Midnight Diner: Tokyo Stories

Am 25. Oktober 2016 unter serie

Falls ihr wie meine Frau und ich auf Essen und japanische Serien steht, solltet ihr die aktuell bei Netflix Deutschland hinzugefügte Serie „Midnight Diner: Tokyo Stories“, basierend auf dem gleichnamigen Manga, schnellstens auf eure Watchlist setzen. In zehn knapp halbstündigen Episoden treffen sich hier die unterschiedlichsten Menschen des Tokioter Nachlebens in einem Mitternachts-Imbiss. Der Besitzer, Koch und einziger Angestellte dieses Etablissements bereitet seinen Gästen von Mitternacht bis sieben Uhr morgens alles zu, was sich diese wünschen. Vorausgesetzt, er hat die entsprechenden Zutaten da.

Die auch mal leicht abstrus wirkenden Geschichten der einzelnen Episoden erzählen dabei die Besucher des Lokals. Oft geht es dann um die Beziehung zweier Gäste zueinander, was die Stammgäste eifrig kommentieren und immer wird dabei die Liebe zum Essen zelebriert. Mit eher einfachen Gerichten, wie Schnitzel oder Corn Dogs. Und mittendrin, aber immer zurückhaltend, wie es sich für einen japanischen Gastwirt gehört, steht der Meister wie ein Schiedsrichter und mit einem offenen Ohr für alle.

Wie schon bei „Hibana: Sparks“ war sicherlich auch bei „Midnight Diner“ eher die Quantität des Netflix-Katalogs, als die durchaus hohe Qualität der Serie der ausschlaggebende Faktor für die Aufnahme ins Programm. Solange damit aber eine Nische glücklich gemacht wird, in der ich mich pudelwohl fühle, ist mir der Grund auch herzlich egal und ich freue mich auf eventuell weiteres Material dieser Sorte Unterhaltung.


Darkest Dungeon

Am 20. Oktober 2016 unter spiel

Meine Frau und ich lieben es, Darkest Dungeon zu spielen. Dafür holt sie aber nicht etwa das aufreizende Burgfräulein-Kostüm aus dem Schrank und ich auch nicht die mit Plüsch bezogenen Handgelenkfesseln, sondern im besten Fall eine Schüssel Erdnussflips oder auch mal eine Tafel gute Schokolade. Und wir geben uns da auch keine Tiernamen, sondern eher die alten Schwarze Auge-Namen. Das hier ist schließlich immer noch Morgvom.org und nicht irgendein Beziehungsblog und „Darkest Dungeon“ ein großartiger Rogue-Like Dungeon Crawler auf der Playstation und nicht bloß ein kinky Rollenspiel im Schlafzimmer.

Zur Sache geht es trotzdem, denn der Tod, der sich zwischen zwei Staffeln Game of Thrones ja gerade eher so langweilt, ist bei „Darkest Dungeon“ ständiger Begleiter. Da macht das Spiel keinen Hehl daraus: „Bei Darkest Dungeon geht es darum, das Beste aus einer beschissenen Situation zu machen“. So oder so ähnlich begrüßt mich das Spiel. Und Junge, Junge, da haben sie recht. Der zusammengewürfelte Vierer-Haufen aus etwa einem Dutzend Klassen, vom Kreuzritter bis zum Barden, liegt manchmal schneller auf dem Friedhof, als man „Seawead Slash my ass!“ rufen kann. Wenn man nicht aufpasst. Dafür laufen die Kämpfe rundenbasiert ab, um so taktisch wie möglich vorgehen zu können. Gefühlt eine Million Faktoren beeinflussen diese Schlachten und ich werden einen Teufel tun, auch nur auf einen Bruchteil davon hier einzugehen. Einen Mehrspieler-Modus besitzt das Spiel übrigens nicht, trotzdem lässt es sich hier wunderbar zu zweit planen und taktieren.

Der Knackpunkt, warum „Darkest Dungeon“ aber so sauschwer ist, betrifft gar nicht mal die Lebensanzeige der einzelnen Party-Mitglieder, sondern eher deren Stressbalken, einige Pixel weiter unten. Die “Helden” in Darkest Dungeon” sind Mimosen. Allesamt. Jeder Furz stresst sie. Wird es zu dunkel, kriegen sie Stress. Erhalten sie hohen Schaden, kriegen sie Stress. Lesen sie düstere Geschichten in einer Schatztruhe, die ich eigentlich nach Gold untersuchen will, kriegen sie Stress. Ist der Stressbalken einmal aufgeladen, fallen sie in eine Art Notmodus. Das kann sich negativ oder positiv auf den weiteren Verlauf des Kampfes auswirken. Da geben sich dann zum Beispiel Selbstmordgedanken, Depressionen oder Heldenmut ein Stelldichein. Je nach seelischer Beschaffenheit. Lädt sich der Stressbalken ein zweites Mal auf, stirbt der jeweilige Krieger an einem Herzinfarkt. Aua.

