Gunslugs

Am 21. Februar 2014 in spiel

Sorsum kennt ihr nicht. Sorsum war schön. Ehrlich gesagt, kenne ich Sorsum auch nicht richtig. Ich kenne dort nur ein einziges Haus. Das der Eltern eines Freundes. Ich habe viele schöne Erinnerungen an dieses Haus, denn dort haben wir, wenn sturmfrei war, mit dem Neo-Geo gezockt, Alkohol getrunken und Zeugs geraucht. Besonders toll war Metal-Slug auf dem Neo-Geo CDZ im Combat School Modus, wo wir uns um Highscores und Auszeichnungen duellierten.

Dann kam Metal Slug 2, Teil X und naja, dann wurde es mir irgendwann zu bunt. Metal Slug entwickelte sich zu einer Parade recycelter Grafikelemente. Eine traurige Geschichte, die leider noch nicht fertig geschrieben ist. SNK Playmore melkt die Metal Slug-Kuh weiterhin so hart, dass deren leuchtender Euter eigentlich längst die PETA auf den Plan hätte rufen müssen. Erstaunlicherweise finden sie immer noch Plattformen, auf denen es irgendeinen Teil von Metal Slug vorher noch nicht gab. Respekt.

Jetzt gibt es Gunslugs für die Playstation Vita und ist erstmals nach iOS und Android in einer für mich ernstzunehmenden Liga angekommen. Und es sieht aus wie ein Metal Slug Demake. Vom Absprung am Anfang eines Level via Fallschirm bis hin zum benutzbaren (wenn auch oft sinnlosen) Panzer, weckt dieses Spiel stetig Erinnerungen an den alten Titel der Ex-Irem Entwickler.

Und das alles in wunderschön einfacher Pixel-Grafik mit einem ganz wunderbaren Chiptune Soundtrack. Es soll ja Leute geben, die das als Trend abtun und darüber meckern, dass das jetzt jeder macht. Blödsinn. Pixel-Grafik ist eine Kunst, die niemals ausstirbt und das ist auch gut so. Und als Pixel-Schieber kann ich sagen, dass es, in manchen Fällen, auch noch vieles sehr viel einfacher macht. Dieser Punkt soll nicht verschwiegen werden. Und das spiegelt sich dann eben auch im Endpreis eines Produkts wieder.

Gunslugs bekomme ich im Playstation Store hinterher geworfen. Beinahe hätte mir Sony da noch was draufgelegt. Deswegen solltet ihr dieses Spiel auch einfach blind kaufen. Dafür bekommt ihr eine tolle Highscore-Jagd und viele Ideen, die über das Originalkonzept des Run’n’Guns hinausgehen. Zum Beispiel die vielen, an Videospiel-Klassiker angelehnten, bockschweren Minispiele, die es in Gebäuden zu entdecken gibt und für die ich immer ganz klassisch ein paar Goldmünzen dabei haben muss.

Gunslugs fordert, denn ich habe von Haus aus lediglich ein Leben und sogar für die Standard-Bewaffnung ist irgendwann die Munition alle. Designfehler ahoi. Dafür gibt es neue Spielfiguren, die ich auf dem Schlachtfeld befreien und so freispielen kann. Die fangen dann jeweils in dem Level an, wo ich sie aufgespürt habe. Eine klassische Level-Auswahl gibt es also nicht. Perfekt, um sich mal eben die Vita zu schnappen, ein paar Minuten zu spielen, ausgiebig zu fluchen und die Vita dann wieder wegzuschmeißen wegzulegen.

Und natürlich kann ich am Ende meine Punktzahl mit der meiner Freunde vergleichen. Dann kommt es wieder auf, dieses kleine bisschen Combat School-Gefühl. Als säße ich in Sorsum auf dem alten Ledersofa. Hach.