Triple 9

Am 22. Juni 2016 unter film

Der Norman Reedus ist in diesem Film lediglich zehn Minuten zu sehen! Wahrscheinlich kaut Casey Affleck deswegen die ganze Zeit mit offenem Mund Kaugummi und sagt nichts. Der wundert sich bloß, wo der Reedus denn hin ist. Dass er nicht viel sagt, ist ja irgendwie Verschwendung, denn Casey Affleck hat neben Jason Statham die schönste Stimme in Hollywood. Zugegeben: Er schmatzt auch nicht schlecht, aber er redet schon irgendwie cooler.

Woody Harrelson ist auch mit von der Partie. Der redet wiederum ziemlich viel und mit einem Dialekt, dass man sich wünscht, er würde mehr Kaugummi kauen. Genau wie Kate Winslet, deren gespieltes Russisch ein weit schlimmeres Folterwerkzeug ist, als die Kneifzange in den Händen ihrer Handlanger. Anthony Mackie, Chiwetel Ejiofor und Aaron Paul sind ebenfalls am Start und da fragt man sich langsam schon, ob vor lauter Gage für hoch dotierte Schauspieler noch was für die Produktion an sich übrig geblieben ist.

Ich mag all diese Menschen sehr gerne sehen und das ist ein Bonus, den Triple 9 sicherlich bitter nötig hat. Eine große Überraschung ist das Skript nicht, aber die Produktion ist immerhin rund genug, um knapp zwei Stunden kurzweiliges Wer-überlebt-und-wer-stirbt-Bingo zu garantieren. Für mehr fehlt es den Figuren aber deutlich an Tiefe. In einem Film, der nur aus Arschlöchern oder teilnahmslosen Figuren, die Kaugummi kauen, bestehen zu scheint, ist es schwer, sich als Zuschauer auf eine bestimmte Seite zu schlagen. Da werden einem die Konsequenzen der Handlungen und damit der Verlauf der Geschichte recht schnell egal. Und deswegen werde ich Triple 9 trotz dessen hoher Dichte an Stars wahrscheinlich sehr schnell wieder vergessen.


Am unter
Jetzt aber. Nachdem mir noch vor einigen Wochen nichts anderes übrig blieb als aufgeregt [herumzumeckern](/cloverfield-lane), war es mir nun endlich möglich, *10 Cloverfield Lane* legal zu erwerben. Natürlich nicht hierzulande, sondern nur über einen Umweg durch den US-iTunes Store. Das dafür benötigte Guthaben habe ich über Gutscheine von Ebay erstanden und damit wahrscheinlich irgendeiner Mafia geholfen, deren ehrlich verdientes Geld in Fernost zu waschen. Aber egal! Ihr wisst es sicher schon, aber ich sage es noch einmal: Lasst euch zu *10 Cloverfield Lane* nicht spoilern! Das ist der wichtigste Tipp, den ich euch hier mit auf den Weg geben kann und das sage ich als jemand, der sich gerne mal den ein oder anderen Spoiler gönnt, um die eigene Erwartung noch hochzuschrauben. Natürlich wachsen die Erwartungen an einen Film auch mit jeder Spoiler-Warnung weiter und bei *10 Cloverfield Lane* dürfte es sich hier mittlerweile schon um eine arg gesundheitsgefährdende Dosis handeln. Dass es sich hierbei obendrein um eine weitere Inkarnation des Phönix unter den Monsterfilmen handelt, hilft da auch nicht. Gut, dass *10 Cloverfield Lane* ein mutiges Projekt ist und dass ich von diesem Film so richtig schön ge-suckerpuncht wurde. Aus dem toten Winkel heraus. Mit einem Baseball-Schläger. Mit einem Nagel drin! Und das Beste: Er lässt viel Raum für ganz viel Spekulation. Da bleibt noch richtig schön was hängen. Eine Eigenschaft, die ich bei Filmen grundsätzlich sehr schätze. Und wer weiß: Vielleicht beantwortet ja noch ein weiterer Film irgendwann diese Fragen. Denn wie sagte noch Frederick Charles Krueger so schön? > Jede Stadt hat eine Elmstreet Cloverfield Lane! So oder so ähnlich.

52Games: Burning Down The House

Am 14. Juni 2016 unter spiel

Um das Projekt gleich mit einem großen Knall zu starten, heißt das erste Thema dann auch „Burning Down The House“. Explosionen, Feuer, Qualm … oder vielleicht inspiriert das Thema Euch doch zu etwas ganz anderem?

Beim ersten Thema der diesjährigen #52Games-Aktion von Zockwork Orange muss ich daran denken, wie selten ich in Videospielen immer noch ganze Häuser niederbrennen, einreißen oder sonst wie platt machen darf. Schaut euch Overwatch an: Ein Traum von einem Spiel, aber im Höchstfall darf ich dort mal eine Holzkiste oder ein Fass im Vorbeigehen zerschießen. Wie viel schöner wäre das Spiel, wenn irgendwann ein Torbogen, ein Dach oder eine ganze Mauer einstürzen würde und es am Ende wirklich so aussähe, als hätten sich zwölf bis an die Zähne bewaffnete Irre bekämpft? Nicht so berechnend wie etwa bei der übelsten Wortschöpfung dieses Jahrhunderts, der Levolution in Battlefield 4, sondern so wie in den goldenen Jahren der Havoc-Engine! Ein breites Grinsen überzog jedes Mal mein kleines pyromanes Gesicht, wenn deren Logo am Anfang eines Spiel auftauchte. Dann war klar, dass zumindest was kaputt gehen könnte! Ein Titel dieser Zeit, der schon damals alle negativen Eigenschaften eines Open World-Spiels zu bieten hatte, war Mercenaries: Playground of Destruction auf der Playstation 2. Das Spiel in einem nordkoreanischem Krisengebiet war moralisch zweifelhaft und absolut keine Augenweide. Aber es ging sehr viel kaputt. Und dann, im Licht der Flammen und in Wolken von Rauch, war es stellenweise auch wieder sehr schön. Also, wenn man das mag, wenn was in Spielen explodiert. Ich mag das.