Zugegeben, das klingt so jetzt erst einmal nicht nach optimalem Spaß, aber genau das ist es. Denn so sehr ich bei diesem Spiel auch fluche, so sehr ich mir oft wünschte, dass ich mit dieser einen Party lieber nicht in den Kerker gezogen wäre und obwohl ich jeden Taler zweimal umdrehen muss, um genügend Fackeln und Proviant für das nächste Labyrinth zusammen zu bekommen, mag ich dieses Spiel sehr. Und am besten fühlt es sich wirklich dann an, wenn man nach einer schier ausweglosen Situation mit Geschick und einer Prise Glück dem Party-Tod gerade noch einmal von der Schippe gesprungen ist.

Das macht es danach natürlich nicht leichter, denn gestresste Helden müssen zwischen den Runden am Spieltisch, in der Kirche oder gar in einem Bordell wieder aufgepeppt werden. Neue Helden wollen sorgfältig rekrutiert werden, die Schmiede und andere wichtige Gebäude wollen für bessere Leistung ausgebaut werden und im Sanatorium kann ich meinen Gilden-Mitgliedern negative Eigenschaften ausmerzen, was aber auch zu neuen Eigenarten führen kann und somit die eh schon hohe Komplexität dieses Titels noch einmal gehörig ansteigen lässt. Beachte ich all das nicht, gerät der nächste Einsatz schnell zu einem Trip in den sicheren Tod. Da kann ich euch nur einen echten Pro-Tipp mit auf den Weg geben: die eingangs erwähnten Erdnuss-Flips oder gute Schokolade. Das senkt zumindest den eigenen Stressbalken beim Spielen etwas herab.


Marvel's Luke Cage

Am 19. Oktober 2016 unter serie

So richtig gebinget haben wir Luke Cage bei uns zu Hause jetzt nicht. Erst gestern flimmerte die letzte Episode von Marvels jüngster Netflix-Show bei uns über den Bildschirm. Das hatte ich anders erwartet. Die Medienpräsenz des afroamerikanischen Hero for Hire im Vorfeld der Ausstrahlung gehört in einer Zeit, in der es leider immer noch nötig ist, mit Hashtags darauf hinzuweisen, dass schwarze Leben nicht egal sind, zum aktuell vielleicht wichtigsten TV-Phänomen nach Buz Luhrmans „The Get Down“.

Aber irgendwie hatte ich nach der schwachen Jessica Jones Staffel wohl etwas mehr als nur ein Casting-Statement erwartet. Wie bei der Kollegin hatte ich auch bei Luke Cage das Gefühl, dass vier Episoden weniger aufgrund einiger Längen deutlich mehr gewesen wären. Bevor das Ganze allerdings in einer Käsigkeit, irgendwo zwischen Ghetto-Pathos und Rocky Balboa, nahezu zum Erliegen kommt, gibt es immerhin einen dicken Knaller-Twist, ein paar ganz interessante Schauspieler und einen ganz hervorragenden Soundtrack.

Und Rosario Dawson, deren Rolle als Claire Temple im besten Fall als unglücklich zu bezeichnen ist. Schließlich ist sie ausgerechnet für den stärksten Menschen Harlems zu gefühlt 90 Prozent Babysitter und zu 10 Prozent Love Interest und das wohl auch nur, weil Jessica Jones für diese Staffel nicht verfügbar war. Ich bin mir mittlerweile leider ziemlich sicher, dass auch der gnadenlose Punisher in seinem Solo-Auftritt bei Netflix abwechselnd von Selbstzweifeln und Schüben einer Midlife-Krise so sehr geplagt wird, dass er ständig Zuspruch benötigt. Bestimmt von Claire Temple.

Wilson Fisk und Killgrave haben die Latte der Marvel-Oberschurken über die Grenzen des Fernsehens hinaus so hoch gehängt, dass da für mich wohl lange nichts mehr rankommt, und daran ändert auch der Antagonist in Marvel’s Luke Cage nichts. Warum der seine letzte Würde ausgerechnet an seinem Kostüm verlieren muss, wo sich zuvor sogar noch über das klassische Kostüm Cages lustig gemacht wird, kann ich leider nicht so ganz nachvollziehen.

