Octodad: Dadliest Catch

Am 1. Mai 2014 in spiel

Octodad ist Familienvater zweier Menschenkinder. Octodad ist Ehemann einer Menschenfrau. Octodad ist ein Krake. Im Anzug. Das allein reicht mir schon, denn ich verstehe diese Art Humor und liebe ihn. Octodad ist aber vor allem ein Spiel, das so richtig (und nur teilweise gewollte) miese Steuerung zum Programm macht. Octodad ist also ein bisschen wie der Gegenteiltag im Videospiel-Land.

Klingt bescheuert, ist es auch.

Octodads Arm-Tentakel lenke ich mit den beiden Analog-Sticks. Irgendwie und mehr schlecht als recht. Zwei seiner Beine kontrolliere ich separat und ebenfalls mit einem Analog-Stick, indem ich mit einer der unteren Schultertasten angebe, welches davon gesteuert werde soll. Klingt bescheuert, ist es auch. Vor allem sieht es total bescheuert aus, was Segen für die Zuschauer und Fluch für mich als Spieler bringt. Während ersteren nämlich das Bier oder der Softdrink vor Lachen aus der Nase spritzt, bin ich der Doofe, der versucht, auf diese Weise Aufgaben des Alltags zu bewältigen: Kaffee kochen (und trinken), grillen, Rasen mähen.

Die automatische Kamera […] gab mir des öfteren das Gefühl, ein Krake würde mich mit acht Armen würgen.

Das tolle daran: das macht trotzdem Spaß. Zumindest anfangs. Da ist das Spiel herrlich stressfrei und Supermarkt, Eigenheim oder der eigene Garten erzeugen mit ihren lustigen Aufgaben eine herrlich seltsame Spielerfahrung, ähnlich der Formel eines Katamari Damashii: Alltägliche Dinge werden Teil eines skurrilen Spielerlebnisses. Toll. Irgendwann wird es dann zuviel. Die automatische Kamera (es ist ja kein Analog-Stick mehr über) erinnert an die Anfänge des dreidimensionalen Spiels und gab mir des öfteren das Gefühl, ein Krake würde mich mit seinen acht Armen würgen.

Ist es im ersten Teil noch komplett egal, wie blöd ich mich aufgrund der Steuerung anstelle (und was ja den Spaß des Spiels ausmacht), werde ich am Ende mit Geschicklichkeitsproben genervt, deren Grundvoraussetzungen eine ganz andere Kontrolle erfordert hätten und obendrein ärgerte mich Octodad auch noch mit doofen Rücksetzpunkten. Wenn Papa Kraken dann auch noch irgendwo hilflos hängenbleibt, hätte ich das in der ersten Hälfte des Spiel wirklich sogar noch lustig gefunden. Am Ende war diese Erfahrung der letzte Tropfen. Im Fass und in der Hose.

Blub, blub, blub murmelt was von trotzdem gut. Blub.

Trotzdem behalte ich Octodad in guter Erinnerung und trotzdem werde ich nach einer kurzen Pause bestimmt noch einmal zurückkehren und die überall versteckten Krawatten suchen, um im virtuellen Trophäen-Schrank der Playstation 4 wenigstens halbwegs gut dazustehen. Oder ich versuche mich irgendwann am Couch-Coop, wo mehrere Spieler die Extremitäten des Kraken individuell steuern können. Chaos Galore. Und danach wird aufgewischt.