Inside Llewyn Davis

Am 16. Februar 2014 in film

Als ich gestern im örtlichen Programmkino mit meiner Fritz Kola Light und meiner Frau in die Sessel rutschte, um mit circa sechs weiteren Personen Inside Llewyn Davis zu einer fast schon respektlosen Zeit um 14:15 Uhr[(#footnote1) 1)] anzuschauen, wurde ich mir eines interessanten Gefühls bewusst: Ich machte mir nicht die geringsten Sorgen, dass das, was ich gleich sehen würde, nicht zwei wunderbare Stunden werden. Der Grund ist einfach. Es gibt keinen Coen-Film, den ich nicht genossen hätte. Es gibt solche und solche Filme in ihrem Repertoire, aber ich kann über keinen sagen, dass ich nicht durchgehend gut, manchmal witzig, manchmal abstrakt, unterhalten wurde. Das wünscht man sich doch im Kino.

Und natürlich musste ich mir keine Sorgen machen, denn schon Cast und Idee des Films sprachen mich voll an. Und dabei kann ich nicht einmal sagen, dass mir die Musik im Film großartig gefällt. Ich bin kein Fan von Dave Van Ronk, dessen Musik und Memoiren die Vorlage für Llewyn Davis waren und werde es auch jetzt nicht werden. Egal, denn im Film passt die Musik. Oscar Isaac spielt den schwierigen Kleinkünstler am Rand des Ruins super und gehört nach Drive (auch dort an der Seite von Carey Mulligan, die ebenfalls in Inside Llewyn Davis spielt) und dem von mir hochgelobten Sucker Punch eh zu meinen Lieblings-Schauspielern. Genau wie Justin Timberlake, mit dessen Musik ihr mich ebenfalls jagen könnt. Als Schauspieler ist er aber einfach großartig.

Ich habe ein Problem mit Biopics. Sie sind selten interessant (Hust! Dallas Buyers Club, Hust!), weil die Geschichten dahinter natürlich selten fürs Kino gemacht sind. Da lobe ich mir doch die Gebrüder Coen, die sich von den Lebensgeschichten anderer einfach nur inspirieren lassen und dann ihren eigenen Scheiß daraus machen. Und ihre kleinen Signaturen hinein puzzeln. Zum Beispiel einen jungen, noch unbekannten Bob Dylan, einen Haufen skurrile Charaktere und John Goodman. Himmel, jedes Mal, wenn ich ihn in den letzten Jahren in einem Film- oder Fernseh-Projekt sah, fragte ich mich ob er dieses Mal bei den Dreharbeiten dahinscheidet, so schlecht, wie der aussieht. Macht er natürlich auch bei Inside Llewyn Davis (fast) nicht.

Bleibt eigentlich nur noch eine Sache über, die ich mir wünschen würde: Das es dieses Mal nicht drei Jahre dauert, bis es was neues an der Coen-Front gibt! Blödsinn, ich weiß. Hetzen macht schon im Mainstream-Kino genug kaputt. Also sollen sie sich eben Zeit lassen, um mich dann bitte wieder so wunderbar zu unterhalten, wie sie es bisher immer gemacht haben. Ich warte. Danke.

Zur Ehrenrettung unseres großartigen Programmkinos muss ich sagen, dass Inside Lewyn Davis bereits vorher einige Wochen in der Original-Version zur Prime Time lief.(#reference1) ↩)