Lost Planet 2

Am 19. Mai 2010 in spiel

Ihr habt das Zeug zu einem echten Piraten? Euch macht weder eisige Kälte noch sengende Wüstensonne wirklich was aus, ihr fühlt euch auf dem Grund des Ozeans pudelwohl und in der Schwerelosigkeit des Weltalls kommt ihr erst so richtig in Fahrt? Dann heuert an, Mannen. Es geht nach E.D.N. III. Ein Planet, der vor kurzem noch aus einer meterhohen Schicht aus Eis und Schnee bestand und seit neuestem an allen Ecken und Kanten grünt, blüht und an manchen Plätzen auch mit Temperaturen jenseits der 60 Grad Celsius aufwarten kann. Ahoi!

Der Grund für die hitzespendende Klimakatastrophe auf dem fernen Himmelskörper sind hier mal nicht Feinstaub und Treibgas, sondern riesige, insektoide Akriden, die in den Kategorien A, wie “ach Gottchen” bis G, wie “Ganz schön groß” vertreten sind und mit ihrem körpereigenen Kreislauf aus Thermalenergie den Planeten so richtig aufgeheizt haben. Ganz recht, da müssen schon sehr große Exemplare vorhanden sein und ja, das sind sie. Rund um den thermalen Brennstoff und die mittlerweile unzähligen Piratenbanden auf E.D.N. III hat Capcom eine feine Geschichte gestrickt, die sich dem Spieler deshalb so geschickt präsentiert, weil er nicht immer den selben Protagonisten spielt, sondern den Kampf um den Planeten aus der Sicht vieler Parteien miterlebt. Das sorgt für nette Abwechslung und spontane Jubelschreie, wenn am Ende alles zusammenläuft. Bis dahin gilt es aber sechs Episoden zu meistern und das wenn möglich mit dem ein oder anderen menschlichen Mitspieler. Zu zweit via System-Link und maximal zu viert online könnt ihr euch in das Getümmel stürzen. Fehlende Mitspieler werden durch Bots ersetzt, die euch zwar hier und dort unterstützen, aber keinen Preis für eine hervorstechende künstliche Intelligenz gewinnen können. Auf einem Schwierigkeitsgrad über “Leicht” werdet ihr alleine schon bald das Verlangen verspüren, eure computergesteuerten Mitspieler an die Akriden zu verfüttern. Schade, denn wenn das Spiel diese Möglichkeit anbietet, hätten die Entwickler auch dafür Sorge tragen müssen, dass die KI bei einem Einzelspieler-Modus entsprechend mithalten kann.

Im Spiel geht es vor allem darum, die überall positionierten Datenpfosten zu erobern und zu aktivieren, um die Umgebung zu scannen und unserer Basis Informationen über den Feind zukommen zu lassen. Um das zu bewerkstelligen zählt nur eins: Firepower. Die liegt in Form von Wurf-, Nah- und Fernwaffen überall herum und lädt uns ein, feindlichen Piraten und Akriden ordentlich eins auf den Pelz zu geben. Reicht eine Maschinenpistole mal nicht aus, bedienen wir uns bei Exo-Skeletten diverser Größe oder bauen deren Waffen ab. Das war schon beim ersten Lost Planet beeindruckend und das ist es immer noch. Die leichte Trägheit der Spielfiguren mag zwar im Anbetracht einiger Stresssituationen ein Handikap sein, gibt uns aber das einmalige Gefühl, eine bis an die Zähne bewaffnete Kampfmaschine zu sein. Wenn wir dann zu viert einen haushohen Akriden bearbeiten ist Heavy Metal angesagt: ein Spieler nimmt aus der Ferne den Kern des Monsters mit einem Raketenwerfer aufs Korn, zwei Spieler schießen auf Schwachstellen, wie Beine und Arme und der vierte bringt sich in Position um dem Untier ins Maul zu springen und in seinem Inneren zu wüten. Oder ihr bildet Teams und geht noch taktischer vor, indem einer von euch einen Schild zur Deckung bedient. Lost Planets Spielmechanik ist enorm tief und immer wieder überraschend. All das erlebt ihr in dicht bewachsenem Dschungel, kargen Wüsten, unter Wasser, im Weltraum, auf Zügen und so weiter und so fort. Als vorgezogenen Höhepunkt müsst ihr an einem Punkt des Spiels sogar ein riesiges Wüstenkampfschiff kapern. Sozusagen eine Interpretation der traditionellen, riesigen Raumbasen, wie sie die R-Type-Shooter-Serie beinhaltet. Aber Lost Planet 2 geht was die Inspirationen der Entwickler angeht noch weiter: sie haben sich bei allem bedient, was filmtechnisch im Science Fiction Bereich Rang und Namen hat. Und deshalb fühlen wir uns hier auch so richtig wohl.

Ist das Spiel erstmals beendet, habt ihr fortan die Wahl, mit einer der fünf Charakterklassen die Episoden erneut zu spielen, um die entsprechende Klassen aufzuleveln und sie zu personalisieren. Denn erlegte Akriden und feindliche Piraten bringen Geld und Geld verprasst der echte Pirat natürlich im Glücksspiel. Denn obwohl neue Kleidungsstücke und vereinzelt auch ein paar Waffen über eure stetig steigende Erfahrung erspielt werden, ist die einzige Möglichkeit an weitere Waffen, Posen und neue Fähigkeiten zu kommen eine Art Einarmiger Bandit, der eure Kohle schluckt wie Wasser, überwiegend aber nur Nieten ausspuckt. In Form von nutzlosen Kampfnamen für euren Recken. Nichtsdestotrotz ist das Personalisieren im späteren Verlauf des Spiels ein großer Motivator. Schließlich dürft ihr ab Level 80 sogar Kleidungen anderer Klassen an eurem Piraten anprobieren. Bis dahin sind aber einige Durchgänge nötig. Bei der Gelegenheit könnt ihr euch dann auch mit Hilfe einiger Freunde daran versuchen, die vielen individuellen Co-op Auszeichnungen für bestimmte Verhaltensweisen in den Missionen zu bewältigen. Ihr seht, es gibt einiges zu tun, auf E.D.N. III. Schöner war das moderne Piratenleben noch nie.