Unterm Strich bleibt bei mir wohl nur Theo Rossis wirklich großartige Figur des Herman „Shades“ Alvarez hängen. Und der ein oder andere Song des Soundtracks in meiner Musikbibliothek. Irgendwie freue ich mich aber trotzdem schon auf „Iron Fist“, die nächste Netflix-Serie Marvels. Wahrscheinlich der selbe Effekt, der mich auch weiter Marvel-Filme schauen lässt: Die Vervollständigung des großen Ganzen in vielen kleinen Teilen.

Und nein, „Käsigkeit“ ist kein echtes Wort, aber ganz sicher die beste Übersetzung von „Cheesiness“, die es gibt.


Der No Man's Sky Pilgrim Star

Am 19. Oktober 2016 unter nomanssky spiel

Obwohl es im großartigen No Man’s Sky keinen wirklichen Multiplayer gibt, haben Spieler einen Weg gefunden, es trotzdem zusammen zu spielen. Sie bereisen die selben Planeten, suchen Entdeckungen von anderen vorher dagewesenen Spielern und pilgern dafür sogar quer durch die Galaxie zum sogenannten Pilgrim Star. Ein Tool auf Github erlaubt es nun, die Entfernung zu diesem Stern oder jedem anderen (bekannten) Ziel in der No Man’s Sky Galaxie zu errechnen. Außerdem ist es damit möglich, die eigene Position als Link weiterzugeben, um zum Beispiel tolle Planeten zu teilen. Ich befinde mich derzeit zum Beispiel hier (unter Ziel-Koordinaten). Toll ist dieses System allerdings nicht.

Das alles ist ziemlich großartig, bedenkt man, dass diese Entwicklung von Seiten der User stattgefunden hat. Einziger Wermutstropfen für mich: Mit einer Entfernung zum Pilgrim Star von 200000.000 Lichtjahren zu meiner aktuellen Position, was in etwa 500 Warp-Sprüngen entspricht, ist es nicht gerade ein Katzensprung. Und auch ziemlich genau die Strecke, die ich zurückgelegt habe, um erst einmal so nah ans Zentrum der Galaxie zu kommen, wie ich es derzeit bin. Verdammt. Das dauert noch.

Ach ja: Die Koordinaten eures aktuellen Systems findet ihr an Signal-Scannern, die überall auf den Planeten herumstehen und an denen ihr nach Monolithen und Behausungen suchen könnt.


Familien-Mandalorianer

Am 16. Oktober 2016 unter starwars ansage

Irgendwann in den Achtzigern besaß ich gefühlt einhundert Star Wars Actionfiguren der Firma Kenner. Meine Lieblingsfigur, obwohl ich „Empire“ noch nicht einmal gesehen hatte: Boba Fett. Ein Raketenrucksack auf dem Rücken schlägt in dem Alter halt eine Schlange um den Hals (Yoda) oder seltsame Plastikstäbe, die Lichtschwerter darstellen sollten (alle Jedi). Ich erinnere mich daran, dass mir Boba Fett einmal für ein paar Tage auf der elterlichen Terrasse abhanden gekommen war. Es waren schreckliche Tage. Als ich ihn endlich unter einer kleinen Holztreppe wiederfand, haben die Strapazen, die er durchgemacht haben muss, deutliche Spuren hinterlassen. An seinem Helm hatte sich offensichtlich ein Nagetier zu schaffen gemacht. Die Bisswunde war nicht zu übersehen. Mir war das egal. Hauptsache Boba Fett war wieder da. Meine Lieblings-Star Wars Actionfigur, die es auch noch Jahre später sein sollte. Übrigens war es dieser Vorfall, aus dem ich die Zuversicht schöpfte, dass kein immobiler Sarlac dieser Welt einen mandalorianischen Kopfgeldjäger töten könnte, der mehrere Tage zusammen mit riesigen, gefräßigen Nagetieren überlebt.

Drei Jahrzehnte später kauft sich meine Tochter ihre erste Star Wars Actionfigur von ihrem Taschengeld. Und wie es der Zufall (oder das Schicksal/die Macht/der Ring/Whatever) so will, ist es ebenfalls eine Mandalorianerin: Sabine Wren aus der „Rebels“-Serie, die mir übrigens um einiges besser gefällt, als „The Clone Wars“. Man darf sich jetzt darüber streiten, wie viele Welten des Outer Rim zwischen Wren und Fett liegen, aber eines steht mal fest: Alles ist besser als Jar Jar Binks. Und so ganz uncool ist eine mandalorianische Ex-Kopfgeldjägerin mit Hang zum Graffiti erstmal nicht. Passt also.

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