Rurouni Kenshin: Kyoto Inferno & The Legend Ends

Am 4. April 2016 in film

Die Rurouni Kenshin-Trilogie besteht aus drei ganz großartigen Filmen, für die ich ans Äußerste gehen musste, um überhaupt in ihren Genuss zu kommen. Teil Eins war keine Problem, denn der ist bei iTunes ganz vorbildlich mit Originalton und passenden Untertiteln ausgestattet. Nicht so die beiden Nachfolger. Splendid/Amasia sahen es wohl nicht für nötig an, auch diesen Teilen den selben Komfort zuteil werden zulassen. Auch bei anderen digitalen Leihplattformen fehlt der Originalton. Für mich völlig unverständlich.

Was tun? Einen japanischen Film mit deutscher Synchro schauen? Kann ich nicht mehr und will ich auch nicht mehr. Die Blu-rays kaufen? Will ich nicht mehr. Ich bin froh, dass die Regale endlich leer sind und dass der ganze Ballast bei Online-Ankaufportalen oder bei Menschen gelandet ist, die noch Freude am Sammeln haben. Also blieb als letzter Weg bloß noch ein Online-Verleihdienst, der Blu-rays verschickt. Als Brief. Mit der Post. Wie im Krieg! Menschen, die ihre Filmunterhaltung per Torrent aus dem Netz ziehen kriegen spätestens hier vor Lachen einen Hustenanfall, aber die Mühe hat sich gelohnt!

Bei Kyoto Inferno jagt eine beeindruckende Kampfszene die nächste. Die Choreografie ist ausgefeilt und dynamisch. Unterschiedliche, den teilweise sehr illustren Figuren entsprechende Stile (Seta Sojiro, ey!) treffen aufeinander, wobei Spezial-Effekte spärlich bis gar nicht eingesetzt werden. Und wenn es welche gibt, sehen sie ganz fantastisch aus. Ich stehe auf japanisches Overacting und die Kenshin-Filme sind voll davon. Muss man mögen, mag ich aber sehr.

Der anfänglich eher ruhige dritte Teil, The Legend Ends, gipfelt in einer über 30 Minuten andauernden Kampfszene und nicht eine Minute davon wirkt generisch. Das ist eigentlich schon ein kleines Wunder.

Wenn ich mir das Making-of dazu anschaue, frage ich mich wirklich, wie die das angestellt haben: Auf den Sets wuseln Dutzende von Statisten und Schauspielern durcheinander und irgendwie macht dann vor allem die perfekte Kameraführung daraus ein einmalig dynamisches Erlebnis.

Ich mag den Kenshin-Manga gar nicht, aber diese realverfilmte Trilogie steht dennoch ganz weit oben auf meiner Favoriten-Liste. Jetzt gibt es nur ein Problem: Ich will noch mehr davon! Vielleicht sollte sich die Truppe als nächstes mal die Blade of the Immortal-Reihe vornehmen.

Oro!

The Mark of Kri

Am 3. April 2016 in spiel

Weil hier noch die entstaubte Playstation 2 rumsteht, habe ich über einen Mini-Urlaub hinweg The Mark of Kri gespielt. Eigentlich wollte ich erst The Mark of Kri und dann den Nachfolger Rise of the Kasai spielen, aber da wusste ich noch nicht, zu welcher Schandtat mich der erste Teil treiben würde.

Eins vorweg: Beide Teile sind derzeit leicht aufgepeppt und digital für die Playstation 4 erhältlich. Allerdings für stolze 15 Euro pro Spiel. Da läuten bei mir ja schnell mal die Alarmglocken. Für alte Spiele auf neuen Konsolen sollte meiner Meinung nach immer nur ein Obolus fällig sein und nicht Beträge, für die ich aktuelle, native Spiele für diese Plattform bekomme.

Egal: Ich hatte Glück und beide Spiele auf dem Dachboden. Ich starte frohen Mutes mit The Mark of Kri und einem guten alten Dual Shock 2. Zu meiner Verwunderung läuft auch dieses Spiel die meiste Zeit mit einer sauberen Bildrate von wahrscheinlich 60 Bildern pro Sekunde. Mit LEGO Star Wars: The Original Trilogy und Maximo ist das nun das dritte Spiel, welches ich dieser Tage auf der alten Playstation 2 zocke und ich mich genau darüber freue. Mir fallen spontan keine drei Spiele auf der Playstation 4 ein, die 60 Bilder pro Sekunde bieten (obwohl ich natürlich weiß, dass es die gibt … irgendwo).

