Kumiko The Treasure Hunter

Am 22. Juni 2015 in film oberlippenbarthouse

Eine Wortwechsel zum Thema Arthousekino, gestern nach der Sichtung von Kumiko hat mich nachdenken lassen. Warum mag ich Arthouse? Oft sind die Figuren dieser Filme wortkarg, ihr Verhalten seltsam, ihre Beweggründe schwer bis gar nicht nachzuvollziehen. Lange, ruhige Einstellungen mit einer nicht selten apathischen Person im Fokus … ja. Genau deshalb. Oder verständlicher ausgedrückt: Es ist mal was anderes.

Blockbuster über Superhelden, über Väter mit tödlichem Beschützerinstinkt und Damseln deren Hilfeschreie noch am anderen Ende der Stadt zu hören sind. Die Indie-Romanze zwischen zwei Underdogs, der Indie-Antiheld auf der Suche nach dem einfachsten Weg durchs Leben. All das mag ich, richtig verpackt, ebenfalls sehr gerne, aber es ist mir eine Freude, ab und an mal etwas komplett anderes zu sehen. Etwas, was ich nicht auf Anhieb oder gar nach einer Stunde begreifen kann. Etwas, das ich im Kopf noch Tage mit mir herum trage. Das ist für mich eine schöne Abwechslung.

Kumiko ist genau der richtige Kandidat dafür. Kaum eine Indiearbeit habe ich dieses Jahr sehnlicher erwartet: Die Zellner Brüder machen einen Film, in dem ein Klassiker der Coen Brüder eine zentrale Rolle spielt. Fargo, der Film aus den Neunzigern mit Frances McDormand und William H. Macy reifte in den letzten Jahren zu einem kleinen Quell der Inspiration heran, der neben einem Eastern farbenfrohen und einer großartigen TV-Serie jetzt auch noch den wunderschönen Film Kumiko hervorbrachte.

Und damit auch seine namensgebende soziopathische Protagonistin, eine in sich gekehrte 29-jährige Bürokauffrau, die so gar nicht in die hektischen Berufswelt Tokios passt. Und als ledige fast Dreißigjährige auch nicht in das Traditionsbewusstsein der Mutter. Aber Kumiko ist Schatzsucherin und ein Objekt der Begierde im fernen, saukalten Örtchen Fargo in den USA veranlasst sie dazu, all das zurückzulassen und sich auf eine schwierige Reise zu begeben.

Diese Reise ist eigentlich eine Flucht, die Schatzsuche ein Sinnbild für ihre Verzweiflung. Das ist oft traurig, untermalt von den elektronischen Klängen des Octopus Projekts aber auch immer wunderschön. Und ja, es ist bestes Kontrastprogramm zum Bombastkinojahr mit Mad Max und Star Wars.