Kamiwaza

Am 19. September 2014 in spiel chambara

In der Rolle des Diebes Ebizou klaut ihr in Acquires Diebessimulation das Hab und Gut wohlhabender Händler und Samurai um eure kranke Tochter gesund pflegen zu können. Acquire bleiben auch im aktuellen Produkt ihrer Linie der im traditionellen Japan angesiedelten Actionspiele treu. Aber müssen es immer Samurai, Kenshi oder Ninja sein? Ebizou, der Held des Spiels gehört dieses mal keiner der genannten Gruppen an. Vielmehr lernen wir ihn in der Turtorial Mission zu Beginn des Spiels in jungen Jahren als sehr trickreichen und akrobatisch begabten Dieb kennen.

Um dem Spiel eine Storygrundlage zu verleihen, nimmt eure Abschlussprüfung unter der Leitung des großen Bruders dann auch einen unvorhergesehenen Lauf. Das örtliche Anwesen wohlhabender Kaufleute und Samurai wird nämlich genau in dem Moment von einem Hinrichtungskommando überfallen und ihr müsst mit ansehen, wie die Hausherren kaltblütig ermordet werden. In diesem Moment entdeckt Ebizou die kleine Tochter des Hauses und entschließt sich, diese mit seinen diebischen Fähigkeiten außer Gefahr zu bringen und fortan als Stiefvater für sie zu sorgen.

Bis dahin ist alles gut gegangen, aber wie so oft gehen die Geschichten in Videospielen erst zum Schluss endgültig gut aus und so steht Ebizou Jahre später vor einem Gewissenskonflikt, als die kleine Suzuma schwer erkrankt. Die notwendige Medizin ist für den Dieb im vorzeitigen Ruhestand nämlich viel zu teuer und so bleibt ihm nichts anderes übrig, als für die Gesundheit seiner Ziehtochter wieder mit dem anzufangen, was er am besten kann: stehlen.

Kamiwaza präsentiert sich ähnlich dem ersten Way of the Samurai in einer Free-Roaming Umgebung, allerdings mit einem Tages- und Nachtzeit System und ohne vorgegebene Zeitspanne. Acht, durch mittelmäßig lange Ladezeiten unterbrochene Areale können je nach Lust und Laune erkundet werden. Hauptanlaufpunkt des Spiels bildet ein Badehaus im Süden der Stadt. Unter dem Deckmantel der Reinlichkeit verbirgt sich dort eine der ortsansässigen Diebesgilden, die Ebizou regelmäßig mit den nötigen Aufträgen versorgt, die er gegen eine Belohnung in die Tat umsetzen kann.

Von dem sauer verdienten Geld könnt ihr aber leider nicht in Saus und Braus leben und euch mit allem möglichen Zeug eindecken. Nein, primär gilt es beim ersten Durchgang, alles in Medizin für die kleine Suzuma zu investieren, um im Wettlauf gegen die Zeit und ihre Krankheit nicht zu unterliegen.

Dem armen Mädchen geht es nämlich im Minutentakt schlechter und so werdet ihr Anfangs eure liebe Mühe haben, genügend Geld zu diesem Zweck zusammenzubringen, ohne ab und an herbe Rückschläge in Kauf zu nehmen. Um die gesundheitliche Lage Suzumas im Auge zu behalten, solltet ihr regelmäßig bei eurer heimatlichen Hütte vorbeischauen. Hier könnt ihr anhand des Verhaltens eurer Tochter nicht nur erkennen, wie es um sie steht, ihr habt auch Zugriff auf sämtliche Personalisierungsoptionen und die Itemverwaltung. Zu Heilungszwecken oder zur Zeitkompression ist es auch möglich ein Nickerchen zu machen bzw. eine ordentliche Portion Schlaf zu nehmen.

Eurer Hauptbeschäftigung, dem Stehlen, könnt ihr jederzeit nachgehen. Dazu muss sich lediglich ein Gegenstand in der Umgebung in Reichweite befinden und ihr sackt es mit einem Druck auf die Vierecktaste ein, woraufhin es in eurem sogenanntem Floshki verschwindet, einem umfunktionierten Badetuch. Doch Vorsicht! So einfach geht das natürlich nicht gut. Es gilt auszuloten, ob jemand in der Nähe ist, der euch bei der Tat eventuell sehen könnte. Außerdem solltet ihr euch mit einer Gesichtsmaske tarnen (Richtungstaste nach unten drücken), um nicht sofort erkannt zu werden, und auch der Schutz der Dunkelheit ist nicht zu verachten. So ausgestattet könnt ihr dann wahre Diebesorgien abhalten.

