Logan Lucky

Am 15. September 2017 in film

Steven Soderberghs Logan Lucky ist eine Hommage an Steven Soderberghs Ocean’s Eleven. Nur ohne den Glamour-Cast. Dafür mit Channing Tatum als Minenkumpel und Adam Driver als einarmiger Barman im Bob Seger-T-Shirt. Sozusagen ein Remake vom Remake vom Remake. Das es irgendwann so kommen musste ist bei Soderbergh, dessen Wurzeln in Hollywood einer alten Eiche gleichen dürften, nicht wirklich verwunderlich. Der Kreis schließt sich und das Kino hat er damit wohl erfolgreich durchgespielt. Was soll da jetzt noch kommen? Außer ein Steven Soderbergh Biopic von Steven Soderbergh mit Steven Soderbergh in der Hauptrolle natürlich. Viel Luft nach oben ist da jedenfalls nicht mehr.

„Logan Lucky“ korrigiert nebenher den erschreckenden Fakt, dass es (Achtung, ich lehne mich weit aus dem Fenster) bisher noch keinen Heist Movie mit Channing Tatum gab. Das einen als Zuschauer dabei jedes noch so naive Detail des eigentlichen Raubes nicht die Bohne juckt, ist die eigentliche Kunst dieses Films.

Am Ende zieht sich der Epilog mit dessen gefühlt dreißig Minuten Länge und dem Charakter eines Bonus-Kapitels zwar etwas hin, aber das macht die unkonventionelle Art, hier eine halbe Stunde vor Schluss noch einmal komplett neue Figuren einzuführen, locker wieder wett. Es kann ja nie genug Mut zu neuen Formeln im Film geben, und solange da kein Hobbit auf altem Toby und in Zeitlupe durch eine elfenweiße Bettenlandschaft hüpft, geht es auch mal in Ordnung wenn ein, zwei Ausfahrten zum logischen Schlusspunkt eines Films verpasst werden.

Es ist übrigens verdammt lange her, dass ich mir im Kino, wie just bei Logan Lucky geschehen, eine Träne der Freude aus dem Gesicht wischen musste, und das ist mehr wert als jeder weitere Satz den ich über diesen Film noch schreiben könnte. Punkt.

Ghost in the Shell

Am 27. August 2017 in film

Mitgerissen von der Diskussion, ob die Umsetzung der japanischen Comicvorlage mit einem kaukasischen Hauptdarsteller-Duo nun Whitewashing ist oder nicht, habe ich mir Ghost in the Shell eigentlich vor allem deshalb ausgeliehen, um es hier so richtig abzuwatschen. Gute Verrisse sind ja auch so viel einfacher zu schreiben und Scarlett Johansson als Major sollte doch eine ideale Vorlage sein. Pustekuchen.

Natürlich wäre Ghost in the Shell in einer besseren Welt von vornherein eine japanische Produktion von Mamiru Oshii gewesen und eben nicht eine US-Produktion mit dem Kapital aus den Taschen von gut einem halben Dutzend Geldgebern, die sich alle ungläubig und vor Lachen auf die Schenkel klopfen, wenn die Hauptrolle eine Japanerin sein soll. In einer ganz anderen Welt wäre Rila Fukushima der englisch sprechende Major gewesen. Hätte ich vielleicht auch nicht authentischer gefunden. Wichtig ist für mich, dass niemand mehr auf die dumme Idee kommt kaukasische Darsteller braun anzumalen oder sonstwie ethnisch umzuschminken. Scarlett Johanssons große Augen in ihrer ersten Szene war dahingehend hoffentlich bloß ihr Hundeblick und in weiteren Szenen glücklicherweise nicht mehr auffällig.

Abgesehen vom fraglichen Umstand des Castings macht Ghost in the Shell aber einfach alles richtig: Der Major und Batou sind überzeugend umgesetzt, Michael Pitt beweist als antagonistischer Puppetmaster ein begnadetes Schauspiel und die von Blade Runner inspirierte neon-reklamierte Umgebung ist herrlich anzusehen. Takeshi Kitano spielt sich, gewohnt routiniert auf der Kippe zwischen Teilnahmslosigkeit und Amoklauf, selbst und darf dabei erfreulicherweise durchgehend japanisch sprechen. Am Ende hüllen Clint Mansell und ein mir völlig unbekannter Lorne Balfe das Ganze in atmosphärisch passende Klänge, was unterm Strich ein rundum unterhaltendes Paket schnürt. Das habe ich so nicht erwartet.

