Ninkyouden Toseinin Ichidaiki

Am 19. September 2014 in spiel chambara

Nach zwei historischen Fu’un Spielen (Shinsengumi, Bakumatsu Den) rund um die Meiji Restauration widmet sich Genki beim dritten Kengou-Spin-Off einem weniger rühmlichen, dafür aber nicht weniger beliebten Thema der japanischen Geschichte, den Yakuza. In Ninkyouden übernehmt ihr die Rolle eines jungen Mannes, der nach dem Einschreiten in einen Konflikt zwischen zwei Raufbolden zusammen mit diesen in die lokale Yakuzagang aufgenommen wird. Dort habt ihr die Möglichkeit, euch in der Familie und der Bande nach oben zu arbeiten, um letztendlich selbst zum Boss zu werden. Der Weg dorthin durch sieben Kapitel ist allerdings steinig, dauert Jahre und ist mit vielen Zwischenfällen gepflastert. Ninkyouden wirkt trotz des harten Milieus und einiger dramatischer Szenen nicht ganz so kaltblütig wie Light Weights Hissatsu! Ura-Kagyou, was vor allem an den immer wieder eingestreuten humorvollen Einlagen liegt, die sich meistens um euren Charakter und seine Liebe zur Tochter des Hauses Otoko drehen.

Das ansonsten recht raue Tagesgeschäft in Form von vorhandenen Missionen, erledigt ihr bei Ninkyouden diesesmal hauptsächlich auf drei verschiedene Arten. Ihr habt die Wahl zwischen normalen Missionen, Trainingseinheiten oder einem Stadtbesuch. Letzteres ist die auf den ersten Blick schwerwiegendste Änderung zu den beiden Vorgängern und stellt so etwas wie ein kompaktes Free-Roaming Gameplay dar.

Hier habt ihr die Möglichkeit, bei Tag oder in dunkler Nacht die Stadt und ihre überschaubaren Areale zu besuchen und mit deren illustren Bewohnern zu interagieren. Während ihr nämlich bei den normalen Missionen für das Weiterkommen in der eigentlich Story kämpft, steht bei den Stadtbesuchen das Gemeinwohl der Bürger ganz oben auf dem Plan. Schließlich sind Yakuza nicht jedermanns Liebling und so packt ihr die Gelegenheit beim Schopf und haltet neben ausgiebigen Shoppingtouren für Ausrüstung, Waffen und Klamotten auch nach Bewohnern Ausschau, die ein Problem zu haben scheinen. Zu erkennen ist dies an einer Sprechblase mit drei Punkten über ihren Köpfen. Sprecht ihr die Person an, erhaltet ihr eine Miniquest, nach deren erfolgreichen Abschluss die Mission sofort beendet ist und ihr hoffentlich im Ansehen der Bewohner gestiegen seid.

Euer Ansehen ist wichtig, nicht zuletzt für die Miniquest an sich. Hier geht es in erster Linie nämlich um das Lösen von Konflikten zwischen den Bewohnern, den lokalen Gangs oder den Händlern. Je höher euer Ansehen ist, desto größer ist die Chance, einer Auseinandersetzung mit Waffen zu entgehen, indem ihr euch einfach zwischen die Kontrahenten drängt und euch entblößt. Klingt komisch? Ist aber das mit Abstand beste Feature am Spiel.

Zu Beginn des Spiels wählt ihr für diesen Zweck ein Rückentattoo für euren Charakter aus. Dieses ist fortan euer Erkennungszeichen und lehrt im Verlauf des Spiels so manchen Streithahn das Fürchten. Neben dem psychologischen Effekt haben die verschiedenen Tattoos aber auch noch andere Vorzüge. So steigern einige von ihnen beim Einsatz z.B. auch die Lebensenergie von eurem Protagonisten und/oder seinen Verbündeten.

In den Free-Roaming Missionen und deren Miniquests trefft ihr früher oder später auch auf Mitglieder anderer lokaler Gangs. Mit einem geschicktem Mix aus Kommunikation, Verschreckung und Waffengewalt kann es euch dabei gelingen, diese auf euch aufmerksam zu machen. Ist dies der Fall, habt ihr daraufhin in einer normalen Mission die Möglichkeit, die Gangster für euch und eure Gang zu gewinnen. Ihr arbeitet euch nämlich nicht nur vom Fußsoldaten zum Gangboss hoch, ihr habt auch die Möglichkeit, eure Privatgarde mit diesen Rekruten weit auszubauen.

