Hiking in No Man's Sky

Am 30. August 2016 in nomanssky spiel

Jedes Blog braucht derzeit seinen No Man’s Sky Artikel zum Thema Erwartungshaltung, unerfüllten Versprechungen und dergleichen. Das gibt ja aktuell Klicks. Gefühlt wird über No Man’s Sky nur noch gemeckert. Ein User auf Reddit fasste es passend zusammen: Diejenigen, die No Man’s Sky mögen, haben keine Zeit etwas dazu zu schreiben, denn sie spielen es. Geht mir genau so. Ich kann immer noch nichts anderes spielen, obwohl mein geliebtes Grow einen Nachfolger hat, ich unbedingt Bound spielen sollte und weil Oxenfree scheinbar der neue Citizen Kane unter den Videospielen ist. Klappt aber nicht, denn ich will weiter Planeten erkunden. Und das, obwohl es dort im Grunde immer das Gleiche zu sehen gibt. Oder aber auch nicht, denn No Man’s Sky überrascht mich auch nach gefühlt einhundert Spielstunden noch regelmäßig.

Zum Beispiel jetzt gerade. Ich harre derzeit für die begehrte Platin-Trophäe auf einem der unfreundlichsten Planeten aus, den ich bisher im Spiel entdeckt habe. Er ist nachts scheiße kalt und tagsüber stürmt es mit ähnlich tiefen Temperaturen. Genau diese Art von Planet brauche ich, wenn ich mir bei No Man’s Sky die Überlebens-Meilensteine verdienen will. Da gibt es Tricks: einfach irgendwo unterstellen, Netflix anschalten, entspannen, nach jeder Folge einer Serie die Lebenserhaltungsysteme des Astronauten aufladen und dann das ganze wiederholen.

Es geht aber auch anders: Einfach mal einen Planeten zu Fuß erkunden! Im extremsten Klima. Zwei von drei Temperatur-Upgrades habe ich in meinem Raumanzug installiert. Das reicht, um einige Minuten in eisiger Kälte trotzdem kuschelig warm zu überleben. Ich gehe also von meinem aktuellen Unterschlupf solange jede Himmelsrichtungen ab, bis ich eine Höhle oder ein Gebäude finde. Irgendwas, das irgendwie Wärme und im besten Fall noch einen Speicherpunkt spendet. Optional auch eine Lande-Säule, an der ich mein Raumschiff zu mir rufen kann. Ins Raumschiff einsteigen zählt allerdings nicht als Überleben, also nehme ich es zwar mit, benutze es aber nicht. Extreme-Hiking für diesen einen Sonnenuntergang!

Bei No Man’s Sky einen Eisplaneten während eines Schneesturms zu erkunden hat was von “Auf Hoth nach Luke suchen”. Es ist zu einem gewissen Grad episch. Dann, wenn eine Herde pflanzenfressender Riesenechsen gemächlich meinen Weg kreuzt. Seltsam surreal kann es wirken, wenn ich auf eine Gruppe apathisch wirkender, zweibeiniger Mottenwesen auf ihrer scheinbar ziellosen Wanderung treffe. Hektisch wird es, wenn es scheint, dass ich nicht rechtzeitig einen schützenden Unterstand finde oder wenn mich ein Raubtier kurzerhand als Abendbrot ausgesucht hat.

An einer alten Fabrik mache ich Pause und erkunde die friedlichere Fauna, die mir auf meinem langen Spaziergang bis hierher gefolgt ist. Natürlich katalogisiere ich dann alle Lebewesen für die globale Datenbank. Eine Art Triceratops turnt verspielt vor dem Eingang meines Unterschlupfs umher. Ich füttere ihn. Man ist ja eh schon ganz schön einsam bei No Man’s Sky, aber auf so einem gastunfreundlichen Planeten ist es irgendwie noch schlimmer. Also nenne ich den Triceratops “Wilson” und bestimme, dass er ab jetzt mein Freund ist.

Meine Frau bemerkt das und heuchelt Mitleid ob meiner geistigen Verfassung. Offenbar merkt man meiner Spielweise schon die ein oder andere Folge der Isolation an. In Wahrheit möchte sie aber selbst an die Playstation, um endlich ihr No Man’s Sky weiterzuspielen. Not yet!

Während all dem habe ich endlich mal Zeit gefunden, mein Multi-Tool, das Schweizer Taschenmesser unter den Bergbau-Geräten, so zu optimieren, wie ich es schon länger mal tun wollte. Und seltene Metalle habe ich hier und dort auch gesammelt. Genug, um damit richtig Kohle zu machen, wenn ich diesen Planeten wieder verlasse. So in vier, fünf Spielstunden vielleicht. Wilson ruft. Ich muss weg.