Samurai Gourmet

Am 21. März 2017 unter serie

Nach Midnight Diner: Tokyo Stories läuft bei Netflix nun schon die zweite Manga-Realverfilmung als Serie an: Samurai Gourmet. In zwölf Episoden wird hier das Trauma eines japanischen Rentners im Ruhestand thematisiert, der sich erstmal völlig in seiner lebhaften Fantasie verlieren und sich einen herrenlosen Samurai vorstellen muss, bevor er sich zum Beispiel traut, nachmittags ein Bier in einem Restaurant zu bestellen. Da fällt dem Hannoveraner aus Vahrenwald morgens um zehn vor Lachen beinahe der Goldbrand aus der Hand! Wenn Samurai Gourmet eines ist, dann der Beweis dafür, dass Japaner in ihren Serien nichts machen können, was ich nicht gucken würde. Außer es wäre eine Serie zu Fruit Chans Film „Public Toilet“. Nicht mal die doppelte Bildrate, in der „Samurai Gourmet“ ausgestrahlt wird, und dank der es sich die optische Ästhetik mit einer Vormittags-Telenovela und einer Pfanne Würmer teilt, schreckt mich hier ab. Den Naoto Takenaka als Beamter im Ruhestand entstellt halt so schnell nichts. Einziger Nachteil: Genau wie bei „Midnight Diner“ gilt auch hier die Empfehlung, Samurai Gourmet entweder vor oder während des Essens zu schauen. Sonst steht man ob der vielen Leckereien nach einer der 20-minütigen Folgen schnell wieder vor dem Kühlschrank und holt sich noch einen Nachschlag. Aber so richtig schlecht ist das ja auch nicht. Stellt man sich halt eine Horde Sumo-Ringer als Gäste vor.



Logan

Am 5. März 2017 unter film noir

Seit fast zwei Jahrzehnten mimt Hugh Jackman nun schon den Wolverine und seltsamerweise funktionierte das immer dann am besten, wenn er als Teil der X-Men unterwegs war. Dort rettete er dann nicht nur die Welt, sondern auch mal den ganzen Film, was ihm solo in zwei Wolverine-Teilen nie wirklich gelingen wollte. Eigentlich ein Widerspruch, bedenkt man, dass er nie so der große Teamplayer war und oft nur widerwillig oder unter Protest seinen Platz in den Reihen der X-Men einnahm.

James Mangold, Regisseur des dritten Wolverine Films „Logan“, verlässt deshalb konventionelle Pfade und inszeniert ein wundervoll brutales Road Movie in einer fast mutantenlosen Zukunft, das die Ära Hugh Jackmans als Wolverine so stilvoll beendet, als wäre es Mickey Rourke in „The Wrestler“. Dass Mangold diesen Film mit der eher ungewöhnlichen Superheldengeschichte und in 2D drehen konnte, ist wahrscheinlich weniger ein Beweis seiner Überredungskünste, als ein Indiz dafür, dass die Übersättigung und der Zerfall des Superheldenfilms nicht nur im vollen Gange ist, sondern endlich auch von Studiobossen wahrgenommen wird.

„Logan“ ist im direkten Vergleich zu seinen Vorgängern nicht nur erzählerisch anders, sondern auch noch richtig harter Tobak, und das nicht nur dann, wenn es Blut aus Eimern auf die Darsteller regnet. Wenn ein emotionaler Monolog mir als Zuschauer fast die Tränen der Rührung in die Augen treibt, nur um mir im nächsten Moment einen Twist, so schwarz wie die Nacht, um die Ohren zu hauen, erkenne ich geschockt, dass die Verantwortlichen keine noch so perfiden Methoden scheuten, um diesen Film unvergesslich zu machen. Der stetig voranschreitende Zerfall der einst so großen Helden Wolverine und Charles Xavier tun dabei nicht weniger weh. Und das einzige, woran ich mich als Zuschauer klammern kann ist ein kleines Mädchen, dessen kurzes, von Traumata bestimmtes Leben, eigentlich nicht ungeeigneter als Sinnbild für Hoffnung und Neuanfang stehen könnte.

In einer besseren Welt wäre „Logan“ nicht nur der letzte Wolverine-Film, sondern auch das Ende der X-Men-Reihe. In unserer Welt ist es leider nur ein Reboot und kommende Installationen werden weiter mit der Übersättigung des Genres und mit den Schwierigkeiten der Vorgängerfilme zu kämpfen haben. Immerhin dann wahrscheinlich ohne einen Deadpool mit zugenähtem Mund. Ich kreuze diesbezüglich meine Finger sicherheitshalber zu einem X.