Bis ihr allerdings euer eigener Boss seid und ihr einen eigenen Namen für die Gang wählen dürft, gilt es in eben den normalen Missionen die Story voran zu treiben. Wie schon bei den beiden Vorgängern sind eure Aufgaben hier entweder die Vernichtung einer feindlich gestimmten Einheit, jemanden von A nach B begleiten, eine Stellung aufrecht zu halten oder eine solche einreißen. Verpackt ist das ganze wieder gewohnt in Massenschlachten, in denen ihr euch mit einem Team aus maximal vier Personen einer Vielzahl von Gegner gegenüberseht. Extrem: bei einer bestimmten wiederkehrenden Bonusmission muss euer Yakuza je nach Kapitel 100, 150, 200 oder gar 250 Gegner niederstrecken, den Bodycount der Mitstreiter nicht mitgerechnet, bevor euch endlich ein wichtiger Bosscharakter herausfordert und damit das Levelende in Reichweite ist. Während diese Mission im frühen Spielverlauf noch recht stressig verlaufen kann, dient sie bei ordentlich herangewachsenen Charakteren hervorragend dem Ausbilden von neuen Waffen.

Wichtig bei diesen Einsätzen ist natürlich eure Bewaffnung. Neu ist hierbei die Auswahl an Waffen, mit denen ihr in den Kampf ziehen könnt. Beschränkte sich diese beim Vorgänger auf ein Schwert und ab und an mal eine Pistole oder ein Gewehr, habt ihr bei Ninkyouden eine weit größere Auswahl. Vom Schwert, über Messer, Fächer und Lanzen bis hin zu Äxten gibt es einiges an Techniken zu erlernen.

Klar, dass ihr nicht für jede Waffe wie beim Vorgänger über 100 Techniken erlernen müsst, schließlich will man nicht immer mit der selben Waffe kämpfen. Auch müsst ihr die Techniken, die ihr erlernen wollt, nicht mehr mindestens einmal gesehen, bzw. erfolgreich gekontert haben. Es reicht der stetige Einsatz der Waffe, um diese aufzuleveln und neue Angriffs-, Verteidigungs- und Kontertechniken zu erlernen. Ebenfalls überarbeit wurde die Einsatzmöglichkeit der Waffen. Zwei von drei Schächten stehen euch zur freien Verfügung, die ihr mit zwei Waffen eurer Wahl bestücken könnt. Doppelbelegungen sind nicht möglich. Der dritte Schacht ist grundsätzlich der waffenlose Kampf mit Fäusten und Füßen. Dies summiert sich zu drei verschienen Angriffsmöglichkeiten. Welche der entsprechend erlernten Technik die jeweilige Waffe beim Druck auf die Kreistaste ausführen soll, bestimmt ihr nach wie vor selber. Sämtliche Verteidigungsmöglichkeiten werden vom Spiel allerdings selbst bestimmt. Erlernt ihr hier eine neue Technik ist dies immer eine weiter ausgebaute Version des Vorgängers und sie wird automatisch ersetzt. Kontert ihr z.B. einen Stich im Frühstadium des Spiels noch mit einem Schlag, lasst ihr später zwei oder drei Schläge auf euren Kontrahenten niederprasseln.

Das Kampfsystem im eigentlichen Spiel hat sich im Vergleich zum Vorgänger nicht allzu viel verändert. Nach wie vor greift ihr mit der Kreistaste an, brecht die Haltung eures Gegners mit Viereck auf und blockt Angriffe mit der X-Taste. Mit Dreieck wird nach wie vor die Truppe kommandiert, Teamattacken ausgeführt oder ihr entledigt euch bei entsprechend aufgeladener Leiste eueres Oberteils und gebt den Blick auf euer Tattoo frei. Neu ist die Möglichkeit, im unbewaffneten Zustand einen Gegner von hinten zu packen und einen Mitstreiter mit der Dreiecktaste dazu aufzufordern, diesen zu schlagen. Fair ging es bei der Serie ja noch nie zu.

Ein bisschen altbacken wirkt dieses Kampfsystem mittlerweile aber schon. Viel hat sich seit dem ersten Teil der Serie nicht getan, und wenn man bedenkt, dass sich sogar der Ursprung der Engine, die Kengou Serie sich dieser in der vorliegenden Form bereits entledigt hat, fragt man sich wirklich, warum sie hier nochmals wiederbelebt wurde. Selbst das relativ simple aber dennoch durchdachte Kampfsystem von Hissatsu! Ura-Kagyou aus dem selben Haus, wirkt wesentlich frischer und man erkennt, dass sich dort weit mehr Gedanken über den eigentlich Kern der Spiele, nämlich das Kämpfen gemacht wurden. Hier sollte Genki grundlegende Änderungen vornehmen, bevor sie einen weiteren Spross ins Rennen schicken.

