Rogue One: A Star Wars Story

Am 26. Dezember 2016 unter film starwars

So richtig lange ist das Blut die Tinte unter dem Vertrag zwischen George Lucas und Disney noch nicht trocken, die Marvel Cinematic Universe-Regelmäßigkeit an neuen Filmen ist bei Star Wars trotzdem schon eingekehrt. Kamen wir denn nicht eben noch alle ganz aufgeregt aus den Kinosälen und haben gerade erst Episode VII gesehen? Nein, das ist schon wieder ein Jahr her und fast auf den Tag genau 365 Tage später verlasse ich zum zweiten Mal das Savoy in Hamburg, nachdem ich dort einen neuen Star Wars-Film gesehen habe. Allerdings waren die Erwartungen bei „Das Erwachen der Macht“ gefühlt nur halb so groß, wie jetzt bei „Rogue One“. Erklären kann ich mir das nur mit einer gewissen Müdigkeit gegenüber Pre- und Sequels in der Star Wars Saga. Der erste Disney-Film der Reihe hat den Fokus verständlicherweise auf den Wiedererkennungswert gelegt, war daher letztendlich aber oft auch nur altbekanntes Material, welches einfach noch einmal sehr hübsch verpackt wurde. „Rogue One“, der bloß unter der Flagge einer „Star Wars Story“ segelt und nicht der Auftakt für eine weitere Trilogie sein muss, hat den Luxus, sich weniger um solche Dinge zu scheren. Ein kluger Schachzug für Disneys Kassen und in diesem Falle löblicherweise auch lohnend für uns.

Denn „Rogue One“ schlägt von der ersten Minute an eine andere Richtung ein. Anfangs tut er das für meinen Geschmack vielleicht noch etwas zu zügig. Dann, wenn er mir hastig die Protagonisten vorstellt und dabei gerade mal das absolut Wesentliche erwähnt. Als würde sich der Film selbst stressen, da er dieses mal ja in zwei Stunden wirklich alles erzählt haben muss. Das legt sich zum Glück, wenn die Geschichte ihren Lauf nimmt. Was dann kommt ist ein traditioneller Science Fiction Actionfilm, der das Beste aus den Achtzigerjahren mit der Technik der Gegenwart paart, und dabei kommt für mich das Großartigste heraus, was dieser teilweise arg gebeutelten Serie bis dato passieren konnte. Es spricht für das Team, wenn Elemente, die man bereits aus den anderen Episoden kennt, sprichwörtlich in einem anderen Licht erscheinen und plötzlich einzigartig in Szene gesetzt werden. Bereits der Trailer ließ vermuten, dass hier großer Wert auf die Ausleuchtung und das Farbenspiel gelegt wurde. Fast möchte ich sagen, dass dies ein Novum im Star Wars Universum ist.

Aber „Rogue One“ sieht nicht nur unglaublich gut aus, er macht mit seiner Geschichte um einen Haufen Guerillas auch auf eine ganz andere Weise Spaß. Wie schon in „Star Wars: The Clone Wars“ angedeutet und konsequent in „Star Wars: Rebels“ weitergeführt, verschiebt „Rogue One“ den Fokus weg von den edlen Jedi-Rittern mit ihrem hohen Output an Pseudo-Weisheiten und hin zu einer verwegener Randgruppe mit deutlichem Hang zum Terrorismus. Ein Hoch auf Felicity Jones, Diego Luna und den Rest des gelungenen Casts, der den mutigen Weg dieser Produktion dabei so unterhaltsam trägt. Am besten haben mir hier Wen Jiang und Donnie Yen gefallen, deren gegensätzliche Persönlichkeiten wie eine Metapher auf die Unterschiede zwischen dem eher brachialen „Rogue One“ und den traditionellen Werten der Saga wirken. Und dann gibt es noch die bekannten Gesichter, mit denen so wunderbar glaubhaft eine Brücke zur klassischen Trilogie geschlagen wird, dass man sich als Episode Eins bis Drei eigentlich bloß noch in einer Ecke schämen müsste. Eines dieser bekannten Gesichter dreht dann auch im Finale noch mal so richtig auf und ich hatte so ein wenig das Gefühl, dass es dort etwas zu kompensieren gab. Ich war ob des epischen Einschlags dieser Szene wirklich den Tränen der Freude nah. Spätestens dann wird aber auch klar, dass alle sieben vorangegangenen Filme im Vergleich zu „Rogue One“ von nun an die Kinderfilme der Reihe sind.

