Odin Sphere Leifthrasir

Am 30. Juni 2016 unter spiel

Über Odin Sphere habe ich im Laufe meines Bloggerlebens viel geschrieben. Allerdings oft nur beiläufig in Texten zu Spielen, die von dessen Ideen lebten oder Kinder im Geiste waren. Jetzt ist das hochaufgelöste Remake endlich da und ist schöner denn je. Da wird es Zeit für mich, ein üppiges Texthäppchen zu diesem großartigen Spiel zu servieren.

Leifthrasir ist kein neues Spiel. Außer der hochauflösenden Grafik, einem heruntergeschraubten Schwierigkeitsgrad und dem Zungenbrecher samt nordischer Rune im Titel ist eigentlich alles beim Alten geblieben. Irgendwo unter einem Dach sitzt die kleine Alice mit ihrem schwarzen Kater Socrates und schmökert in fünf alten Büchern, mit Geschichten aus der sagenhaften Welt Erion. Diese Geschichten spielen wir mit ihren fünf Helden aus deren jeweiligen Sicht nach. Dabei kommt es regelmäßig vor, dass sich die Wege der Figuren kreuzen und Antagonisten aus einem Buch zu Protagonisten in einem anderen werden. Das macht den Reiz der mit gefühlt siebenundzwanzigtausend Sprechblasen erzählten Geschichte aus.

Jedes Buch ist dabei ein komplexes Action-Rollenspiel in sich, denn jede Figur will voll aufgelevelt und in all ihren Fähigkeiten trainiert werden, was mir am Beispiel von Gwendolyn, der Tochter Odins und Protagonistin des ersten Buchs nach sieben Stunden noch nicht vollständig gelungen ist. Wenn Odin Sphere nicht mit Texten um sich wirft, wird in kleinen, über Ausgänge zu einer großen Karte verknüpften Endlos-Arenen gekämpft. Mit der jeweiligen Waffe des Helden und dem Einsatz von Magie. Nach und nach werden die Fähigkeiten und magischen Sprüche ausgebaut und die Möglichkeiten, die Gegner ins Jenseits zu befördern zahlreicher. Als Belohnung gibt es nach jedem Kampf eine Schatztruhe, die je nachdem, wie ich mich geschlagen habe, mit Münzen, Proviant, Tränken und Gegenständen gefüllt ist.

Die Komplexität von Odin Sphere spielt sich im Inventar-Menü ab. Hier können nicht nur Tränke getrunken und Pausenbrote verschlungen, sondern auch selbst hergestellt werden. Das Alchemie-System erlaubt viele Dinge in leeren Flaschen zu vermischen, und richtige Kombinationen ergeben hier alles vom Gegengift bis zum Vulkanausbruch aus der Tube. Die Rezepte finde ich in Truhen oder probiere sie einfach selbst aus. Die Zutaten kaufe ich bei reisenden Händlern oder pflanze sie selbst über aufgenommene Samen an und beschleunige deren Wachstum mit einem Schub leuchtender Phozonen aus der Waffe meines Helden. Auch mal mitten in einem Kampf. Und gerne wachsen an diesen Pflanzen dann auch mal Schafe(!), die ich danach erst einmal zappelnd vom Ast befreien muss (um sie dann zu schlachten, wenn man es übers Herz bringt).

Damit aber nicht genug, denn aus all den Zutaten kann ich nicht nur Tränke herstellen. Ich kann sie in Leifthrasir auch von reisenden Köchen in Ruhezonen als schmackhafte Gerichte zubereiten lassen. Auch hier gilt es die richtige Kombination im Inventar bereit zu halten, denn Essen gibt in diesem Spiel nicht nur wertvolle Lebenspunkte wieder, es steigert auch den Erfahrungslevel. Hier tritt eine wichtige Änderungen in Kraft, die ich im Remake ausmachen konnte: In Leifthrasir ist es (zumindest auf dem Schwierigkeitsgrad Normal) nicht mehr möglich sich zu überfressen. Eine gute Entscheidung, denn das war gerade in schweren Bosskämpfen sehr nervig, wenn bereits alle Heiltränke verbraucht und nur noch eine olle Himbeere und ein Schwein auf Toast übrig waren. Der Verzehr des Letzteren führte dann oft zu Völlegefühlen des Helden und die Himbeere konnte nicht sofort danach verspeist werden. Während ein riesiger Drache, eine Königin der Unterwelt oder der Tod persönlich links und rechts mit allem was sie hatten um sich geschlagen haben. Und ein (link: https://www.youtube.com/watch?v=Ec8F-6mz3dE text: Rennie) gabs in Odin Sphere ja leider nicht.

