Marvel's Iron Fist

Am 8. April 2017 in serie

Update: Wir haben uns mittlerweile zur sechsten Episode durchgekämpft, was mindestens so schleppend ist, wie die Choreografie der Kampfsequenzen selbst. Gastregisseur RZA, der ja schon einmal eindrucksvoll bewiesen hat, dass eiserne Fäuste nicht ganz so sein Metier sind, hätte aus Episode Sechs ein zünftiges Mortal Kombat Turnier, ein richtiges Spektakel machen sollen und damit der Serie so endlich mal eine Daseinsberechtigung zuteil werden lasen, aber nein. Es sollte bloß eine lauwarme Aneinanderreihung unspektakulärer Kämpfe mit abenteuerlich dilettantischem Direct-to-video Look sein, die jegliche Art von Kreativität und auch nur den kleinsten Hinweis auf so etwas wie ein Budget vermissen lassen. Na so nicht. Wir steigen hier erstmal aus.

Original-Text vom 20. März 2017: Der Internet-Hassmob scheint sich nach Monaten endlich von „No Man’s Sky“ abgewendet zu haben. Nur noch ein paar Gehirne auf Sparflamme geben hier und dort noch ihren unqualifizierten Senf ab. Der Rest ist dazu übergegangen, „Mass Effect: Andromeda“ und „Marvel’s Iron Fist“ zu diffamieren. Dem Protagonisten der eisernen Faust wird dabei vorgeworfen, weißgewaschen zu sein, was in Hollywood trauriger weise auch 30 Jahre nach einem zum Inder geschminkten Kaukasen im Film „Nummer 5 lebt“ immer noch Praxis ist und bei Gelegenheits-Idioten wie Ridley Scott sogar immer noch als selbstverständlich gilt. Nun kann man sich natürlich darüber streiten, ob jetzt ausgerechnet einem kaukasischen Comic Helden vorgeworfen werden kann, dass er nicht von einem asiatischen Schauspieler dargestellt wird, bloß, weil er gut Kung-Fu kann. Zusätzlich reden wir hier von einem Genre, in dem Whitewashing in ziemlich genau 99 Prozent der Fälle, von Chris Farley bis Michael Dudikoff, immer in einer mal mehr oder mal weniger großen Katastrophe endete, und nur genau ein einziges Mal, und dann mit David Carradine in der Hauptrolle funktioniert hat. Man darf sich also darüber streiten und wird das auch noch lange tun, aber eins kann ich nach drei Folgen der neuen Netflix-Serie bereits jetzt sagen: Das hier ist allemal unterhaltsamer als Schnarchnase Jessica Jones und Post-Cottonmouth Luke Cage zusammen. Natürlich ist da für mich noch alles offen, und wenn sich die nächsten Tage herausstellt, dass es doch noch in die Hose geht, dann liegt es sicherlich daran, dass hier wieder bloß der Weg für die Defender geebnet werden musste. Oder an Claire Temple. Beides ist wahrscheinlich. Ich bleibe dran.