Natürlich gibt es auch in diesem Film mehr als eine Parallele zu bekannten Elementen aus dem Star Wars Universum. Seien es nun die vielen Anspielungen oder die bekannten Strukturen im späteren Verlauf der Geschichte. Aber all das hält sich doch eher bedeckt und wäre in meinem Fall bloß meckern auf sehr hohem Niveau. So bleibt für mich der schlimmste Patzer tatsächlich der, dass Gareth Edwards nicht auch noch die nächsten Star Wars Filme drehen wird. In einem Jahr werden wir sehen, ob ich da eines besseren belehrt werde.


Das vielleicht Beste aus 2016

Am 23. Dezember 2016 unter ansage spiel serie film

Jetzt ist es passiert! Ich habe dieses Jahr so dermaßen wenig Filme gesehen, dass eine Top Drei überhaupt nicht aussagekräftig wäre. Das liegt aber nicht nur daran, dass ich wegen einer Überfokussierung auf 3D und einem Mangel an Originalvorstellungen kaum noch ins Kino gehe, sondern vor allem an der Tatsache, dass es viel zu viele gute Serien gibt, die Frau Donswelt und ich in unserer Freizeit einfach lieber gucken.

Und so bleibt mir hier nichts anderes übrig, als lediglich einen Lieblingsfilm des Jahres zu küren, damit das Verhältnis wieder stimmt. Kurz und knapp, denn die Gründe für meine Auswahl finden sich eh schon jeweils in den verlinkten Texthäppchen. Ach ja: Mein Film des Jahres 2016 lief 2015 schon auf diversen Filmfesten, bevor er dieses Jahr regulär irgendwo ins Kino kam. Aber das ist mir egal. Dieses Jahr am besten gefallen hat mir:

Too Late

John Hawkes kantiges Goldene-Jahre-Hollywood-Gesicht ist dabei das I-Tüpfelchen in jeder Szene.

Serien gab es wie gesagt viele und für mich als zahlender Esel auch noch welche, die bereits länger auf dem Markt, aber nicht auf meinen Plattformen vorhanden waren. Zum Beispiel die zweite und meiner Meinung nach viel großartigere Staffel von True Detective. Oder die jeweils dritte Staffel von Ray Donovan und Elementary. Auch die aktuellen Produktionen, wie Die Brücke, Bojack Horseman, Mr. Robot oder zuletzt Dirk Gently zeugten von hoher Qualität. Und es gab dank Netflix sogar die eine oder andere Nischenkost, wie etwa das kauzige Midnight Dinner: Tokyo Stories. Die unangefochtene Top Drei wäre aber wohl:

Preacher

So überzeugt wie diese erste Folge hat mich zuletzt der Pilot von Mr. Robot.

Stranger Things

Mit einer Atmosphäre wie zu Spielbergs magischen Zeiten, einem Soundtrack wie aus der Feder des Altmeisters John Carpenter und Teenagern, die scheinbar direkt aus Goonies/Poltergeist/Stand By Me/etc entliehen sind, ist Stranger Things Fanservice für Achtziger Kids am laufenden Band.

Hibana: Spark

Die Zielgruppe von Hibana auf Netflix dürfte sich zahlenmäßig mit einer Gruppe Einradfahrer auf einem Harley Davidson-Treffen decken, aber hey: Noch dürfte das fast egal sein, denn es zählt, den Katalog so voll zu packen, dass er die Konkurrenz übertrifft.

Gespielt habe ich eine Menge, aber vieles nur halbherzig, weil meine Gedanken quasi immer nur bei einem Spiel und dessen schier unendlichem Universum waren. Und es immer noch sind. Das ist unfair, denn vieles war so gut, dass es hier erwähnt werden muss: The Last Guardian, Ronin, Darkest Dungeon, Abzû, Fire Watch, Unravel und, und, und. Am Ende teilten sich aber vor allem drei Titel mein Herz und meine kostbare Zeit:

No Man’s Sky

Ich bin nicht Mark Watney und das hier ist nicht der scheiß Mars.

