OlliOlli

Am 24. Januar 2014 unter spiel

Fuck. Fuck. Fuck. Ich weiß gar nicht, wie oft ich seit dem Release von OlliOlli dieses Wort gesagt und vor allem, wie oft ich es gedacht habe. Fuck. Es ist mitten in der Nacht, ich brauche meinen Schlaf, spiele stattdessen aber das Skateboard-Spiel von Roll7 auf der Vita. Und denke so bei mir: Fuck. Level 4.5 ist verdammt hart.

OlliOlli ist wirklich toll. Es wirkt wie eine zweidimensionale Reinkarnation des alten Playstation Titels Thrasher - Skate and Destroy. Das habe ich damals stundenlang gezockt. Dessen Clou: Tricks mussten nicht nur mit dem Steuerkreuz ausgeführt, sie mussten auch mit einem Knopfdruck im richtigen Moment gestanden werden. Wenn Thrasher auch sonst weit unter dem technischen Niveau von Tony Hawks dümpelte, diesen wichtigen Grundaspekt des Skateboardings hatte es dem Activision Titel weit voraus.

Jetzt, mit OlliOlli, ist dieser Aspekt wieder da. Zusammen mit den wirklich tollen Soundeffekten fängt dieses Spiel den Charme eines Skateboard-Spiels von damals so richtig schön ein. Die Steuerung ist intuitiv und nachvollziehbar. Drücke ich den Stick nach unten, geht mein Skater in die Hocke, lasse ich loß, führt er einen Olli (einen Sprung mit dem Board) aus. Lasse ich allerdings nicht einfach los, sondern führe eine Bewegung mit dem linken Stick dabei aus, wandele ich seinen Olli zum Beispiel in einen Flip um. Das bringt weit mehr Punkte und sieht um einiges besser aus. Sofern ich ihn denn stehe, den Trick. Das geschieht durch Drücken der X-Taste, möglichst dicht über dem Boden. Bei schlechtem Timing gibt’s wenig Punkte und toll sieht das Ganze dann auch nicht mehr aus.

Grinds, also mit dem Skateboard über ein Geländer oder ein anderes Objekt rutschen, dienen zum Verbinden dieser Tricks. Je mehr, desto besser. Richtig gespielt wird OlliOlli so zu einem Endless Grind. Das wirkt dynamisch, birgt allerdings ein Risiko. Mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad erlaubt OlliOlli schon recht früh fast keine Fehler mehr. Spätestens beim 20. Restart einer Bahn verkommt der alte Thrasher Charme auf diese Weise relativ schnell zu dem eines Smartphone Endless Runners à la Canabalt. Und dann wird es arg frustig. Zuletzt war Hotline Miami bei mir ein Kandidat auf dieser Ebene und erwirkte auf meiner Playstation 3 dadurch eine Deinstallation desselben. Anders war mein Gemüt nicht mehr zu besänftigen.

OlliOlli hat noch zwei Asse im Ärmel, um diese radikale Maßnahme zu verzögern: Der Daily Grind ist eine tolle Idee, bei der ich einen individuellen Spot üben kann, um dort dann einmal pro Tag einen “echten” Lauf hinzulegen. Mein Ergebnis, welches sich in der Online Bestenliste positioniert, ist danach nicht zu revidieren. Eine zweite Chance gibt es vor dem nächsten Tag nicht.

Außerhalb des Daily Grinds gibt es so einen ausgewählten Spot auch für jeden bezwungenen Level. Hier kann ich nach Herzenslust experimentieren und versuchen, meine persönliche Highscore zu toppen. Wünschenswert wäre noch ein S.K.A.T.E. Modus für kleine Online-Turniere. Das wäre großartig und ich erbitte eure gedrückten Daumen für diese Funktion als DLC oder Update. Und wenn wir schon dabei sind, bitte einen Modus, der die Knochenbrüche bei Stürzen zählt. Ich erinnere mich an Thrasher-Sessions, bei denen wir unsere Skater reihenweise in den einfahrenden Zug des U-Bahn-Levels gecrasht haben. Nur um zu sehen, wer die meisten Knochenbrüche hat.

Es ist früh am Morgen. Ich sitze in der Bahn und ich packe Level 4.5 mit dem siebten oder achten Versuch. Yeah! Die Freude währt nur kurz, denn das nächste Level ist auch nicht besser. Einfacher wird’s jetzt nicht mehr. Fuck!