Lediglich die Steuerung ist sehr gewöhnungsbedürftig. Die Priorität lag hier ganz eindeutig darauf, dass sich alles ganz wunderschön wie in einem Disney-Film bewegt und nicht etwa sofort das tut, was der Spieler will. Es kann einem beim Erklimmen einer Leiter schon mal den letzten Nerv rauben, wenn Titelheld Rau erstmal in Ruhe die Waffe wegsteckt und dann gemächlich nach oben steigt, während sich ein, zwei Pfeile durch seine Schultern und Waden bohren oder eine Axt seinen Scheitel streift.

Den Barbaren auf eine Horde Gegner loszulassen wirkt dann aber immer noch recht spektakulär. Das trickreiche Zielsystem, das mich mit dem rechten Analogstick Gegner anvisieren und diese mit Interaktions-Symbolen versehen lässt, die dann den Tasten X, Viereck und Kreis entsprechen und mit denen ich die Widersacher zielgenau attackieren kann, geht schnell in Fleisch und Blut über und sorgt für selbiges auf der Tanzfläche. Schleichen geht auch und weil Barbaren eigentlich gar nicht schleichen, kompensiert Rau das mit Anfällen noch extrem brachialer Gewalt.

Immer noch großartig: Kuso, der gefiederte Wegbegleiter an Raus Seite. Erspähe ich einen für ihn vorgesehenen Platz in einem Baum, auf einer hohen Mauer oder auf einem Dach, kann ich ihn mit einem Tastendruck dorthin fliegen lassen, woraufhin ich auf Wunsch, wie der junge Bran Stark, durch seine Augen die Umgebung erkunden kann. Eine wunderbare Idee.

Pfeil und Bogen haben es mir damals sehr angetan und die machen mir hier auch heute noch Spaß. Trotzdem bin ich leicht verwundert, dass mich dieses Spiel auch Stunden später noch so fesselte. Wälder, Tempel und Ruinen habe ich mit Rau bereist und ordentlich hohe Berge an dahingeschiedenen Gegnern hinterlassen, als ich im finalen Level, mit dem Erhalt der beidhändig zu schwingenden Streitaxt, an einen Punkt angelangt bin, der für mich nicht mehr tolerabel ist.

Das Spiel will einfach nicht mehr enden. Raum für Raum stellen sich mir immer wieder aufs Neue zwei Handvoll Gegner in den Weg, die ich mühevoll zur Strecke bringe, während Bogenschützen auf mich schießen. Vor jeder neuen Tür denke ich: Das muss es jetzt sein. Und nach jeder Tür steigt die Wut in mir hoch, in Anbetracht dieser billigen Masche, den Schwierigkeitsgrad nach oben zu treiben. Eine glatte Sechs in Sachen Level-Design. Traurig.

Hatte ich erwähnt, dass ich meinen Spielstand nur mit dem Einsatz einer Speicher-Rolle sichern kann? Und davon habe ich zu Beginn jedes Levels genau null! Der Einsatz eingesammelter Rollen muss also genauestens geplant werden. Ansonsten sind undankbare Rücksetzpunkte (meist am Anfang des Levels) angesagt. Damit kann ich leben wenn das Level-Design das berücksichtigt. Im finalen Abschnitt von The Mark of Kri hat sich da aber niemand mehr wirklich Gedanken gemacht. Nicht einmal Schleichen ist hier noch möglich. Alles wird für ein Marathon-Massaker über Bord geworfen, bei dem ich bereits nach zehn Minuten alles gesehen habe. Trotzdem zieht es sich ewig hin.

Am Ende ist das hier dabei rausgekommen:

Bild

Der Barbar in mir ist jetzt jedenfalls geweckt. Und die Playstation 2 kommt natürlich wieder auf dem Dachboden!