Trapped

Am 4. März 2017 unter serie

Zwei, dreimal im Jahr lassen meine Frau und ich uns ein Bad mit frischem Hühnerblut ein, zünden sechshundertsechsundsechzig Teelichter an, zitieren gemeinsam in Trance die satanischen Verse und öffnen dann die ZDF Mediathek auf dem Apple TV. Ja, ich weiß. Letzteres geht eigentlich einen Schritt zu weit. Von all unseren Streamingdiensten ist das aber nun einmal der Teuerste und es gibt ja seltsamerweise auch keine Möglichkeit der Abokündigung. Da kann man also ruhig gelegentlich mal hineinschnuppern und sich über diese strukturelle Katastrophe eines Services schwarz ärgern.

Trotzdem und mit viel Glück sind wir dort vor einiger Zeit überraschend auf die dritte Staffel der großartigen Krimiserie „Die Brücke“ in der Originalversion mit Untertiteln gestoßen und so etwas ist uns jetzt mit der isländischen Krimiserie „Trapped“ doch glatt noch ein zweites mal passiert. Auch diese Serie wird wahlweise deutsch synchronisiert oder ganz vorbildlich mit Originalton und deutschen Untertiteln angeboten.

Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Verbrechen, dessen Ausmaß die nur mit begrenzten Mitteln ausgestattete Polizei eines verschlafenen Örtchens irgendwo an der Küste Islands an die Grenzen des Möglichen treibt. Ein aufziehendes Unwetter sorgt zusätzlich für erschwerte Bedingungen, und weil das alles immer noch nicht reicht, hüten einige der Bewohner scheinbar auch noch das ein oder andere eigene dunkle Geheimnis. Protagonist in diesem Chaos aus eher unerfreulichen Ereignissen ist der in Trennung lebende örtliche Polizeichef Andri, der sich zwar die Gewichts- und Bartklasse mit Bud Spencer teilt, ansonsten aber eher introvertiert durch den hohen Schnee des skandinavischen Winters stapft.

Bereits nach kürzester Zeit schloss ich den mürrischen Eisbär-Teddy in mein Herz, ließ mir immer wieder winzige Häppchen des großen Ganzen zufüttern und wusste am Ende der ersten vier Folgen trotzdem nicht viel mehr, als dass ich in Island und all dem Schnee keinen Urlaub machen möchte. Aber genau so mag ich meine Serien. Und aus dem Land der Dóttirs und Sons gibt es ja auch eher selten was zu sehen, weshalb ich es umso schöner finde, dass die Öffentlich-Rechtlichen unser Geld gelegentlich dahingehend nutzen, diesen Umstand zumindest ein wenig zu korrigieren. Noch bis Mitte Mai sind die fünf eineinhalbstündigen Folgen der Miniserie in der Mediathek verfügbar. Schaut es euch an. Aber vergesst vorher die Wanne mit dem frischem Hühnerblut nicht. Man weiß nie, was die ZDF-App mit einer unvorbereiteten Seele alles anzustellen vermag.


Gantz: 0

Am 22. Februar 2017 unter film

Eigentlich haben wir „Ganz: 0“ gestern Abend bei Netflix nur mal interessehalber angemacht, weil wir anhand der Vorschaubilder nicht ausmachen konnten, ob es sich nun um eine animierte oder eine Live-Action Adaption handelt. Letzteres mag ich ja lieber und kann mal sehr gut (Kenshin, Kenshin Zwei und Drei) und auch mal ganz mies (Kamui) ausfallen. „Gantz: 0“ ist dann aber doch nur ein am Computer entstandener Film, der sich technisch immerhin auf dem Niveau guter Videospiel-Zwischensequenzen bewegt. Das tut er überraschend unterhaltend. Ganz einfach weil er sich in seiner Rolle als Actionfilm sehr wohl fühlt und keine Anstalten macht, ihr für längere Zeit zu entfliehen. Es wird eigentlich immer gekämpft. Nach den ersten zehn Minuten wird die Hintergrundgeschichte knapp erklärt und schon befindet sich der frisch gestorbene Kato in einem Videospiel-ähnlichen Nachleben, in dem es darum geht große Mengen an japanischem Mythen-Viehzeugs für Punkte abzuschlachten. Das ist überraschend kurzweilig, denn „Gantz: 0“ setzt beim Monster-Design und bei den Arten diese möglichst verspielt wieder zu zerkleinern auf Fantasie und Vielfalt. Das Drama hält sich dabei in sofern zurück, dass es, falls es doch mal aufkommt, von zerplatzenden Köpfen, abgerissenen Extremitäten oder drölf Eimern CGI-Blut entweder gleich wieder weggespült oder zumindest deutlich aus dem Konzept gebracht wird. Da ist die Filmlänge von lediglich 90 Minuten ein Optimum und der Grund, warum sich keine durch generische Action hervorgerufene Müdigkeit einstellt. Für einen relativ aktuellen Blick über den Tellerrand der Manga- und Anime-Verfilmungen ist dieser Film genau das richtige.