Captain America: Civil War

Am 18. September 2016 unter film

Jahrelang toppen sich die Filme in Marvels (und DCs) Filmuniversum mit immer mehr, immer lauterer, immer verheerender Zerstörung und immer stürzt irgendetwas sehr großes auf die Erde und begräbt Teile davon unter sich. Die Formel sagt ja, dass es im Kino knallen muss. Dann passiert etwas, womit wohl kein Produzent eines Actionfilms je gerechnet hätte: Zuschauer machen sich über die zivilen Opfer dieser Zerstörung Gedanken. Ich fühle mich da an die Szene im wunderbaren Clerks erinnert, in der sich Dante und Randall darüber streiten, dass bei der Vernichtung des zweiten Todessterns in Star Wars Episode VI überwiegend externe Zeitarbeitskräfte gestorben sein müssen. Diese Gedanken sind legitim und wurden zur Grundlage für die Handlung in Captain America: Civil War (und in DCs Batman vs. Superman). Witzig: Umgesetzt wird diese Idee mit noch mehr, immer noch lauter und verheerender Zerstörung und natürlich stürzt dabei auch wieder etwas sehr großes ein. Das rückt die teilnehmenden Helden in ein ungewollt tollpatschiges Licht, so als könnten sie sich nicht zum Mittagessen in der Shield-Kantine treffen, ohne danach das ganze Gebäude in Schutt und Asche zu legen. Ich kann das unmöglich unter negativer Kritik ablegen, weil ich es höchst amüsant und daher auch sehr unterhaltend fand.

Schlimmer ist da schon, dass ausgerechnet die Fortsetzung meines Lieblingsfilms in Disneys Marvel-Universum, Captain America: Winter Soldier, lediglich als Einstiegs-Kapitel für den nächsten Avengers-Streifen herhalten muss. Alles bemerkenswert positive in diesem Film stößt sich früher oder später an diesem Umstand den Kopf. Sei es das wirklich lobenswerte Umgehen eines generischen Finales mit seelenlosen, computeranimierten Superschurken oder auch der elegant implementierte Story-Twist, der das Fass zum Überlaufen und damit die Spannung innerhalb des Avenger-Teams auf den Höhepunkt treibt. Am Ende bleibt es immer nur eine Einleitung von dem, was wohl erst in Avengers: Infinity War logisch abgeschlossen wird.

Thor und der Hulk haben nicht gerafft, dass dieser Captain America-Film eigentlich ein Avengers-Film ist und sind daher dem Spektakel fern geblieben. Dafür gibt es Black Panther, Ant-Man (der wegen Paul Rudd gerne überall mitspielen darf) und Spider-Man, dessen ausschlaggebender Deal zwischen Disney und Sony ungefähr so unglaublich teuer gewesen sein dürfte, wie ein ganzes Dutzend Einsätze der Avengers in Sokovia. Tom Holland als Peter Parker/Spider-Man funktioniert sehr gut, passte für mich aber so gar nicht in einen Film, dessen Patchwork-artiges Gesamtbild eh schon daran scheitert, sich irgendwo eindeutig zu definieren.

Warum Avengers: Captain America: Civil War trotz all dem funktioniert ist wohl die Tatsache, dass auch ich als Zuschauer die Marvel-Filme von Disney mittlerweile nur noch als Teile einer Schnitzeljagd sehe, von der ich hoffe, irgendwann mal das große Ganze zu erkennen. Die anderen Bedürfnisse, wie Story und Charakterentwicklung (die bei Disney offensichtlich Tony Stark vorbehalten ist) stille ich mit den X-Men-Filmen von Fox, deren nächster Heimkino-Release mit Apocalypse ja bereits ansteht.


Star Trek: 50 Jahre Ärger mit Tribbles

Am 11. September 2016 unter serie

Wenn ich heute die deutschen Stimmen von Kirk, Spock und Co. höre, versetzt mich das ganz weit zurück in meine Kindheit. Irgendwas mit Vorabendprogramm, Freizeit und ohne jegliche Verantwortung. Ein gutes Gefühl. Zugegeben, die Synchronisation ist heute keine zwei Föderations-Dukaten mehr wert, weshalb wir zum Geburtstag der Serie bei Netflix auch lieber auf den Originalton zurückgegriffen haben. Ansonsten finde ich das alles aber immer noch sehr unterhaltend. Und das, obwohl ich nach Kirk und seiner Mannschaft nie mehr richtig mit den Ablegern der Serie warm geworden bin.

Natürlich haben wir das Jubiläum zum Fünfzigsten mit der Tribbles-Folge gefeiert. Jetzt macht ihr im Kopf den Picard-Facepalm, ich weiß. Aber Tribbles gehen immer und einer von ihnen ist heute noch mindestens soviel wert, wie zwanzig dieser nervigen kleinen gelben Minions. Außerdem paart sich der Humor der Tribbles-Folge ganz wunderbar mit den grausigen Mode-Visionen der Siebziger und dem Overacting aller beteiligten Nicht-Vulkanier. Mir ist interessanterweise nie aufgefallen, dass die Crew damals schon zum Großteil aus alten Säcken bestand. Und zwar lange bevor Scotty im Kino nicht mehr durch die Tür seines eigenen Maschinenraums passte.