Daredevil (Staffel Zwei)

Am 27. März 2016 in serie

Daredevil ist keine besonders anspruchsvolle Serie. Wenn nicht gerade gekämpft wird, wird viel geredet, aber wenig damit ausgesagt. Das ist nicht wirklich ein Problem, denn Daredevil funktioniert ganz prima, wenn man einfach mal abschalten will. Einfach mal zurücklehnen, hier über einen One-Liner oder da über einen käsigen Dialog schmunzeln und immer wieder Knochenbrüche in den Prügelphasen zählen. Daredevils Darstellung des Helden in Staffel Eins war die eines schonungslosen Draufgängers. Einer, der sich nicht zurückhält, wenn es um das Verteilen von Leberhaken, Aufwärtsschwingern und fliegenden Tritten ging. Das war in diesen Ausmaßen für mich neu, denn immerhin prügelt sich der Protagonist hier nicht mit mutierten oder künstlich aufgepumpten Gegnern sondern mit dem Urtyp des gemeinen Handlangers. Sicherlich durch eine harte Jugend und viel Training gestählt, aber immer noch menschlich und damit nie gefeit, eine Wirbelknochenfraktur oder ein Stück Nasenbein im Gehirn davonzutragen. Natürlich passiert das nicht, denn der Teufel von Hell’s Kitchen tötet nicht, wie er uns immer wieder unmissverständlich klar macht. Und Unfälle, wie etwa ein Stück Nasenbein im Gehirn eines verprügelten Gegners passieren ihm auch nicht.

Jetzt, in Staffel Zwei, kommt der Punisher daher. Der bringt die Handlanger des Bösen reihenweise ins Grab und meistens so, dass zum Aufräumen Eimer und Wischmob nötig sind. Ganz nebenbei entzieht er dem Daredevil damit aber auch den brachialen Charme, der diesen bislang umgab. Matt Murdock ist jetzt der, der sich zurückhält. Menno.

Das der sich für diesen Umstand auch noch in nichtssagenden Dialogen rechtfertigen muss, in denen er der brachialen Rationalität des Punishers hoffnungslos unterlegen ist, hilft dem angekratzten Image auch nicht weiter. Es bleibt also nur das Bestaunen der wunderbar choreografierten Prügelszenen, bei denen jetzt aber immer dieser eine Gedanke mitschwingt:

Der Punisher, der wäre da nicht so zimperlich!

Halt mal kurz

Am 20. März 2016 in spiel

Die folgenden Zeilen handeln von einem Kartenspiel. So etwas spielt man analog (HÄ!?). Mit anderen Menschen an einem Tisch (WIE!?). Komplett offline, ohne Controller und ohne Smartphone (WAS ZUM … !?). Für all diejenigen, die Morgvom.org jetzt nicht kopfschüttelnd aus ihren Feeds gelöscht haben: Vertraut mir! (http://halt-mal-kurz.de)Halt mal kurz) ist ein ganz großartiges Kartenspiel für drei bis fünf Spieler, bei dem ihr Nazis haut, Vollversammlungen abhaltet oder Schnick-Schnack-Schnuck spielt. Gerne auch mit Brunnen.

Das Ganze ist, um es mit einer der zwei Kategorien des Spiels zu sagen, witzig. Sehr witzig, denn es ist von Marc Uwe Kling, der Kleinkünstler, der mit einem Beuteltier in einer Berliner Wohngemeinschaft lebt und dort die Känguru-Chroniken geschrieben hat. Wer diese Bücher nicht gelesen hat, sollte das zügig nachholen.

Der nicht selten gesellschaftskritische Humor der Bücher zieht sich dabei ganz wunderbar auch quer durch Halt mal kurz und so braucht sich niemand zu wundern, dass die Nazikarte (draufhauen!) bis auf ein winziges Detail genauso aussieht, wie die Polizeikarte (nicht draufhauen!), dass die Vollversammlungskarte selten Überraschungen birgt und das der Kapitalismus diejenigen bestraft, die eh schon am Verlieren sind.

Und dass Gruppen-Schnicks, sozusagen der Mexican Standoff unter den Schnick-Schnack-Schnuck-Duellen extrem feuchte Augen oder Schlimmeres zur Folge haben können. Also mit Brunnen. Aber am besten lasst ihr euch das direkt vom Känguru im Video unten erklären. Von mir gibt es zumindest einen deutlichen Kaufbefehl.

Razupaltuff!

