Last Man Standing

Am 3. Juni 2014 in film

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Text zum Film „Her” stehen. Oder zu „Days of Future Past”. Oder zu „The Double”. Dinge auf meiner Watchlist, die dort so vor sich hin schmachten, darauf wartend, endlich konsumiert zu werden. Da bin ich Sadist. Irgendwann kommt dann der Moment und ich sitze mit Zeit vor dem Apple TV. So wie gestern. Dann öffne ich meine Watchlist und zähle wie ein perverser Psychopath mit den Fingern meine Opfer, äh, Filme aus. So wie gestern. Eine kleine Micky Maus … zog sich mal die Hose aus. Irgendwann ruht der Finger auf einem der Filme. Ich überlege dann kurz und schaue irgendetwas ganz anderes. So wie gestern.

Mein Wahl fiel dann auf „Last Man Standing”. Nicht die unlustige Sitcom sondern der Film aus den Neunzigern, den ich sehr, sehr schätze. Aus vielerlei Gründen. Erstens ist es ein Walter Hill Film. Hill ist ein Urgestein, der sich auch mal etwas getraut hat. Auch bei „Last Man Standing” hat er gepokert und ziemlich übel verloren. Das relativ hohe Budget wurde nie eingespielt und die Meta-Kritik mag ihn ebenfalls nicht. Ein Drama.

Außerdem bildet der Film für mich eine heilige Dreifaltigkeit mit Kurosawas „Yojimbo” und Leones „Fistful of Dollars”, der wie „Last Man Standing” auf ersterem basiert. Drei Filme mit der selben Grundgeschichte, drei Filme mit völlig unterschiedlichem Setting: Chambara, Spaghettiwestern und ein, ich nenne es mal Gangster Noir.

Last Man Standing ist der beste Max Payne Film.

Die trockenen Monologe aus dem Off, die staubigen Bilder des Wüstenstädtchens Jericho zur Prohibition, der dreckige und unglaublich gute Soundtrack von Ry Cooder. Bruce Willis, der immer cheesy aber trotzdem irgendwie passend wirkt und der selbst beim Sex seine beiden Colt 1911 Pistolen unterm Kopfkissen fest in den Fäusten zu halten scheint und natürlich Christopher Walken. Christopher don’t you dare fuck with me Walken. Ein Mann mit einer Leinwand-Aura, die einen im Sessel zu erdrücken droht. Nachdem man von seinem Blick auf Neugeborenen-Größe zusammengeschrumpft wurde. Das alles zusammen ergibt für mich eine einmalige Mischung, die von vorne bis hinten Spaß macht. Immer wieder.

„Last Man Standing” ist ein Film, den viele, die ihn gesehen haben, doof finden und viele derer, die ihn nicht gesehen haben deswegen auch. Letzteres versuche ich mit diesem Text zu ändern. Gebt diesem Film doch eine Chance. Vielleicht seht ihr das ja ähnlich wie ich und brummelt dann im feinsten Willis-Monolog: „Ich dachte immer dieser Film wäre Scheiße, aber als ich diese Typen mit ihren dreckigen Visagen sah und wie sie im Aufblitzen des Mündungsfeuers zu Boden fielen, wusste ich, das gefällt mir. Ja, das gefällt mir!”

Musik: Smoke Bath Girl Upstairs von Ry Cooder.