Logan

Am 5. März 2017 in film noir

Seit fast zwei Jahrzehnten mimt Hugh Jackman nun schon den Wolverine und seltsamerweise funktionierte das immer dann am besten, wenn er als Teil der X-Men unterwegs war. Dort rettete er dann nicht nur die Welt, sondern auch mal den ganzen Film, was ihm solo in zwei Wolverine-Teilen nie wirklich gelingen wollte. Eigentlich ein Widerspruch, bedenkt man, dass er nie so der große Teamplayer war und oft nur widerwillig oder unter Protest seinen Platz in den Reihen der X-Men einnahm.

James Mangold, Regisseur des dritten Wolverine Films „Logan“, verlässt deshalb konventionelle Pfade und inszeniert ein wundervoll brutales Road Movie in einer fast mutantenlosen Zukunft, das die Ära Hugh Jackmans als Wolverine so stilvoll beendet, als wäre es Mickey Rourke in „The Wrestler“. Dass Mangold diesen Film mit der eher ungewöhnlichen Superheldengeschichte und in 2D drehen konnte, ist wahrscheinlich weniger ein Beweis seiner Überredungskünste, als ein Indiz dafür, dass die Übersättigung und der Zerfall des Superheldenfilms nicht nur im vollen Gange ist, sondern endlich auch von Studiobossen wahrgenommen wird.

„Logan“ ist im direkten Vergleich zu seinen Vorgängern nicht nur erzählerisch anders, sondern auch noch richtig harter Tobak, und das nicht nur dann, wenn es Blut aus Eimern auf die Darsteller regnet. Wenn ein emotionaler Monolog mir als Zuschauer fast die Tränen der Rührung in die Augen treibt, nur um mir im nächsten Moment einen Twist, so schwarz wie die Nacht, um die Ohren zu hauen, erkenne ich geschockt, dass die Verantwortlichen keine noch so perfiden Methoden scheuten, um diesen Film unvergesslich zu machen. Der stetig voranschreitende Zerfall der einst so großen Helden Wolverine und Charles Xavier tun dabei nicht weniger weh. Und das einzige, woran ich mich als Zuschauer klammern kann ist ein kleines Mädchen, dessen kurzes, von Traumata bestimmtes Leben, eigentlich nicht ungeeigneter als Sinnbild für Hoffnung und Neuanfang stehen könnte.

In einer besseren Welt wäre „Logan“ nicht nur der letzte Wolverine-Film, sondern auch das Ende der X-Men-Reihe. In unserer Welt ist es leider nur ein Reboot und kommende Installationen werden weiter mit der Übersättigung des Genres und mit den Schwierigkeiten der Vorgängerfilme zu kämpfen haben. Immerhin dann wahrscheinlich ohne einen Deadpool mit zugenähtem Mund. Ich kreuze diesbezüglich meine Finger sicherheitshalber zu einem X.