Um als Dieb in Kamiwaza erfolgreich zu sein, muss man nämlich nicht nur viel klauen, man muss es auch mit Stil tun. Dazu bedarf es aber etwas Risikobereitschaft. Schleicht ihr euch z.B. an eine Person in der Nähe der zu klauenden Gegenstände an und begebt euch vorsichtig in deren Sichtradius, verlangsamt sich die Zeit und der Bildschirm wird kurzzeitig rot. Reagiert ihr jetzt nicht, entdeckt euch die Person binnen weniger Sekunden. Drückt ihr allerdings in dem Moment die R1 Taste, wenn der Modus initiiert wird, vollführt Ebizou ein akrobatisches Manöver um wieder aus dem Sichtradius des Gegner zu entkommen. Dann habt ihr einen Grundbonus aktiviert, der darauf hin für kurze Zeit auf dem Bildschirm angezeigt wird. Diesen könnt ihr weiter erhöhen, indem ihr weiteren Personen ausweicht, deren Blicke auf Gegenstände lenkt die ihr vorher geworfen habt oder für jegliche Aktionen, die jemanden in der Umgebung in irgendeiner Weise abgelenkt haben. Mit dem Ausgangsbonus auf dem Schirm, habt ihr einige Sekunden Zeit ein Item mit der Vierecktaste zu stehlen. Dieses verschwindet jetzt nicht nur einfach in eurem Sack, es bildet auch den Multiplier für den Bonus. Jeder weitere gestohlenen Gegenstand, der innerhalb kürzester Zeit eingesammelt wird erhöht diesen Multiplier um einen Zähler. Seit ihr z.B. zwei Wachen ausgewichen, was einen Ausgangsbonus von 200 ergibt, und klaut daraufhin zehn Gegenstände, erhaltet ihr 2000 Punkte. Diese Punkte sind wichtig, da man mit ihnen neue Fähigkeiten, neue Floshki oder neue Gesichtsmasken bei der Diebesgilde erwerben kann.

Neben den Stilpunkten und der Belohnung für einen Auftrag, könnt ihr alles zu Geld machen, was sich in eurem Sack befindet. Am oberen linken Bildschirmrand ist dabei zu erkennen, was der Inhalt eures Floshki derzeitig wert ist, und am unteren rechten Rand erfahrt ihr in einer temporären Anzeige, was der eben geklaute Gegenstand einbringt.

Ebizou ist es nicht möglich, Gegner im Spiel ernsthaft zu verletzen, weshalb euch eine Reihe akrobatischer Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um bei ausgedehnten Diebestouren nicht ganz nackt dazustehen. Mit R1 könnt ihr nicht nur Personen ausweichen, ihr könnt euch mit der Allzwecktaste auch ducken, euch unbemerkt an eure Mitmenschen hängen um ihnen zu folgen; ihr könnt euch sogar flach auf Treppenstufen legen oder in einem Gang zwischen zwei enge Wände zwängen. Zur Ablenkung der Wachen ist es außerdem möglich, den Floshki abzulegen und in hohem Bogen von sich wegzukicken. Auf diese Weise kann man sehr trickreich Wachen ablenken. Beim Stehlen ist es dann aber wichtig wieder in der Nähe des Sacks zu stehen, sonst fällt das Diebesgut einfach auf den Boden.

Solltet ihr doch einmal eine Wache ausschalten müssen, tut ihr das ebenfalls mit, wie sollte es anders sein, stehlen. Mit dem richtigen Timing und der richtigen Technik könnt ihr aus einer Defensivsituation heraus einer Person alles klauen was sie dabei hat, und später sogar alles, was sie am Körper trägt. Ist dies der Fall, wird euer Opfer kurzzeitig ohnmächtig und ihr habt Gelegenheit zur Flucht. Auf diese Weise müsst ihr auch Bosskämpfe im Spiel bestehen.

