hat und eine arme Putzfrau unter den Scherben begraben wurde. Herausforderungen in Form von bestimmten Arten des Meuchelns oder der optionale Einsatz bestimmter Hilfsmittel erhöhen den Wiederspielwert und sorgen auch dann noch für Überraschungen, wenn man glaubt, schon alles gesehen zu haben.

Kurz nach dem Erscheinen des Titels wurde auch ich als Spieler ein, zweimal gemeuchelt, indem mir die Hitman-Server einfach mal die Verbindung und damit den Saft abgedreht haben. Dann lädt einen das Spiel wieder minutenlang in den Hauptbildschirm, bevor ich nach erfolgreichem Wiederverbinden wiederum minutenlang meinen alten Spielstand neu laden kann. Warum ich bei einem Spiel dieser Art überhaupt eine Verbindung zu irgendwelchen Servern benötige und Dinge wie mein Erfahrungs-Status überhaupt nur online funktionieren, wissen wahrscheinlich nur irgendwelche Marketing- und Businesskasper in der Chefetage von Square-Enix. Übrigens ein schönes Einsatz-Szenario, wenn ich mir da noch was für das Finale von Hitman wünschen darf.

Wie dem auch sei: Bei Hitman in der Verkleidung eines Servicemitarbeiters und auf der Suche nach dem perfekten Verbrechen durch riesige Menschenmengen zu streifen ist nach wie vor eine großartige Spielerfahrung. Und auch wenn der perfekte Plan zu bröckeln beginnt, weil nicht das potentielle Opfer das vergiftete Sushi gegessen hat, sondern der gierige Leibwächter, erschließen sich doch gerade in solchen Situationen oftmals ganz neue Möglichkeiten. Und genau da liegt der Reiz dieses Spiels: Sich aktuellen Situationen anpassen und schnell mal umdenken.

Ich schließe also mit den sportlich gemeinten, aber deshalb nicht weniger makaberen Worten: Erfolgreiche Jagd!


The Assassin

Am 10. März 2016 unter film gif

The Assassin, ein Film von Hsiao-Hsien Hou, ist wunderschön. Keine Frage. Unglücklicherweise ist er auch sterbenslangweilig. Zu sagen, dass The Assassin die eine oder andere Länge hat, wäre deutlich untertrieben. Zu sagen, The Assassin ist eine einzige Länge trifft es ziemlich gut. Es war schwer, diesem Film mehr abzugewinnen, als hübsche Gesichter und schöne Landschaftsaufnahmen, obwohl ich mich nicht vom unglücklichen Werbetext habe fehlleiten lassen, der ihn als Wuxia (Schwertkampf-Film) kategorisiert.

Wer das geistige Kind eines Crouching Tiger, Hidden Dragon, Hero oder House of Flying Daggers erwartet, der geht einfach gleich weiter. Für diejenigen gibt es hier nichts zu sehen. Dummerweise kenne ich die Zielgruppe nicht, die sich gerne Menschen anschaut, welche minutenlang in eine Richtung starren. Offenbar wurde dieser Film genau für diese Leute gemacht. Ab einem bestimmten Punkt stellte ich mir einfach vor, dass die Figuren im Film durch das Glas des Fernsehers mich anstarren würden. Es wäre ihr gutes Recht, denn auch ich starrte die ganze Zeit ja bloß in ihre Richtung. Diese Vorstellung war durchaus amüsant, half mir aber nicht, die langsam ins Land ziehenden Minuten erträglicher zu machen. Und das sage ich als einer, der Valhalla Rising für ganz großes Kino hält.

Schade, denn ein künstlerisch wertvoller Wuxia mit reduzierten Kampfszenen und einem Fokus auf Figuren und Geschichte klingt nach einer ganz wunderbaren Idee. The Assassin aber ist, was die kunstvolle Inszenierung angeht, für meinen Geschmack weit über das Ziel hinausgeschossen.

Wahrscheinlich ist es ganz große Kunst, die ich einfach nicht richtig deuten kann und eigentlich auch gar nicht beurteilen sollte. Deswegen fühle ich mich bei diesem Texthäppchen auch ein wenig schlecht. Aber nur ein wenig.

 

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Das beste GIF der Welt

Am 8. März 2016 unter serie gif

Ein Arbeitskollege hat am Wochenende „Street Hawk” geschaut und sich dort über den George Clooney der Achtziger gefreut. Ich war so frei und habe daraus das beste GIF der Welt gebaut und bin damit bestimmt nicht der Erste, aber das Ding muss hier rein.

