Marvel's Luke Cage

Am 19. Oktober 2016 in serie

So richtig gebinget haben wir Luke Cage bei uns zu Hause jetzt nicht. Erst gestern flimmerte die letzte Episode von Marvels jüngster Netflix-Show bei uns über den Bildschirm. Das hatte ich anders erwartet. Die Medienpräsenz des afroamerikanischen Hero for Hire im Vorfeld der Ausstrahlung gehört in einer Zeit, in der es leider immer noch nötig ist, mit Hashtags darauf hinzuweisen, dass schwarze Leben nicht egal sind, zum aktuell vielleicht wichtigsten TV-Phänomen nach Buz Luhrmans „The Get Down“.

Aber irgendwie hatte ich nach der schwachen Jessica Jones Staffel wohl etwas mehr als nur ein Casting-Statement erwartet. Wie bei der Kollegin hatte ich auch bei Luke Cage das Gefühl, dass vier Episoden weniger aufgrund einiger Längen deutlich mehr gewesen wären. Bevor das Ganze allerdings in einer Käsigkeit, irgendwo zwischen Ghetto-Pathos und Rocky Balboa, nahezu zum Erliegen kommt, gibt es immerhin einen dicken Knaller-Twist, ein paar ganz interessante Schauspieler und einen ganz hervorragenden Soundtrack.

Und Rosario Dawson, deren Rolle als Claire Temple im besten Fall als unglücklich zu bezeichnen ist. Schließlich ist sie ausgerechnet für den stärksten Menschen Harlems zu gefühlt 90 Prozent Babysitter und zu 10 Prozent Love Interest und das wohl auch nur, weil Jessica Jones für diese Staffel nicht verfügbar war. Ich bin mir mittlerweile leider ziemlich sicher, dass auch der gnadenlose Punisher in seinem Solo-Auftritt bei Netflix abwechselnd von Selbstzweifeln und Schüben einer Midlife-Krise so sehr geplagt wird, dass er ständig Zuspruch benötigt. Bestimmt von Claire Temple.

Wilson Fisk und Killgrave haben die Latte der Marvel-Oberschurken über die Grenzen des Fernsehens hinaus so hoch gehängt, dass da für mich wohl lange nichts mehr rankommt, und daran ändert auch der Antagonist in Marvel’s Luke Cage nichts. Warum der seine letzte Würde ausgerechnet an seinem Kostüm verlieren muss, wo sich zuvor sogar noch über das klassische Kostüm Cages lustig gemacht wird, kann ich leider nicht so ganz nachvollziehen.

Unterm Strich bleibt bei mir wohl nur Theo Rossis wirklich großartige Figur des Herman „Shades“ Alvarez hängen. Und der ein oder andere Song des Soundtracks in meiner Musikbibliothek. Irgendwie freue ich mich aber trotzdem schon auf „Iron Fist“, die nächste Netflix-Serie Marvels. Wahrscheinlich der selbe Effekt, der mich auch weiter Marvel-Filme schauen lässt: Die Vervollständigung des großen Ganzen in vielen kleinen Teilen.

Und nein, „Käsigkeit“ ist kein echtes Wort, aber ganz sicher die beste Übersetzung von „Cheesiness“, die es gibt.