No Man's Sky

Am 12. August 2016 in prosa spiel nomanssky

Ich bin sowas von am Arsch. Das ist meine wohlüberlegte Meinung. Am Arsch. Eine Stunde nach Beginn der vermeintlich großartigsten Zeit meines Lebens setzte der Albtraum ein. Ich weiß nicht, wer dies hier überhaupt lesen wird. Vermutlich wird es irgendwann einmal jemand finden. Vielleicht in hundert Jahren.

Fürs Protokoll: Ich bin nicht Mark Watney und das hier ist nicht der scheiß Mars.

Erkunde Sterne in weit entfernten Galaxien, haben sie gesagt. Entdecke neue Planeten, außerirdisches Leben und Relikte längst vergangener Tage, haben sie gesagt. Verliere dich in der Unendlichkeit, haben sie gesagt. Jetzt hocke ich hier verloren auf dem kalten Stein eines mit irgendwie sehr unbehaglich aussehender Flora überzogenen Planeten, friere mir bei Minusgraden den Hintern ab und habe laut meines Lebenserhaltungssystems noch etwa elf Minuten, um mir den Mist hier doch noch irgendwie schönzureden. Läuft.

Mein Raumschiff ist auf diesem fremden Planeten notgelandet, hat sich dabei den Pulse- und Hyperantrieb zerstört, die Starter-Schubwerke verbogen, meinen Raumanzug beschädigt und auch sonst ist alles eher so doof. Ein Flüchtigkeitsfehler biologischen Lebens steht friedlich auf sechs Beinen neben mir und starrt wiederkäuend mit leeren Augen aus so etwas wie einem Büffel-Gesicht an mir vorbei. Es ist hässlich wie die Nacht und ich spiele mit dem Gedanken, es zu erlösen, bevor ich in ein paar Minuten selbst dahinscheide. Jeden Tag eine gute Tat und so.

Ich bringe es nicht übers Herz und schieße stattdessen auf einen wunderschönen Kristall, einfach, um irgendetwas kaputt zumachen. Mein Multi-Funktions-Blaster piept aufgeregt, als er mir mitteilt, dass er dabei wertvolle Ressourcen aus dem Kristall extrahiert hat. Ressourcen, die mir helfen können, hier rauszukommen!

Bereits einige Minuten später ist mein Lebenserhaltungssystem repariert und eine Stunde später stehe ich mit verschränkten Armen neben meinem einigermaßen wieder in Stand gesetzten Raumschiff. Neben mir furzt der sechsbeinige, hässliche Büffel und ich überlege kurz, mich in meinen Helm zu übergeben. Ich habe ihn Bob genannt. Den Büffel. Mein Finger zuckt leicht, während mein Handballen auf dem Blaster ruht.

Nachdem ich mich von Bob verabschiedet habe, bin ich mit dem Schiff gestartet, um den Planeten weiter zu erkunden. Ein riesiger Außenposten mit mehreren Lande-Plattformen empfängt mich herzlich mit viel Leere und einem außerirdischen Wesen, einem Gek, das so unglaublich hässlich ist, dass ich mir jetzt schon Bob zurückwünsche. Es spricht nicht meine Sprache. Natürlich nicht. Ich seine auch nicht. Wir handeln trotzdem und weil ich in friedlicher Absicht unterwegs bin, lächle ich freundlich, während ich ihm die Ressource, die ich Minuten zuvor im Angebot an einem intergalaktischen Handels-Terminal erworben habe, für das Doppelte weiterverkaufe. Immer freundlich lächeln! Ich mag ihn. Er bietet mir sein Schiff an. Es ist groß, schön und auch sonst ein Traum. Ja, sag ich. Eine Million Geld, sagt er. Ich hasse ihn.

Mit meinem Geld in der Tasche und immer noch in meinem alten Schiff unterwegs, erkunde ich noch einige Stunden weiter den Planeten, baue dabei kostbare Metalle und Gase ab, lerne noch mehr hässliche Tiere kennen und ich finde sogar eines dieser Relikte, die mir versprochen wurden. Und ich habe ein Wort in der Sprache der Gek gelernt: „Gek“. Fragt einfach nicht. Bitte fragt einfach nicht.

Ich verlasse den Planeten und mache mich auf dem Weg zu einer Raumstation, als ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht über das Erlebte des Tages sinniere und ich denke so bei mir: Es sah heute morgen nicht so aus, aber sie hatten recht. Das hier sollte doch noch die großartigste Zeit meines Lebens werden. Ich muss an Bob denken und stoße ein leises Kichern aus, weil ich an seine total bescheuerte Art zu gehen und die dämliche Art, wie er guckt denken muss, als eine nervöse Computerstimme mich vor herannahenden Schiffen warnt.

Händler, denke ich und freue mich darauf, meinen Frachtraum voller wertvoller Gegenstände zu horrenden Preisen feilzubieten. Scheiße, denke ich, als auf dem Monitor zur Identifikation sich nähernder Schiffe eine Piratenflagge erscheint.

Ich bin sowas von am Arsch.