Irgendwie habe ich am Ende lediglich die Fuchikoma vermisst. Andererseits mag ich den Film aber auch gerade wegen der Abstinenz von gesichtslosen, am Computer generierten Armeen von irgendwas. Und insektoide Roboter hätten den einen oder anderen Produzenten sicherlich auf dumme Gedanken gebracht. Bis Japan also seinen eigenen Realfilm zum Stoff herausbringt und weil ich kein großer Fan von Anime bin, ist das hier jetzt jedenfalls meine Lieblingsverfilmung.

P.S.: Ich möchte trotzdem nicht, dass James Cameron Battle Angel Alita verfilmt.

No Man's Sky Tagebuch

Am 24. August 2017 in nomanssky ansage spiel

Es ist kein Geheimnis, dass ich meine gefühlt viel zu geringe Freizeit seit nun mehr zwölf Monaten vor allem dem Videospiel No Man’s Sky widme. Da ich mein Blog aber immer noch sehr lieb habe und plane es auch weiterhin aufrecht zu halten, will ich hier kurz ein neues Projekt vorstellen: das NMS Discovery Diary. Die auf Wordpress aufgesetzte Datenbank ist nichts anderes als ein Feed mit unserer Meinung nach nennenswerten Entdeckungen, die meiner Frau und mir im Spiel über den Weg gelaufen sind. Sozusagen Tagebuch und Fundbüro in einem. Bequem an einer umständlichen Wiki-Software vorbei dokumentiert. Jeder Fund, sei es nun ein tolles Raumschiff, ein hübscher Planet oder ein irres Tier wird dort mit der galaktischen Adresse und dem Namen des Sonnensystems vermerkt. Mit der aktuellen Version des Spiels (Atlas Rising) und mit Hilfe der hinter den Adressen verlinkten Pilgrim Star Path App könnt ihr diese Orte dann selbst, etnweder über ein Portal oder ganz klassisch mit Warpsprüngen, besuchen.

Ursprünglich wollte ich das als Online-Datenbank selbst aufbauen, aber mit Wordpress ging das Ganze dann doch gefühlt zweieinhalb Jahre schneller. Für irgendwas musste das alte Konto ja noch gut sein.

Message From The King

Am 8. August 2017 in film

An dieser Stelle im Blog wollte ich eigentlich einen Text über den Film „Message from the King“ schreiben. Immerhin ist es die erste Netflix Eigenproduktion, die ich mir seit Adam Sandlers Verbrechen an der Menschlichkeit namens „Ridiculous Six“ getraut habe anzuschauen. Aber, und hier darf der geneigte Leser gerne und in düsterer Vorahnung etwas Luft durch die Zähne ziehen, ich weiß überhaupt nicht was ich da schreiben soll. Dieser Film hat nämlich weder Höhen noch Tiefen. Es ist beinahe so, als fahre man mit dem Auto gemütlich durch Schleswig Holstein. Da ist das Aufregendste halt der Geschwindigkeitshügel in der 30-Zone. In einer Zeit, in der Netflix offensichtlich noch bereit ist, das Geld jedem zuzustecken, der ohne zu zögern den Geburtstag des CEOs aufsagen kann, wird hier ausgerechnet das kleine Einmaleins des Rachefilms ausgespielt. Da ändert auch Marvels Schwarzer Panther in spe nichts dran, wenn die potentiellen Höhepunkte der Produktion mit hohen Erwartungen und einer Fahrradkette starten, dann aber eher auf Knöchelhöhe, also dem Niveau von Marvels Iron Fist, vorüberziehen. So bleibt die größte Überraschung die, dass die Damsel am Ende nicht gerettet werden muss, und das Beste ist leider nur der Fakt, dass Adam Sandler nicht mitmacht.

Gut, das sollte ich nicht unterbewerten.