Hyper Light Drifter

Ich gehe fest davon aus, dass mich spätestens der finale Obermotz eines besseren belehrt, wenn er mir das Selbstbewusstsein, Tränen der Erniedrigung und andere Flüssigkeiten aus dem Körper drückt, wie aus einer überreifen Frucht. Haha … ha … Ah!

P.S.: Ich habe ihn mittlerweile besiegt!

Overwatch

Overwatch ist ein Spiel, von dem ich gar nicht wusste, wie lange ich darauf gewartet habe.

Und ja: No Man’s Sky ist das beste Spiel der Welt.


Bullet Hell Monday

Am 19. Dezember 2016 unter spiel

Während alle Welt „Super Mario Run“ spielt, in dessen Beuteschema ich partout nicht zu passen scheine, wühle ich mich anderweitig durch den App Store, um nicht plötzlich als einziger in der Stadtbahn aus dem Fenster gucken zu müssen. Dabei stoße ich auf eine App, die zumindest schon mal den schönsten Namen 2016 trägt: „Bullet Hell Monday“. Bullet Hell, also eine zweidimensionale Kugelhölle, durch die man ein Raumschiff pixelgenau manövrieren muss, ist eine Leidenschaft von mir. Vor acht Monaten legte ich euch deshalb an dieser Stelle im Netz das iOS-Spiel DoDonPachi: Ichimen Banchou von Cave ans Herz. „Bullet Hell Monday“ greift jetzt dessen Prinzip der einzeln anzuwählenden Level-Häppchen auf und verfeinert es nochmals.

Gespielt wird gewohnt klassisch: Mit dem Finger schiebe ich einen Raumjäger über einen Teil des Bildschirms und muss so versuchen feindlichen Kugeln auszuweichen. Dabei darf ich natürlich nicht vergessen, die feindlichen Formationen meinerseits zu beschießen und, wenn möglich, die dadurch entstehenden Punkte-Boni einzusammeln. Grafisch setzt „Monday“ nicht auf detaillierte Pixelgrafik sondern auf feinen Minimalismus, der einen für Smartphones, wie ich finde, passenden Simulations-Charakter bietet.

Jeder Level ist in zehn kurze Abschnitte aufgeteilt, und ich muss in jedem Abschnitt bestimmte Vorgaben erfüllen, um den nächsten anwählen zu dürfen. Dabei gilt es eine bestimmte Punktzahl zu erreichen, eine gewisse Technik anzuwenden (zum Beispiel eine bestimmte Menge Kugeln mit einer Smartbomb in Boni verwandeln) oder einfach nur lebend durchzukommen. Stück für Stück lerne ich auf diese Weise alle wichtigen Elemente eines klassischen Ballerspiels und kann am Ende das gesamte Kapitel mit obligatorischem Obermotz spielen. Die durch dieses Prinzip sehr hohe Lernkurve ist gerade für Gelegenheits-Shmupper oder, in meinem Fall, talentbefreite Mittvierziger mit Resten von so etwas wie einer Hand-Augen-Koordination, eine optimale Spielerfahrung und stets motivierend. Spätestens ab Kapitel zwei werde ich allerdings unsanft aus dem Traum des Erfolges gerissen. Dann, wenn der Kugelhagel so dicht ist, dass feinstes Fingerspitzengefühl gefragt ist.

Um dann nicht völlig nackt dazustehen, baue ich zwischendurch, ebenfalls Stück für Stück, mein Schiff weiter aus. Stärkerer und schneller Schuss, mehr Bomben, mehr und einfachere Möglichkeiten die ganzen Boni aufzusammeln. Ab und zu bietet mir das Gratis-Spiel auch einen Sack voll Erfahrungspunkte im Austausch gegen ein Video an. Für 4 Euro könnt ihr außerdem drei neue Schiff-Typen und noch mehr Herausforderungen kaufen.* Natürlich gibt es bei einem Spiel dieser Art einen Haufen Online-Ranglisten, die allesamt von japanischen Pro-Spielern vollständig besiedelt sind und im Gegensatz zu „Super Mario Run“ und Caves „Ichimen Banchou“ macht es auch keine Zicken, wenn ich es mal ohne eine aktive Internetverbindung spielen will.

Kurz und knapp: Heute ist Montag und wenn Kugelhöllen eure Passion sind, macht ihn zum Bullet Hell Montag!