Ich habe die Folge danach noch einmal in Deutsch mit meiner Tochter geschaut. Immerhin ist sie heute in ungefähr dem Alter, in dem auch ich erstmals die Enterprise entdeckte. Auch hier ist die Tribbles-Folge eine erstklassige Einstiegs-Droge. Möchte man meinen. Am Ende war die Kluft zwischen den Geschichten der Ur-Star Trek Crew und den Erzählungen der Star Wars Klon-Kriege aber doch etwas zu groß. Den gelegentlichen Glucksen entnahm ich aber, dass zumindest der Humor ankam. Irgendwie.

Wenn der Rest des Star Trek-Materials Ende des Jahres ebenfalls zu Netflix wandert, heißt es wieder The Trouble with Tribbles. Dann aber aus Sicht von Teilen der Deep Space Nine Kernbesatzung. Auch eine Lieblingsfolge von mir.


Grüße vom Planeten Wanaberto

Am 8. September 2016 unter nomanssky spiel

Es ist schon Jahre her, dass mich ein Spiel so sehr gefesselt hat, wie es No Man’s Sky derzeit immer noch tut. Als eine Art Lebenszeichen gibt es hier also Grüße vom verschneiten Planeten Wanaberto TY422 im Sediumvenu-System. Irgendwas mit 159023.1-wasweißich Lichtjahre vom Zentrum der Euclid-Galaxie entfernt. Da will ich hin. Und da komme ich früher oder später auch hin. Bis dahin bemühe ich mich, den ein oder anderen Texthappen, der nicht von No Man’s Sky handelt, auf Morgvom.org unterzubringen. Ehrlich. Und die Kommentar-Funktion, die gleich nach dem ersten Update wieder aus dem Leben trat, möchte ich auch irgendwie wieder zum Laufen bringen.

Ich habe es in gefühlt zweihundert Spielstunden nicht geschafft auch nur einen Planeten zu finden, der bereits von einem anderen Spieler entdeckt wurde, aber solltet ihr mal auf Wanaberto TY422 im Sediumvenu-System laden, dann wartet auf den Sonnenuntergang und genießt die Aussicht.

So, ich muss weiter.


Hiking in No Man's Sky

Am 30. August 2016 unter nomanssky spiel

Jedes Blog braucht derzeit seinen No Man’s Sky Artikel zum Thema Erwartungshaltung, unerfüllten Versprechungen und dergleichen. Das gibt ja aktuell Klicks. Gefühlt wird über No Man’s Sky nur noch gemeckert. Ein User auf Reddit fasste es passend zusammen: Diejenigen, die No Man’s Sky mögen, haben keine Zeit etwas dazu zu schreiben, denn sie spielen es. Geht mir genau so. Ich kann immer noch nichts anderes spielen, obwohl mein geliebtes Grow einen Nachfolger hat, ich unbedingt Bound spielen sollte und weil Oxenfree scheinbar der neue Citizen Kane unter den Videospielen ist. Klappt aber nicht, denn ich will weiter Planeten erkunden. Und das, obwohl es dort im Grunde immer das Gleiche zu sehen gibt. Oder aber auch nicht, denn No Man’s Sky überrascht mich auch nach gefühlt einhundert Spielstunden noch regelmäßig.

Zum Beispiel jetzt gerade. Ich harre derzeit für die begehrte Platin-Trophäe auf einem der unfreundlichsten Planeten aus, den ich bisher im Spiel entdeckt habe. Er ist nachts scheiße kalt und tagsüber stürmt es mit ähnlich tiefen Temperaturen. Genau diese Art von Planet brauche ich, wenn ich mir bei No Man’s Sky die Überlebens-Meilensteine verdienen will. Da gibt es Tricks: einfach irgendwo unterstellen, Netflix anschalten, entspannen, nach jeder Folge einer Serie die Lebenserhaltungsysteme des Astronauten aufladen und dann das ganze wiederholen.

Es geht aber auch anders: Einfach mal einen Planeten zu Fuß erkunden! Im extremsten Klima. Zwei von drei Temperatur-Upgrades habe ich in meinem Raumanzug installiert. Das reicht, um einige Minuten in eisiger Kälte trotzdem kuschelig warm zu überleben. Ich gehe also von meinem aktuellen Unterschlupf solange jede Himmelsrichtungen ab, bis ich eine Höhle oder ein Gebäude finde. Irgendwas, das irgendwie Wärme und im besten Fall noch einen Speicherpunkt spendet. Optional auch eine Lande-Säule, an der ich mein Raumschiff zu mir rufen kann. Ins Raumschiff einsteigen zählt allerdings nicht als Überleben, also nehme ich es zwar mit, benutze es aber nicht. Extreme-Hiking für diesen einen Sonnenuntergang!