Wenn ich mal keine Lust (oder keinen Platz) habe, Zutaten für Käse-Omelettes, Shrimp Peperoncinos oder Napple Pies mit mir herumzuschleppen, habe ich die Möglichkeit, zwischen zwei Abschnitten die lokale Küche der Pookas zu besuchen. Diese putzigen Hasen-Wesen bereiten mir dann alle möglichen Leckereien gegen bare Münze zu.

Odin Sphere Leifthrasir ist aufgrund seiner liebevollen Präsentation, seiner komplexen, aber nicht überwuchernden Möglichkeiten und des wunderbar einfach von der Hand gehenden Kampfsystems noch immer ein ganz großer Titel. Und es ist jetzt dort, wo es hingehört: Auf einer Hardware, die Odin Spheres Kunst würdig wiedergeben kann. Ich kopiere diesen Satz dann einfach für mein Texthäppchen über die 4K-Version in vier Jahren, okay?


Triple 9

Am 22. Juni 2016 unter film

Der Norman Reedus ist in diesem Film lediglich zehn Minuten zu sehen! Wahrscheinlich kaut Casey Affleck deswegen die ganze Zeit mit offenem Mund Kaugummi und sagt nichts. Der wundert sich bloß, wo der Reedus denn hin ist. Dass er nicht viel sagt, ist ja irgendwie Verschwendung, denn Casey Affleck hat neben Jason Statham die schönste Stimme in Hollywood. Zugegeben: Er schmatzt auch nicht schlecht, aber er redet schon irgendwie cooler.

Woody Harrelson ist auch mit von der Partie. Der redet wiederum ziemlich viel und mit einem Dialekt, dass man sich wünscht, er würde mehr Kaugummi kauen. Genau wie Kate Winslet, deren gespieltes Russisch ein weit schlimmeres Folterwerkzeug ist, als die Kneifzange in den Händen ihrer Handlanger. Anthony Mackie, Chiwetel Ejiofor und Aaron Paul sind ebenfalls am Start und da fragt man sich langsam schon, ob vor lauter Gage für hoch dotierte Schauspieler noch was für die Produktion an sich übrig geblieben ist.

Ich mag all diese Menschen sehr gerne sehen und das ist ein Bonus, den Triple 9 sicherlich bitter nötig hat. Eine große Überraschung ist das Skript nicht, aber die Produktion ist immerhin rund genug, um knapp zwei Stunden kurzweiliges Wer-überlebt-und-wer-stirbt-Bingo zu garantieren. Für mehr fehlt es den Figuren aber deutlich an Tiefe. In einem Film, der nur aus Arschlöchern oder teilnahmslosen Figuren, die Kaugummi kauen, bestehen zu scheint, ist es schwer, sich als Zuschauer auf eine bestimmte Seite zu schlagen. Da werden einem die Konsequenzen der Handlungen und damit der Verlauf der Geschichte recht schnell egal. Und deswegen werde ich Triple 9 trotz dessen hoher Dichte an Stars wahrscheinlich sehr schnell wieder vergessen.


Am unter
Jetzt aber. Nachdem mir noch vor einigen Wochen nichts anderes übrig blieb als aufgeregt [herumzumeckern](/cloverfield-lane), war es mir nun endlich möglich, *10 Cloverfield Lane* legal zu erwerben. Natürlich nicht hierzulande, sondern nur über einen Umweg durch den US-iTunes Store. Das dafür benötigte Guthaben habe ich über Gutscheine von Ebay erstanden und damit wahrscheinlich irgendeiner Mafia geholfen, deren ehrlich verdientes Geld in Fernost zu waschen. Aber egal! Ihr wisst es sicher schon, aber ich sage es noch einmal: Lasst euch zu *10 Cloverfield Lane* nicht spoilern! Das ist der wichtigste Tipp, den ich euch hier mit auf den Weg geben kann und das sage ich als jemand, der sich gerne mal den ein oder anderen Spoiler gönnt, um die eigene Erwartung noch hochzuschrauben. Natürlich wachsen die Erwartungen an einen Film auch mit jeder Spoiler-Warnung weiter und bei *10 Cloverfield Lane* dürfte es sich hier mittlerweile schon um eine arg gesundheitsgefährdende Dosis handeln. Dass es sich hierbei obendrein um eine weitere Inkarnation des Phönix unter den Monsterfilmen handelt, hilft da auch nicht. Gut, dass *10 Cloverfield Lane* ein mutiges Projekt ist und dass ich von diesem Film so richtig schön ge-suckerpuncht wurde. Aus dem toten Winkel heraus. Mit einem Baseball-Schläger. Mit einem Nagel drin! Und das Beste: Er lässt viel Raum für ganz viel Spekulation. Da bleibt noch richtig schön was hängen. Eine Eigenschaft, die ich bei Filmen grundsätzlich sehr schätze. Und wer weiß: Vielleicht beantwortet ja noch ein weiterer Film irgendwann diese Fragen. Denn wie sagte noch Frederick Charles Krueger so schön? > Jede Stadt hat eine Elmstreet Cloverfield Lane! So oder so ähnlich.

