Jettomero: Hero of the Universe

Am 9. Oktober 2018 unter spiel

Bei den Schlagworten Prozedural, Planeten und Riesenroboter habe ich meine Seele für den anstehenden Verkauf meistens schon griffbereit und eine Feder mit meinem Blut ebenfalls parat. Dummerweise fehlte meine Unterschrift bei der Kickstarter-Kampagne des Spiels Jettomero des Multitalents Gabriel Koenig, da der Roboter es seiner Größe zum Trotz irgendwie geschafft hatte unter meinem Radar hindurchzufliegen. Glücklicherweise ist diese Woche die Nintendo Switch Variante erschienen, und zwar mitten in einer Phase, in der die Switch aufgrund angekündigter Titel wie Taiko No Tatsujin, Katamari Damacy und Rebel Galaxy Outlaw im Begriff ist zu meiner Lieblingskonsole zu mutieren.

Jettomero ist ein so wunderbares wie sonderbares Spiel und ich denke, es gibt nicht wenig Bloggerkollegen, die jetzt gerne mit mir darüber diskutieren würden, ab wann ein Spiel ein Spiel ist und bis wann es bloß Kunst ist. Mir jedenfalls kommt es ehrlich gesagt ganz gelegen, zur „Abwechslung“ mal ein Spiel zu spielen, bei dem ich in einem prozedural generierten Universum von Sonnensystem zu Sonnensystem und Planet zu Planet fliege, nur um die wunderschöne Aussicht und die tolle Musik zu genießen.

Dieser reduzierten Kurzbeschreibung könnte ich jetzt noch Dutzende freischaltbarer Roboterteile, vereinzelt eingestreute Story-Elemente und sogar Bosskämpfe entgegensetzen, aber im Großen und Ganzen geht es bei Jettomero tatsächlich bloß darum auf relativ kleinen Planeten umherzuwandern, möglichst wenig kaputt zu machen, je nach Laune auch mal alles kaputt zu machen und natürlich die Bildergalerie der Switch mit Material für einhundertzweiundsiebzig Bildschirmhintergründe vollzuspammen. Der Begriff Wallpaper-Fabrik ist mir als No Man’s Sky Fanatiker nicht neu und bei Jettomero treffender denn je.

Die allgemeine Herausforderung und der Schwierigkeitsgrad tendieren dabei gegen Null (es gibt kein Game Over) und kann paradoxerweise sogar noch einen Level nach unten geschraubt werden. Da hat jemand Humor. Und dennoch genieße ich derzeit wenig so sehr, wie gemütlich auf dem Sofa rumzuhängen und mit dem Riesenroboter durch die Gegend zu wandern. Als alter Hellboy Fan und Liebhaber von Mike Mignolas Zeichenstil fühle ich mich in Jettomeros abstrakter Welt pudelwohl und träume davon, ein Mignola Filter sei Teil kommender Updates für No Man’s Sky.

Bis dahin fliege ich mit meinem Roboter halt weiter zum nächsten prozeduralen System. Immer weiter.