Sartana: Noch warm und schon Sand drauf

Am 27. März 2011 in film

Am schönsten lässt sich ein Wochenende doch mit einem Filmabend einläuten. So geschehen am Freitag, als ich mit einem Freund zusammen vor dessen außerordentlich gut sortierter DVD-Sammlung stand und unser Blick auf die “Italo Western Collection” des deutschen Magazins “X-Rated”, bestehend aus vier Filmen, traf. “Ein Halleluja für Django” und “Django – Leck Staub von meinem Colt” klangen schon mal gut. “Knochenbrecher im wilden Westen” noch besser. “Sartana – Noch warm und schon Sand drauf” (1970) aber ist eine Tagline, die wir unmöglich ignorieren konnten. Die Wahl war getroffen und verdammt haben wir uns amüsiert!

Sartana, den die meisten wohl aus seinen Cameos in Django Filmen kennen, beobachtet einen Überfall auf eine abgelegene Hütte, bei der die Aggressoren einen faustgroßen Klumpen Gold finden. Lange darüber freuen können sie sich allerdings nicht, denn er erschießt die Bande noch am Tatort und kassiert am nächsten Tag das Kopfgeld, wobei er allerdings zur Freude des ortsansässigen Totengräbers auch für die entsprechend ordentliche Bestattung aufkommt. Die Kunde vom Gold macht in dem kleinen Nest Indian Creek schnell die Runde und so werden Abigail Benson, der Nichte des bei dem Überfall ermordeten Landbesitzers, schnell reihenweise hohe Angebote für dessen eigentlich wertloses Land gemacht. Auch Sartana, der im Kasino des Chinesen Lee Tse Tung erst den Black Jack Dealer des Falschspielens überführt und dann gegen Tung selbst beim Pokern gewinnt, bietet auf Bensons Land.

Geschichte hin, Geschichte her. Am Ende ist natürlich alles anders als man am Anfang dachte, der Totenzähler ist ordentlich angestiegen und es gibt sogar noch ein kleines Kung Fu Mini-Finale. Der Film lässt also kaum Wünsche offen. Neben dem immer wieder herrlichen Grindhouse Charme hat mich dabei vor allem die durchaus experimentierfreudige Kamera und deren stimmungsvolle Einstellungen erfreut. Schnelle Schnitte bei Schusswechseln, weite Großaufnahmen, wenn sich der Staub verzogen hat. Techniken aus dem Lehrbuch, aber auch genau das, was wir bei einem Western sehen wollen.

Es gibt aber noch einen kleinen Geheimtipp, mit dem ihr bei diesem in englisch gedrehten Film noch weit mehr Spaß haben könnt. Dann nämlich, wenn ihr ihn mit englischem Originalton und den deutschen Untertiteln aus der Feder Rainer Brandts anschaut. Letzteres ist zwar ein Verbrechen am Medium Film, wirkt aber im Kontrast zum Originalton großartig bescheuert. Worte wie “Hey, barkeeper” werden mit “Hey du sizilianischer Bierpanscher” übersetzt. In einer stilvollen ruhigen Szene, in der Sartana schweigend davonreitet, erscheint als Untertitel “Trab ab, Theo”. Und wer sich jetzt wundert, wieviel Alkohol wohl im Spiel war, damit das namenlose Pferd des Protagonisten in der deutschen Version den Namen Theo erhielt, dem sei gesagt, dass aus Miss Abigail dort prompt Jasmin wurde. Ist ja auch leichter zu schreiben. Genau wie “Gelbei” auch einfacher als “Lee Tse Tung” ist. Schon der deutsche Trailer empfängt uns mit dem schönen Satz “Möchtest du dir den Kotzbalken ins Gesicht stecken?” und nicht etwa mit der sinngemäßen Übersetzung “Möchtest du dir noch eine Zigarre anstecken?”. Wäre ja wohl auch langweilig, oder?

So wird aus dem Budget Leone mit gelegentlichem Stilbruch in der deutschen Version eine niveaulose Sprücheorgie im Stile der Spencer und Hill Filme. Eigentlich grausam, aber mit der oben genannten DVD-Einstellung im direkten Vergleich zum Original zugegebenermaßen ein Filmabend-Hit mit Freunden und Alkohol. Faszination und Schrecken, ganz dicht beieinander. Leider ist die X-Rated Spaghetti Western Box oftmals nur noch zu horrenden Preisen zu bekommen und die normalen DVD-Erscheinungen des Films entgegen der Information auf den Covern wohl dennoch geschnitten (warum auch immer). Wer aber die Chance bekommt “Sartana – Noch warm und schon Sand drauf” zu sehen, der sollte diese wahrnehmen, denn er bekommt, wie oben beschrieben, in zweierlei Hinsicht einiges geboten.