Hesher

Am 29. Januar 2011 unter film

In Super 8 zeigten J. J. Abrams und Steven Spielberg ihre Version von Dingen, die während der Trauerbewältigung eines heranwachsenden Teenagers geschehen können. Ein Sci-Fi Abenteuer, ein bisschen zum Träumen. Perfekte Spielberg- und alte Hollywood-Magie. In Spencer Sussers Hesher kann niemand mehr träumen. Weder Charaktere, noch der Zuschauer. Das kommt der Situation in der Realität, hat man ein Familienmitglied verloren, schon näher. Bloß, dass es in Hesher danach noch schlimmer kommt.

Die Methode von Hesher scheint klar definiert. Ein Fremder kommt in eine zerrüttete Familie, benimmt sich wie ein Arsch, nimmt Dinge auf seine Weise in die Hand und macht alles noch schlimmer. Hesher wirkt wie eine Anti-Amelie, vielleicht sogar ein gefallener Engel. Wahrscheinlich nix von all dem. Eher schon ein Visitor Q á la Takashi Miike. Er verändert das Leben der Familie nicht mit gut überlegten Plänen, sondern mit Chaos. Was auf Filmfiguren und Zuschauer oft anstrengend wirkt, bringt das Fass irgendwann zum Überlaufen und rettet die Situation erst kurz vor der absoluten Eskalation.

Heraus kommt Kino für Tapfere, die sich zutrauen, das Leid der Charaktere bis zum Ende zu ertragen. Schwer fiel mir das nicht. Denn die scheinbar kleine Produktion kann mit vielen Trümpfen aufwarten, die das Anschauen zu einem Genuss machen. Auch wenn zu keiner Zeit erwähnt wird, wann der Film spielt, sprechen Drehscheibentelefone, Autos und Brillen, so hässlich wie die Nacht, Bände. Im Zusammenspiel mit dem optisch teilweise schon bemitleidenswerten Zustand des überzeugenden Casts geht das alles stilistisch schon ein klein wenig in Richtung Gummo von Harmony Korine.

Da ist Joseph Gordon-Levitt als kiffender und saufender Metal-Head Hesher oftmals der Punkt, an den man sich klammert. Und auf ihn hereinfällt, wenn er kurz aufkeimende Hoffnung im nächsten Moment schon wieder mit dem Arsch einreißt. Oder der Gitarre. Oder seinem Schwanz. Absichtlich. All das arbeitet auf den vorzüglich gelungenen Höhepunkt kurz vor Filmende hin. Da werden bestimmt einige etwas dran zu meckern haben. Ist mir aber egal. Der Film hat bei mir zumindest genau ins Schwarze getroffen. Danke dafür!