Grand Budapest Hotel

Am 4. März 2014 in film oberlippenbarthouse

Ich kenne Wes Andersons Gemächt nicht, aber er muss Eier so groß wie Trecker-Reifen haben. Wie sonst traut man sich, dem Stammpublikum 2014 noch einen Film vorzusetzen, der zu 90 Prozent im 4:3 Format gedreht wurde? Neunzig Prozent! Das sind die Retrospektiven, die den Film ausmachen. Die Geschichte des Grand Budapest Hotels im fiktiven Staat Sudentenwaltz, nahe der Hauptstadt Lutz. Anderson scheint seine Freude in Babelsberg gehabt zu haben. Das merkt man dem Film und dem Ensemble an.

Im Schatten der Hipster, Reichen und Schönen, die keine zwölf Stunden vor meinem Kinobesuch noch über den roten Teppich der Oscar-Party im Penthouse stolzierten, wirkt Grand Budapest Hotel wie eine WG-Bottleparty im dritten Stock. Mit deutlich mehr Spaß. Gefühlt 20 Schauspieler mit Rang, Namen und oft auch Wes Anderson-Referenz gönnen sich im Film ein Stelldichein und sogar der ein oder andere lokal ansässige Schauspieler darf dabei mitmachen.

Florian Lukas mit gespitztem Schnurrbart neben Harvey Keitel. Macht sich sicher gut in der Vita!

Es ist immer schön zu sehen, dass Wes Anderson niemand ist, der seine Hauptdarsteller dermaßen abnudelt wie es Tim Burton mit Herrn Depp tut. Warum auch? Es gibt soviele Nebenrollen, die damit besetzt werden können. Auf diese Weise sind die bekannten und geliebten Gesichter des Anderson-Kinos alle dabei (Adrien Brody, Bill Murray, Owen Wilson, Tilda Swinton, Jason Schwartzman, Edward Norton) und Ralph “He-who-must-not-be-named” Fiennes darf für seine Premiere den steifen Hotelmanager mimen. Eine Paraderolle.

Das Design des Films, von der Törtchen-Schachtel bis zu den obligatorischen, symmetrisch ausgerichteten Bauten in der Totale, ist bis ins Detail ausgearbeitet und geizt nicht mit Skurrilität. Was würde ich dafür geben, einmal das Gesicht von Wes Anderson zu sehen, wenn eine Szene wie die Ski-Abfahrt im Kasten ist und gemeinsam angeschaut wird. Wahrscheinlich ähnelt es dem meiner Tochter, wenn die plötzlich vor einem zwei Meter großen Plüsch-Einhorn stehen würde.

Ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass ich dankbar dafür bin, dieses handwerkliche Kino erleben zu dürfen. Und dass ich zu der Fraktion gehöre, die etwas damit anfangen kann. Das macht Kino um so vieles liebenswerter.