Naked Lunch

Am 10. Juli 2014 in film

Als ich Anfang der Neunziger Jahre im Begriff war, das Kino zu betreten, in dem ich die beiden Filme Delicatessen und Naked Lunch in einem Doppel-Feature sehen sollte, wusste ich noch nicht, dass sich mein Filmgeschmack danach um 180 Grad wenden würde. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies die normale Reaktion vieler Kinogänger auf diese Filme war, allerdings in unterschiedliche Richtungen. Entweder diese Erfahrung fesselte einen, wie in meinem Fall, fortan an das Arthouse Kino oder man leugnete zukünftig schlicht die Existenz dieses Genres und lenkte sich ausnahmslos mit Mainstream-Kino ab.

War bei Jeunets und Caros Delicatessen keinerlei besondere Vorgeschichte seitens des Zuschauers nötig, diesen Film auf einer künstlerischen Ebene zu mögen und zu verstehen, war doch bei Cronenbergs Naked Lunch zumindest eine Sache Bedingung: Man musste in irgendeiner Weise schon einmal Kontakt mit einer bewusstseinsverändernden Droge gehabt haben, um auch nur im Ansatz zu begreifen, nicht etwa was hier geschieht, sondern warum man daraus einen Film macht.

Heutzutage sind exzessive verstörende Filme, gerade im Bereich des Horrors, keine Seltenheit mehr, aber Anfang der Neunziger kochte Cronenberg hier noch ein Süppchen, das damals noch so manchem deutlich zu scharf war. Und so ein bisschen kam dieses Gefühl bei mir auch bei der erneuten Sichtung wieder hoch. Peter Wellers großartige Darstellung des weggeschossenen Junkies, die ganz leicht überzeichnete, bunte Welt, die ihm als Bühne dient und das extreme, ja auch heute noch verstörende Kreaturen-Design macht diesen Film immer noch, so oder so, zu einem echten Erlebnis.

Die Zeit war gnädig mit Naked Lunch. Er ist trotz, oder vielleicht auch gerade wegen des Einsatzes von viel Mechatronik in unserer von Computeranimationen übersättigten Zeit immer noch toll anzusehen. Und ich habe immer noch das Gefühl, dass man mit William S. Burroughs ganz gut feiern konnte. Sofern man nicht derjenige war, der beim Wilhelm Tell spielen das Glas auf dem Kopf stehen hatte.

Toller Film für die Katerstimmung nach einer großen Sause, bei dem man sich gleich viel wohler fühlt, weil alles viel, viel schlimmer hätte kommen können.