Bei No Man’s Sky einen Eisplaneten während eines Schneesturms zu erkunden hat was von “Auf Hoth nach Luke suchen”. Es ist zu einem gewissen Grad episch. Dann, wenn eine Herde pflanzenfressender Riesenechsen gemächlich meinen Weg kreuzt. Seltsam surreal kann es wirken, wenn ich auf eine Gruppe apathisch wirkender, zweibeiniger Mottenwesen auf ihrer scheinbar ziellosen Wanderung treffe. Hektisch wird es, wenn es scheint, dass ich nicht rechtzeitig einen schützenden Unterstand finde oder wenn mich ein Raubtier kurzerhand als Abendbrot ausgesucht hat.

An einer alten Fabrik mache ich Pause und erkunde die friedlichere Fauna, die mir auf meinem langen Spaziergang bis hierher gefolgt ist. Natürlich katalogisiere ich dann alle Lebewesen für die globale Datenbank. Eine Art Triceratops turnt verspielt vor dem Eingang meines Unterschlupfs umher. Ich füttere ihn. Man ist ja eh schon ganz schön einsam bei No Man’s Sky, aber auf so einem gastunfreundlichen Planeten ist es irgendwie noch schlimmer. Also nenne ich den Triceratops “Wilson” und bestimme, dass er ab jetzt mein Freund ist.

Meine Frau bemerkt das und heuchelt Mitleid ob meiner geistigen Verfassung. Offenbar merkt man meiner Spielweise schon die ein oder andere Folge der Isolation an. In Wahrheit möchte sie aber selbst an die Playstation, um endlich ihr No Man’s Sky weiterzuspielen. Not yet!

Während all dem habe ich endlich mal Zeit gefunden, mein Multi-Tool, das Schweizer Taschenmesser unter den Bergbau-Geräten, so zu optimieren, wie ich es schon länger mal tun wollte. Und seltene Metalle habe ich hier und dort auch gesammelt. Genug, um damit richtig Kohle zu machen, wenn ich diesen Planeten wieder verlasse. So in vier, fünf Spielstunden vielleicht. Wilson ruft. Ich muss weg.


The Get Down

Am 21. August 2016 unter serie

Der „Get Down“ ist der Teil eines Songs, der zu einem dopen Breakbeat geloopt werden kann. Nichts verstand? Dann stellt euch einfach mal James Browns „Funky Drummer“ vor. Habt ihr im Kopf? Gut. Jetzt spult dort einfach drei Minuten vor und irgendwo da müsste dieses wahnsinnig gute Trommel-Solo anfangen. Und genau das ist der „Get Down“. Weil dazu dann die Menge abgeht, wenn dieser Teil des Songs gekonnt von zwei Schallplatten auf zwei Plattentellern so gemixt wird, dass er sich beliebig lange wiederholt. Über kurz oder lang führte das zur Sampling- und damit unweigerlich auch zur wichtigen Remix-Kultur. Und zu Gerichtsverfahren, die senile Idioten wie Kraftwerk immer mal wieder führen, weil sie nicht kapieren, dass nicht selten auch das Original von einem Sample oder einem Remix durch diese Kultur erneute Aufmerksamkeit bekommt.

Wie dem auch sei: Der „Get Down“ wird euch in der gleichnamigen Netflix-Serie noch viel besser erklärt, denn er zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Staffel und webt die Geschichten aller beteiligter Figuren zusammen. Der „Get Down“ ist hier aber noch mehr. Er ist auch eine Metapher auf das Leben der Protagonisten, die alle nach der einen coolen Stelle in ihrem Dasein suchen. Das ist in den späten Siebzigern in der Bronx, die im wahrsten Sinne des Wortes brennt, kein leichtes Unterfangen.

Und weil Buz Luhrmann das alles irgendwo zwischen Wild Style, Beat Street, The Warriors und seinem eigenen Film Romeo & Juliet inszeniert, ist dieses Coming of Age Drama wunderbar bunt und überdreht. Da darf Ikonen der Geschichte wie Grandmaster Flash und Kool Herc schon mal eine Siebziger-Kung-Fu-Film-Ästhetik umgeben, eingeschnittenes Archivmaterial das gelungene Bild der Bronx unterstreichen und Herizen Guardiola auch mal einen souligen Ausflug zu Sister Act machen. Luhrmann darf das und unterm Strich ist es ein ziemlich gewagtes Experiment, das ich als gelungen bezeichnen kann.

Justice Smith als Ezekiel ist ein absoluter Knaller und seine Reibeisen-Stimme in seinen Rap-Parts eine echte Offenbarung. Wenn er im Piloten der Serie mit Kloß im Hals erstmals etwas Spoken Word zum Besten gibt, dann ist das ein kraftvoller Gänsehaut-Moment.

Und dann ist da auch noch Nasty Nas, der als Stimme aus der Zukunft in kurzen Songs regelmäßig sein Resume zur Story vorträgt. Und weil ich im Eingang dieses Texthäppchens so schön über die Kraftwerk-Attitüde gemeckert habe, darf ich mich hier auch nicht darüber beschweren, dass der Bengel von Will Smith (dessen schauspielerischen Beitrag ich in „The Get Down“ sehr schätze) meinen geliebten Song „Vitamin C“ der Kölner 70s-Funker Can auf dem Soundtrack aufs Äußerste malträtiert.