John Wick: Kapitel 2

Am 15. Juni 2017 in film

Nach dem überraschend guten Rachestreifen John Wick, in dem Keanu Reeves ziemlich viele überraschte Gangster überraschend artistisch in den vorzeitigen Ruhestand geschickt hat, ist der zweite Teil nun endlich im Heimkino angekommen. Was keine Überraschung ist. Überhaupt fehlt es hier oft an selbiger. In 120 Minuten und einer weit höheren Zahl an Opfern wird eigentlich jeder sofort erschossen, erstochen oder erwürgt, der vorher nicht mindestens einen Satz gesprochen hat (Brüllen zählt nicht!). Die anderen werden später erschossen, erstochen oder erwürgt. Das hat zur Folge, dass spätesten nach dem einhundertsten Schuss aus kurzer Distanz in ein seelenloses Gesicht die eigene Aufmerksamkeitsspanne trotz immer noch astreiner Kampf-Choreographie deutlich an Potenz verliert. Da hilft es auch nicht, dass die zehn Sätze, die John Wick in diesem Film von sich gibt, alle samt auch schon im Trailer zu hören waren.

Kapitel Eins hatte neben der Tatsache, dass man John Wick nicht auf den Fuß oder den Hund treten sollte, noch genau eine einzige Aussage: Der Protagonist ist die Personifizierung eines unsterblichen Rachedämons, der alle umbringt, egal wie viele hinter ihm her sind und welche Waffen oder Patronen davon bereits in ihm stecken. Dieser Mythos entmystifiziert sich in Kapitel Zwei nun langsam aber sicher selbst. Und wenn dann im Vergleich zu Kapitel Eins lediglich noch mehr Killer nach dem Leben John Wicks trachten, glaubt eben auch niemand mehr daran, dass ihm das dann noch gefährlich werden könnte. Tut es auch nicht.

Und so warten wir ob des bereits angekündigten dritten Kapitels halt darauf, dass 2020 jeder zweite Mensch auf der Welt ein Killer und nach zwei Stunden mausetot ist, bevor die verbleibende andere Hälfte der Menschheit 2023 mit Raketen von SpaceX auf dem Mond in „John Wick: Epilog“ um die Herrschaft des Trabanten kämpft. Am Ende wird Wick dann der letzte überlebende Mensch sein und sich eine Wohnungskatze kaufen müssen, weil er auf dem Mond nicht mit dem Hund Gassi gehen kann. Hart. Bei all dem muss ich „John Wick: Kapitel 2“ aber dennoch zugestehen, dass er eben ein Actionfilm ohne den sonst so überflüssigen Kram drumherum sein will. Und das macht er verdammt gut, auch wenn der Bogen über die Gesamtlaufzeit des Films deutlich überspannt wird.