Eigentlich wollte ich genau hier ausnahmsweise mal einen Screenshot platzieren. Aber es gibt keine wirklich hübschen Screenshots von Mercanaries. Bloß hässlichen Pixelbrei. Ich schwöre aber, dass das damals gut aussah, wenn was explodierte. Echt jetzt!


Victoria

Am 13. Juni 2016 unter film

Seit einigen Tagen ist Sebastian Schippers Film Victoria auf Netflix als Stream erhältlich. Sebastian Schipper, das ist der, der uns Ende der Neunziger mit Absolute Giganten den vielleicht besten deutschen Film beschert hat. Victoria ist sein handwerkliches Meisterstück. Ein Film, dessen Drehbuch aus lediglich gut einem Dutzend Seiten besteht, dessen Dialoge größtenteils improvisiert sind und der ohne einen einzigen Schnitt auskommt. Er hat zwei Sterne auf Netflix. Metakritik ist eine Bitch.

Ich gebe zu, Victoria klingt auf dem Papier erst einmal wie Kunst, die vielleicht weg kann. Mag sein, dass einige das auch nach der Sichtung oder nach zehn Minuten, wenn sie aufgeben, noch so sehen. Ich dagegen halte diesen Film für ein Meisterwerk und die Tatsache, dass er in Zeiten, in denen andere Filme von ihrer Schnitttechnik leben, anderweitig eine dichte, oft audiovisuell wunderbare Atmosphäre schafft, für einzigartig und absolut großartig.

Natürlich hat ein Projekt dieses Ausmaßes hier und da Längen, unterm Strich gehören sie aber genauso zur besonderen Erfahrung, wie die Versprecher der Schauspieler. Nur drei Versuche hat es laut der Internet Movie Database gebraucht, bis der finale Take im Kasten war. Beeindruckend. Der eigentliche Star des Films ist dabei der Kameramann Sturla Grøvlen, der die Bilder gekonnt professionell einfängt, ohne dass ein mittlerweile eher ausgelutschter Found Footage-Effekt entsteht.

Wenn ihr Victoria nicht im Kino gesehen habt, lege ich ihn euch auf Netflix ans Herz. Gebt ihm eine Chance und lasst euch von den zwei Sternen nicht abschrecken.


Hail, Caesar!

Am 8. Juni 2016 unter film

Man kann über die Filme der Coen-Brüder sagen was man will. Auch über The Big Lebowski, um mal auf Cassidy anzuspielen. Eine Figur aus meiner derzeitigen Lieblingszeitverschwendung Preacher. Aber eines müssen sich selbst die größten Kritiker dieser sehr unkonventionellen Filmemacher eingestehen: Selten bis nie ist das, was wir von Ihnen zu sehen bekommen vorhersehbar. Und das ist im heutigen Kino eine Rarität. Fast schon eine Magie, die nur noch die wenigsten beherrschen. Und wenn sie es doch tun, können sie sicherlich nur schwer das Geld auftreiben, welches nötig ist, um diese Magie überhaupt entstehen zu lassen.

Die Cohens bekommen dieses Geld. Irgendwie. Auch für einen Jonah Hill, der mittlerweile so teuer zu sein scheint, dass bei nur fünf Minuten Leinwand-Präsenz trotzdem noch eine Erwähnung mit Bild auf dem Kinoplakat inklusive ist. Zu Hills Verteidigung muss ich aber sagen, dass er in fünf Minuten als Langweiler immer noch mehr Eindruck hinterlässt als zum Beispiel Nicholas Cage in einer Hauptrolle in, sagen wir mal zwei seiner aktuelleren Filme. Der Rest des Ensembles ist eine Mischung aus Coen-Veteranen, angesagten Gesichtern aktueller Kino-Geschichte und Christopher “Es kann nur einen geben” Lambert.

Hail, Caesar! ist eine großartige Hommage an die goldenen Jahre der Geldmaschine Hollywood und deren durch und durch romantisierte Fassade. Dieser Zeit nachempfundene und wunderbar nachgestellte Drama-, Action- und Musical-Szenen lockern den Plot um den halbfiktiven Hollywood-Manager Mannix (Josh Brolin) auf und bieten dem Filmteam viele Möglichkeiten, um wunderschöne Kunst aus Farbe, Beleuchtung, Musik und Arrangement entstehen zu lassen. Das sind oft Einstellungen, die ich mir direkt an eine Wand hängen würde.

Typisch für ein Coen-Skript ist, dass viele Dinge nur zwischen zwei Szenen ablaufen und so für interessante Dialoge in der Folge sorgen. Eine Meisterschaft, die sie beherrschen und die ich ganz besonders an ihren Filmen mag. Irgendwann ist es dann zu Ende und so richtig viel ist eigentlich auch gar nicht passiert, und trotzdem hat man das Gefühl endlich mal wieder kurzweiliges und, wie eingangs erwähnt, auch mal wieder unvorhersehbares Kino gesehen zu haben. Geht doch.