UPDATE: Es hat sich gerade herausgestellt, dass sich für 4 Euro nicht die neuen Schifftypen freischalten lassen, sondern bloß alle Schiff-Upgrades für die Basis-Schiffe. Ein oller Money-Cheat, sozusagen. Die extra Schiffe, mit verschiedenen Varianten müsst ihr dann trotzdem noch bezahlen und der Spaß des Upgradens ist auch weg. Das ist natürlich überaus lame, also lieber die neuen Schifftypen nach Bedarf einzeln kaufen, um den Entwickler zu unterstrützen.


No Man's Sky: Die Reise zum Hub

Am 18. Dezember 2016 unter spiel nomanssky

Was machst du eigentlich immer noch in No Man’s Sky? Eine Frage, die mir, online wie offline, ziemlich oft gestellt wird. Nicht viel, sage ich dann und zucke wahrscheinlich eher abwesend mit den Schultern. Ich reise. Anfangs reiste ich vom äußeren Rand der Galaxie zum Zentrum. Als ich dort angekommen bin, flog ich wieder zurück zum äußeren Rand. Beziehungsweise fliege ich immer noch, denn das dauert. Ich bin auf dem Weg zur Rentocniijik-Region. Dieser eigentlich isländischen Vulkanen vorbehaltene Name gehört einem Quadranten, den sich mehrere Spieler ganz im Geiste des alten Sir Peter Weyland für ein Kolonialisierungs-Projekt herausgepickt haben.

Meine Frau und ich entdeckten vor einigen Tagen, dass sie sich in unmittelbarer Nähe zu genau diesem Quadranten befand, woraufhin wir uns entschlossen, uns beide ebenfalls dort zu treffen. Wir wollen unser eigenes System im Galactic Hub, so nennt sich das Projekt, besiedeln. Sie benötigt dafür etwa 90 Sprünge durch den Hyper-Raum, ich circa 400. Davon habe ich nun gut ein Drittel geschafft.

Damit die lange Reise nicht zu langweilig wird, habe ich die nötigen Zwischenstopps zum Einsammeln der Ressourcen für die garstigen Warpzellen außerdem dazu genutzt, um mir ein wirtschaftliches Standbein aufzubauen: Ich bin jetzt Farmer. In meinem Frachter, der aufgrund seiner bizarren Form irgendwie einer Mischung aus einem elektrischen Rasierer und Howard, der Ente ähnelt, baue ich pflanzliche Rohstoffe für Schmiermittel an. Diese kann ich direkt daneben, an meiner neuesten Errungenschaft, einem eigenen Handelsinterface, auf dem intergalaktischen Markt verkaufen. Der Rubel rollt. Ich plane, das Ganze noch für andere Rohstoffe auszubauen. Zeit dafür habe ich ja.

Und dann hat die Reise noch einen interessanten Nebeneffekt. Ich habe vor meiner Abreise im Zentrum der Galaxie eine Bodenbasis auf einem der Planeten dort errichtet. Zu ihr kann ich mich jederzeit von einer Raumstation, die jedes zu bereisende System in No Man’s Sky aufweist, zurück beamen. Ich werde mich also gleich nach meiner Ankunft erst einmal über eine Distanz von zwölfdrillionen Lichtjahren zurück zum Zentrum teleportieren. Nur um dann einmal „Schön“ zu sagen, bevor ich gleich wieder zurück in den Teleporter steige und eine neue Station im Hub errichten werden. Hoffentlich in einem System mit meiner Frau. Uns in dem dort herrschenden Gewühl zu finden wird sicher die schwerste Aufgabe dieser Mission. Aber darüber kann ich mir noch Gedanken machen, wenn ich angekommen bin. Irgendwann.


The Last Guardian

Am 13. Dezember 2016 unter spiel

Ich persönlich habe ja nicht mehr daran geglaubt, aber es ist tatsächlich wahr: Sonys gigantisches Image-Projekt Fumito Uedas Mammut-Projekt „The Last Guardian“ ist nach knapp zehn Jahren Entwicklungszeit wirklich fertig und dreht sich auf einem antiquierten Datenträger in meiner Playstation. Der Volksmund sagt dazu „was lange währt ist endlich gut“ woraufhin geneigte Videospieler mit Hang zur Vorfreude ja eher in Tränen der Verzweiflung zu ertrinken drohen. Und auch „The Last Guardian“ wird bei der Masse sicherlich nicht besonders gut wegkommen, aber für die wurde dieses Spiel auch nicht konzipiert. Das hier ist richtig teurer Fan-Service für Menschen, die „ICO“ und „Shadow of the Colossus“ geliebt haben. Nicht „gespielt“, sondern richtig „geliebt“ haben. Ich bin so einer und ich liebe auch „The Last Guardian“ und finde es ist absolut beeindruckend.