Video auf Vimeo

Hitman

Am 16. März 2016 in film

Da ist er wieder, der adrett gekleidete Mann mit Glatze, schwarzem Anzug, weißem Hemd, roter Krawatte und mit einer tödlichen Klaviersaite in der Jacketttasche. Seine humorlosen Pflegeeltern haben ihm, noch im Reagenzglas, den öden Namen Agent 47 gegeben. Dass er jetzt wieder da ist, ist wohl eher Glücksache. Nach einem Ausflug in die Welt der Smartphones und Tablets mit Hitman Go! und Hitman Sniper wusste man ja gar nicht so recht, ob es überhaupt noch einmal auf Konsole so richtig zur Sache geht. Tut es aber und das verdanke ich wohl einem für diese Art Spielserie eher ungewöhnlichen Episoden-Modell. Hitman wird in mehreren Teilen ausgeliefert und es liegt an mir, ob ich gleich alles auf einmal kaufe (aber vorerst nur eine Episode bekomme) oder erst einmal vorsichtig mit dem Intro zum kleineren Preis hinein schnuppere.

Und dieses Intro enthält, neben zwei Übungs-Szenarien, tatsächlich nur einen Einsatzort: Paris. Umfang und Preis erinnern hier stark an Metal Gear Solid: Ground Zeroes, das sich deswegen in einigen Lagern auch den Titel einer bezahlbaren Demo eingefangen hat. Aber Ground Zeroes war für mich so etwas wie ein Spiel des Jahres. Ein Spielplatz mit so vielen Möglichkeiten ans Ziel zu kommen, dass ich es wochenlang gespielt habe. Und Hitman wirkt auf mich tatsächlich ähnlich.

Das Szenario, ein Schloss mit hunderten Gästen, einer große Gartenanlage, einem Weinkeller, dunklen Dachböden und vielen, vielen Zimmern, ist ein Tummelplatz der Reichen, Schönen, Todgeweihten und einem Auftragskiller. Im Idealfall sterben hier nur die geforderten Ziele. Wenn es eher holperig abläuft, kann die Zahl der Opfer auch schon einmal steil nach oben gehen. Gelingt es mir dann trotzdem noch, diese Zwischenfälle so zu vertuschen, dass kaum jemand Verdacht schöpft, macht das mindestens so viel Spaß, wie ein perfekt ausgeführter (und sauschwerer) Job. Natürlich könnte ich Schritt für Schritt das manuelle Speichern bemühen, um möglichst alles perfekt ablaufen zu lassen, aber Hitman hat da ein gemeines Mittel, diese Hasenfußtaktik gekonnt zu unterbinden: Ladezeiten aus der Hölle. Ein Neuladen eines vorherigen Spielstandes auf der Playstation 4 kostet mehr Nerven, als sich schnell mal irgendwo aus dem Staub zu machen. Wenn zum Beispiel der Kronleuchter nicht das erhoffte Ziel getroffen hat und eine arme Putzfrau unter den Scherben begraben wurde. Herausforderungen in Form von bestimmten Arten des Meuchelns oder der optionale Einsatz bestimmter Hilfsmittel erhöhen den Wiederspielwert und sorgen auch dann noch für Überraschungen, wenn man glaubt, schon alles gesehen zu haben.

Kurz nach dem Erscheinen des Titels wurde auch ich als Spieler ein, zweimal gemeuchelt, indem mir die Hitman-Server einfach mal die Verbindung und damit den Saft abgedreht haben. Dann lädt einen das Spiel wieder minutenlang in den Hauptbildschirm, bevor ich nach erfolgreichem Wiederverbinden wiederum minutenlang meinen alten Spielstand neu laden kann. Warum ich bei einem Spiel dieser Art überhaupt eine Verbindung zu irgendwelchen Servern benötige und Dinge wie mein Erfahrungs-Status überhaupt nur online funktionieren, wissen wahrscheinlich nur irgendwelche Marketing- und Businesskasper in der Chefetage von Square-Enix. Übrigens ein schönes Einsatz-Szenario, wenn ich mir da noch was für das Finale von Hitman wünschen darf.

Wie dem auch sei: Bei Hitman in der Verkleidung eines Servicemitarbeiters und auf der Suche nach dem perfekten Verbrechen durch riesige Menschenmengen zu streifen ist nach wie vor eine großartige Spielerfahrung. Und auch wenn der perfekte Plan zu bröckeln beginnt, weil nicht das potentielle Opfer das vergiftete Sushi gegessen hat, sondern der gierige Leibwächter, erschließen sich doch gerade in solchen Situationen oftmals ganz neue Möglichkeiten. Und genau da liegt der Reiz dieses Spiels: Sich aktuellen Situationen anpassen und schnell mal umdenken.

Ich schließe also mit den sportlich gemeinten, aber deshalb nicht weniger makaberen Worten: Erfolgreiche Jagd!