 

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Auch schön: Das alte RTL-Logo.


Broforce

Am 6. März 2016 unter spiel

Broforce ist das beste Spiel der Welt. Das ist eine plumpe Phrase, aber plump passt zu Broforce, wie die Faust auf das zermatschte Auge. Broforce mischt Bro-Kultur (sagt mir nichts) mit dem schönen Gefühl, zurück in die Achtziger gereist zu sein. In den Ferien. Mit einer Tüte voller VHS Kassetten, Erdnussflips und mit einem Was-ist-Was-Buch auf dem Schoß. Als stabile Unterlage für den Competition Pro Joystick, versteht sich.

Da hat man sich nach Enter the Dragon und Missing in Action noch freundschaftlich darüber gezankt, wer bei einem Kampf zwischen Bruce Lee und Chuck Norris denn nun gewinnen würde. Zur Versöhnung gab es danach mehrere Runden Commando auf der Brotkiste C64, wobei man abwechselnd selbst spielte oder bloß per Leertaste die Granaten warf. Und weil man damals schon nicht richtig gut mit fettigen Erdnussflips-Fingern zocken konnte, hat man dann einfach Schwarzenegger in Phantom Commando oder Stallone in City Cobra angeschaut. Nicht selten mussten Knie mit Eis gekühlt werden, weil der Roundhouse Kick gar nicht so einfach war, wie er bei Chuck Norris ausschaute.

Broforce auf der PS4 (gibt es wohl auch für Mac, Windows und Linux) ist alles auf einmal: Geliebte Achtziger-Action-Helden, staubige Pixel-Optik und eine relativ einfache Spielmechanik. Hinzu kommen viel Bums und Explosionen, drei Eimer Blut und eine völlig überzogene Gewaltdarstellung. Nur die Erdnussflips müsst ihr noch selbst besorgen.

Ähnlich wie beim ganz großartigen Hotline Miami ist es die reduzierte Grafik, die aus dieser Gewaltorgie erträgliche Kunst macht. Das ist auch bitter nötig, denn wenn die Bros ins Gefecht ziehen, machen sie keine halben Sachen. Einzelne Gebiete müssen von links nach rechts auf der Suche nach Gefangenen durchquert werden. Befreite Bros dienen als Extraleben und übernehmen sofort das Kommando, sprich: werden von mir gespielt. Das kann genial sein, zum Beispiel im Falle des tödlichen Blade-Verschnitts oder eher ungemütlich, wenn ich plötzlich wieder der olle McGyver bin. Denn jeder Bro hat eine seinen Markenzeichen entsprechende Nah-, Fern- und Spezialwaffe. Erkennen kann ich vorher nicht, wenn ich befreie und danach weiterspielen muss. Das macht die Sache abwechslungsreich und spannend. Sind alle Bros gefallen, geht es an großzügigen Rücksetzpunkten von vorne los.

Am Ende des Tages gibt es nicht viel mehr zu tun, als Gegner, Fässer und Wände in die Luft zu jagen oder zu durchlöchern und dann hochzujagen, aber diesem Spiel haftet eine Faszination an, die mich stundenlang genau das tun lassen will. Immer wieder. Nur noch ein Level. Onlinespiel (hat bei mir nicht funktioniert) und Couch-Koop sorgen für den nötigen Party-Spaß.

Da verzeihe ich dem Spiel auch, dass Brobocops Markenzeichen, die Auto-9 Millimeter, vier Kugeln auf einmal schießt, wo doch jeder weiß, dass die immer bloß drei Schüsse pro Salve abgegeben hat. Aber die nervige Sekundenpause, die immer kurz nach Beginn eines Levels eintritt, während sich alles andere schon auf mich stürzt, die muss dringend weg. Wenn dem so ist, ist Broforce das beste Spiel der Welt. Bestimmt.


