Hyper Light Drifter

Am 31. Juli 2016 in spiel

Irgendwann habe ich auf Kickstarter mal ein paar Dollar in das Hyper Light Drifter-Projekt gesteckt. Ein Glückstreffer, wie sich herausgestellt hat, denn zu einer Zeit, in der ich zitternd wie ein Crack-Junkie im Vahrenwalder Park auf dem Hype-Train von No Man’s Sky sitze und mit gefühlt drei Mach durch die Medienwelt rase, hätte ich gar nicht gedacht, dass mich noch ein anderes Spiel vorher fesselt.

Hyper Light Drifter ist diese Woche tatsächlich auch auf der Playstation 4 erschienen. Und ich bin ehrlich gesagt überrascht, wie gut es mir gefällt. Klar, Retro-Look geht bei mir immer, aber das ist es hier nicht nur. Es ist die gewaltige Zurückhaltung, die dieses Spiel in Sachen Informationspreisgabe übt. Lediglich eine Handvoll Sätze hat es mir in mehreren Stunden Spielzeit aufgezeigt. Als einsamer Drifter in einer fremden Welt fühle ich mich aufgrund dieses praktizierten Minimalismus eben genau so: Einsam und fremd. Ich muss mich auf eigene Faust zurechtfinden und Dialoge mit den Bewohnern dieser Welt laufen lediglich über kurze Bildergeschichten ab. Ob und wie ich diese interpretiere ist dem Spiel egal und genau das macht es so spannend.

Mir fehlt die Dark Souls-Erfahrung und ich kann lediglich mit einem durchgespielten Titan Souls aufwarten. Daher hat es auch einige Zeit und viele Tode gedauert, bis ich bei Hyper Light Drifter so etwas wie einen Erfolg verbuchen konnte. Mein erstes Aufeinandertreffen mit einem Boss-Gegner endete mit der Flucht meinerseits über einen der in der Welt verteilten Teleporter, zu denen ich jederzeit direkt reisen kann. Trotzdem wirkte das Spiel bisher zu keiner Zeit demotivierend auf mich. Es gibt in der offenen Welt von Hyper Light Drifter einfach so viel zu entdecken und wenn sich ein Boss als noch zu gefährlich herausstellt, schaue ich mich erst einmal anderweitig um.

Mit Schwert und Feuerwaffe ziehe ich also mit dem Drifter weiter durch Wälder, Gebirge und Untergrund-Basen, um allerlei bösartige Kreaturen zur Strecke zu bringen, geheime Pfade zu entdecken und mich Stück für Stück in der Welt zurecht zu finden. Mit jeder textlosen Interaktion der gelegentlich auftauchenden, freundlich gesinnten Fremden, spinne ich in meinem Kopf so etwas wie eine Geschichte zusammen. Sie hat sehr viele Lücken. Das fühlt sich großartig an.

Erlegte Feinde oder versteckte Kisten können sogenannte Gearbits freigeben. Das ist die Währung in der Welt von Hyper Light Drifter, und ich kann damit im Zentrum der Karte neue Fähigkeiten und Waffen-Upgrades erwerben. Dann wächst meine Zuversicht wieder ein kleines Stück, diesen einen, anfangs viel zu starken Boss jetzt vielleicht doch besiegen zu können. Ich gehe fest davon aus, dass mich spätestens der finale Obermotz eines besseren belehrt, wenn er mir das Selbstbewusstsein, Tränen der Erniedrigung und andere Flüssigkeiten aus dem Körper drückt, wie aus einer überreifen Frucht. Haha … ha … Ah!

Ach ja: Die 30 Bilder pro Sekunde sind doof, aber an die dadurch etwas trägere, zugegebenermaßen auch mal frustrierende Kampfmechanik kann man sich trotzdem irgendwie gewöhnen.

(**Update: Hyper Light Drifter läuft nach einem Update mit vorbildlichen 60 Bildern pro Minute!) Nur die zeitlich leicht versetzte Ausführung des Kommandos zur Heilung hat mich, gerade während der intensiven Boss-Kämpfe, sehr genervt. Dennoch: Das Spiel ist einfach zu gut, um es wegen dieser Dinge liegen zu lassen.