52Games: Burning Down The House

Am 14. Juni 2016 unter spiel

Um das Projekt gleich mit einem großen Knall zu starten, heißt das erste Thema dann auch „Burning Down The House“. Explosionen, Feuer, Qualm … oder vielleicht inspiriert das Thema Euch doch zu etwas ganz anderem?

Beim ersten Thema der diesjährigen #52Games-Aktion von Zockwork Orange muss ich daran denken, wie selten ich in Videospielen immer noch ganze Häuser niederbrennen, einreißen oder sonst wie platt machen darf. Schaut euch Overwatch an: Ein Traum von einem Spiel, aber im Höchstfall darf ich dort mal eine Holzkiste oder ein Fass im Vorbeigehen zerschießen. Wie viel schöner wäre das Spiel, wenn irgendwann ein Torbogen, ein Dach oder eine ganze Mauer einstürzen würde und es am Ende wirklich so aussähe, als hätten sich zwölf bis an die Zähne bewaffnete Irre bekämpft? Nicht so berechnend wie etwa bei der übelsten Wortschöpfung dieses Jahrhunderts, der Levolution in Battlefield 4, sondern so wie in den goldenen Jahren der Havoc-Engine! Ein breites Grinsen überzog jedes Mal mein kleines pyromanes Gesicht, wenn deren Logo am Anfang eines Spiel auftauchte. Dann war klar, dass zumindest was kaputt gehen könnte! Ein Titel dieser Zeit, der schon damals alle negativen Eigenschaften eines Open World-Spiels zu bieten hatte, war Mercenaries: Playground of Destruction auf der Playstation 2. Das Spiel in einem nordkoreanischem Krisengebiet war moralisch zweifelhaft und absolut keine Augenweide. Aber es ging sehr viel kaputt. Und dann, im Licht der Flammen und in Wolken von Rauch, war es stellenweise auch wieder sehr schön. Also, wenn man das mag, wenn was in Spielen explodiert. Ich mag das.

Eigentlich wollte ich genau hier ausnahmsweise mal einen Screenshot platzieren. Aber es gibt keine wirklich hübschen Screenshots von Mercanaries. Bloß hässlichen Pixelbrei. Ich schwöre aber, dass das damals gut aussah, wenn was explodierte. Echt jetzt!


Victoria

Am 13. Juni 2016 unter film

Seit einigen Tagen ist Sebastian Schippers Film Victoria auf Netflix als Stream erhältlich. Sebastian Schipper, das ist der, der uns Ende der Neunziger mit Absolute Giganten den vielleicht besten deutschen Film beschert hat. Victoria ist sein handwerkliches Meisterstück. Ein Film, dessen Drehbuch aus lediglich gut einem Dutzend Seiten besteht, dessen Dialoge größtenteils improvisiert sind und der ohne einen einzigen Schnitt auskommt. Er hat zwei Sterne auf Netflix. Metakritik ist eine Bitch.

Ich gebe zu, Victoria klingt auf dem Papier erst einmal wie Kunst, die vielleicht weg kann. Mag sein, dass einige das auch nach der Sichtung oder nach zehn Minuten, wenn sie aufgeben, noch so sehen. Ich dagegen halte diesen Film für ein Meisterwerk und die Tatsache, dass er in Zeiten, in denen andere Filme von ihrer Schnitttechnik leben, anderweitig eine dichte, oft audiovisuell wunderbare Atmosphäre schafft, für einzigartig und absolut großartig.

Natürlich hat ein Projekt dieses Ausmaßes hier und da Längen, unterm Strich gehören sie aber genauso zur besonderen Erfahrung, wie die Versprecher der Schauspieler. Nur drei Versuche hat es laut der Internet Movie Database gebraucht, bis der finale Take im Kasten war. Beeindruckend. Der eigentliche Star des Films ist dabei der Kameramann Sturla Grøvlen, der die Bilder gekonnt professionell einfängt, ohne dass ein mittlerweile eher ausgelutschter Found Footage-Effekt entsteht.

Wenn ihr Victoria nicht im Kino gesehen habt, lege ich ihn euch auf Netflix ans Herz. Gebt ihm eine Chance und lasst euch von den zwei Sternen nicht abschrecken.