Zwischen den Missionen kontrolliert und organisiert ihr euch und eure Gang mit den gewohnten Menüpunkten. Hier könnt ihr schlafen, oder, sofern ihr nicht verheiratet seid, Trinken gehen, um Energie aufzutanken. Ihr bestückt euch und eure Mitglieder mit erworbenen Items, kleidet euch mit gekauften Klamotten neu ein oder gestaltet im Waffenmenü eure Angriffsmöglichkeiten um. Wer mit Missionen genug Geld verdient hat, kann sich auch ein neues Tattoo machen lassen.

Wer knapp bei Kasse ist, oder wem noch ein paar Ryo zum neuen Schwert fehlen, das einen bei der alten Omaki, der Händlerin im Dorf, so schön angelächelt hat, der hat neben den Missionen auch die Möglichkeit, an bestimmten Tagen am Chô-Han, dem Würfelglücksspiel teilzunehmen. Mit ein wenig Glück könnt ihr euer Vermögen auf diese Weise vervielfachen. Aber wie Glücksspiele so sind, kann das ganze auch nach hinten losgehen und der Pleitegeier kreist über euren Köpfen. Wer viel Geld gewonnen hat, der bekommt ab und an auch mal Besuch von Diebesgesindel. War dies der Fall, wird euch das glücklicherweise in einer Art Spezial Event sofort mitgeteilt und ihr habt die Möglichkeit, den Dieb in einer Spezialmission zu stellen und euch eurer Geld wiederzuholen.

Waren die beiden Vorgänger bis auf ein, zwei unglückliche Schleicheinlagen weitgehend frustfrei, so wartet Ninkyouden spätestens beim Endkampf im ersten Durchgang mit einem diesbezüglichen Rekordfaktor auf. Bis dahin kommt es eher selten zu solchen Eskapaden, obwohl es auch wieder zwei nervige Schleichlevel gibt und den ein oder anderen Kampf, bei dem ihr euch alleine einem Haufen Gegner gegenüber seht, die erstaunlich gut darin sind, euch einzukreisen und von beiden Seiten gleichzeitig anzugreifen.

Grafisch hält Ninkyouden mehr oder weniger den Standard der Vorgänger, wenn auch deren teilweise wunderschöne Aussichten so wie die Wettereffekte diesesmal leider komplett fehlen. Das schreckliche Cover lässt ein eher quietschbuntes Abenteuer erwarten, im eigentlich Spiel hält sich das aber glücklicherweise in Grenzen. Im Gegenteil, die Präsentation ist wesentlich dynamischer und im Großen und Ganzen sehr gut gelungen, was nicht zuletzt an der interessanten Musik liegt. Hier wechseln sich traditionelle Klänge mit harten Gitarrenriffs ab, die teilweise sogar in Richtung Punk abdriften.

Wem der dennoch bunte Look des Protagonisten missfällt, der zieht los und besorgt sich tristere Kleidung oder bedeckt dessen zart besaitetes Gesicht mit einer fürchterlichen Maske. In Sachen Charakterpersonalisierung hat das Spiel wirklich einiges zu bieten. Neben Kleidern aus vier Kategorien dürft ihr eurem Helden auch ein Item anstecken. Hier gibt es vom Musikinstrument über einen Schildkrötenpanzer bis hin zum Banner vieles, was das Designerherz begehrt. Freunde des seichten Humors verpassen dem Yakuza einen falschen Bart oder ziehen ihm eine süße Handpuppe über. So kann manch erschreckender Szene erfolgreich die Dramatik genommen werden.

Neben den sichtbaren Gegenständen gibt es im Dorf aber auch nützliche Items zu kaufen, die euren Status verbessern. Ein Talisman verleiht euch z.B. mehr Kraft oder erhöht eure Lebensenergie. Im Gegensatz zu den Kleidern und den Ansteckitems könnt ihr diese Sachen auch auf eure persönliche Garde anwenden. Schließlich verlängert man auch das eigene Leben, wenn man das der Bodyguards verbessert.

Alles in allem fühlt sich Ninykouden vom Spielablauf her wesentlich flüssiger an als die Vorgänger. Für Abwechslung ist gesorgt, da man sich auch mal eine Auszeit von der Story nehmen und sich der Personalisierung des Hauptcharakters oder dem Rekrutieren von Gefolgsleuten widmen kann. Jäger und Sammler kommen erstmals in der Serie richtig auf ihre Kosten und erfreuen sich am hohen Wiederspielwert dank der enormen Anzahl an Waffen und Items. Das alles wird außerdem noch von einem leicht dynamische Storystrang abgerundet. Hätte Genki den Kern des Spiels, die Kampfmechanik noch mal in die Werkstatt geschickt und diesbezüglich etwas Neues gezaubert, hätte es ein heimlicher Superhit werden können. Ein Überraschungshit für Genrefans ist es aber trotz allem und definitiv der Höhepunkt der Serie.