Natürlich ist es nach dieser langen Zeit in der Entwicklung grafisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit und das war es wahrscheinlich auch nie, was aber nicht bedeutet, dass es nicht hübsch ist oder gar wie ein Playstation 2 Spiel aussieht. Außer man hat schon sehr lange keinen Playstation 2 Titel mehr gespielt. Technisch überzeugt „The Last Guardian“ vor allem mit den sensationellen Verhaltensweisen des zuckersüßen Fabelwesen Trico, das mit unserer Spielfigur im Fell über riesige Abgründe springt, uns finstere Gesellen mit animalischer Wucht vom Leib hält oder einfach mal faul eine Kratzpause einlegt. Das entschuldigt, zumindest für mich, die immer noch sehr schwammige Steuerung des Protagonisten. Und die wie immer katastrophale Kameraführung, die mir bereits kurz nach Spielbeginn aufgefallen ist, als meine Kinnlade das erste Mal wieder hochklappte. Was das betrifft, scheint niemand die jahrelangen Klagerufe bezüglich des geistigen Vorgängers wahrgenommen zu haben. Immerhin wurde die Handhabung deutlich vereinfacht und zum Klettern ist es jetzt nicht mehr nötig, dauerhaft eine Taste gedrückt zu halten. Ein Segen, denke ich an den halb tauben Zeigefinger zurück.

Grob gesagt mache ich im Spiel nichts anderes, als einem riesigen Tier irgendwie klarzumachen, dass es jetzt hier rüberspringen oder dort hineingehen soll und mitunter ist es dabei begriffsstutziger als unser fauler und auch ein kleines bisschen dummer Hauskater, der gerne mal einfach so vom Tisch fällt, während er mich beobachtet und dabei niedlich guckt. Aber das macht die Illusion eines tierischen Begleiters am Ende erst so richtig perfekt. Und neben dem typischen Team ICO-Flair kommt noch hinzu, dass sich „The Last Guardian“ wieder wie etwas völlig neuartiges spielt. Und das, obwohl sich die Basis des Spiels mit der von „ICO“ vergleichen lässt und das gigantische Wesen in einer gigantischen Umgebung eine Symbiose beider Vorgänger ist. Hatte ich bei „ICO“ aber noch jede Sekunde, die ich das schutzlose Mädchen Yorda alleine lassen musste, Angst ihr würde etwas zustoßen, ist es hier genau umgekehrt: Trico kann sehr wohl auf sich aufpassen und im Gegensatz zu mir kann er sich sogar erfolgreich wehren. Ich dagegen bin der Umgebung und meinen Widersachern hilflos ausgeliefert. Sobald mein tierischer Begleiter mal nicht mehr schützend neben mir steht, weil uns zum Beispiel ein Tor oder ein anderes Hindernis trennt, erkunde ich die Hallen und Gänge deshalb automatisch vorsichtiger und jede neue Ecke wird mit höchster Obacht inspiziert. Denn im Notfall hilft hier nur eins: Wegrennen und verstecken.

Früher hätte ich ein Spiel dieser Güte nach drei Tagen vollständig durch gehabt und wäre wahrscheinlich schon mitten in meinem zweiten Durchgang. Heute ist das anders, denn meine Tochter erlaubt mir das Spielen mit Trico nur, wenn sie dabei zuschauen darf. So wird „The Last Guardian“, wie bereits „Shadow of the Colossus“ zum Familien-TV-Event und das zieht sich dann etwas. Viereckige Augen und so.

Die audiovisuelle und emotionale Erfahrung, die dieses Spiel so wertvoll macht und die sich bei allen Team ICO Titeln gleicht habe ich, seit ich das letzte Mal „Shadow of the Colossus“ zum gefühlt zwanzigsten Mal durchgespielt habe, wirklich vermisst. Es ist schön, dass das Warten endlich ein Ende hat und noch ein bisschen toller ist es, dass es sich tatsächlich auch gelohnt hat.