Monsters

Am 15. Oktober 2010 in film

Außerirdische haben schon seit Längerem wieder Saison im Kino. Seit Cloverfield auch wieder mit Stil. Diesen Monat ist Gareth Edwards Beitrag “Monsters” zum Trend regulär in unseren Kinos angelaufen, nachdem er dieses Jahr bereits auf dem Fantasy Film Fest begeisterte. Der Grund warum er das tut, müsste für einen Film dieser Art eigentlich ein Widerspruch in sich sein.

Der Fotograf Andrew Kaulder hat die Aufgabe Samantha Wynden, die Tochter seines Chefs, aus Mexico zurück in die Vereinigten Staaten zu bringen. Eigentlich kein Problem, denn er spürt diese bereits zu Beginn des Films in einem Hospital auf. Dummerweise ist die Erde seit einiger Zeit aufgrund eines NASA-Zwischenfalls Heimat großer außerirdischer Lebensformen, die sich unglücklicherweise sehr gut an ihren neuen Lebensraum angepasst haben. Um zurück in die USA zu gelangen, bleibt den beiden nach einem Zwischenfall nur der Landweg durch die sogenannte infizierte Zone, ein eingezäuntes Gebiet nahe der mexikanischen Grenze, in dem sich besonders viele der uneingeladenen Erdbewohner tummeln.

“Monsters” funktioniert über weite Strecken so ungewohnt gut, weil er einfach zu keiner Zeit großartig übertreibt. Hier wird dem Zuschauer nicht der Kopf der Freiheitsstatue um die Ohren geworfen, es hängen keine Mutterschiffe wie fliegende Großstädte in den Wolken und es springen auch keine CGI-Kreaturen mit Schock-Effekten auf die Protagonisten zu. Monsters ist ein ruhiger Film und doch steht das Gefühl der Angst und der Gefahr stetig spürbar im Raum. Das hat ein in diesem Zusammenhang wunderbares Phänomen zur Folge: der Film ist glaubhaft. So unwahrscheinlich das klingen mag, Monsters zeigt wohl die realistischste Art einer Invasion durch extraterrestrisches Leben. Und das sorgt für herrlich beklemmende Angst.

Und dabei beschränkt sich der Film gar nicht bloß auf die Gefahr durch die neuen Lebewesen, sondern scheut sich diesbezüglich auch nicht, den Moralapostel der Natur raushängen zu lassen. Das gabs bei Monsterfilmen auch schon in der Vergangenheit, kann in diesem Falle aber gar nicht oft genug propagandiert werden, bedenkt man eine Schlüsselszene gegen Ende des Films, in der Ästhetik und Bizarres aufeinandertreffen und einen sehr interessanten filmischen Moment ergeben. Außer in ihrer Ausführung ist diese Szene leider wenig überraschend, verteilt Edwards doch die gesamte Zeit bis zu besagter Szene diesbezüglich Hinweise mit dem Zaunpfahl, meist frontal in unser Gesicht. Weniger spannend macht das den Film aber nicht, also was solls.

Dessen mutigen Art, den Zuschauer nicht einhundert Minuten mit dem Abschaum des Universums zu konfrontieren, sondern die Angst vor dem Unbekannten vor allem durch dessen Abwesenheit zu schüren, steht lediglich ein Wermutstropfen entgegen: Die optische Darstellung der Monster an sich. Was in krisseligen, verzerrten Fernsehbildern zu Begin des Films verstörend wirkt und zur angespannten Atmosphäre beiträgt, entzaubert sich schneller als ein schlechter Kartentrick, wenn die Wesen gestochen scharf über die Leinwand spazieren und dabei jedes Klischee inklusive wuselnden Tentakeln erfüllen. Das passt so gar nicht zur Weniger-ist-mehr-Devise des restlichen Films.

Zum Glück ist eben dieser Rest so stark, dass es auch nur ein Wermutstropfen bleibt und wir dennoch einen guten und vor allem für das Genre wichtigen Filmbeitrag genießen dürfen. Ob das die Masse der vorweihnachtlichen Kinobesucher so sieht, wage ich an dieser Stelle mal zu bezweifeln. Also schaut euch diesen Film an, bevor ihr erst wieder ein halbes Jahr auf die DVD und Blu-Ray warten müsst. Es lohnt sich.