The Neon Demon

Am 28. Juli 2016 in film

Nicolas Winding Refns Kino ist unkonventionell, fremdartig, polarisierend … und Drive. Mit letzterem hat er viele neue Fans zu sich ins Kino gelockt und gut dreiviertel davon dürfte er mit seinem Folgefilm Only God Forgives bereits nach 30 Minuten wieder verloren haben. Aber Drive stand nie für das Gesamtwerk Refns. Sein natürliches Schaffensbild scheinen Filme wie Valhalla Rising, Only God Forgives und jetzt The Neon Demon zu sein. Filme, mit denen er, spätestens in deren letzten Drittel, ganze Sitzreihen in Kinosälen leert und mit denen er nun schon zweimal in Folge die Filmfestspiele in Cannes trollte.

Ich bin ein großer Fan all seiner Filme und auch, wenn The Neon Demon zu 80 Prozent ein bildhübsches Musikvideo zum wieder einmal großartig stimmungsvollen Cliff Martinez-Soundtrack ist und nur zu 20 Prozent eine Geschichte erzählt, darf man eines nicht vergessen: Letzteres sind 20 Prozent mehr, als es bei Valhalla Rising und Only God Forgives der Fall war.

Beauty isn’t everything. It’s the only thing.

Die Geschichte um die junge Jesse, überzeugend gespielt von Elle Fanning, als angehendes Model in L.A., das auf viel Anerkennung aber noch sehr viel mehr Neid stößt, ist gespickt mit überzeichneten, sehr befremdlich wirkenden Figuren, einem Keanu Reeves als Super-Arschloch, gelegentlichen paranoiden Wahnvorstellungen und einer Geschmacklosigkeit im Finale, die selbst im Refn-Kino ihres Gleichen sucht. Er mag es ja, uns unvorbereitet einen Hammer mitten ins Gesicht zu werfen und, soweit geht meine leicht masochistische Kino-Ader: Ich mag das auch. Meine Hochachtung gilt an dieser Stelle dem Hannover Art House-Publikum, das in unserer Vorstellung geschlossen bis zum Ende durchgehalten hat.

Wer dieses Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich wenig so schätze, wie das Unvorhersehbare in einem Film und da ist der Refn doch immer noch eine Bank und ganz oben mit dabei.

Hibana: Spark

Am 27. Juli 2016 in serie

So langsam trudeln bei Netflix auch asiatische Serien-Produktionen abseits von Anime ein. Bei der Buchumsetzung Hibana: Spark begleiten wir die beiden Komiker Tokunaga und Kamiya bei ihrem Streben nach Anerkennung in der Stand-Up Manzai-Szene (Wikipedia-Link) Tokios. Tokunaga ist ein introvertierter Charakter, bei dem man sich mitunter wundert, wie er es geschafft hat, das Elternhaus überhaupt zu verlassen. Herr Kamiya dagegen ist extrovertiert, wirkt sehr von sich überzeugt und ist auch sonst genau das Gegenteil von Tokunaga. Beide sind jeweils Teil zweier unterschiedlicher Komiker-Duos, pflegen aber nach ihrem ersten Aufeinandertreffen und einer durchzechten Nacht eine Schüler/Lehrer-Beziehung. Sie improvisieren zusammen den Manzai, sie philosophieren über dies und das und sie betrinken sich und essen viel. Viel mehr gibt es hier eigentlich nicht zu sehen, aber das reicht aus. Hibana funktioniert so wie es ist ganz gut.

Humor zu übersetzen, dürfte eine der schwierigsten Arbeiten eines Übersetzers sein. Wenn die Sprache dann auch noch komplett anders aufgebaut ist, als die eigene, ist es fast schon ein sinnloses Unterfangen. Ich bin so etwas wie ein Veteran des japanischen Films und trotzdem wirkt Hibana mit deutschen Untertiteln auf mich wie ein kleiner Kulturschock. Interessanterweise mag ich es trotzdem sehr. Die Serie fängt wunderschöne urbane Bilder aus Tokio ein, ihre Figuren sind liebenswert, Kento Hayashi als Tokunaga und Kazuki Namioka als Kamiya sind großartig und das Essen macht mich so hungrig, dass ich am liebsten nach jeder Folge direkt ins nächsten japanische Restaurant laufen möchte.

Die Zielgruppe von Hibana auf Netflix dürfte sich zahlenmäßig mit einer Gruppe Einradfahrer auf einem Harley Davidson-Treffen decken, aber hey: Noch dürfte das fast egal sein, denn es zählt, den Katalog so voll zu packen, dass er die Konkurrenz übertrifft. Und dass sie dabei auch solche Nischen bedienen ist mehr als löblich.

