ICO

Am 16. Dezember 2008 in spiel

Während ich die Tage nervös auf ein Paket mit Prince of Persia für die Xbox 360 aus dem europäischen Umland wartete, zog es mich zurück an die gute alte Playstation 2. Wenn ich schon nicht mit der göttlichen Elika durch die Lande ziehen kann, dann wenigstens ein weiteres Mal mit der schüchternen, aber nicht weniger bezaubernden Yorda aus Fumito Uedas Meisterwerk ICO. Und siehe da. Der Zahn der Zeit hat das Spiel ehrfürchtig verschont.

Als Opfergabe wird der Held des Spiels, ein kleiner gehörnter Junge namens Ico, in Ketten durch einen dichten Wald in eine riesige Festung gebracht. Doch das Schicksal meint es gut mit ihm und kaum das die Wachen und Priester sich wieder auf den Heimweg gemacht haben, zerbricht der steinerner Sarg, in dem er eigentlich auf seinen Tod warten sollte. Und so macht sich der Spieler auf, einen Weg aus dem gewaltigen Gefängnis heraus zu finden. An seiner Seite die geheimnisvolle Yorda, die schon kurz nach Spielbeginn von ihm befreit werden muss. Aufgrund der Sprachdiskrepanz verständigen sich beide nur mit Gesten und Lauten, oder sie halten sich beim Laufen an den Händen. Der Ausweg aus dem Schloss ist mit allerlei Schiebe- und Schalterrätseln gespickt und die beiden tun gut daran, diese mit vereinten Kräften zu lösen.

Wenn Ico und Yorda als winzige Figuren über steinerne Brücken laufen, dunkle Ruinen emporklettern und über grasgrüne Wiesen wandern, allesamt gewaltig in ihrem Ausmass, ergibt das ein Spielgefühl, das man in dieser Form selten bis gar nicht bei anderen Spielen erleben durfte. Abwechselnd wird der Spieler von der Schönheit der Umgebung in Trance versetzt, um nach dem nächsten Schritt oder der nächsten Tür von der schier überwältigenden Größe des Terrains und dem daraus entstehendem Gefühl der Hilflosigkeit erschlagen zu werden. Die Rätsel in ICO sind nicht übermässig schwer. Sich auf diese trotz der gewaltigen Dimensionen zu konzentrieren ist die eigentliche Herausforderung. Und der Beschützerinstinkt gegenüber der kleinen Yorda. Es überkommt einen Unbehagen, sobald man sie zurücklassen muss, um einen unwegsamen Pfad einzuschlagen. Und nicht ohne Grund. All zu oft hallt in solchen Situationen ihr Schrei durch die Gänge und Ico muss so schnell wie möglich wieder zu ihr zurück, um sie von herannahenden Schatten zu retten. Diese wollen sie in dunkle Portale ziehen, aus denen ihr der Spieler schnellstens wieder heraushelfen sollte, will er ein klassisches Game Over vermeiden. Diese Auseinandersetzungen mit den Gestalten des Bösen sind in ihrer Quantität gemässigt, bilden aber vor allem Anfangs eine hohe Herausforderung. Mit einem Stock oder einem Schwert gilt es die extrem widerstandsfähigen Schattenwesen zu bearbeiten, während man Yorda, das Objekt der schattigen Begierde, nicht aus den Augen lassen darf und sie notfalls auch aus den Klauen der Entführer befreien muss. Die düstere musikalische Untermalung im Spiel trägt ihr übriges zu der Atmosphäre bei und dringt immer nur dann in unser Ohr, wenn sich der Spieler fürchten oder über etwas staunen soll. Ansonsten hört man nur das Rauschen der Wellen, die sich an den Füßen der Festung brechen und die Möven, die am Himmel ihre Kreise ziehen oder in geschlossenen Räumen ab und an aufgeregt mit den Flügeln schlagen.

ICO ist wie anfangs bereits angedeutet sehr gut gealtert. Es gibt immer noch kein wirklich vergleichbares Spiel und deshalb tut man gut daran, es ab und an mal wieder in die Konsole zu legen. Selbst die anfangs sehr nervigen Kämpfe gegen die Schattenwesen sind nach ein wenig Übung gut zu meistern und vom Spieler zu kontrollieren. Lediglich die gefixten Beobachtungswinkel rauben einem nach wie vor an manchen Stellen den letzten Nerv. Da hilft auch leider die unheilvoll übersensible Zoom-Funktion nicht. Und dennoch blickt man am Ende auf eine wunderschöne Zeit mit dem Spiel zurück und ist um eine wertvolle Spielerfahrung reicher.