High Strung

Am 14. September 2014 in film

High Strung hat ein Problem. Ghost Rider 2 nicht. High Strung ist ein großartiger Film aus dem Jahr 1991. Ghost Rider 2 ist einer der wohl schlechtesten Filme aller Zeiten aus dem Jahr 2012. Ghost Rider 2 kam im Kino, dann als DVD, dann als digitaler Download, ebenfalls noch als Blu-ray und irgendein schlechter Mensch wollte noch einen drauf setzen und hat diesen Haufen gequirlten Hundekot auch noch als 3D-Blu-ray auf den Markt gebracht. High Strung hingegen gab es mal auf VHS. Und als Laser Disc. Falls ihr es immer noch nicht wisst: Es gibt keinen Gott.

In Deutschland ist High Strung damals, Mitte der Neunziger, kurz nach dem Krieg und unter dem Namen “Eine Nervensäge” überhaupt nur noch auf Video erschienen, weil Jim Carrey plötzlich eine große Nummer in Hollywood war. 1991, beim Dreh von High Strung, war er das noch nicht. Er wird im Film nicht einmal namentlich erwähnt, krönt aber dennoch dessen Cover. Als Zugpferd vor dem knarzenden Marketing-Karren mit drei platten Reifen von vieren. Unfair, denn Carreys alberne zehn Slapstick-Minuten in diesem Film sind nichts gegen das Feuerwerk schier endloser Dialoge voll leidenschaftlicher Meckerei, das Steve Oedekerk hier, meist im Alleingang und durch die vierte Wand, direkt zum Zuschauer gewandt, eine Stunde und dreißig Minuten abbrennt. Meisterhaft.

Ich. Hasse. Happy. Die. Muschel!

Und das funktioniert auch heute noch. Obwohl oder gerade weil Oedekerks Figur des Thane Furrows dabei die Klamotten zu tragen scheint, in denen Steve Jobs später einmal technische Revolutionen, wie etwa den iPod präsentieren wird. Und weil Thane Furrows so wunderbar explodieren kann. Beinahe im Minuten-Takt, wenn er mit Vertretern von Versicherungen oder seiner Verlegerin spricht. Wenn er über Werbung in der Post sinniert oder wenn das Gleichgewicht der Macht zwischen Milch und Cerealie droht aus den Fugen zu geraten. Dinge, über die wir auch meckern würden, es aber nicht wie so ein echter Furrow könnten.

Es ist eine Schande, wenn man sich anschaut, welcher Unfug jeden Monat auf’s neue einen Blu-ray-Release erfährt, während High Strung sein Dasein auf schimmelnden Magnetbändern fristet. Ich möchte das nicht. Aber ich kann auch nichts dagegen tun. Außer euch ans Herz zulegen, dass ihr irgendwie versuchen müsst, diesen Film zu sehen, wenn ihr es damals nicht getan habt. Weil ihr beim Anblick des Covers in der Videothek in den Neunzigern einmal Geschmack bewiesen habt, was in diesem Fall dummerweise ein Fehler war.