Densha de Go! Ryojōhen

Am 29. Februar 2016 unter spiel

Beim Ausmisten des Dachbodens fiel mir die Tage unsere alte, gemoddete Playstation 2 und eine handvoll Importspiele in die Hände. Eines davon war Densha de Go! Ryojōhen, die Tram- und Straßenbahn-Version von Taitos langläufiger Serie an Zugsimulationen. Von allen Densha de Go-Teilen, die ich gespielt habe, gefiel mir dieser Teil immer am besten. Eine Fahrt mit der Tram ist etwas, was ich auch im realen Leben als Passagier sehr schätze, wohingegen Fernverkehr-Züge in meinem Fall entweder gar nicht ankommen, sich irgendwie immer verspäten oder mir sonst irgendeine Schweinerei reinwürgen.

Ein von mir über die Jahre hinweg in höchsten Ehren gehaltener, spezieller Controller ist leider nicht über die Playstation Eins hinaus kompatibel und das Pendant für die Playstation 2 mittlerweile schlicht unbezahlbar. So war es am Dualshock 2, mich und meinen Zug durch die Straßen Japans zu geleiten. Das ist zwar ein bisschen gegen die Densha de Go-Ideologie, ist aber immer noch besser als nichts. Bereits vier Trainingseinheiten später legte ich jedenfalls eine fast fehlerfreie Fahrt hin und war glücklich, nach über zehn Jahren noch einen neuen Zug freigespielt zu haben. Lediglich ein japanischer Möchtegern-SUV hat mir die Vorfahrt genommen, was ich wohl durch den beherzten Einsatz der Hupe hätte verhindern können.

Warum macht Densha de Go nun Spaß? Wohl aus dem gleichen Grund, warum der Landwirtschaftssimulator oder ein amerikanischer Trucksimulator Spaß machen: Ich habe keine Ahnung. Es ist vielleicht die Mischung aus Reaktionsspiel und gefordertem Multitasking, der das Gefühl eines Spiels ergibt. Gepaart mit einer stinknormalen Alltags-Situation, einer fremden, aber liebenswerten Kultur und einem alten, fast verblichenen Kindheitstraum, einmal Zugführer zu werden. Zusammen wirkt das dann frischer als der nächste Ego-Shooter.

Ich mache mir nichts vor: In der Freizeit „japanische Straßenbahn-Simulationen spielen“ dürfte bei den meisten Menschen kategorisch zwischen Modelleisenbahn und Fußfetischismus abgelegt sein und wahrscheinlich ist das nicht einmal unfair. In der Realität ist Densha de Go aber eine der härtesten und unnachgiebigsten Spieleserien überhaupt. Die Bahn, die nur indirekt mit einen Balance-Akt aus Antriebs- und Bremskraft gesteuert werden kann, auf einen Meter genau an der Haltestelle pünktlich zum Stehen zu bekommen, gleicht pixelgenauen Sprungpassagen in alten Megaman-Spielen: Es ist zum Haareraufen.

Außer in diesem Teil, in dem es um bloß um Straßenbahnen geht. Wie im echten Leben ist es hier (fast) egal, wann die Tram ankommt. Die nächste kommt ja eh in spätestens zehn Minuten. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad darf die Bahn außerdem auch mal bis zu drei Meter vor oder hinter der Haltelinie zum Stehen kommen. Da meckert niemand. Also genau das Richtige für graue Spieler wie mich.

Optisch ist dieser Playstation 2-Titel mit Kantenflimmern aus der Hölle und grob pixeligen Objekten übrigens eine Mischung aus Autounfall und Grauem Star. Umso erstaunlicher finde ich es, dass es mich nicht mehr loslässt. Es ist scheinbar egal, was sich da bewegt. Ich achte wohl eh hauptsächlich auf die Instrumente, die über all dem urbanen Drama schweben.

Blöderweise machen sie diese Spiele heute nicht mehr, und so richtig verstehe ich das in Zeiten, in denen Alltags-Simulationen derart florieren, nicht. Die aktuellste Möglichkeit einen Teil der Serie zu spielen, ist ein Download aus dem japanischen iTunes Store für das iPhone. Naja.

Falls doch noch einmal ein neues Spiel dieser Art für eine Konsole erscheinen sollte, hätte ich gerne eine Sonderedition mit beiliegender Lokführer-Kappe und einer Möglichkeit, den entgegenkommenden Fahrer samt Straßenbahn via Tastendruck für Bonuspunkte grüßen zu können. So wie ich es mit einem leichten Nicken und dem Ausruf „Bahn!“ immer dann tue, wenn mir bei Ryojōhen eine andere Tram entgegenkommt.

Ihr wisst schon: Modelleisenbahn und Fußfetischismus.