Killing Them Softly

Am 12. Dezember 2012 in film

Ich kenne den Roman von George W. Higgins nicht (Update: mittlerweile kenne ich den Roman und finde ihn ebenso großartig, wie diese filmische Umsetzung), auf dem die Weinstein Produktion Killing Them Softly basiert und ich habe nicht vor, daran etwas zu ändern. Denn dieser Film war verdammt nochmal genau das, worauf ich gerade Bock hatte!

Sein Bild ist dreckig, seine Figuren sind dreckig, das Amerika, in dem sie leben ist dreckig. Es hat richtig gut gepasst, dass das Kino, in dem ich gerade saß, ebenfalls saudreckig war. Das der Projektor überholt war und die Leinwand Macken hatte. Perfekt. Selbst die Unruhe im Kino durch die überforderte Aufmerksamkeitsspanne der zwei Handvoll Anwesenden, für mich eigentlich eine Todsünde, hat irgendwie gepasst. Ein Film voller Arschlöcher, ein Kinosaal voll mit Arschlöchern. Mittendrin, statt nur dabei.

Im Ernst: letzteres wünsche ich euch nicht, aber schaut diesen Film nicht in einem High-Tech Kino oder gar auf Blu-ray, wenn er alternativ in einem Arthouse- oder Programmkino läuft. Dieses Werk und seine ungeschliffene Art gehört in ein kleines Kino mit liebevollen Ecken und Kanten.

Digital wollt ihr Ray Liotta und James Gandolfini (Sopranos) in aufgedunsenem Zustand auch gar nicht sehen. Glaubt mir. Oder den herrlich schleimigen Scoot McNairy, der sich nach Monsters wieder direkt in mein Herz gespielt hat und statt Brad Pitt eigentlich auf das Filmplakat gehört hätte. Der Versuch, auch Pitt hässlich darzustellen, ging dahingehend in die Hose, dass er offensichtlich nicht zu entstellen ist und irgendwie als Josh Brolin aus der Maske kam. Auch gut.

Das jemals jemand einen Junkie besser darstellen könnte als es Ben Mendelsohn zu dem in diesen Szenen teilweise wahnsinnigen Schnitt von Killing Them Softly tut, stelle ich hier mal, aus Gründen, in Frage. Eine wahre Freude.

Der Inhalt? Gangster-Geschäfte, krumme Dinger und Killer. Irgendwo zwischen den verkommenen Mafia-Strukturen aus Ghost Dog, ein bisschen Guy Ritchie Kino und aufgesetzter Gesellschaftskritik. Das ist zwar oft komplett vorhersehbar, funktioniert dank der in Slang getränkten Dialoge und den ab und an eingestreuten technisch und audiovisuell sehr anspruchsvoll umgesetzten Action-Sequenzen aber tadellos. Wer Figuren im Kino gerne mit Tiefe und genau definiert mag, darf getrost einen Bogen um Killing them Softly machen. Oder gibt dieser Art Momentaufnahme, die ihren Charakteren immer auch etwas Geheimnisvolles gibt und mir diese Art Kinoerlebnis immer ausgesprochen schmackhaft macht, einmal eine Chance.

Wer, abseits des Mainstreams, noch einen Film des Jahres sucht, der sei angehalten, sich Killing Them Softly schnellstens anzuschauen. Eine echte Überraschung und, wie ich finde, sehr zu empfehlen!