Yonder: The Cloud Catcher Chronicles

Am 1. August 2017 in spiel

Vor gefühlt fünf Jahren habe ich das Entwicklerwerkzeug Unity am MacBook installiert und mir gesagt, dass wenn ich nochmal ein Spiel schreibe, es eine kleine Insel hätte, auf der man ganz viel entdecken könnte. Nach einer Woche mit Yonder streiche ich das jetzt einfach mal von meiner Bucket-List, denn das, was Prideful Sloth hier in Unity auf den PC und die Playstation 4 gezaubert haben, hängt die Messlatte so dermaßen hoch, dass ich direkt zum nächsten Punkt auf meiner Liste springen kann: Irgendwas mit „nackt“, „Running from the Bulls“ und „Vanillecremetörtchen“. Auweia!

Wenn einschlägige Seiten im Netz über Yonder schreiben, dann meist über die Abstinenz jeglicher Herausforderung und ich gebe zu, dass es genau das war, was mein Interesse an diesem Titel geweckt hat. Nicht ohne Grund, denn in der schwierigen Balance zwischen „herausfordernd“ und „frustig“ liegt irgendwo mein Problem mit gefühlt vierhundert Spielen begraben. Ja, Yonder fehlt die Herausforderung im klassischen Sinne, aber hier gibt es so dermaßen viel zu tun, dass ich mir gar nicht vorstellen könnte, wann genau ich mich nach dieser sehnen sollte. Hier aufzuführen, was alles in Yonder möglich ist und wo man sich von anderen Spielen zu tollen Ideen hat inspirieren lassen, würde den Rahmen sprengen. Einfacher ist es zu sagen, was nicht geht: Schwimmen und Kämpfen. Ersteres ist schade.

Natürlich hält sich die Komplexität dabei in gesunden Grenzen. Ein Stardew Valley hat mehr Möglichkeiten, wenn es um die eigene Farm geht, ein Zelda hat weit größere Landschaften und eine spannende Geschichte obendrein und ein Minecraft lacht sich beim Anblick der Herstellungsmöglichkeiten sicherlich ins blockige Fäustchen. Aber all das in einem Spiel zu sehen, welches dabei so schön aussieht (sorry Minecraft), ist im mittleren Preissegment, in dem sich Yonder bewegt, großartig und vielleicht auch einzigartig.

In der Essenz laufe ich dabei zwar nur von Punkt A nach Punkt B und lasse mich dabei klassisch von zwei Dutzend Nebenquests, allerlei süßen Kreaturen und Schatztruhen mit modischem Inhalt ablenken, aber nerven tut all das aufgrund der spielerisch sorglosen Attitüde irgendwie kaum. Und Potential für gepflegtes Prokrastinieren gibt es auch ohne das Zerlegen von Dämonen und Zombies mit dem Schwerte zuhauf: Überall auf der Spielwelt verteilt gibt es Farmen und Brücken, die für die Benutzung repariert werden müssen, mehrere traditionelle Berufe, unter anderem Tischler, Schneider oder Koch können neben der alltäglichen Tätigkeit als Farmer erlernt und gemeistert werden, entlaufene Katzen wollen gefunden und arglos gefällte Bäume neu gepflanzt werden. Jede dieser Aufgaben schlägt dabei mit mehreren Stunden zu buche. Und wer wie ich keine Lust hat, die verschiedenen Tiere auf den im ganzen Land verteilten Höfen zu versorgen, sondern alle quer durch die Spielwelt zu locken, um sie dann auf einer Farm zu vereinen (nicht ohne dabei den Lonely Shepard zu pfeifen), kann noch weitere Stunden der ansonsten ja eher vergeudeten Lebenszeit investieren.

Das Preisleistungsverhältnis kippt endgültig ins Plus sobald ein Feuerwerksautomat auf der eigenen Farm installiert ist: Jeden Abend kann dann das eigenhändig kuratierte Feuerwerk von fast überall auf der Insel beobachtet werden. Das allein ist die 25€ wert.

Jetzt gilt es abzuwarten, wie Yonder auf Dauer gepflegt wird. Das Potential für weitere Abenteuer ist da, die Aufgabe, diese zu nutzen, ist für ein Indiestudio und ein Spiel im mittleren Preissegment allerdings keine leichte. Da sieht man es wieder. Das echte Leben hält halt schon genug Herausforderungen parat.