Die Wege zu den zwei Hauptarealen, der Hütte und dem Badehaus, lassen sich glücklicherweise über eine Teleportfunktion abkürzen, sodass ihr lediglich während einer laufenden Mission immer zu Fuß unterwegs seid. Die Umgebung ist zwar nicht besonders groß, aber wenn ihr bedenkt, dass es schon mindestens ein, zwei Aufträge pro Nacht/Tag sein müssen, um genügend Geld einzunehmen, kommen schnell einige Kilometer zusammen.

Ähnlich wie bei Way of the Samurai 2 treibt ihr die Geschichte parallel zu den Aufträgen voran, indem ihr an einem bestimmten Punkt in der Story an einem bestimmten Ort eintrefft. Im Gegensatz zu Samurai 2 verläuft die Story aber relativ linear und wenn z.B. ein neuer Ankerpunkt der Geschichte am Tempel ausgelöst wird, bleibt es euch überlassen dort sofort aufzutauchen oder erst Tage später. Nichtsdestotrotz ist auch die Welt von Kamiwaza dynamisch und während die eigentliche Geschichte durch unterschiedliche Aktionen im Spiel lediglich verlängert werden kann, bzw. das Ende anders ausfällt, haben eure Diebesaktionen erhebliche Auswirkungen auf die Struktur der Spielwelt an sich.

Habt ihr z.B. zum wiederholten Mal in Folge das Vorratshaus des Samuraianwesens geplündert, werden früher oder später Magistratskräfte von weniger gefährdeten Gegenden abgezogen und dorthin verlagert. Die Ballung von Polizisten in den einzelnen Gebieten wird in der Form von Symbolen auf der Karte und am oberen, mittleren Bildschirmrand dargestellt. Je mehr Symbole, desto höher ist die Dichte an Polizei im Areal. Ab zwei Symbolen wird übrigens bereits jeder festgenommen, der einen Sack auf dem Rücken trägt. Und festgenommen werden will niemand. Vor allem nicht, wenn die Strafe dafür 24 Stunden Gefängnis ist. 24 Stunden, in denen sich niemand um die Gesundheit der Tochter kümmert…

Genau deshalb hält man sich auch besser verdeckt im Hintergrund. Wer mit Maske im Gesicht oder dickem Beutesack umherläuft macht Mitmenschen auf sich aufmerksam, weshalb man tunlichst darauf achten sollte nicht zu viel Diebesgut einzusacken. Schließlich will der Weg zurück zum Badehaus nach jedem Einsatz bezwungen werden, um die geklaute Ware überhaupt an den Mann zu bringen.

Neben dem Magistrat sollte man sich auch mit den Dorfbewohnern gut stellen. Es bringt nämlich wenig wenn die einen jeden Tag die eigene Hütte mit einem Sack auf den Schultern betreten und verlassen sehen, sofern man nicht gut Freund mit ihnen ist. Zu diesem Zweck gilt es nicht nur genügend Ware im Badehaus gegen ein Entgelt abzuliefern, sondern auch frisches Gemüse und andere Essensachen in einer entsprechende Kiste der Dorfbewohner abzulegen. Dieses wird mit zunehmendem Vertrauen belohnt und das kann nie schaden. Vor allem nicht, wenn die weiblichen Dorfbewohner niedlich erröten, wenn ihr an ihnen vorbeigeht.

Lasst ihr euch auf fremdem Boden oder in fremden Häusern bei einer Diebestour überraschen, hat das je nach Personengruppe, aus der euch jemand gesehen hat unterschiedliche Auswirkungen. Magistratskräfte rücken euch mit Waffengewalt auf die Pelle und wollen euch um jeden Preis in das Gefängnis stecken. Bei Konflikten mit dem Gesetz ist die Gefahr groß, dass ihr erkannt werdet. Zu diesem Zweck sind überall in der Stadt Fahndungsposter mit einer Zeichnung von euch angeschlagen. Anfangs sieht sie euch gar nicht ähnlich. Mit zunehmend negativem Kontakt zu den Gesetzeshütern ähnelt sie euch aber immer mehr und wenn sie euch wie aus dem Gesicht geschnitten ist, dürft ihr davon ausgehen, irgendwann vom Magistrat in eurer Hütte Besuch zu bekommen, sprich: Game Over. Dorfbewohner ergreifen beim Anblick eurer Diebesorgien oftmals die Flucht und verlieren das Vertrauen in euch. Auch das ist früher oder später ein sicherer Weg ins Gefängnis.

