London

Am 21. Februar 2008 in film jasonstatham

In der Tier- und Pflanzenwelt dient ein grell gefärbtes, auffällig geflecktes Kleid der Abschreckung. In der Welt der Filme tut dies die deutsche Tagline. Kein halbwegs gesunder Mensch würde je auf die Idee kommen, sich „London – Liebe deines Lebens”, auf DVD auszuleihen. Und da komme ich ins Spiel. Ich bin bekennender Jason Statham Fan. Nicht wegen seines Aussehens, sondern wegen seines Dialekts. Früher oder später wäre ich also nicht um den Film herumgekommen, denn sprechen tut er hier viel. Immerhin handelt es sich bei dem Werk nicht um eine seichte Liebeskomödie, wie sich anhand des deutschen Titels vermuten lässt, sondern um einen Dialogfilm.

Die Geschichte ist einfach und erfüllt ihren Zweck, eine Basis für die Fülle an Dialogen zu bieten: Syd (Chris Evans) ist ein heruntergekommener Dreißiger, der sich den Tag mit Pillenschlucken, Grasrauchen und Alkohol vertreibt. Zumindest seit sich seine Freundin London (Jessica Biel) von ihm getrennt hat und sein Leben damit komplett aus der Bahn geriet. Als er erfährt, dass seine Ex-Freundin eine Abschiedsfeier gibt, fasst er den Entschluss sich selbst auf die Party einzuladen und noch ein letztes Mal mit ihr zu reden.

Natürlich nicht ohne Drogen und so verabredet er sich mit dem Dealer Bateman (Jason Statham) in einer nahegelegenen Kneipe. Beim gemeinsamen Testen der Ware bricht zwischen Bateman und Syd das Eis. Er überredet den Dealer, auf einen Drink mit ihm die Party zu stürmen. Gesagt getan. Die Festivität, die in dem Luxusapartment der Eltern einer guten Freundin von London steigt, hat aber noch gar nicht begonnen und weder London noch irgendwelche anderen Gäste haben sich zu diesem Zeitpunkt eingefunden. Syd und Bateman begeben sich daraufhin, bewaffnet mit alkoholischen Getränken und einem guten Kilo Kokain in das luxuriöse Badezimmer der Besitzer im Obergeschoß der Wohnung, um sich für die nächste Stunde des Films in rekordverdächtigen Intervallen Drogen durch die Nase zu ziehen und dabei von ihren Problemen zu erzählen.

Regisseur Hunter Richards spreche ich für sein Debütwerk meinen vollen Respekt aus. Nicht nur, dass er es geschafft hat, einen recht unkonventionellen Film geschaffen zu haben, es ist ihm auch noch die ein oder andere technische Finesse gelungen. Denn während sich der Zuschauer auf die, zugegebenermaßen nicht immer tiefen, Dialoge konzentriert, halten ihn zum einen die gewiefte Schnitttechnik der Retrospektiven und zum anderen die scheinbar mehrdimensionalen Bilder, die Richards im rundum verspiegelten Badezimmer festhält, bei der Stange. Mehr als einmal spielt er mit den Spiegelbildern und bezieht sie subtil in die Kamerabewegungen mit ein.

Und so wird London zu einem kleinen aber feinen Filmgenuss. Vielleicht nichts für die Primetime am Wochenende, aber an verregneten Abenden dafür umso sehenswerter.