Metal Gear Solid V: Ground Zeroes

Am 18. April 2014 in spiel

In einer idealen Welt bin ich gerade als “Big Boss” alias Kiefer „24” Sutherland an meinem Einsatzort angekommen. Hui! Ich jage meine Spielfigur durch Büsche, vorbei an Wachleuten, die in der gleißenden Sonne ihre Pfade abwandern. Ich spioniere unbemerkt aus schattigen Ecken heraus meine Ziele aus. Zwei Ex-Marines, die sich keine Freunde beim Militär gemacht haben. Sie sind bis an die Zähne bewaffnet und von Leibwächtern umgeben. Ich treibe sie auseinander, indem ich mit leeren Magazinen Geräusche mache und schalte sie leise und gezielt einen nach dem anderen mit Spocks Würgegriff aus. Mit zwei schallgedämpften Schuss aus meinem Scharfschützen-Gewehr erledige ich den Auftrag, verschwinde unbemerkt in Richtung Klippen und lasse mich mit dem Hubschrauber von Kollege Morpho evakuieren. Big Boss ist trotz seines bescheuerten Codenamens ein Profi. Ich bin ein Profi!

In der realen Welt geht mein Plan genau bis zum zweiten, feindlichen Soldaten auf. Der entdeckt den ersten, den ich gerade, leider nicht fachmännisch genug, entsorgt habe. Es gibt ein Blutbad, aus dem mein hastig umherirrender Big Boss gerade noch so herauskommt. Ich lasse ihn die nächsten Wachen sicherheitshalber aus der Distanz erschießen. Uncool, aber wirkungsvoll. Und gar nicht so einfach, denn ein Scharfschützen-Gewehr habe ich noch gar nicht freigespielt. Irgendwo explodiert etwas Großes, woraufhin auch noch der letzte Gegner auf der Karte aufgescheucht ist. Die Basis verrät mir über Codec, dass ich mich jetzt sputen sollte, will ich mein Ziel noch erreichen. Big Boss rennt. Ich hetze ihn gnadenlos über die halbe Karte in Richtung Ziel. Das hat mittlerweile gemerkt, dass etwas nicht stimmt und ist bereits auf der Flucht. Ich lasse Big Boss in einen gepanzerten Wagen einsteigen und Gas geben. Aus Anschleichen ist Überfahren geworden. Aus Spocks Würgegriff wurden 35 Millimeter Geschosse aus dem Bordgeschütz des Panzerwagens. Das Chaos ist perfekt. Ein Kugel trifft den Jeep des flüchtenden Ex-Marines. Beide gehen in Flammen auf. Und Big Boss läuft wieder. Läuft, als wäre der Teufel hinter ihm her. Kugeln zischen links und rechts vorbei, bis er endlich die Klippen erreicht, von wo ich ihm einen Helikopter rufe. Aus dessen Inneren schieße ich noch ein paar Abschiedssalven in die aufgebrachte Menge am Boden. Stealth ist was anderes.

Aber die Missionen bei Metal Gear Solid V Ground Zeroes soll ich immer wieder spielen, immer mehr freispielen und mit der Zeit immer besser werden. Das rechtfertigt die 20 Euro, die ich für die Playstation 3 Fassung gezahlt habe durchaus. Auch, wenn die Fox Engine dort bei extremer Action auf dem Zahnfleisch über Sandpapier läuft.

Dieser leichte Anflug von GTA-Mach-was-du-willst steht Metal Gear aber richtig gut!

Die Karte des Spiels, die als Grundlage für alle Missionen dient, ist der neue Spielplatz im Metal Gear Universum. Fahrzeuge, schweres Geschütz und fast 30(!) positionierte Gegner laden dazu ein, verschiede Lösungswege auszuprobieren. Das endet nicht immer solide oder gar konventionell, aber oft durchaus interessant. Außerdem wurde Metal Gear endlich stromlinienförmiger gemacht. Big Boss lässt sich angenehmer steuern, die Kommunikation über das Codec stört nicht mehr den Spielablauf, sondern ist direkt in die Spielmechanik integriert und vorsichtige Aufklärungsarbeit wird mit dauerhafter Markierung eines Wachposten belohnt.

Am Ende einer Mission wird ausgewertet. Warum mir da eine der besten Spielerfahrungen in einem Schleichspiel mit Strafpunkten kaputt gemacht wurde, weil ich mit 80 Minuten (ich habe sorgfältig alles und jeden ausspioniert) weit über der offensichtlich noch zu belohnenden Zeit lag, weiß wohl nur Hideo Kojima selbst. In einem Schleich-Spiel sollte ich mir immer soviel Zeit lassen dürfen wie ich mag, denn je länger eine Mission dauert, desto besser ist die Spielerfahrung. Bei Ground Zeroes muss ich mich abhetzen, um dafür dann mit guten Waffen belohnt zu werden und das ist schade.

Das ist ein schwerwiegender Punkt für mich, aber dennoch: Ground Zeroes macht Lust auf mehr. Bis zum Hauptspiel muss ich aber noch an der Form meines Big Boss arbeiten. Der ist noch nicht so ganz auf dem Dampfer. Das letzte Metal Gear Solid ist mit Teil Drei für mich aber auch schon etwas länger her.