Etwas nervig können wie immer die Bosskämpfe sein. Hier kann es schon mal etwas dauern, bis ihr herausgefunden habt was genau ihr tun müsst, um die Waffe des Gegners erfolgreich zu stehlen und ihn so zu besiegen. Zum Glück bietet euch das Spiel beim Versagen nach einer dieser Auseinandersetzungen einfach die Möglichkeit es noch einmal zu versuchen. Begrenzt sind diese Versuche nicht und so hält sich der Frustpegel in Grenzen. Lediglich beim Ausbrechen aus dem Gefängnis werdet ihr bei einer Niederlage gegen den Gefängniswächter mit aufgestockter Strafe wieder in eure Zelle zurück befördert.

Technisch präsentiert sich Kamiwaza solide, aber mit kleinen Schnitzern. Sofern ihr euch im Hintergrund haltet, zeigt sich das Spiel von seiner guten Seite. Beschwört ihr allerdings ein richtiges Chaos herauf, erlebt ihr den Bildrateneinbruch der PS2 Geschichte schlechthin. Das kann zwar unheimlich nerven, macht aber von daher nicht viel aus, da man solche Situationen eigentlich vermeiden sollte und ehrgeizige Spieler bei einsetzendem Chaos eh neu starten werden. Im Zentrum der Stadt, wo sich Händler und Polizeikräfte nur so tummeln könnt ihr auch in ruhigen Situationen gleich 10 Bilder pro Sekunde abziehen.

Grafisch hält das Spiel den völlig ausreichenden Acquire-Standard. Lorbeeren und offene Münder erntet es bei dessen Anblick natürlich nicht, trotz allem sind die Umgebungen zu den verschiedenen Tageszeiten aber schön in Szene gesetzt. Grafikfetischisten dürften sich bei längeren Fußmärschen vor allem an den Pop-Ups am Horizont stören. Das alles klingt aber wesentlich schlimmer als es eigentlich ist.

Für die musikalische Untermalung zeichnet sich wieder einmal der äußerst talentierte Noriyuki Asakura verantwortlich und beschert uns einen knackigen Mix aus rauen Gitarren, atmosphärischen Klängen, kräftigen Stimmen und endlich auch mal wieder weniger orientalischen Elementen. Wieder eine Klasse für sich und wieder absolut hörenswert.

Beim ersten Durchgang können manche Spieler aufgrund des recht stressigen Gameplays in Bezug auf Suzumas Gesundheit schnell abgeschreckt werden. Zur Beruhigung sei aber gesagt, dass sich das bei weiteren Durchgängen nicht wiederholen muss. An einem bestimmten Punkt in der Geschichte fällt der Druck nämlich ab und ihr könnt tun und lassen was ihr wollt, bis ihr nach eigenem Ermessen die Geschichte weitertreibt. Nutzt ihr diese Zeit um genug Medizin zu kaufen und verstaut diese in eurer Hütte in euren Inventar, übernehmt ihr diese nach dem Durchspielen und Starten eines neuen Spiels. So ist es euch möglich Suzuma bereits am ersten Tag zu heilen und ihr könnt völlig stressfrei auf die Jagd nach neuen Enden und schwer auffindbaren Gegenständen gehen.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass Kamiwaza wieder einmal eindrucksvoll beweist, wie ernst man im Hause Acquire die Entwicklung neuer Spielideen nimmt. Kamiwaza ist ein Titel, der anfangs zwar schwer zugänglich scheint, später aber gut zu meistern ist. Und dann kann man sich schon mal wundern, wie die Gesamtspielzeit nach oben schnellt und die Abende verstreichen. Vor allem Jäger und Sammler werden die ein oder andere virtuelle Nacht auf fremden Balkonen verbringen, darauf wartend zuzuschlagen, um ein neues Objekt auf dem Weg zur 100% Rate zu ergattern. Prädikat wertvoll!