Stranger Things

Am 24. Juli 2016 in serie

Ich liebe Netflix. Jetzt isses raus. Aber das musste sein, denn Netflix fängt an, sich so richtig warm zu laufen. Die hauseigenen Produktionen kommen langsam aber sicher in so etwas wie regelmäßigen Abständen und können mich immer öfter überzeugen. So wie Stranger Things, eine Serie, die ich so gar nicht auf dem Schirm hatte und die mich dann auch noch überaus positiv überraschte. Nach der Sichtung der ersten beiden Folgen waren wir derart angefixt, dass wir die restlichen sechs Episoden in einem Rutsch schauten. Ein Novum in unserem Alltag.

Mit einer Atmosphäre wie zu Spielbergs magischen Zeiten, einem Soundtrack wie aus der Feder des Altmeisters John Carpenter und Teenagern, die scheinbar direkt aus Goonies/Poltergeist/Stand By Me/etc entliehen sind, ist Stranger Things Fanservice für Achtziger Kids am laufenden Band. Ich habe keine Ahnung, wer die Duffer Brüder sind, die sich für dieses Spektakel verantwortlich zeigen und ich habe gerade auch keine Lust das zu recherchieren, aber sie haben mich geradewegs in meine Vergangenheit katapultiert und das hat sich saugut angefühlt. Stranger Things ist wie ein Videoabend mit Freunden auf Matratzen vor dem alten VHS-Rekorder. Mit Erdnussflips und Filmen, die eigentlich noch gar nichts für uns waren.

Neben Winona Ryder, die ich immer gerne sehe, empfand ich vor allem David Harbours ausgepowerte Sheriff-Figur und deren Charakterentwicklung als sehr gut geschrieben und gespielt. Sogar die Kinderdarsteller haben mir gut gefallen. In den Achtzigern war sowas keine Seltenheit. In der heutigen Zeit, in der wir der Brut der Schweigers und Smiths hoffnungslos ausgeliefert sind, ist man da ja erst einmal skeptisch. Vieles, was in den Achtzigern im Film funktionierte, ist heute bloß noch überflüssiges Relikt. Das ein oder andere findet sich auch hier im Drehbuch wieder. Übel nehmen kann ich das den Duffers aufgrund des souverän durchgezogenen Konzepts aber nicht.

Ob es jüngeren Zuschauern ohne die rosa Achtziger-Brille genauso geht wie mir, vermag ich nicht zu beurteilen. Ob sich das Gefühl nach einer Staffel bereits abgenutzt hat oder ob noch Potential für weitere Folgen besteht, ebenso nicht. Aber ich lasse mich da gerne überraschen.

Zootopia

Am 23. Juli 2016 in film

Endlich kann ich wieder über mein Lieblingsthema meckern: die idiotische Namensgebung bei deutschen Disney-Filmen. Zootopia haben die Kasper in Zoomania umbenannt und weil sie den Film noch gar nicht gesehen haben, wussten sie auch nicht, wie unglaublich dämlich diese Entscheidung war und dass sie gleich in einem der ersten Sätze des Films absolut keinen Sinn macht:

Knapp 350 Kilometer von hier befindet sich die Stadt Zoomania

Dass das total dämlich ist, ist den Kaspern jetzt natürlich egal, denn die sitzen gerade irgendwo im Starbucks, trinken ihren Latte und überlegen sich dabei neue, möglichst blöde Titel für kommende Filme oder ihre kommenden Kinder.

Mir sollte das völlig egal sein, denn ich guck die Teile eh nur wegen meiner Tochter. Wenn am Ende dann aber wieder nur das Du-kannst-alles-erreichen-wenn-du-nur-willst-Schema rumkommt, kann ich bloß noch kopfschüttelnd seufzen. Er war stets bemüht.

Aber ein realistischer und deshalb desillusionierender Animations-Film mit Millionenbudget und einer Protagonistin, die am Ende aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts angeschissen dasteht und nichts hat, außer vielleicht noch ihr Leben, spült halt auch kein Geld in die Kassen.

Boah, wie negativ. Ich muss schnell noch so’n Film gucken, um wieder Hoffnung zu schöpfen. Vielleicht Ratatouille. Da können sogar Ratten Küchenchefs werden. Ja, genau! Ich bin hier nicht die Zielgruppe und dieser Text ist deshalb auch nicht besonders relevant. Meine Tochter ist die Zielgruppe, hat ihn gleich zweimal geschaut und findet ihn großartig. Das könnte relevant sein.