Lost River

Am 13. April 2015 in film

Ryan Gosling hat eine Zeit lang gefühlt einmal alles gespielt und dann gerade noch rechtzeitig auf die Bremse getreten, als nur noch Superhelden übrig waren. Verabschiedet hat er sich mit seiner Rolle in Nicolas Winding Refns Only God Forgives. Das haben ihm einige leicht übel genommen. Jetzt ist er wieder da. Demnächst wieder als Schauspieler und vorab mit seinem Regie- und Drehbuch Debüt Lost River.

Lost River mag ich, weil er wie Jim Jarmuschs großartiger Only Lovers Left Alive die verlassene, ausgebrannte Umgebung Detroits als Bühne für ein düsteres Märchen in Zeiten des Verfalls nutzt. In Goslings Geschichte steht allerdings nicht leicht morbide Romantik sondern Hoffnungslosigkeit, Gewalt und Perversion im Vordergrund.

In diesem Sud erzählt er das Schicksal seiner Pro- und Antagonisten, die, aus unterschiedlichen Beweggründen, Gefangene dieser traurigen Welt sind. Das ist mitunter erschreckend und zu einem geringen Teil auch abartig, dann aber auch wieder wunderschön und oft audiovisuell poetisch.

Bestimmt schwingt hier die Angst mit, ob Gosling nun ganz der Schüler Refns ist. Ganz sicher ist er das zu einem gewissen Teil, aber mit einer deutlichen, eigenen Handschrift und einem Debüt, das sich nicht klar mit irgendeinem Werk des Meisters vergleichen lässt. Ich für meinen Teil würde mich jedenfalls freuen, wenn Lost River nicht das einzige Werk aus der Feder Ryan Goslings war.